Der Dreissigjährige Kieg - Gegen Land und Leute - Inhaltsverzeichnis Derselbe in Schlagzeilen Randbemerkungen im Theatrum Euopaeum AD FONTES
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WESTFÄLISCHER FRIEDEN - TEXT

Auch Frieden zu Münster und Osnabrück

Ausszüge, Theatrum Europaeum Band 5


Kopie des Friedensschlusses zwischen der Römisch Kaiserlichen, auch Königlich Schwedischen Majestät
S.658 Sp.2 u - ebd. u „Krieg erwachsen

*
Des Heiligen Römischen Reichs Zustand
Im Namen der Hochheiligen unzerteilten Dreifaltigkeit, Amen.
Zu wissen sei allen und jedem, welchem daran gelegen ist oder in einiger Weise sein mag: Demnach die im Heiligen Römischen Reich von vielen Jahren hero entstandene Unruhe und innerliche Kriege so weit eingerissen, dass sich nicht allein ganz Deutschland, sondern auch etliche angrenzende Königreiche, besonders aber Schweden und Frankreich, dermaßen eingeflochten, dass dannenhero ein langwieriger und heftiger Krieg erwachsen.

* S.659 Sp.1 m/u - ebd. u „ernannt worden"
* Friedensgedanken
Dahero eine große Vergießung von Christenblut mit vieler Provinzen und Länder Erödung erfolgt ist, dass endlich vermittels göttlicher Gnade es dahin gelangt, dass von einem allgemeinen Frieden Gedanken geschöpft und zu dem Ende, mit Beliebung beider Parteien, zu Hamburg am 25. neues oder 15. altes Dezembris im Jahr 1643 wegen der Bevollmächtigten Zusammenkunft in Osnabrück und Münster in Westfalen ein Tag angesetzt und ernannt worden.


* S.659 Sp. 2 m - S.661 Sp.1 o „Weise widersetze"
I.
* Eine christliche allgemeine Freundschaft
Dass eine christliche, allgemeine, immerwährende, wahre und aufrichtige Freundschaft zwischen der Römischen Kaiserlichen Majestät, dem Haus Österreich und allen deroselben Bundes- und Angewandten (-verwandten), auch jeden deren Erben und Nachfolger, insonderheit der Königlichen Majestät zu Hispanien, Kurfürsten und Ständen des Heiligen Römischen Reichs einesteils und der Königlichen Majestät und dem Reiche Schweden, auch aller dero Bundesangehörigen und jeden deren Erben und Nachfolger, besonders der Königlichen Majestät in Frankreich und respektive Kurfürsten und Ständen des Heiligen Römischen Reichs andernteils aufgerichtet, auch einmütig und mit Eifer erhalten werden solle, dass jeder Teil des Andern Nutzen, Ehre und Frommen befördern und allerseits das ganze Römische Reich mit dem Reiche Schweden, und ingleichem das Reich Schweden mit dem Heiligen Römischen Reich treuliche Nachbarschaft pflegen und geruhliche, sichere Friedens- und Freundschaftsbezeigungen herfür blühen mögen.

II.
* Aufhebung aller Feindschaft
Es solle alles dessen beiderseits, was von Anfang dieser Kriegsempörungen, es sei an Orten und auf welche Weise, wie es wolle, eines und andern Teils feindlich vorgegangen, gänzlich und zu ewigen Zeiten nimmer gedacht werden. Also dass weder deren, oder einiger andern (Also dass weder diese noch irgendein anderer) Ursache oder Vorwand haben (habe), einem oder anderm Teil was Feindliches, Widerwärtiges oder Verhinderliches, sowohl betreffend die Personen als auch Städte, Güter und Versicherung, entweder durch sich selbst oder durch andere, heimlich oder öffentlich, auf welche Weise oder Weg, unterm Schein von Recht oder Gewalt, im Heiligen Römischen Reich oder außerhalb irgendwo, (ungeachtet anderer vorher aufgerichteter entgegenlaufender Verträge) zuzufügen, oder dass es von jemand anderm geschehe, zu gestatten, sondern alle und jeder, sowohl außer als inner Kriegs, mit Worten, Schriften und Werken vorgegangene Injurien, Gewalttaten, Feindseligkeiten, Schäden, Unkosten, außer einiger Personen und der Sachen Respekt, tot und ab seien, dergestalt dass alles, was ein Teil gegen den andern suchen möchte, hierunter mit ewiger Vergessenheit begraben sein solle.

III.
* Allgemeine Restitution
Neben dieser allgemeinen und durchgehenden Amnestie als dem Fundament sollen alle und jeder des Heiligen Römischen Reichs Kurfürsten, Stände (die unmittelbare Ritterschaft des Heiligen Römischen Reichs mit inbegriffen) und deren Lehnsleute, Untertanen, Bürger und Einwohner, welchen bei Veranlassung der böhmischen oder deutschen Unruhe oder daher entstandenen Bündnissen von einem oder anderm Teil einigen Nachteil oder Schaden, es sei auf welche Weise und Schein es wolle, zugezogen worden, sowohl Land- und Lehngüter wie auch Afterlehen und eigentümliche (oder: Eigentümer?), als Ehre, Freiheit, Recht und Gerechtigkeit betreffend, ganz und zumal in geistlichen und weltlichen Sachen, in demjenigen Stand beiderseits restituiert und wiedereingesetzt sein, in dem sie (die GEschädigten) sich vorher befunden oder von Rechts wegen befinden mögen, unbehindert den inzwischen entstandenen und entgegen laufenden Veränderungen.
(...)

IV.
Ob nun zwar aus dieser vorhergehenden gemeinen Regel leichtlich zu urteilen, welchergestalt sie teils zu restituieren seien, so ist jedoch auf Etlicher Anhalten von wichtigen Sachen, als folgt, für gut angesehen worden, deren in specie Meldung zu tun. Jedoch dergestalt, dass diejenigen, die etwa diesfalls nicht benambset (genannt) und ausgelassen wurden, darum nicht übergangen noch für ausgeschlossen zu halten seien.
* Pfälzische Sache
Vor allen aber ist die pfälzische Sache bei diesem Tag zu Münster und Osnabrück, auch der hierüber so lang gewährte Streit, folgendergestalt erörtert worden.
* Kurbayern
Und zwar fürs Erste (als Erstes), betreffend das Haus Bayern, soll die Kurfürstliche Dignität, welche hierbevor Kurpfalz geführt, mit allen Regalien, Hoheiten, Würden, Vorsitz, Recht und Gerechtigkeiten, soviel dieser Dignität angehörig, nichts ausgenommen, wie auch die ganze Oberpfalz, samt der Grafschaft Cham mit allen derselben Zugehörungen, Regalien und Gerechtigkeiten, wie bis dahero also auch künftig verbleiben bei Herrn Maximiliano, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern und dessen Erben wilhelminischer Linie, solang aus deroselben Mannesstamm jemand vorhanden sein wird.
Dahingegen wird der Herr Kurfürst in Bayern für sich, seine Erben und Nachkommen sich gänzlich verzeihen der 13 Millionen, und allem (allen) Anspruch an Oberösterreich, auch sobald nach publiziertem Frieden, alle dessentwegen erhaltenen Instrumenta der Römischen Kaiserlichen Majestät, um solche zu kassieren und aufzuheben, aushändigen.
* Kurpfalz
Soviel das Haus Pfalz betrifft, so tut die Kaiserliche Majestät samt dem Römischen Reich gemeiner Beruhigung halber zulassen, dass kraft dieses Vergleichs die achte Kurstelle stattfinde, welcher Herr Carolus Ludovicus, Pfalzgraf bei Rhein, dessen Erben und Angewandte (Anverwandte) der ganzen rudolphischen Linie nach der Sukzessionsordnung, die in der güldenen Bulle begriffen, hinfort genieße. Jedoch soll nichts außer der Mitbelehnung Herrn Carolo Ludovico oder dessen Nachfolgern zukommen an dem allem, was mit der Kurdignität dem Herrn Kurfürsten in Bayern und der ganzen wilhelminischen Linie zugeeignet worden.
Zum andern soll die ganze Unterpfalz samt allen geistlichen und weltlichen Gütern, Rechten und Zugehörungen, welche vor der böhmischen Unruhe die Herren Kurfürsten und Pfalzgrafen bei Rhein in Besitz gehabt, samt allen Dokumenten, Briefen, Registern und sonst dazugehörigen Akten, demselben vollkömmlich eingeräumt, hingegen alles, was diesem entgegen, aus kaiserlicher Autorität kassiert und abgetan werden. Damit also weder der König in Hispanien noch jemand anders, der etwas davon hat, dieser Einräumung sich einigerlei Weise widersetze.

* S.665 Sp. 2 o - S.666 Sp.1 o „ebenmäßige Zahl"
V.
* Der Krieg mehrenteils aus widerwärtiger Religion entstanden
Nachdem aber zu gegenwärtigem Krieg mehrenteils die Gravamina, welche sich zwischen beiderlei Religion Kurfürsten und Ständen des Heiligen Römischen Reichs enthalten, Ursache und Anlaß gegeben, so ist deretwillen, als folgt, verglichen und transigiert worden.
* Bestätigung des Passauischen Vertrags und Religionsfriedens
1. Der Vertrag, der im Jahr 1552 zu Passau gemacht, und der darauf im Jahr 1555 gefolgte Religionsfrieden, gestalt solche (die beide) im Jahr 1566 zu Augsburg und nachgehend auf unterschiedlichen allgemeinen Reichstagen bestätigt worden, sollen in allen ihren mit der Römisch Kaiserlichen Majestät Kurfürsten und Ständen beider Religionen einhellig verwilligten, gemachten und geschlossenen Artikeln beständig verbleiben, (und) auch aufrichtig und unverändert gehalten werden. Was aber über etlichen darin enthaltenen strittigen Punkten bei diesem Vergleich mit allgemeiner (Beliebung) der Parteien Beliebung geschlichtet, solches soll hinfort als eine immergeltende (Erläuterung) des besagten Friedens Erläuterung, sowohl gerichtlich als sonst, gelten und observiert werden, bis dass man durch Gottes Gnade sich in der Religion vergleiche, unerachtet eines oder andern, inner- oder außerhalb des Reichs, Geistlichen oder Weltlichen, zu welcher Zeit es geschehen möge, eingestreuter Kontradiktion oder Protestation, welche alle kraft dieses ungültig und nichtig erkannt werden. In allem andern aber zwischen beider Religionen Kurfürsten und Ständen, allen und jeden, soll eine richtige, durchgehende, reziproke Gleichheit, soviel die Form der Republik, die Gesetze des Heiligen Römischen Reichs und gegenwärtigen Konvent betrifft, also und dergestalt gehalten werden, dass, was einem Teil recht und billig ist, dem andern ebenmäßig recht sei. Und hinfort alle Gewalttaten wie sonst, also auch in diesem Fall zwischen beiden Teilen zu allen Zeiten verboten bleiben.
* Von welcher Zeit an die Restitution geschehen soll
2. Die Zeit, von welcher an zu rechnen die Restitution oder Wiedereinnehmung in geistlichen (Sachen) geschehen soll und welche ab deren Veranlassung in weltlichen Sachen verändert worden, soll sein der 1. Januar des Jahres 1624. Soll deshalb Restitution geschehen allen Kurfürsten und Ständen beider Religionen, die freie Reichsritterschaft als auch Gemeinden und Immediat-Dorfschaften pur und völlig mit eingeschlossen, neben Aufhebung und Kassierung aller in solchen Sachen ergangenen, publizierten und gefällten Urteile, Dekrete, Verträge, Bedingungen und Exekutionen, dergestalt dass die Reduktion oder das Absehen nach besagtem Tag obgemeldeten Jahres gerichtet werde.
Die Städte Augsburg, Dünkelspiel, Biberach und Ravensburg sollen beibehalten ihre Güter, Gerechtigkeiten und Übungen der Religion, die am besagten Jahr und Tag im Schwange gegangen. Aber wegen der Ratsstellen und öffentlichen Ämter sei unter beiden Religionsverwandten Gleichheit und ebenmäßige Zahl.

* S.667 Sp.1 o - Sp.2 o/m „prätendieren möchte"
noch Punkt V.2
* Donauwörth
Die Stadt Donauwörth betreffend, sofern in nächstkünftigem allgemeinem Reichstag selbige in vorige Freiheiten wieder zu setzen von des Heiligen Römischen Reichs Ständen sollte gut befunden werden, soll gleichen Rechts in geistlichen und weltlichen (Sachen) sich bedienen, welches andere des Heiligen Römischen Reichs Stände kraft gegenwärtigen Vertrags genießen, jedoch ohne Nachteil deren Rechten, welche bei dieser Stadt interessiert seien.
Der Termin des Jahres 1624 soll denen keinen Nachteil gebären, welche kraft der Amnestie oder sonst restituiert werden sollen.
* Unmittelbare geistliche Güter
3. Anlangend die unmittelbaren geistlichen Güter, sie seien gleich Erzbistümer, Bistümer, Prälaturen, Abteien, Baleien, Probsteien, Kommentureien oder befreite weltliche Stiftungen und sonst, sollen samt den Einkünften, Pensionen und andern, welchen Namen sie auch haben mögen, in Städten oder auf dem Land, welche die katholischen oder augsburgischen konfessionsverwandten Stände den 1. Januar Anno 1624 in Posseß gehabt, alle und jede, nichts ausgenommen, derjenigen (denjenigen) Religionsverwandten, welche zu besagter Zeit in derselben wirklicher Possession gewesen, bis dass über dem Religionsstreit durch göttlichen Beistand ein Vergleich getroffen werde, ruhig und unmolestiert verbleiben. Und soll keinem Teil zugelassen sein, dem andern entweder inner- oder außerhalb Gerichts Ungelegenheiten zu verursachen, viel weniger einige Unruhe und Verhinderung zu kausieren. Sollte aber (davor Gott behüte) wegen des Religionsstreits einige gütliche Komposition nicht zu erwarten sein, soll nichtsdestominder gegenwärtige Vergleichung immerwährend und dieser Friede allezeit beständig bleiben.
* Wie es zu halten, wenn ein Erzbischof die Religion ändert
Wenn nun ein katholischer Erzbischof, Bischof, Prälat oder auch ein anderer Geistlicher erwählt oder postuliert, allein oder samt den Kapitularen, entweder absonderlich oder sämtlich, hinfort die Religion zu ändern, dieselben sollen alsbald ihres Rechts, jedoch ihrer Ehre und Leumund unverletzt, entsetzt sein, daneben Einkünfte und Renten ungesäumt und außer Einrede (ohne Widerrede) erstatten. Und soll dem Kapitel, oder dem, dem solches von Rechts wegen zusteht, bevorstehen, eine andere Person der Religion, welcher das Benefizium kraft dieser Transaktion gebührt, anlangend (?), zu erwählen und zu postulieren, jedoch mit Überlassung dem abziehenden Erzbischof, Bischof, Prälaten, rc. der bisher genossenen und verzehrten Einkünfte und Renten. Da (Wenn) nun einige katholische oder augsburgischer Konfession zugetane Stände von dero Erzbistümern, Bistümern, Benefizien und Präbenden, die („, die" weg) unmittelbar vom 1. Januar an des Jahres 1624 inner- oder außergerichtlich entsetzt oder auf einigerlei Weise vertrieben worden, so sollen sie kraft dieses alsbald, sowohl in geistlichen als weltlichen, mit Abschaffung aller Neuerung wiedereingesetzt werden. Jedoch solchergestalt, dass alle unmittelbaren geistlichen Güter, die am 1. Januar im Jahr 1624 von einem katholischen Prälaten regiert worden, wiederum ein katholisches Haupt überkommen, und hingegen so an besagtem Jahr und Tag Augsburgischer Konfessions Verwandte ein Haupt gehabt, (und hingegen die, welche an besagtem Jahr und Tag ein der augsburgischen Konfession verwandtes Haupt gehabt,) auch solches forthin behalten, jedoch mit Erlassung der inzwischen genossenen Früchte, Schäden und Unkosten, die ein Teil gegen den andern prätendieren möchte.

* S.671 Sp.1 u - S.672 Sp.1 o „zugezogen werden"
V.13
(...)
* Freies Gewissen der Untertanen beider Religionen
Es ist auch beliebt worden, dass diejenigen der katholischen Untertanen, die der augsburgischen Konfession zugetan, wie auch die Katholischen der augsburgischen Religionsverwandten Untertanen, die Anno 1624 das öffentliche oder private Exerzitium ihrer Religion zu keiner Zeit des Jahres gehabt, ingleichem auch die, welche nach Publikation des Friedens für künftige Zeit eine andere Religion als des Landesherrn führen und üben, sollen geduldet werden und mit freiem Gewissen in ihren Häusern, ohne Inquisition oder Turbierung, privat ihrer Devotion abwarten, (. Auch) in der Nachbarschaft aber, (mögen sie,) so oft und welchenorts es ihnen beliebig, dem öffentlichen Religionsexerzitium beiwohnen oder ihre Kinder ihrer Religion zugetanen fremden Schulen oder zu Haus privatis Praeceptoribus in die Unterweisung ohne Verhinderung dargeben mögen. Sondern vielmehr (Jedoch/Allerdings), dergleichen Landsassen, Vasallen und Untertanen sollen im übrigen ihr Amt mit gebührender Subjektion und Gehorsam verrichten und zu keinen Verwirrungen Ursache geben. Es seien aber gleich katholischer oder augsburgischer Konfession die Untertanen, sollen sie nirgends wegen der Religion verachtet, auch nicht aus der Kaufleute, Handwerker oder Zünfte Gemeinschaft, Erbschaften, Legaten, Hospitalien, Sondersiechen, Almosen, auch andern Gerechtigkeiten oder Handlungen, viel weniger aus öffentlichen Kirchhöfen und ehrlichen Begräbnissen ausgeschlossen, oder dergestalt ichtwas für Begräbniskosten an die noch Lebenden, außer was derselben Pfarrkirchen Gerechtigkeit in dergleichen Fällen mit sich bringt, gefordert werden. Sondern in diesen und dergleichen sollen sie mit den Nebenbürgern einigerlei (gleiches) Recht, Schutz und Gleichheit genießen.
Wenn aber ein Untertan, der weder öffentlich noch privat seiner Religion Exerzitium Anno 1624 gehabt, oder auch, der nach publiziertem Frieden die Religion ändern wird, von selbst abziehen will oder von dem Landesherrn solches zu tun befehligt wäre, dem soll freistehen, entweder bei behaltenen oder veräußerten Gütern abzuziehen, das Behaltene durch die Diener zu verwalten und, so oft es die Sache erfordert, sein Gut zu besichtigen, Rechtfertigungen zu vollführen oder Schulden einzutreiben, frei und ohne Geleitsbriefe sich dahin zu verfügen.
Es ist aber verglichen, dass von den Landesherren denjenigen Untertanen, die weder öffentlich noch privat ihr Religionsexerzitium besagtes Jahr gehabt und demnach zur Zeit gegenwärtiger Friedenspublikation in eines oder des andern unmittelbaren Religionsständen Landen wohnhaft, welchen auch die zuzurechnen sind, die wegen Vermeidung von Kriegsbedrängnis anderswohin, nicht aber der Meinung, gänzlich abzuziehen, sich begeben haben, und nach gemachtem Frieden wieder heimzukehren vorhaben, nicht geringer als unter fünf Jahren, denen aber, die nach publiziertem Frieden die Religion änderten, nicht unter drei Jahren, es sei denn, dass sie eine geraumere und längere Zeit erlangen möchten, der Termin (zum Abzug) angesetzt werden soll. Dergestalt entweder von selbst oder aus Zwang Abziehenden soll keineswegs ihrer Geburt, Herkommen, Entledigung, Handwerks und ehrlichen Wandels Zeugnis verweigert, oder dieselben mit ungewöhnlichen Reversen hochgespanntem Abzug des zehenden (zehnten/Ziehenden ?) Pfennigs über die Gebühr belegt, vielweniger denen, die von selbst abziehen, einige Dienstbarkeit oder unter anderm Schein Verhinderungen zugezogen werden.

* S.675 Sp.2 m - S.676 Sp. 1 u „geduldet werden"
VII.
* Was Rechtens die katholischen und augsburgischen Religionsverwandten haben, das soll auch den Reformierten zustehen
Es ist auch von der Römisch Kaiserlichen Majestät und sämtlichen Reichsständen einmütig placidiert worden, das alles, was an Rechten oder Wohltaten, sowohl alle Reichskonstitutionen als Religionsfriede, dieser gemeine Vertrag und in solchem die Hinlegung der Gravaminum allen katholischen und der augsburgischen Konfession verwandten Ständen und Untertanen zueignen, solches auch denjenigen, welche die Reformierten genannt werden, zustehen solle. Jedoch allezeit mit Vorbehalt der Stände, die man Protestierende nennt, sowohl unter sich als mit ihren Untertanen getroffenen Vergleichs, habenden Privilegien, Reversen und andere, in welchem von der Religion und deren Exerzitio, auch dannenhero entstehenden Zufällen, eines und andern Ortes Landständen und Untertanen, bishero Vorsehung geschehen ist, wie auch eines jeden Gewissens Freiheit. Sintemaln aber die Religionsstrittigkeiten, welche unter besagten Protestierenden im Schwange gehen, bis daher nicht verglichen, sondern auf fernere Vergleichung vorbehalten worden. Dannenhero sie in zwei Teile treten. Derhalben ist de jure reformandi zwischen beiden dieser Vergleich geschehen, dass, wenn ein Fürst oder Landesherr oder eines Stifts Patron künftig zu des andern Teils Religion treten (tritt), oder ein Fürstentum oder eine Landschaft, wo des andern Teils Religions-Exerzitium gegenwärtig getrieben wird, entweder jure Successionis oder kraft gegenwärtiger Friedenshandlung oder einem andern Titel, überkommen oder wiedererlangen würden (würde), dass sie (er) zwar(dennoch) selbst ihrer (seiner) Konfession Hofprediger, außer (ohne) der Untertanen Beschwerung und Nachteil, bei sich oder in ihrer (seiner) Residenz gehaben mögen (möge). Hingegen sei aber nicht zugelassen, das öffentliche Religions-Exerzitium, Gesetze und derorten übliche christliche Verordnungen zu ändern oder die Kirchen und Hospitalia oder dahin gehörige Reditus, Pensionen oder Stipendien den Vorigen zu entziehen und den ihrigen Religionsverwandten zuzuwenden. Oder unter dem Vorwand Juris territorialis, Episcopalis, patronatus oder einem andern Praetext den Untertanen einer andern Religions-Diener aufzudringen oder einige andere Verhinderung oder Nachteil, direkt oder indirekt, eines andern Religion zuzufügen. Und damit dieser Vergleich desto fester gehalten werde, so soll zugelassen sein, in gegenwärtigem Änderungsfall den Gemeinden zu präsentieren oder die das Jus praesentandi nicht haben, namhaft zu machen, qualifizierte Schul- und Kirchendiener von des Orts öffentlichem Consistorio und Ministerio, so sie mit den präsentierenden Gemeinden einerlei Religion sind, oder in Ermangelung dieses an dem Ort, an welchem die Gemeinden erwählen werden, zu examinieren, zu ordinieren und hernach von dem Fürsten oder Landesherrn ohne Verweigerung zu bestätigen.
Wenn aber eine Gemeinde auf dem begebenden Änderungsfall seines Herrn Religion annehmen und begehren würde, auf seinen Kosten das Exerzitium, welchem der Fürst oder Herr zugetan, zu halten, so solle ihr solches frei und bevor stehen, jedoch ohne der Übrigen Nachteil, und solches Nachsehen solle Ihr von den Successoren nicht wieder genommen werden. Aber die Consistoriales, Kirchen-Visitatores, Professores in Schulen und Universitäten, in der Theologie und Philosophie, sollen einerlei Religion zugetan sein, welche dieser Zeit an jedem Ort öffentlich im Schwange geht. Gleichwie aber obanerwähntes alles von künftigen Änderungen zu verstehen ist, als soll es der Fürsten von Anhalt und dergleichen Gerechtigkeiten, welche ihnen zuständig, nicht nachteilig fallen. Es soll aber außer obbenannten Religionen keine fernere im Heiligen Römischen Reich angenommen oder geduldet werden.

* S.677 Sp. 2 o - ebd. u „genießen"
X.
* Der Krone Schweden Satisfikation
Ferners, dieweil die Durchläuchtigste Königin in Schweden begehrt hat, dass ihr gegen die in diesem Kriege eroberten Plätze Abtretung ein Genügen geschehen und zur Wiederbringung des gemeinen Friedens gebührlich begegnet werde, so haben die Römisch Kaiserliche Majestät mit Einwilligung der Kurfürsten und Stände des Reichs, besonders deren, die daran vornehmlich interessiert sind, kraft dieser Transaktion besagter Königlichen Majestät in Schweden und Ihren künftigen Erben und Nachfolgern, Königen und dem Reiche Schweden nachfolgende Landschaften mit allen ihren Rechten zu einem immerwährenden und unmittelbaren Reichslehen übergeben.
* Vorpommern und die Insel Rügen
Fürs Erste das ganze Vorpommern samt der Insel Rügen mit dero Bezirk, wie solches die letzten Herzöge in Pommern gehabt. Nächst diesem Hinterpommern, Stettin, Gartz, Dam, Golnaw und die Insel Wollin, samt darein laufenden Oderstrom und Meer, allgemein der frische Haff genannt, neben seinen drei Ausflüssen, Pein, Schwin und Dievenaw, samt auch beiderseits angrenzendem Land, von Anfang des königlichen Gebiets bis an das Baltische Meer, unter der Breite des orientalischen Gestades oder Ufers, von welcher zwischen den königlichen und kurfürstlichen Kommissarien, betreffend die Unterscheidung der Grenzen und anderer geringerer Sachen, in der Güte Vergleichung vorgehen solle.
Dieses Herzogtum Pommern und Fürstentum Rügen, neben deren Landschaften und angehörigen Orten, auch allen und jeden dazugehörigen Gebieten, Ämtern, Städten, Kastellen, Städtlein, Flecken, Dörfern, Untertanen, Lehen, Wassern, Inseln, Seen, Ufern, Häfen, Schifflanden, alten Zöllen und Renten und allen andern geistlichen und weltlichen Gütern, wie auch titulatur, Dignitäten, Vorzügen und Freiheiten samt allen und jeden geistlichen und weltlichen Rechten und Privilegien, welche die alten pommerischen Herzöge gehabt, bewohnt und regiert, soll die Königliche Majestät und das Reich Schweden von diesem Tag an zu ewigen Zeiten als ein Erblehen haben, besitzen und dessen frei gebrauchen und unverletzlich genießen.

* S.687 Sp.2 o - S.688 Sp. 1 o „Glauben entrichten"
XVI.
(...)
* Gefangene sollen losgelassen werden
Nächst diesem sollen alle und jede, welche wieder einzusetzen seien, beiderseits Gefangene ohne Unterschied, sie haben ein feindliches oder friedliches Gemüt geführt, auf die Weise, wie zwischen der Armeen Generalspersonen mit der Römisch Kaiserlichen Majestät Bewilligung Vergleichung geschehen oder noch geschehen wird, auf freien Fuß gestellt werden.
* Zur Kontentierung der schwedischen Soldateska sollen die sieben Kreise tribuieren
* 5 Millionen Reichstaler auf 3 Ziele
Endlich, wegen Abdankung der schwedischen Soldateska, sollen alle und jede Kurfürsten und übrigen Stände, die freie und unmittelbare Reichsritterschaft mit eingeschlossen, jedoch vorbehaltlich derjenigen bisher in dergleichen Fällen üblichen Erforderungen, Libertät und künftigen Exemption der sieben nachfolgenden Kreise des Römischen Reichs, als des kurfürstlich rheinischen, obersächsischen, fränkischen, schwäbischen, oberrheinischen, westfälischen und niedersächsischen her- und beitragen fünf Millionen Reichstaler gang und giebiger Reichszahlung

, und solches auf drei Ziele.
* In dem Ersten 1 800 000 Reichstaler
Bei dem ersten Termin (da dann die Stände des kurrheinischen und oberrheinischen Kreises zu Frankfurt am Main, des obersächsischen zu Leipzig oder Braunschweig, des fränkischen zu Nürnberg, des schwäbischen zu Ulm, des westfälischen zu Bremen oder Münster, des niedersächsischen zu Hamburg, ein jeder sein Quotam zu konferieren) sollen erlegt werden 1 800 000 Reichstaler an barem Geld, zu welcher Summe fürderlichster Erlegung zu gelangen.
So mögen diejenigen, die vermög der Amnestie zu restituieren sind und nicht der jetzige derselben Besitzer, sondern der rechte Herr seine Untertanen, welchem sie, vermög der Amnestie, zu restituieren sind, sobald nach beschlossenem Frieden, auch ehe die Restitution vorgegangen, vermög deren Quote und Proportion kolligieren, und sollen bei Eintreibung solcher Kollekten die jetzigen Inhaber keine Verhinderung verursachen, und 1 200 000 durch Anweisungen an gewisse Stände, über welcher Zahlung auf leidliche Weise zu verfügen, von einem jeglichen Stand zwischen dem geschlossenen und ratifizierten Frieden, mit Anweisung eines Kriegsoffiziers auf gütliche und billige Wege sich zu vergleichen.
Nach welcher geschehenen Vergleichung wie auch der Ratifikationen Auswechselungen soll zugleich der 1 800 000 Reichstaler Auszahlung, der Soldaten Abdankung und der Orten Erledigung alsbald werkstellig gemacht, und keiner andern Ursache halben aufgeschoben werden.
* Kontribution und Drangsale sollen aufhören
Da dann sobald nach geschlossenem Frieden die Kontributionen und allerhand Drangsale allerdings aufhören sollen, jedoch vorbehaltlich der in Besatzung liegenden Soldaten und anderer Völker Unterhaltung, so (die) auf ein leidliches zu vergleichen, auch mit Vorbehalt der Stände, welche ihren Anteil erlegt oder mit den angewiesenen Offizieren derenthalber sich gütlich verglichen haben, und von deroselben Mit(?)Ständen wegen Schadens, der von verzogener Zahlung zugewachsen, wieder fordern mögen.
* Wann die anderen 2 Millionen zu entrichten
Die übrigen zwei Millionen, und zwar die erste sollen und wollen besagte sieben Kreisstände zu Ausgang des nächsten Jahres, nach geschehener Abdankung anzurechnen, die andere aber zum Ende des nächstfolgenden Jahres, beides an Reichstalern oder anderer im Römischen Reich gewöhnlicher Münze und Wert, an obbenannte Örter der Königlichen Majestät in Schweden bevollmächtigten deputierten Ministris, bei Treu und Glauben entrichten.

* S.691 Sp. 1 u
Dieses ist also verabhandelt worden zu Osnabrück in Westfalen, den 14./24. Tag des Monats Oktober im Jahr Christi ein tausend sechshundert acht und vierzigsten.