Schlacht, Dreißigjährigrerkrieg 30jähriger-Krieg Luetzen Gutsav-Adolf, Wallenstein, Waffen, Soeldner, Kanonen, Geschütze, Reiter

Die Schlacht bei Lützen im 30-jährigen Krieg
Gustav Adolf, König von Schweden, versus Albert Wallenstein, Feldherr und Militärunternehmer im Dienst Kaiser Ferdinands und der Katholischen Liga
Geschichte des 30jährigen Krieges HIER
30jähriger Krieg - Schlacht bei Lützen
König Gutsav Adolfs letzte Schlacht Stich: Merian fecit - Erich Plöger col.

Abelin benutzte für seine Schlachtdarstellung im Theatrum Europaeum eine schwedische Quelle: „In der Nacht zum 16. November haben beide Armeen in voller Schlachtordnung gegenüber gelegen. Der König ist Willens gewesen, die Friedländischen noch etliche Stunden vor Tag anzugreifen, aber der einfallende dicke Nebel hat es verhindert. Der Herzog von Friedland erkannte seinen Vorteil und ist am frühen Morgen des 16. November vollends auf Lützen zugegangen und hat die beiden Gräben am Weg tiefer machen lassen und Musketiere darin gelegt, so dass sie gleichsam eine Brustwehr daran gehabt. Der König ist ihm seitwärts nach der rechten Hand gefolgt und hat das große Geschütz in aller Eile nachbringen lassen. Als nun der Feind mit seinen Stücken, welche er nahe den Windmühlen bei Lützen aufgepflanzt, des Morgens zeitig auf die Kön. Schwedischen zu spielen angefangen, hat I. Kön. Maj. bei der ganzen Armee gute Ordnung und Vorkehrungen gemacht und sie Schlachtordnung aufgestellt."

Die Schlacht bei Lützen.(6./16 November 1632) Ein militärgeschichtliches Dokument im Theatrum Europaeum:

„Nachdem den ganzen Morgen mit dem Feind scharmütziert worden und Herzog Bernhard nunmehr die Stücke an bequeme Örter an dem Schölzinger Hölzlein, dem Feind gegenüber, gebracht, ist darauf nach etlichen wenigen Kanonenschüssen das Treffen mitten um 11 Uhr recht angegangen. Da dann zu beiden Seiten des Feindes Kavallerie sich präsentiert, bis so lang der General Friedländer das Fußvolk neben der Windmühlen (E) in Bataglie (B) gebracht hatte, da sie dann auf der Seite bei dem Floßgraben (K) wieder zurückgegangen und sich auf der rechten Hand bei dem Städtlein Lützen in voller Bataglie gestellt. Auch zugleich das Städtlein Lützen in Brand stecken lassen, damit an selbigem Ort der Schwedischen Einfall verhindert würde, welche nicht minder unverzagt in voller Bataglia auf der Seite des Städtleins und Floßgraben gerade zu avanciert und der kaiser. großen Armee in guter Ordnung (A) sich präsentiert. Darauf hat auch das schwedische Fußvolk auf den Feind angesetzt. Ob nun wohl derselbige ohne die 2 Gräben am Weg (D) mit den Musketieren sonst nicht geringe Vorteil innegehabt, dennoch von der schwedischen Brigada (12), alles Schweden, angefallen, aus den Gräben zurückgetrieben und der 7 Stücke, die bei den Gräben plantiert waren, also bald verlustig gemacht worden. Worauf auch die andere schwedische Brigada (13), die Guardie oder das gelbe Leibregiment genannt, gefolgt, welche schnell über den Graben und auf des Feindes Brigada (48), ungeachtet des Feinds jede Brigada wohl dreimal stärker und mächtiger als die der Schwedischen gewesen, mannlich getroffen, dieselbe ganz ruiniert und geschlagen, hernach auch auf die andere (49) mit gleicher Ruin und Trennung derselben gegangen und bis auf die dritte (50) gelangt. Weil sie aber von so langem Fechten ziemlich schwach geworden, auch die angefallene, des Feindes, Brigada von einer andern Brigada (51) und 2 Squadronen Reitern (52, 58) sekundiert worden, ist sie endlich nach scharfem Treffen mitsamt des Obristen Winckels Brigada (14), das blaue Regiment genannt, welche jene sekundieren wollen, zurückgetrieben, fast ganz ruiniert und die 7 kaiserischen Stücke wieder zu verlassen gezwungen worden. Inmittels aber hat man die schwedischen Stücke, die vor den Brigaden sonst gehalten, auf die Windmühlen, da des Feindes Stücke gepflanzt, mit denen sonst auf Herzog Bernhards von Weimar Brigada (15) dermaßen gespielt worden, dass dieselbe sich hinter des Müllers Häuslein (N) ein wenig nach der Länge zurück begeben müssen, zu richten vorgenommen, und nicht wenig Schaden beim Gegenteil damit verursacht. Ihre F. Gn. hat indessen mit den Squadronen Reitern (1, 3, 5, 7, 9, 11) (welche Squadronen aber gleichfalls ihr, des Feindes, an Macht wohl dreimal übertroffen) in dem rechten Flügel auf des Feindes linken Flügel (45, 46, 47) getroffen und denselben dermaßen angefallen, dass der Hinterhalt (59, 60, 61) also bald durch solche Furie geschreckt, durchgegangen und die Flucht gegeben. Nichtsdestoweniger aber haben sich zwei große Truppen Krabaten (44, 62) sogleich auch an des Feindes linken Flügel gehalten, und verstanden der Schweden rechten Flügel zu hinterschleichen, auch mit ihrer großen Furie und gewaltigem Geschrei so weit gekommen, dass sie die Pagagy und Munitionswagen (1) erlangt und dieselben, wie auch etliche Reiterei, in Konfusion gebracht. Weil nun eben damals wieder ein dicker Nebel eingefallen, hat der Feind (welcher sonst, da er es gewahr worden, an einem andern Ort auf die Schwedischen ansetzen und mehrere Unordnung machen mögen) solche Konfusion nicht sehen können. Auch ist besagte Reiterei von drei Squadronen Reitern (41, 42, 43) sekundiert worden, so die Krabaten mit ziemlichem Verlust wieder zurückgetrieben. Mittlerweile solches geschehen, hat auch Herzog Bernhard mit dem linken Flügel (16, 18, 20, 22, 24, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32) nicht gefeiert, sondern mit denselben und bei sich führenden (H) Regiment Stücklein und kommandierten Musketieren so zwischen der Kavallerie (17, 19, 23, 25) des Feindes rechten Flügel (53, 54, 55, 56, 57), welcher sich an die Windmühlen bei den Stücken (F) begeben, tapfer angegriffen, auch die obgemelte in Konfusion geratene Reiterei mit sonderlicher Dexterität und Geschwindigkeit wieder zusammengeordnet und gegen dem Feind angeführt. Auch durch seine Tapferkeit es dahin gebracht, dass mit Hilfe der Infanterie nicht allein die 7, sondern auch noch dazu die 14 Stücke bei den Windmühlen erobert, gegen den Feind gewendet, demselben dadurch nicht wenig Schaden getan und die meiste Armee getrennt und in die Flucht gebracht worden. Da dann auch wohl zu wissen, dass eben, da Herzog Bernhard angefallen, etliche Munitionswagen des Feindes (P) zwischen den Windmühlen und dem Galgen (O) unversehens mit Feuer angegangen und großen Schaden verursacht."
Schlacht bei Lützen - Mühlen
Schlacht bei Lützen - Lützen brennt
Schlacht Lützen - linke Seite
Schlacht Lützen - Reiter
30jähriger Krieg - Schlacht bei Lützen
Schlacht Lützen -Gutsav Adolf fällt
Schlacht bei Lützen - Meriam - Mitte
Schlacht Lützen - Pulverexplosion
DER AUSGANG DER SCHLACHT

Der Lesbarkeit wegen wieder leicht modernisiert. Theatrum:

„Nachdem der Graf von Pappenheim mit 8 Regimentern von Hall angekommen war, wurde es ernst. Die Flüchtigen haben sich wieder gesammelt, sind mit Hilfe der Pappenheimischen auf das Geschütz zugeeilt und brachten es wieder in ihre Gewalt. Die Schwedischen mussten sich nun zum zweiten Mal zurückziehen und dabei alle vorigen Vorteile dem Feind wieder überlassen... Gleichwohl aber haben sie sich wiederum erholt, den Feind mit viel größerem Ernst angegriffen, ihm alle Stücke und Munition wieder abgenommen, sich gegen ihn endlich behauptet und so lang gefochten, bis sie die finstere Nacht umgab. Als keiner mehr Feind oder Freund erkennen konnte, haben sich die Kaiserlichen retiriert und den Schwedischen das Feld gelassen, mit großem Verlust für beide Teile. Darauf hat Herzog Bernhard alles übrige Volk wieder zusammengebracht, dasselbe wegen seiner Standhaftigkeit und Tapferkeit gerühmt, von neuem in Ordnung gestellt und auf der Wallstatt also die ganze Nacht durchgehalten."

9.000 TOTE

„Die Anzahl derer, die bei dieser Hauptschlacht auf der Wallstatt geblieben, belief sich in 9.000 Mann. Darunter auf kaiserlicher Seite der Abt von Fulda, welcher dem Treffen zusehen wollen und der katholischen Liga General Graf von Pappenheim, der mit einer Drahtkugel in die Hüfte geschossen worden war und in dem Schloss zu Leipzig mit großen Schmerzen verschied, Obrist Lan, Obrist Westrum, Obrist Leutnant Breda, Obrist Leutnant Taxheim, Obrist Leutnant Lamper, Obrist Leutnant Cammershof, Obrist de Foves, Obrist Piccolomini, neben vielen andern hohen und niederen Offizieren. So wurden auch die meisten Offiziere und Soldaten beschädigt, also dass wenige waren, die nicht ein Denkmal davon brachten, von welchen dann hernach an ihren Wunden noch eine große Anzahl gestorben. Davon an kaiserlicher Seite die Vornehmsten gewesen Graf Berthold von Wallenstein, Obrist Comargo, der alte Obrist Breuner, Obrist Witzleben und andere. An schwedischer Seite ist auch General Major Ißler und Obrist Gerßdorf geblieben, und Graf Niclas hernach an seinen Wunden gestorben, Fürst Ernst von Anhalt, Graf von Thurn, Graf Schlick, Obrist Winckel, Herr von Felß, der auch in wenigen Tagen hernach zu Naumburg verstorben, und nicht wenige andere hohe Offiziere sind beschädigt und verwundet worden."
DER KÖNIG VERLÄSST SEINEN KRIEG

Ein Augenzeuge soll im Sterben die Einzelheiten des Ablebens von Gustav Adolf mitgeteilt haben. So jedenfalls will es die schwedische Überlieferung, die auch Abelin im Theatrum übernimmt:

Auf solches ist ferner der König den 16. November mit zweien seiner Sattelknechte von seinem Volk etwa einen Musketenschuss weit hinaus geritten, in Meinung, das Feld zu rekognoszieren... In dem Feld war ein dicker Nebel, so dass fast keiner den andern erkennen konnte. Ungeachtet dessen ritt der König mit seinen zwei Sattelknechten fort, unwissend, dass sein Feind so nahe wäre. Im dicksten Nebel stieß er auf einen Trupp kaiserlicher Reiter, welche ihn gefangen nehmen wollten, unwissend, dass es der König wäre. Er aber wehrt sich und löst beide Pistolen auf seine Feinde, ingleichem taten es auch die beiden Knechte. Als sich der König verschossen hatte, griff er nach dem Degen. Dabei wird er von etlichen Schüssen getroffen, so dass er vom Pferd sinkt. Den Degen noch in der Faust bleibt er aber im Bügel mit dem einen Fuß hängen. So hat das Pferd ihn ein gutes Stück Wegs geschleift, ehe er herauskam. Interim sind die Reiter neben ihm her und haben auf ihn gestochen und geschossen, also dass er 11 Schüsse und Stiche gehabt, darunter zwei Schüsse durch den Kopf, der eine durch die Schläfe, der andere durch den Nacken, die übrigen in den Leib. Unterdessen wurde der eine Sattelknecht vom Pferd geschossen und blieb für tot liegen... Der (andere) Knecht begehrte kein Quartier und ist mit etlichen Schüssen auch erlegt worden... Den König, der ein gutes Stück Wegs davon lag, zogen sie bis aufs Hemd aus, darauf der ganze Trupp fortritt, über des Königs Leichnam. Des Königs Pferd aber riss aus und kam zu der schwedischen Armee. Als es nun mit Blut bespritzt und beiden abgeschossenen Pistolen dem Herzog Bernhard von Weimar zugeführt wurde, erkannte dieser, was mit dem König geschehen war. Indessen hat sich der dicke Nebel verloren und Herzog Bernhard sah die friedländische Armee nächst dem Städtlein Lützen in voller Schlachtordnug halten. Er aber sprach seiner Armee zu, schloss seine Schlachtreihen, plantierte das Geschütz und avancierte auf seinen Feind in guter Ordnung, so dass da dann um 11 Uhr mittags das Treffen angegangen... Als nun die Nacht herbeikam und dem Treffen ein Ende machte, wich der Friedländer und brach ganz auf und ließ zwei Stücke stehen, die er in der Eile nicht fortbringen konnte. Als solches Herzog Bernhard vernahm, hat er ausgesandt, des Königs Leichnam zu suchen. Zuerst fanden sie den einen Sattelknecht noch lebend, der andere aber nächst bei ihm war tot. Der lebende Knecht wurde gefragt, wo der König sei. Der berichtete, wie er ihn fallen sah und dass ihn das Pferd geschleppt hätte. Darauf suchten sie weiter und fanden endlich des Königs Körper weit von diesen beiden. Er war ganz ausgezogen im Hemd und von Pferden zertreten und so verstellt, dass er kaum zu erkennen war. Also wurde er samt dem noch lebenden Knecht zu Herzog Bernhard gebracht, der erzählte nun alles, wie jetzt beschrieben ist, und lebte noch 3 Stunden."

SCHWEDISCHER NACHRUF

„Ein solches Ende hat er gehabt, der vortreffliche Held, König Gustavus Adolphus, dessen herrliche Gaben, Weisheit, Verstand und Tapferkeit, nicht allein von Freunden, sondern auch von seinen Feinden selbst gerühmt und hochgehalten wurden."

Das mit den ihn rühmnden Feinden stimmt insofern, als der weltliche und der klerikale Adel sich wie jedes gehobene Pack mal schlug, mal vertrug. Bauern und Bürger, die Hab, Gut, und Agehörgige durch seine Umtriebe verloren hatten, hielten ihn offensichtlich ihn für eine Ausgeburt des Teufels. In den betroffenen Teilen des Reichs wurde es zur Tradition, widerspenstigen Kindern zu drohen, wenn du nicht brav bist, kommt der Schwede.

Peter Milger, Geschichte des 30-jährigen Krieges Hauptseite