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Leichen gegessen - Geistliche mit Katze gefoltert Vincent, Lamentations of Germany
G. Lammert: Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges 1625 - 1635

30jähriger Krieg- Kranheiten, Seuchen, Pest, Hungersnot, allgemeines Elend, verursacht durch Feldzüge beider Lager (Ansteckung, Plünderungen, Kontributionen, Teuerungen, Brandschatzungen). Gottfried Lammert hat vorwiegend in lokalen Aufzeichnungen und Chroniken rercherchiert. Verlag: J.F.Bergmann, Wiesbaden, 1827. Auszüge.

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Jahr 1625
S. 67
In manchen Gegenden war große Teuerung, so galt in Eichstätt 1 Scheffel Weizen 55 fl., Roggen 50, Gerste 56 fl., eben so schwer litt Neuburg a.D.

S. 68
In Nassau kamen zu einer mageren Ernte drückende Einquartierungen und böse die verschiedenen Landesteil verheerende Seuchen. In Dillenburg folgte auf Hungertyphus und Ruhr die Pest. Furchtbar schwang „der schwarze Tod" seine Sichel schonungslos über die Stadt. Am 18. Dezember 1625 begann die Krankheit und dauerte bis zum 30. Oktober 1626; in 10 Monaten starben 378 Personen, ein Drittel der Bevölkerung. (...)
Auch in Frankfurrt a. M. kehrte die Seuche ein und verursachte größere Sterblichkeit. Die gewöhnliche Sterbeziffer mit 700 erhöhte sich auf 1871. Man öffnete daher das Pestilenzhaus. Dieser Krankheit erlagen in 3 Monaten 3 Stadtärzte. Der Frankfurter Arzt L. v. Hörnigk spricht in seiner Schrift „Würgengel" den Tadel aus, daß man bei dem Ausbruche der Pest die nötigen sanitären Vorkehrungen gegen die Verbreitung unterlassen habe.
Die Seuche suchte von Frankfurt bis Bamberg die am Maine gelegenen Orte heim. Zu Hörstein (bei Aschaffenburg) wütete 1625 die Pest dergestalt, daß ihr täglich 19, und in wenigen Wochen 400 Personen zum Opfer fielen. Es wurde deshalb das Fest zum hl. Bernhard gelobt. Auch in dem Spessart fand die Pest wieder Verbreitung.
S. 69
In Aschaffenburg hielt die Seuche noch an. - Eisenach (bei Obernburg) wurde so schwer entvölkert, daß sich sich nach 1625 kein Pfarrer mehr halten konnte. Auch Erlenbach bei Klingenberg suchte die Pest heim. Zu Wertheim a. M. wütete sie in den Jahren 1625, 1626 und 1629. Bei kälterer Witterung legte sich die Seuche, bei zunehmender Wärme erhob sie sich wieder.
S. 70
In Thüringen herrschte in diesem und dem folgenden Jahre die Bubonenpest neben dem Petechialtyphus. In Schmalkhalden gesellte sich zur Kriegslast im Juni die Pest, um bis Ende August allda zu verweilen. - In Eisenach starben in diesem Jahre 315 Personen neben 232 Geburten, im folgenden Jahre aber 769 neben 227 Geburten, während 1627 die Totenzahl auf 156 zurückging. - Ende Juli wurde die Pest in Gotha eingeschleppt, wo sie sich dann auch bald weiter verbreitete. Es starben 722 Personen, worunter 115 Ehegatten getrennt wurden und 22 Ehepaare ganz ausstarben, ferner 52 Lateinschüler und ebensoviele Mädchen aus der deutschen Schule, 16 Kinderbetterinnen und 2 Diakonen.
S. 73
Ende Oktober kamen 3.000 Mann Wallensteinische Truppen nachQuerfurt und lagen hier 7 Wochen lang im Quartier; „sie brachten das Durchlauffen (Ruhr) in die Stadt", woran in wenigen Wochen über 200 Soldaten und etliche Bürger strarben. Zur Ruhr gesellten sich noch die Blattern, welcher eine Menge Kinder und viele Erwachsene erlagen.
S. 74
In Magdeburg brach um Johannis die Pest aus und dauerte bis ins nächste Jahr hinein. Die reicheren Bürger flüchteten aus der Stadt, wurden aber, als sie vor den anrückenden Kaiserlichen wieder zurückkehrten, erst recht ein Opfer der Seuche. Mehrere Tausende der Einwohner wurden hinweggerafft, wie z.B. in der Johannispfarrei vom April 1625 bis Ende des Jahres allein gegen 1360 Erwachsene und Kinder starben.
S. 76
In den Jahren 1625 bis 1627 richtete die Pest, durch den Krieg gefördert, in ganz Niedersachsen furchtbare Verheerungen an. In Osterode brach sie am 6. September aus und ihre Wirkungen mußten um so verderblicher werden, je größer die Zahl derer war, die vor dem Kriegsgetümmel in die schützenden Mauern flüchteten. In der St. Aegidiengemeinde raffte sie über 1500 Menschen hinweg, unter diesen viele Fremde.
S. 77
Die Pest suchte auch Bremen, Hamburg und Buxtehude heim. In Lübeck und in der Nachbarschaft herrschte das ansteckende Fleckenfieber und brachte 6952 Menschen den Tod.
Bevor wir dem weiteren Vernichtungszuge der Seuchen nach Osten folgen, haben wir ihr Auftreten in den Niederlanden und England zu verzeichnen. In der von den Spaniern belagerten Festung Breda an der Mark (Nordbrabant) wüteten Hunger, die Pest und Skorbut, von welch letzterem die in einem sehr feuchten Quartier untergebrachten Engländer am meisten zu leiden hatten. Mit Eintritt der Kälte ließ die Pest, welche übrigens selten mit Bubonen auftrat, nach. Nach achtmonatlicher Belagerung zwang das Elend zur Übergabe; über 8000 der Eingeschlossenen wurden eine Beute der Seuchen. - Auch Brüssel litt durch die Verheerungen der Pest. Der Opfermut der unerschrockenen Franziskaner verdient hier ehrenvolle Erwähnung.

JAHR 1626

S. 80
Der Januar war gelind, das Frühjahr kalt, am 20. und 26. Mai erfror bei grimmiger Kälte der Wein, Getreide und Obst; regnerischer Sommer, trockener Herbst. Geringe Ernte, Wein wenig und sauer. Korn und Wein stiegen im Preise; allenthalben große Teuerung und Hungersnot. In Württemberg mussten sonst gutbestellte Leute betteln; Hunderte starben Hungers. Andere suchten sich durch Gras, Melden und dergleichen bis zur Ernte zu erhalten. (...)
In diesem Jahre trat außer typhösen Seuchen auch die Ruhr und Bubonenpest sehr verheerend auf. Im Elsass herrschte die Pest. So wurde Zabern von einer Seuche heimgesucht. Auch in Straßburg, wo 2.594 Personen in diesem Jahr starben, forderte (nach A.Goldmayers Chronica) die Seuche Opfer. Deshalb machte sich, wie in Rom, die Influenza bemerkbar. (...)
In Würtemberg folgten auf Misswachs und Hungersnot, durch die vielen Umzüge kaiserlicher Truppen gefördert, Pest und Seuchen, welche im ganzen Lande bei 28.000 Menschen hinrafften. - Wie Zwiefalten wurde auch das Kloster Schussenried von der Pest heimgesucht und zwar dergestalt, daß fast der ganze Konvent dahinstarb.
S. 82
Der Magistrat von Wimpfen am Neckar (Hessen) hatte schon im Vorjahre wegen der in der Umgegend sich zeigenden Pest verboten, auswärtige Märkte zu besuchen, er hob die heimischen auf, stellte Wachen aus und dergleichen. Trotzdem wurde die Stadt nach dem kalten Winter von der Seuche heimgesucht. „Die armen Leute fielen wie Mücken um." (...)
Im März starben verschiedene Personen an der Pest in Schlüchtern. In Friedberg in der Wetterau brach die Pest, nachdem sie sich kurz vorher schon gezeigt, wieder aus und raffte in der Stadt allein 336 Menschen dahin. Im Anfange des folgenden Jahres starben auch der Rektor der Augustinerschule Johann Conrad Kirch mit Weib und 4 Kindern. - Hersfeld an der Fulda wurde aufs neue von der Pest heimgesucht; es starben vom Juni bis September 445 Personen.
S. 84
In Dermbach an der Fulda (Eisenach), wie im ganzen Fuldagrunde, wütete neben den Kriegsdrangsalen die Pest. Im Oktober zeigte sie sich in Fambach bei Schmalkalden; ein Lehrersohn war das erste Opfer. Eisenach verlor 2.500 Einwohner.
S. 87
Die Seuchen griffen, durch die unausgesetzten Einquartierungen und Durchmärsche der Kriegsschaaren geweckt und unterstützt, in den Provinzen Sachsen, Brandenburg, Hannover ungehindert um sich. Trotz aller Vorkehrungen stellte sich in Erfurt, dessen Bewohnerzahl schon vor dem 30jährigen Kriege auf 15.000 Einwohner herabgesunken sein soll, die Pest in verheerender Weise ein und raffte 3.474 Menschen hin.
S. 88
Die Pest gelangte durch kaiserliche Völker auch nach Halle. Dabei stockte der Handel ganz, Teuerung und Not steigerten sich täglich. Hierzu kam die Sperrung der Stadt mit solcher Strenge, daß die Toten nicht hinausgeschafft werden konnten.
S. 89
Nach einem alten Verzeichnis starben zu Nordhausen in Thüringen vom 1. Januar bis 6. Dezember 3.283 Personen, nämlich 2.504 Einheimische, sohin ungefähr der 3. Teil der damaligen Einwohner, und 779 Fremde, welche sich wegen des Krieges hierher geflüchtet hatten. Schwache und ängstliche Personen wurden meistens ein Opfer der Pest, während die rohen Soldaten sich mit wenigen Ausnahmen ohne Gefahr in die Betten legten, aus welchen sie die Pestkranken herausgeworfen hatten.
S. 90
In Duderstadt, wo die Seuche in gleichem Grade hauste, verfielen ihr bei 2.000 Menschen (Bürger, Soldaten und Flüchtlinge). - In Stolberg am Harz gesellte sich zur Teuerung am 27. Juni die Seuche, um zunächst und vorzugsweise der Kinder sich zu bemächtigen.
S. 91
Wallensteins wilde Schaaren zogen im August auf der Verfolgung des Grafen Mansfeld von Dahme über Luckau, Calau, Sagan nach Schlesien, nach allen Richtungen die Pest und andere Infektionskrankheiten verbreitend. - In Sagan erlagen an der durch die Soldateska eingeschleppten Pest täglich 20 - 40 Menschen. (...)
In dem nächst der Stadt Tangermünde errichteten Feldlager brach unter der dänischen Besatzung die Ruhr aus, welche sich bis in die Stadt verbreitete und gegen 1.600 Menschen hinraffte; am 29. Juni zogen die Dänen ab.
S. 92/93
Über das Schicksal der Stadt Einbeck (Hannover) berichtet Georg Jeremias von Dassel, Gutsbesitzer zu Hoppensen und Einbeck: „Was die Sterbens-Läuffte, damit Gott der Allmächtige uns auch fast stark heimgesucht, belangen tut, haben dieselben auch jetzo leider allerdings nicht nachgelassen und sind seit Jabobi vorigen Jahres bis jetzt allhier in Einbeck an der Pest und Hauptkrankheit über die 3.000 Personen (nämlich Landbewohner und flüchtige Einwohner von Moringen, Dassel, Stadtoldendorf inbegriffen) mit Gesang und Klang begraben, auch sehr viele, vornehmlich aus dem Bauernvolke, so hereingeflohen, heimlich hinausgebracht und in die Erde gescharrt worden. Inmaßen denn auch noch heutigen Tags fast viel in dieser Stadt hin und wieder auf der Gasse erbärmlich krank liegen und eines Teils jämmerlich sterben. Auf dem Lande und in den Dörfern sind von den Leuten, so vom Feinde nicht erschossen und zermatscht und fast häufig im Holze und Felde halb vom wilden Vieh zerfressen gefunden worden, über die Hälfte gestorben, haben ihrer Seelsorger nicht mächtig werden können und haben ohne christliche Zeremonien begraben werden müssen, ja ihrer viele sind in Stroh verbunden und in die Erde, wo sie gestorben, verscharrt, daß es also dieses Orts ein erbärmlicher Zustand gewesen". (...)
S. 93
Nachdem in Göttingen schon längere Zeit die Ruhr und andere hitzige Krankheiten geherrscht hatten, ja einige Pestfälle aufgetreten waren, nahm die Pest während der Belagerung der Stadt durch Tilly (Juni bis 12.August) in den heißen Tagen des Juni und Juli bei großem Mangel in der von Flüchtlingen dicht bevölkerten Stadt so mächtige Dimensionen an, daß fast täglich 50 bis 60 Personen begraben wurden.
Jahr 1627

In der Provinz Sachsen grassierte noch die Pest zu Eckartsberga bei Halle; dann in Mühlberg an der Elbe: hier wütete sie 16 Wochen; die am meisten heimgesuchte Himmelreichsstraße wurde mit Brettern verschlagen; im nächsten Jahr trat sie hier wieder auf. In Crossen an der Oder sollen ihr gegen 1.000 Menschen erlegen sein; denselben Verlust beklagte Sommerfeld in diesem und dem folgenden Jahre.
Nachdem die Pest im verwichenen Jahre in Niedersachsen große Tätigkeit entfaltet hatte, richtete sie nun in Bremen bei großer Hungersnot eine mörderische Niederlage an ; nach einem Verzeichnisse wurden gegen 10.000 Menschen, Einheimische und Flüchtlinge, ihre Beute. In Flensburg (Schleswig) herrschte während der Besetzung durch die Kaiserlichen die Pest neben allgemeinem Elend in hohem Grade. Mit dem Abzuge des Feindes wich das Übel. So heißt es im Stadtprotokoll von 1630: „An. 1630 am 25. Januar war der Rat nach erlangtem lieben Frieden und aufgehörter Pestilenz zur Haltung des Gerichts wieder beisammen gekommen." - Brüssel war wieder der Schauplatz einer verheerenden Epidemie; sie nistete sich vorzüglich in den feuchten Wohnungen der tiefgelegenen Stadtteile ein; man nahm seine Zuflucht zur Fürbitte des Pestpatrons St. Rochus.

Jahr 1628
S. 100
In Bayern griff die Pest, besonders in Schwaben, um sich, wohl im Anschlusse an die Verwüstungen im Bodenseegebiete und Württemberg. - Die Pest raffte in Lindau 300 Menschen hinweg, ja sie wütete noch im folgenden Jahre. (Nach F. Bouton sollen daselbst in 1,5 Jahren 2.000 Pestopfer gefallen sein). Zu den Einquartierungslasten, Teuerung und Not kam in Schwaben die Pest. Kempten verlor durch die Seuche 499 Männer, 633 Frauen und 680 Kinder, zusammen 1.822 Personen; selbst noch im folgenden Januar 138 Menschen; am 14. Oktober 1628 starben allein 12 Männer, 11 Frauen und 7 Kinder (Haggenmüller gibt als Zahl der Gestrorbenen 2.735 an). Die Krankheit verbreitete sich auch über das Land; in der Pfarrei Legau starben im gleichen Jahre 212 Personen. - Im Juli erhob sich in mehreren umliegenden Dörfern bei Memmingen die Pest, im August betrat sie die Stadt. Die Bewohner infizierter Häuser durften nicht ausgehen, die armen Kranken kamen ins Brechhaus. Erst der Wintermonat 1629 machte der Pest ein Ende, nachdem in einem halben Jahre 650 Menschen, meist Arme, gestorben waren; ganze Häuser standen entvölkert da.
S. 102/103
In die Stadt Schleswig wurde die Pest mit der im September erfolgten Einquartierung kaiserlicher Truppen und insbesondere am 20. November durch den Einmarsch von 813 Mann mit 70 Weibern und 30 Jungen vom Scharfenbergischen Regiment eingeschleppt. Durch Krankheit, Not und Flucht der Vermögenden verödete die Stadt, so dass um Weihnachten 211 Häuser leer standen. - Den Bewohnern Nordfrieslands wie der friesischen Inseln brachte der Krieg Anfangs 1628 großes Unglück. Die kaiserlichen wie dänischen Tuppen bedrängten das Volk durch Einquartierungen, Kontributionen, Erpressungen aller Art. Übrigens folgeten der Kriegsnot Teuerung und Pest fast in ganz Nordfriesland bis zur Ernte des Jahres 1630.


JAHR 1629
S. 106
Zu Pritzwalk (Altmark) erlagen an der Ruhr 35 Personen. Durch anhaltende Regengüsse zur Erntezeit verdarb das Getreide auf den Feldern. Dieser Übelstand erzeugte in der Niederlausitz große Teuerung und Hungersnot. - In Neustadt-Eberswalde (Mark Brandenburg) grassierte wiederholt die Pest mit ihrem Todesgefährten, dem Hunger. In der Stadt Lüneburg trat die Ruhr verheerend auf.
Auch Holstein musste abermals die Geiseln des Krieges und der Seuchen fühlen. In Stade, wo Tilli sein Hauptquartier genommen hatte, vermehrte eine heftige Ruhrepedemie die Leiden der Einwohner wie der Garnison. In der Stadt Travemünde, wie in anderen holsteinischen Orten, trat hin und wieder die Pest auf. Lübeck kam mit dem Schrecken davon. Das Land Mecklenburg wurde aufs Neue von der Pest heimgesucht. Am 13. August brach die Pest zur Rostock und Teterow aus und sie griff stark um sich. Nach einer Äußerung des Rostocker Pastors Joh. Quistorp an Jungius am 22. August 1629 waren bis dahin 300 Menschen an der Pest gestorben. Wie das auf Geheiß des Rates angefertigte „Verzeichnis aller Toten" bekundet, fing die Pest Anfangs Juni zu grassieren an. - Das kaiserliche savellische Regiment, in welchem sich Pestkranke befanden, brachte die Seuche nach der Stadt Plau, wo es sich in der Nacht des 29. November aufhielt. Jedoch verlief des bald eintretenden Winters wegen die Krankheit zunächst ganz gelinde.
Während Pommern von den kaiserlichen Scharen verwüstet wurde, herrschte im Lande allgemeines Elend, zu welchem Pest und eine förmliche Hungersnot das Ihre wesentlich beitrugen; Gras, Kräuter und Baumwurzeln fristeten das Leben vieler Menschen, Kalk und Erde wurden unter das Mehl gemischt. Von dieser jammervollen kläglichen Zeit berichtet ein heimischer Zeuge: „Pommern bot eine endlose Stätte herzzerreissenden Jammers dar, über welche sich das kaiserliche Kriegsvolk wie ein Heuschreckenheer lagerte. Hunden gleich schoss man die unglücklichen Bewohner nieder, zündete ihre Häuser an, marterte sie erbarmungslos, um Geld und Lebensmittel zu erpressen." Von Hungersnot auf der Insel Usedom erzählt Micrälius, daß eine Frau im Dorfe Bannemin, von den Qualen des Hungers getrieben, ihr eigenes Kind getötet und verzehrt hat.


JAHR 1630

S. 109
Am Rheinstrome fanden die Seuchen bei großem allgemeinen Notstande weitere Verbreitung. - In Folge der vorjährigen mißratenen Ernte erreichte das Elend in Nassau eine schreckliche Höhe, sodass in allen Teilen des Landes viele Menschen durch Hunger umkamen. Man backte Brot auch Eicheln, Hanfkörnern und Wurzeln; doch war der Hunger hiermit nicht zu stillen. Dabei herrschten in verschiedenen Teilen des Landes ansteckende Seuchen, welche die Menschen hinrafften. - In Bonn trat die Pest jedoch mit geringer Heftigkeit auf.
Das Maingebiet blieb auch nicht ganz von Seuchen verschont. Während der Einschließung der Stadt Hanau (6. Dez. 1629 bis 12. März 1630) durch den kaiserl. Oberst Witzleben brach die von den Soldaten mitgebrachte Pest aus, welche auf dem Lande viele Opfer forderte. So grassierte sie auch in dem unfernen Dorfe Langenselbold. - Zu Königsberg in Franken hauste vom Juni bis gegen Oktober die Pest, weshalb der Magistrat die Geistlichen, Lehrer, Krankenpfleger mit Präservativ-Mitteln versah.
S. 111
In Sachsen fand die Pest besonders durch die Truppenzüge große Verbreitung. Am 17. und 28. Oktober starben in Leipzig zuerst zwei fremde Pomeranzenhändler auf der Straße an der Pest. In der Stadt zählte man während des Jahres 884 Leichen, darunter 301 Pestopfer.
S. 112
Nach Verlauf des Winters trat die Pest in Mecklenburg überall sehr heftig auf. In Güstrow herrschte sie schon am 7. Mai und behauptete sich bis Anfangs Dezember. Ebenso herrschte die „rote Ruhr" in der Stadt Röbel (7 M. s.ö. von Güstrow). Bald trat die Pest auch in Plau sehr stark auf, am heftigsten im Juni und Juli. Sie dauerte bis in den November und hatten während dieser Zeit über 600 Personen das Leben gelassen. Viele Leute flohen, um der Vernichtung zu entgehen aus der Stadt. Auch die Stadt Grimmen (vor Stralsund) wurde von der Pest heimgesucht. Greifswald litt fast 4 Jahre lang durch Raub, Plünderung, Hungersnot und Pest; 1631 erreichten die Leiden der Stadt den höchsten Grad. - Die Pest forderte in Stargrad an der Ihna (1627 - 1630) 3.500 Opfer. Freienwalde verlor 250 Einwohner durch die Pest.


JAHR 1631
S. 113
Auf dem norddeutschen Kriegsschauplatze entfalteten die Seuchen eine verheerende Tätigkeit. In Stettin herrschte die hitzige Krankheit (Typhus), welcher die Gattin des schwedischen Generals Horn am 12. August erlag. - In Mecklenburg grassierte die rote Ruhr; sie forderte zahlreiche Opfer. In Parchim erlagen vom August bis November merh als 100 Menschen derselben Krankheit.
Nach der Besetzung des ruppinischen Kreises durch Tilli (Februar) brach auch in Neu-Ruppin die große Pestilenz aus, deshalb wurde die Schule ganz geschlossen und die Stadt von den Schülern und Lehrern verlassen. Außer denen, die heimlich begraben wurden, starben in kurzer Zeit nach Angabe des Predigers Jerem. Ludewig über 1.600 Personen. Nachdem Rathenow im Vorjahre 38 Einwohner durch die Pest verloren hatte, „hat auch im Jahre 1631 Pest, dysenteria und eine schwere Hauptkrankheit regiert und sein an Bürgern und Kindern gestorben 662 Personen, ohne die da heimlich begraben worden." Dies geschah selbst in Häusern: „Am 4. April sin 1 Mann, 1 Weib und in Knabe zugleich in Pickelsteins Hause fürm Stein-Tore heimlich begraben." Im Mai starben 26, Juni 50, Juli 166, August 112, September 123, Oktober 87, November 35, Dezember 11 Personen. Soldaten starben 28. - Nach einer großen Hungersnot brach in Prenzlau die Pest aus, um in ¾ Jahren 1.500 Menschen - wohl 25% der Bevölkerung - der Erde zu überliefern.
In Kyritz (Altmark) wurde die Pest durch Einquartierung eingeführt; doch erlagen nur 231 Personen. - In Havelberg wurden 227 Einwohner dahingerafft. In Lindow nahm die Pest 400 Personen mit sich. Die Zahl der Pestopfer in Rheinsberg ist nicht angegeben. - Nach der Einnahme der Stadt und Festung Spandau durch die Schweden (6. Mai) brach, und zwar im Gefolge von Hungersnot, die Pest von Neuem aus, sodaß 1.500 Einwohner ins Grab sinken mußten. In Berlin setzte die Pest bei großer Not ihre Verheerungen fort; 2.066 Personen wurden ihre Beute.
S. 114
Frankfurt an der Oder verlor bei der Eroberung der Stadt durch Gustav Adolf (13. April), wobei 1.700 kaiserliche Soldaten niedergemetzelt wurden, eine Menge Volkes. Die Sterbeziffer wurde durch eine bald nachfolgende Seuche, welche, obschon man sie nicht für die Pest hielt, in kürzester Zeit, oft binnen wenigen Tagen, ganze Familien wegraffte, wesentlich erhöht. Zu solcher Sterblichkeit trug die große Hitze und Dürre während des ganzen Mai, Juni, und Juli erheblich bei. Die Anzahl der Opfer, die der Eroberung wohl inbegriffen, betrug gegen 6.000. Wiederum brach die Pest in Müncheberg (n.w. von Frankfurt a. d. O.) aus; besonders würgte sie in Quilitz, wo 365 Menschen starben. Im Sternbergischen wütete die Pest mit solcher Heftigkeit, dass allein in Drossen 2.000 Menschen starben. Guben an der Neisse wurde von der Pest heimgesucht. - Nachdem die Pest bereits im Erzbistum Magdeburg gewütet hatte, kehrte sie 1631 auch wieder in der Stadt Schönigen und in Calvörde ein.
Magdeburg zählte vor seinem am 20. Mai herbeigeführten Untergange 40.000 Einwohner, deren nun ein großer Teil von den Eroberern niedergehauen wurde oder im Feuer umkam oder sich in die benachbarte Gegend zerstreute, sodass die grässlich verwütete Elbstadt mehr als 8.000 Brandstätten und kaum mehr als 180 Häuser aufweisen konnte. Im November 1644 zählte man nuzr 405 Familien und im Dezember d. J. in den 6 Vierteln der Altstadt 2.464 Menschen. - In Stolberg am Harze grassierte „die Hauptkrankheit stark, woran etliche, allerdings großenteils alte Leute starben; sie wurden gar wahnwitzig und sinnlos, bekamen noch das Recidiv wohl dreimal. Hiess bei den Medicis morbus novus et antea incognitus." - Die Pest herrschte noch in Westfalen; so in der Stadt Arnsberg. - Auch im Bergischen Lande trat die Pest auf, ebenso wurde die Stadt Rade vorm Wald heimgesucht.
Im Kurfürstentum Sachsen starben in diesem und dem folgenden Jahre 934.000 Menschen durch Krankheiten und Krieg, wie M. Joh. Mich. Weisse in seiner Beschreibung der Stadt Hohenstein bemerkt.
S. 115
Um Neujahr nistete sich die Pest in der Rentnerei zu Leipzig ein, beschränkte sich jedoch auf dieses Haus. Dagegen entspann sich in der Stadt, nachdem sie die Schrecken einer mehrwöchentlichen Cernierung und die Eroberung durch die Kaiserlichen (13. Sept.) überstanden hatte, im Oktober eine gefährliche Seuche, sodass in wenigen Wochen sehr viele hitzigen Fiebern erlagen. - In Oschatz raffte die Pest wieder 563 Personen in 3 Monaten hin. - Nach der Schlacht bei Breitenfeld (17. Sept.) fanden die meisten Verwundeten in Eilenburg Aufnahme, mit ihnen aber auch die Pest, die in wenigen Wochen sich so steigerte, daß sie im Oktober schon 300 Menschen hinraffte. Die Anfangs Dezember einbrechende Kälte tat der Seuche plötzlich Einhalt. - Die Stadt Dommitzsch an der Elbe wurde von der Pest heimgesucht. In Dohna (bei Pirna), welches durch Gräueltaten und Plagen aller Art heimgesucht wurde, wütete die Pest von 1631 - 1633 furchtbar, ganze Familien wurden von derselben hingerafft. 1631 starben 189, im J. 1632 510, und 1633 noch 250 Bewohner. Im Jahr 1634 sollen nur noch 50 Menschen in Dohna übrig geblieben sein. - Michaelis wurde die Pest nach Ortrand durch die 18.000 Mann starke sächsische Armee, welche hier drei Tage lag, eingeschleppt. Es starben bis 1633 über 800 Personen.
S. 117/118
Am 13. Dezember eroberten die Schweden Mainz, bald darauf auch Bingen. Eine unerhörte Brandschatzung war der Geistlichkeit, den Bürgern und den Juden noch besonders auferlegt; jenen, die nicht zahlen konnten, wurden Häuser, Gärten, Stallungen, Scheuern verwüstet, das Holz verbrannt. Die Schweden hausten in der fürchterlichsten Weise. Dazu kamen Seuchen und eine schreckliche Hungersnot. Mit Wurzeln, Gras und Baumblättern stillten die Menschen ihren Hunger. Die schwedischen Truppen drangen vor bis an die Lahn und trieben überall unter den gewohnten Gewalttätigkeiten Kontributionen ein. - Worms, Mannheim, Speier und viele pfälzische Orte wurden von den Schweden besetzt.
Tilli zog nach der Niederlage mit seinen gesammelten Truppen nach Halberstadt, schlug bei Corvey in Westfalen eine Brücke über die Weser und marschierte eilig über Fritzlar nach Fulda. Bei Miltenberg am Main, mit Herzog Karl III. von Lothringen vereinigt, machte er den von Gustav Adolf zurückgewiesenen Versuch, Würzburg zu entsetzen. Entmutigt nahm er mit 40.000 Mann seinen Weg gegen Nürnberg und bedrohte diese Stadt, doch erfolglos. Plünderung, Not und Seuchen bezeichneten die Richtung dieses Kriegszuges
Marktbreit verlor wieder 86 Einwohner durch die Pest. - Viele Landleute hatten ihr Vieh nach Windsheim geflüchtet, wo es ohne Obdach und Nahrung verschmachtete. Auf dem Lande plünderten die Soldaten und brannten in allen Orten Häuser nieder; viele Leute hatten sich in die Wälder geflüchtet; Hunger, Nässe und Kälte war ihr Loos. Des Herzogs von Lothringen „Gesindel" suchte sie mit Hunden in den Wäldern auf und raubte ihnen, was sie gerettet. Viele dieser Unglücklichen erlagen Krankheiten, die sie sich unter solchem Elende zugezogen. Der Kaplan L. Röhl von Burgbernheim erzählt: „Bin ich mit den Verstorbenen mehrenteils bis zum Grab gegangen und haben wir niedergekniet und ein andächtig Vater unser gebetet. O Gott! Der Jammer war groß. Viele haben aus Kälte un Mangel die Erde kauen müssen. In diesem Jahr war auch die Pest und der war glücklich gepriesen, der ohne Soldatenplag daran gestorben". - In dem von den Kaiserlichen ausgeplünderten Dorfe Nesselbach erlagen 124 Personen der Pest. Der Pfarrer Litzheimer meldet: „er habe bei Einschreibung der 96. Leich die Feder damit er geschrieben mit seinem Handbeil gemacht". - Tilli schickte einen Teil seiner Belagerungstruppen vor Nürnberg über Sulzbach nach Böhmen, auf welchem Zuge den armen Leuten auf dem Lande gräulicher Schaden zugefügt worden ist. - In Bayern wie in Schwaben verbreiteten sich typhöse Krankheiten. So meldet eine handschriftliche Chronik von Oberammergau: „Anno 1631: Wegen dem noch fortdauernden schwedischen Krieg, teuren Zeiten und Kriegsunruhen haben die Krankheiten sowohl in Bayern als in Schwaben eingerissen, so ist auch hier allenthalben ein hitziges Fieber oder Kopfweh entstanden, daß sehr viele Leute daran gestorben sind.
Jahr 1632

S. 118/119
Auf Befehl des Schwedenkönigs besetzte Horn das Bistum Bamberg, am 10. Februar die Stadt Bamberg. Tilli brach am 23. Februar mit 20.000 Mann von Nördlingen auf, zog durch die Oberfalz, traf am 9. März in Bamberg ein und vertrieb die Schweden, die 3.000 - 4.000 Mann verloren. Gustav Adolf verließ am 15. März Frankfurt, zog über Aschaffenburg den Main entlang in Eilmärschen nach Franken, und hielt seinen Einzug in Nürnberg unter dem Jubel der Bevölkerung (31. März); Tilli wich der Übermacht, zog durch die Oberpfalz nach Ingolstadt (3. April), dann über die Donau gegen Rain und Donauwörth und, zur Abwehr des Übergangs der Schweden, an den Lech; 15. April Schlacht am Lech, Verwundung Tillis. Rückzug mit Maximilian nach Ingolstadt (18. April), Tillis Tod 30. April. Der Schwedenkönig ließ in Augsburg, nach Kapitulation der Kaiserlichen, eine schwedische Besatzung zurück und wandte sich gegen Ingolstadt; nach Erfolglosigkeit der Belagerung zog er über Landshut nach Freising, von da nach München, wo er am 17. Mai über Gasteig einrückte. Drei Wochen später schlug er den Weg gegen Schwaben ein und nahm Memmingen. Allein Wallensteins Fortschritte nötigten ihn zur Umkehr nach Nürnberg, das er am 18. Juni erreichte. Wallenstein zog mit überlegenem Heere über Amberg nach Neumarkt, wo er ein schwedisches Regiment aufrieb, dann über Schwabach gegen Nürnberg, wo er am 16. Juli bei Fürth sein Lager aufschlug.
S. 120/121
Für Bayern wurde der 30jährige Krieg erst vom Jahre 1632 an besonders verhängnisvoll und von den schrecklichsten Folgen; er machte das Land zur menschenleeren Wüste, zumal er noch die Pest im Gefolge hatte. Wie die kaiserliche Armee unter Tilli im Herbste 1631, so hat die schwedische Armee auf ihren Zügen alles aufgezehrt und überall, wohin sie kam, 1632 - 1635, den Hunger- und Kriegstyphus wie die Bubonenpest ausgestreut, sodaß alle Orte am Maine mindestens die Hälfte ihrer Bewohner verloren. Was die schwedische Armee übrig gelassen, das zehrte die ihr nachrückende kaiserliche auf; das grüne Korn auf dem Felde wurde den Pferden verfüttert und niemand mochte mehr für die Armeen säen. Weit und breit war kein Saatkorn, selbst nicht um gutes Geld, zu haben. Man nagte vor Hunger an verhungerten und gefallenen Tieren. Selbst der Spessart und der tiefste Odenwald wurden von den Horden nach Proviant durchsucht und alles riss man an sich, was essbar war. Überall Hunger, Elend, Krankheit und Tod. Nur die Wölfe vermehrten sich, schlichen in die Dörfer ein und zehrten die verlassenen Kranken und die Toten auf. Ganze Ortschaften waren ausgestorben.
Stockstadt bei Aschaffenburg hatte vor dem 30jährigen Kriege 200 Nachbarn, nach demselben kaum noch 10. - In Aschaffenburg hauste wohl auch die Pest, da am 8. August der Kaplan Bernh. Kieser und am 12. September der Pfarrer ad B. M. V. Joh. H. Resch starben. Das nahe Dorf Nilkheim verlor fast alle Einwohner, die übrig gebliebenen zogen nach Großostheim. Wenigumstadt, südlich von Großostheim, starb im 30jährigen Krieg bis auf 3 Familien aus. Großwallstadt verlor nur im August 1632 durch die Pest 32, im ganzen Jahre 83 Menschen. „Seit dieser Zeit war fast aller Orten der Cent (Groß-)Ostheim keine Pfarrei besetzt. Die Pfarrei Großwallstadt musste von 1636 - 48 von Kleinwallstadt aus oder von Jesuiten, die sich überhaupt um die Seelsorge ohne Bedenken der Gefahr verdient machten, versehen werden" (Steiner). Die östlich vom Main gelegenen Orte Rossbach (Pf. Kleinwallstadt) und Oberschippach wurden durch die Pest entvölkert. Die Bewohner von Volkersbrunn (Pfarrei Heimbuchental) fasten heute noch in Folge eines zur Pestzeit abgelegten Gelöbnisses am Annatag bei Wasser und Brot. Erlenbach bei Klingenberg lieferte 125 Personen auf den Friedhof im Pestjahre 1632. Die Leichen der in den Filialen verschiedenen durften nicht durch den gewöhnlichen Eingang in den Leichenhof an der Kirche gebracht werden, sondern durch eine eigene in die Kirchhofsmauer angebrachte Tür, wahrscheinlich um eine Begegnung der Kirchengänger mit den Leichen zu vermeiden. Jene Öffnung ist nun durch einen Grabstein geschlossen. In Klingenberg a.M. starb 1631 bis 35 die Hälfte der Bürger an der Beulenpest. Ebenso wurden Röllfeld und Mechenbart heimgesucht. Wörth am linken Mainufer litt durch die Pest; das nahe Dorf Trennfurt soll bis auf wenige Familien ausgestorben sein.
S. 123
Unter der Bevölkerung des Spessart zwischen Aschaffenburg und Lohr a.M. richteten die Pest und die allgemeine Not im Schwedenkriege große Verwüstungen an (...)
In Würzburg fing die Pest im August zu grassieren an. Die Apotheker mußten zur Nachtzeit ihre Geschäfte offen halten und den Armen die Arzeneien, wo nicht umsonst, doch billiger überlassen. Marktbreit verlor 92 Personen durch die Pest worunter der Pfarrer Blechschmidt, mit Fremden und Soldaten 193. Im nahen Obernbreit raffte die Pest 179 Menschen hin (Sterberegister). In Volkach starben 222 Menschen (sonst im Durchschnitte während eines Jahrzehnts 59). Schweinfurt erlitt einen Verlust von „vielen hundert Menschen" durch die pestartigen Rehflecken (Petechialtyphus), welche auch eine große Lücke in den Rat und die Bürgerschaft rissen. Man zählte 258 Geburten, 82 Trauungen, darunter 17 Soldaten und 1.055 Todesfälle. - In Bamberg starben viele Menschen an der ungarischen Krankheit, welche die Truppen im Frühjahre mitgebracht hatten. Nach dem Einfalle des Schwedenkönigs (Ende März) wurde auch der Gollach-, Aisch-, sowie Aurach-, Fembach- und Seebachgrund von einer pestartigen Krankheit (Typhus) schwer heimgesucht.
S. 124/125
Die Stadt Landshut selbst wurde am 10. Mai von Gustav Adolf eingenommen und durch Mord und Brand heimgesucht. Kaum vom Feinde befreit, bekam die Stadt die Einkehr einer ansteckenden Seuche zu verspüren. Es wurde eine Untersuchung der Häuser angeordnet. Der Stadtphysikus erklärte die Krankheit als ungarisches Fieber, welches durch die in der Stadt untergebrachten Kroaten verbreitet worden sei. Am 15. Mai nahmen die Schweden den Markt Eggenfelden an der Rott und dann Ganghofen, welche beide mit bedeutender Brandschatzung belastet wurden. Moosburg an der Isar musste ebenso schwer den Schweden-Besuch empfinden. Nachdem sich Gustav Adolf am 15. Mai des bischöflichen Eigentums in Freising bemächtigt, rückte er am 17. Mai in München ein, versprach den ihn um Schonung anflehenden Bürgern Sicherung ihrer Habe vor Plünderung und Gewalt, legte ihnen aber ein Kontribution von 300.000 Talern auf. Drei Wochen hindurch hausten die Schweden in der Stadt, die Bürger drückend und beraubend, bis sie endlich unter Mitnahme von 42 Geiseln, da die Kontribution nicht ganz erlegt werden konnte, abzogen.
S. 125/126
Von München aus hatte der Schwedenkönig starke Brandschatzungen ausgeschrieben. Seine Horden streiften bis in das Inngebiet. Der Markt Thann wurde am 25. Mai von den Schweden, auf ihrem Zuge von München her, überfallen und ausgeplündert. Wer nicht nach Braunau und über den Inn geflohen war, wurde aufs grausamste misshandelt. „Die Soldaten banden die Mädchen und Frauen an den Händen und Füßen und trieben ihre viehische Lust; die Männer aber mordeten sie langsam unter entsetzlichen Matern, indem sie ihnen heißes Blei oder Schmalz in die Öffnungen des Körpers gossen, oder sie mit den Bärten an die Roßschweife banden und durch den Markt schleiften."
Im Oberlande zündete der Feind allein gegen 100 Dörfer an; so wurde der Markt Ebersberg an der Ebrach genommen und geplündert; Grafing ging in Rauch auf; Tölz ward erstürmt und ausgeraubt; durch tapfere Gegenwehr der Einwohner und der Bauern von Lenggries und Hohenburg wurde der Markt wieder vom Feinde befreit. Dasselbe Schicksal wiederfuhr Wolfratshausen und Beuerbach. Die Klöster Beuerbach, Scheftlarn, Andechs wurden teils ausgeraubt, teils zerstört. Ebenso wurde Weilheim geplündert und gebrandschatzt. Nach Pähl wurde eine ansteckende Krankheit durch die Kroaten gebracht; in einem Monat starben 7 Kinder und 27 Erwachsene. Die Pest wütete neuerdings im Jahre 1632 und 1633 in Holzkirchen.
S. 126/127
Als Gustav Adolf nach der Einnahme von Memmingen sich eben anschickte, ganz Süddeutschland mit seinen Scharen zu überziehen, da nötigte ihn die Nachricht von den siegreichen Fortschritten Wallensteins in Sachsen zur Umkehr. Die von den Schweden besetzte Stadt Memmingen wurde von den kaiserlichen Völkern mit den Bayern unter Altringer in Akkord bald zurückerobert. Auch Kaufbeuern fiel im Dezember den Bayern in die Hände. Die ehemalige Reichsstadt Kempten kam in die Gewalt der Schweden. Wie die Schweden hier gehaust, das erzählt uns die Kemptener Chronik von Dr. Ph. Jak. Karrer in einer Weise, die wiederzugeben die Feder sich sträubt. Wer wollte auch nur einen Augenblick verweilen an Stätten, an welchen der Mensch zur Bestie geworden ist! Frauen wurden die Brüste abgeschnitten; Mütter und Dienstmägde mit den Kindern auf den Armen sprengte man in die Iller. Nachdem sie einen Chirurgen totgeschlagen hatten, schändeten sie dessen Tochter, stachen ihr die Augen aus und warfen sie zum Fenster hinaus auf die Straße neben ihren Vater. In Gegenwart der Männer und Eltern, die hernach umgebracht wurden, mißbrauchten sie deren Weiber und Töchter; ein Mädchen von 12 Jahren wurde zu Tode geschändet, sogar eine alte fast 100jährige Frau. Einer Frau, die vor einem Kessel siedenden Wassers stand, hieben sie die Hände ab, tauchten sie etliche Male mit dem Kopf in das siedende Wasser und machten durch Abhauen des Kopfes ihrem Leiden ein Ende. Sechs kleine Kinder fand man in einem Keller getötet, wovon das jüngste durch einen Stich entleibt war und beide Hände bittend emporhob. Die unglückliche Stadt geriet am 13. Januar wieder in den Besitz der sürmenden kaiserlichen Truppen. Die nun von den Eroberern verübten Gräuel, über welche sich Dr. med. Gabriel Furtenbach in seiner Oberländischen Straff- und Jammerchronik 1669 verbreitet, spotten aller Phantasie.
S. 127/128
In Nürnberg und seiner nächsten Umgebung war während der Belagerung eine ungeheure Menge von fremden Flüchtlingen und Truppen zusammengepresst. Obwohl sich die Stadt über Vermögen angestrengt hatte, dieselben 11 Wochen lang zu ernähren, so versiechten endlich doch die Mittel. Dazu kam die Seuche. Der Petechialtyphus („ungarische Krankheit") und Skorbut bereiteten Tausenden im schwedischen Heere und unter der Bevölkerung den Untergang. Es starben „so an den Totentafeln der Kirchen angeschrieben worden" allein 4.522 Personen, darunter 9 Ratsherren, 4 Ärzte, 15 Kirchen- und 10 Schuldiener; außerdem starben Tausende in den Lazarethen. Die Nonne Mar. Anna Junius im Kloster zum heil. Grabe in Bamberg berichtet in ihrer Chronik unter dem November dieses Jahres: „War damals große Teuerung und Sterb zu Nürnberg, daß in 7 Wochen 29.000 Menschen gestorben." - Das Auftreten des Skorbuts im Schwedenheer war eine Folge der Kriegsnot, Strapazen und der Krieger, der großen Unreinlichkeit, feuchtkalten Witterung, dann der Genuss verdorbener, mangelhafter Nahrung. Nach dem von Gustav Adolf am 3. September gewagten, missglückten Sturm auf das feindliche Lager blieben beide Heere noch 14 Tage einander gegenüber gelagert, jedes in der Erwartung, das andere zum Aufbruch zu nötigen. Je mehr mit jedem Tage der kleine Vorrat an Lebensmitteln schmolz, desto empfindlicher wuchsen die Qualen des Hungers, desto mehr verwilderte der Soldat; das Landvolk umher wurde das Opfer der tierischen Raubsucht der Soldaten. Die steigende Not löste alle Bande der Zucht und der Ordnung im schwedischen Lager auf. Nachdem alles Land auf sieben Meilen in der Runde aufgezehrt und verwüstet und alle Vorräte zu Ende gegangen waren, musste sich endlich der König, dessen Schaar die größte war, zum Abzuge entschließen.
Aber welch ein Bild! Zertreten lagen alle umliegenden Felder, die Dörfer in Asche, das ausgeplünderte Landvolk verschmachtete auf den Straßen, Modergerüche verpesteten die Luft, verheerende Seuchen, durch die kümmerliche Nahrung, durch den Qualm eines so bevölkerten Lagers und den Geruch so vieler verwesender Leichname, unter der Glut der Hundstage ausgebrütet, wüteten unter Menschen und Tieren. In der Pfarrgemeinde Poppenreuth lebte nur noch der vierte Teil der früheren Bevölkerung. Viele Bauern der Umgegend wie auch Bürger und Soldaten holten sich noch dadurch die Krankheit und Tod, dass sie sich in das verlassene kaiserliche Lager begaben, um die vielen Kriegsgerätschaften, als Kugeln, Waffen, auch Proviantabfälle, wegzuführen. Die zahlreichen umherliegenden, mit Fliegen und Maden bedeckten Äser von Pferden erzeugten ein gifthauchendes Miasma, sodaß noch lange nach dem Abzug der Armeen Seuchen und Not das Land drückten.
S. 129
Neustadt „musste bald die Herberge der kaiserlichen, bald der schwedischen Gäste sein, von welchen keine Partei viel übrig ließ, als sie wieder abzog." Sonntag, den 8. Juli, fiel ein Haufen Kroaten ein; sie begannen mit Plündern, Schänden und Rauben der Weiber, Morden von über 43 Personen und Schandtaten jeder Art; 70 Häuser gingen in Flammen auf. Zu all der Not kam, wie gewöhnlich, die Seuche; sie durchzog die ganze Gegend und forderte u. A. im nahen Stübach 101 und zu Oberhöchstädt 70 Opfer. Markt-Erlbach wurde von den Kroaten am 31. Mai in Asche gelegt.
S. 130/131
Nachdem Forchheim während der Belagerung durch den schwedischen Feldmarschall Horn (im Dezember 1631) 29 Personen verloren, erlagen in diesem Jahre 578 Einwohner der Seuche, ohne die gestorbenen Soldaten; im nächsten Jahre zählte man nur 129 Sterbefälle gegen 45 früherer Jahrgänge.
S. 132/133
Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. „Zu dieser Zeit, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewährt bis auf das 1637. Jahr, da man denn bald nichts anderes hörte, als Rauben, Stehlen, Morden, Brennen und Sengen. Die armen Leute wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm und Beine entzwei geschlagen, Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten, etliche von Ferne beim Feuer gebraten, teils im Rauchschlot aufgehängt und Feuer unter sie geschüret, etliche in die Backöfen gestoßen, Stroh fürgemacht und angezündet, die Daumen geschraubt, spitzige Knöbel ins Maul gesteckt, dass das Blut haufenweise herausgeflossen, hernach den ganzen Leib, durch den Mund, mit Urin und Mistwasser gefüllt, die Fußsohlen aufgeschnitten, hernach Salz hinein gestreut, Riemen aus den Leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den Leib entzwei geschlagen. Jn Summa die große Pein und vorhin unerhörte Marter (davon auch der Teufel in der Hölle mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angetan, bis sie gestorben und verschmachtet oder presshaft geworden, ist nicht zu schreiben, da hat manches frommes Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herren oder besten Sachen, die lange Zeit verwahrt gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der schwangeren und Sechswöchnerin mit Schänden nicht verschont, und welches ja ein Greuel anzuhören, 8jährige Mägdlein, sowohl auch 60 bis 80jährige Weibspersonen zu Tod gemartert, hernach ausgezogen in die Teiche geworfen, oder auf den Straßen liegen lassen. Zuletzt durfte sich auch kein Mensch mehr in den Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sicher, es war gleich im Morast, oder in gebirgigen Steinklüften, denn da hatten sie Hunde, welche auf die Menschen abgerichtet, daß also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach da sind viele Leute in den Wäldern erschossen und niedergehauen worden, auch unbegraben liegen geblieben" u.s.w.
Wallenstein sandte den General Holk, einen Dänen, mit 6.000 Mann aus dem Lager von Nürnberg als Vortrab des folgenden Heeres gegen Sachsen, um den Kurfürsten, der sich nicht in Güte zur Trennung von den Schweden und Niederlegung der Waffen verstehen wollte, mit Gewalt dazu zwingen. Auf dem Wege dahin hatten die armen Leute im Voigtlande und Erzgebirge von dem Wüterich Holk Unerhörtes zu leiden, wie ein Holkscher Jäger in Schillers „Wallensteins Lager", VI. Szene, trefflich schildert: „Wo wir durchgekommen sind, erzählen Kinder und Kindeskind - Nach hundert und aber hundert Jahren von dem Holk noch und seinen Schaaren." - Städte und Dörfer wurden niedergebrannt, Häuser und Ställe ausgeplündert, was nicht fortgeschleppt werden konnte, wurde vernichtet. Noch grässlicher wütete die entmenschte Soldateska an den Bewohnern: Männer und Jünglinge wurden gemartert oder hingeschlachtet, Weiber und Mädchen aufs Blut geschändet. Noch heute lebt in dortigen Gegenden die graunevolle Erinnerung an jene Unmenschen. Verwüstung, Feuer und Blutvergießen bezeichnete ihre Bahn. In den eroberten Städten Zwickau, Chemnitz, Oederan, Freiberg, Altenberg, Dippoldiswalde u.a.O. hausten die Kroaten furchtbar. Bis nach Dresden entsandte Holk seine Streifkolonnen. Bald rückte General Gallas mit einer zweiten Division nach. Was den verwilderten Horden entgangen war, fiel als Opfer der bald hausenden Pest.
S. 134
In der zweiten Hälfte des Juni trat in Leipzig die Pest auf. Sie griff allmählich so um sich, dass das Lazarett in Stand gesetzt, ein Pfarrer, Arzt und Barbier aufgestellt und die öffentliche Wohltätigkeit beansprucht werden musste. Im August wuchs die Seuche und brachte bis Oktober vielen Bewohnern und vier Lazarettgeistlichen den Tod. Während der von Wallenstein vollzogenen Blockade wurden die Toten bis 24. November in der Stadt begraben. Man zählte bis Jahresschluss 1.390 Pestleichen.
In Eilenburg wurden 100 Kinder geboren, dagegen 670 Personen begraben, darunter 492 Pestopfer; im folgenden Jahre starben 334 Personen, hiervon 174 an der Pest; im J. 1634 zählte man 138 Geburten, 148 Verstorbene, mit 72 Pestleichen; im J. 1635 starben 116 Personen, darunter 3 an der Pest und im J. 1636 164 Personen mit 16 Pestopfern.
Jahr 1633

S. 137
Vom 6. bis 20. Januar brachten bei anhaltendem Sturm und Regen Wasserfluten große Not ins Land. Frühjahr und Herbst waren kalt, Sommer reich an Hagel, kein Obst, wenig und saurer Wein.
Im Südwesten Deutschlands entfaltete die Bubonenpest von Neuem ihre verheerende Wirksamkeit. Mit den Truppen des Pfalzgrafen von Birkenfeld zog sie im Elsass ein; da fand sie besonders in dem von fremden Flüchtlingen überfüllten Straßburg einen empfänglichen Boden. „Im Jahre 1633 im Augustmonat, berichtet Andr. Goldmeyers Straßburger Chronika, kam ein Sterbend nach Straßburg, der hielte sehr hart an, und währte bis auf den Frühling des 1634 Jahrs, also dass in 8 Monaten über 8.000 Personen hinweg genommen wurden." Nach Frieses hist. Merkwürdigkeiten 207 „grassierte im Julius die Pest so stark, dass manchen Tag auf einem Gottesacker 30 - 40 Leichen begraben wurden. Im Oktober starben in einer Woche 393 Menschen und vom 14. September bis 30. Dezember 4.018 Personen. Es griff die Leute plötzlich an, dass sie tot zur Erde fielen." Überhaupt erreichte die Sterblichkeit in diesem Jahre die enorme Höhe von 5.526 Todesfällen, von welchen 1.000 auf flüchtige Landleute und Soldaten kommen. Nach dem Fragmente aus der Chronik von J.J. Walther starben „innerhalb 20 Wochen in der Stadt 4.392 Personen, außer diesen starb eine ziemliche Anzahl armer Leute im Spital, Blatternhaus und anderwärts; im ganzen Jahre zählte man gegen. 7.000 Tote." - Ferner fand die Seuche in Oberehnheim, im Lebertal und in Zabern Eingang.

* S. 138
Auch in Freiburg im Breisgau wurde vom Kriegselend schwer heimgesucht; so bemerkte Th. Mallinger in seinen Tagebüchern: „Die armen Leute (in und um Freiburg) kamen in solche Armut, Angst und Not, daß sie vor großem Hunger und Kummer erkrankt, erstlich das Hauptweh, die abscheuliche Pest und andere Angelegenheiten bekommen, so daß viele tausend, und ich will nicht sagen, wie viele tausend vom Feind jämmerlich erschlagen worden, sodaß noch kaum der halbe Teil übrig geblieben und davon gekommen sind." Im Herbste kam die Pest über die Stadt und führte einige Tausend Menschen dem Tode in die Arme. Die Bürgerzahl, welche bisher 1.500 betragen, war nun zurückgegangen auf 400, ohne Weiber, Kinder, Knechte und Mägde. Der Seuche erlagen 8 Professoren und 11 Kapläne, welche zu dem damals in Freiburg residierenden Domkapitel gehört hatten.

* S. 139
In Frankfurt am Main machte sich seit der Schwedischen Okkupation eine bedeutende Sterblichkeit geltend. Während im Jahre 1630: 1.131, 1631: 2.900, 1632: nur 762 Tote verzeichnet sind, finden sich im Jahre 1633: 3.512, 1634: 3.421, 1635 sogar 6.943 (...) Gestorbene in den Registern eingetragen.
(...)
Auch über die bayerischen und fränkischen Lande schwang die Kriegsfurie, unterstützt durch ihre Gefährten, Not und Seuchen ihre Geisel.
(...)
Überdies waren alle Vorräte an Nahrungsmitteln bereits verzehrt oder geraubt, und nun trat eine solche Hungersnot ein, dass die Leute mit den schlechtesten und ekelhaftesten Dingen, halbfaulen Rüben, Kohlblättern, die sie auf den Dunghaufen aufhoben, Hunden, Katzen und stinkendem Aase ihren Hunger stillten.

* S. 140
In der grässlichen Nacht vom 9./10. April wurden die Kaiserlichen und Bayern wieder aus Landsberg von den Schweden vertrieben; die Stadt aber wurde unter Verübung der üblichen Gräueltaten von den nordischen Eindringlingen geplündert. Sie stießen Bürger und Bauern nieder und verstümmelten jeden, der ihnen in den Weg kam. Manche wurden mit auf dem nackten Körper eingestreutem und selbst in den Mund gesteckten Pulver unter namenloser Marter verbrannt, oder auch mit dem schwedischen Trank taktiert. Die Kinder im Mutterleibe wurden nicht geschont und die Jungfrauen hart bedrängt. Der schwedische Name wurde fortan zum Entsetzen und zum ewigen Sprichwort in den deutschen Landen. Einem wiederholten Erscheinen der Schweden am 27. September in Landsberg und einer abermaligen zweitägigen Plünderung folgte wieder die äußerste Not und Pest, welche unter der übrig gebliebenen Bevölkerung arg aufräumte. - Laufen an der Salzach ging zur Hälfte in Flammen auf. Die kaiserlichen Truppen, welche Ende November die Gegend von Starnberg und Perchting überschwemmten, hausten in derselben Weise wie die Schweden. Den schlechtesten Ruf aber genossen die Spanier, welchen alles willkommen war; - kein Wunder, wenn sich die von Freunden wie Feinden äußerst misshandelten bayrischen Untertanen (am 1. Dez.) zwischen dem Inn und der Isar racheschnaubend erhoben. Im Zustande der Verzweiflung übte das Volk schauerliche Vergeltung an seinen Peinigern, überfiel einzelne Kriegsknechte, verstümmelte sie, stach ihnen die Augen aus, schickte sie mit gebrochenen Händen, abgeschnittenen Nasen und Ohren in das Lager zurück oder tötete sie unter großen Qualen. So war die ganze Gegend zwischen Isar und Lech durch die ununterbrochenen Kriegszüge der bayrischen und schwedischen Truppen zur Einöde geworden.
Schwaben erduldete in gleicher Weise alle Drangsale des Krieges. Am 3. Januar wurde Kempten von dem Korps des Kaiserl. Generals Altringer nach 18tägiger Belagerung mit Sturm genommen, und dann über 450 Menschen teils ermordet, teils verbrannt, die Stadt ausgeplündert und hernach die ganze Vorstadt mit 140 Gebäuden abgebrannt.

* S. 141
Ebenso räumte in Neuburg a.D., wo Herzog Bernhard von Weimar Mitte April ein Lager aufschlug, die „ungarische oder soldatische Kopfkrankheit" nicht nur unter den Soldaten, sondern auch unter den Einwohnern auf. Innerhalb acht Monaten erlagen 900 Menschen der Seuche. Unter den Toten befanden sich 2 Stadtärzte, deshalb weigerte sich der dritte, die Kranken zu besuchen. Auch 2 Jesuitenpatres starben als Opfer ihres Pflichteifers. Die Stadt glich einem Friedhofe, denn in allen Straßen lagen Leichen, und die Lebenden sahen aus, als wären sie aus dem Grabe erstanden. Zu diesem Elende gesellte sich Mangel an Lebensmitteln und Hunger. In einer Schupfe in der unteren Vorstadt fand man einen Kohlenbrenner aus einem benachbarten Walde mit Weib und 7 Kindern verhungert.
(...)
Von Regensburg entsandte Herzog Bernhard schon am 7. Nov. einen Trupp schwedischer Reiterei gegen Straubing, welcher die Umgegend ausplünderte. Nach dem Falle Regensburgs folgte Bernhard mit 6.000 Mann stromabwärts, allenthalben sengend und brennend. Am 23. Nov. musste sich Straubing ergeben; Die Bürger und besonders die Geistlichen wurden aufs Grausamste behandelt. Die der Stadt auferlegte Brandschatzung von 50.000 Talern konnte erst im März 1634 entrichtet werden. - Deggendorf und das nahe Kloster Metten wurden von den Schweden ausgeplündert; dasselbse Schicksal erlitte Vilshofen und der Markt Pleinting an der Donau.

* S. 142
In gleicher Weise unternahmen die schwedischen Horden von Regensburg aus Raubzüge an die Naab hinauf. Am 18. Nov. Wurde die Burg zu Lengenfeld vom Oberst Reinhold von Rosa genommen und ein großer Teil der Stadt verbrannt. Ebenso wurde Schwandorf gegen Ende des Jahres genommen und geplündert. Hasswert erlitt dasselbe Schicksal. Für Hemau waren der 24. und 25. Nov. Tage des Schreckens, da eine schwedische Reiterschar hier scheußlich hauste und selbst Weibspersonen mit unsagbarer Grausamkeit marterte. Wie das gehetzte Wild wurden die Bürger auf offener Straße verfolgt, die Wehrlosen wurden niedergeschossen und selbst die an der eingeschleppten Seuche Daniederliegenden aus den Wohnungen vertrieben, nachdem man ihre armseligen Decken in frevelhaftem Übermute verbrannt hatte. - In Amberg rissen neben großer Teuerung eine typhöse Seuche und die Ruhr ein; durch Abschluss der infizierten Häuser, Aufstellung eigener Krankenwärter und Beischaffung der nötigen Hilfsmittel suchte man den Krankheiten zu steuern; sie verloren sich beim Eintritt des Winters.

* S. 143
Herzog Bernhard nahm am 2. April die Stadt Herrieden im Sturm und ließ nun alles, ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, niedermachen (136 Bewohner und 5 Geistliche). Ebenso massakrierten die Schweden gegen 300 Personen, welche sich ins Schloss geflüchtet hatten und in der Badstube allein 60 Menschen. - Auch die Stadt Eschenbach wurde gestürmt und jammervoll zugerichtet. Als die Feinde ihre Wut befriedigt hatten, da gelang es Johann von Werth, welcher mit 500 Kroaten von Weißenburg her erschienen war, die Schweden zu vertreiben. - In Weißenburg erlagen 298 Pestkranke, in Forchheim aber starben 129 Personen, also viel weniger als im Vorjahre, da die Schweden gegen Ende März abgezogen waren.

* S. 143/144
Groß war das Elend, welches die zügellosen kaiserlichen Scharen über das Fürstentum Bayreuth gebracht hatten, und noch immer war das Ende dieses Elendes nicht abzusehen. In Kulmbach hatten zu Anfang des Jahres Pest und Hungersnot eine bedeutende Höhe erreicht. Im Januar erlagen der Seuche allein 70 Personen. Viele Bürger hatten die Stadt und selbst das Land verlassen. Die Landleute wurden von den Kroaten misshandelt, verwundet und getötet. - Wisberg wurde (1.Februar) geplündert und angezündet. Himmelskron, Trebgast und Gössenreuth wurden geplündert. Gefrees, Rehau, Münchberg, Berneck und Bischofsgrün hatten gleichfalls viel zu leiden, da die Feinde Ende August und September überall das Vieh und die Pferde mitgenommen hatten. Der Markt Redwitz ward sehr geängstigt. Fast überall waren die Einwohner verjagt, verarmt, ohne Wohnung, ohne Geld und Vieh. Die Geistlichen und Beamten waren großenteils weggeführt worden. - Am Sonntag vor Fasten überfielen die Holkschen Kroaten Ahornberg, machten den Pfarrer und Schullehrer, 2 hochbetagte Männer, nebst 64 Einwohnern mitten im Dorfe nieder und legten den Ort bis auf die Kirche in Asche.

* S. 145
Auch aus dem Bambergischen vernehmen wir nun Zeugen des Elends. So berichtet die Nonne Junius in ihrer Chronik: „Unter dem Volke Bambergs wüteten Hunger und Krankheiten. Wie das unvernünftige Vieh sind die Leute sterbend nur so hingefallen. Das Simra Korn kostete 3, der Weizen 4 fl., waren nicht zu haben, oder die Leute hatten kein Geld; der Bauer hatte kaum Kleienbrot, darüber wurde heißes Wasser gegossen, um etwas Warmes zu haben. In vielen Dörfern war nicht ein einziges Küchlein. Auf 3 und 4 Meilen Wegs trugen Bauersleute auf dem Rücken Heu und Gras in die Stadt, um etwas Brot dafür kaufen zu können. Bäcker vom Lande hatten etwas schwarzes Brot feil und saßen auf dem Markte, einer an dem anderen vom schönen Brunnen bis hinaus. Waren Brote zu 3, 6 und 12 Pfennige zu haben; diese kauften die armen Leute. Oft war Mittags keines mehr zu haben. Die Fässleins-Leute (Häcker) saßen in der Langgasse, oft 200, gaben die Maß Wein um 5, auch 6 Kreuzer; aber die Leute hatten kein Geld." - Wie an der Aisch, so sah es auch am Ebrachflüßchen, ja im ganzen Lande sehr traurig aus. Von 1633 bis 1639 war häufig fast keine Spur von Ansiedlungen, noch von Menschen mehr zu finden; wer fliehen konnte, verließ die Heimat.
(...)
Auf dem norddeutschen Kriegsschauplatze setzten die Seuchen in gleich verheerender Weise ihre Tätigkeit fort. In Gera, wo sich die Pest bereits im J. 1630 fühlbar gemacht, verbreitete sich die Seuche, durch die Truppen des Generals Holk eingeschleppt, sehr schnell und raffte hier 211, im nahen Dorfe Untermhaus aber gegen 600 Menschen hin. Im Orte Roben fielen 65 Pestopfer; gleichzeitig wurden Steinbrücken und einige andere Orte von der weimarischen Einquartierung und der Pest heimgesucht. - In Langenberg starben 150, in Kraftsdorf 34, Ronneburg 40, Gangloff 14, Pohlitz 10 Personen.

* S. 146
Die unmittelbare Kriegsnot, welche für das Voigtland im August des Vorjahres mit dem ersten Einbruche des kaiserlichen Generals Holk begonnen hatte, steigerte sich im Sommer 1633, bei Holks nochmaligem Einfalle, durch Wiederausbruch der Pest, und zwar zunächst in Plauen, wo sie bis zum folgenden Jahre wütete. Von 24 Ratsherren starben 9, im Ganzen zählte man 1.748 Todesfälle, wogegen die Zahl der Geburten 70 betrug. - Holk starb am 30. August, von seiner Konkubine angesteckt, bei Adorf im Voigtlande an der Pest, welcher über 1.000 Mann seier Truppen auf den Straßen erlagen. Sein Epitaphium lautet: Quis neget hic meritis precium par reddere divos? Qui tua pestis erat, Misnia peste erit.

* S. 148
Bei allgemeiner Hungersnot griff die Pest in Chemnitz im Februar furchtbar um sich; in 43 Tagen begrub man 540 Leichen aus allen Ständen, in der zweiten Jahreshälfte hatte die Pest fast jedes Haus ergriffen; man gab die Zahl der (1633) Verstorbenen rund auf 2.500 an.

* S. 149
Höchst verhängnisvoll gestaltete sich dieses Jahr auch für die Lausitz, namentlich für Zittau, welches sich in den Händen der Kaiserlichen befand. Bei der starken Einquartierung herrschte Mangel an Lebensmitteln, sodass den unglücklichen Bewohnern nur das nackte Leben blieb. (...) Selbstmorde aus Verzweiflung kamen vielfach vor.

* S. 150
Im Frühling erschien Wallenstein mit einem starken Heere in Schlesien, um die Sachsen und Schweden zu vertreiben. Zu den Verwüstungen, welche die wilden Scharen im Lande anrichteten, kam bald die Pest, welche so entsetzlich wütete, dass manche Orte ganz ausstarben und die Armeen ziemlich aufgerieben wurden. Die einst so wohlhabenden und glücklichen Landschaften Schlesiens wurden durch die Pest- und Kriegsfurien in das äußerste Elend gestürzt.
(...)
Nachdem schon im J. 1630 in Folge von Misswachs eine schreckliche Hungersnot eine große Anzahl Menschen dem Tode zugeführt hatte, erhob sich 1633 bei Schweidnitz die Pest, an welcher allein im Lager der Verbündeten von etwa 25.000 Soldaten gegen 12.000, dagegen im kaiserlichen Lager von über 30.000 Mann gegen 8.000 gestorben sein sollen. Von den vor der Stadt lagernden friedländischen und schwedischen Truppen wurden nach Naso, Phoenix redivivus 119, gar 30.000 Mann eine Beute des Todes.

* S. 152
In die Stadt Goldberg (3 M. von Liegnitz), welche am 4. und 5. Oktober von der Wallensteinischen Horde unter Verübung teuflischer Gräueltaten ausgeplündert worden war, schickte am 10. Oktober, um das Elend voll zu machen, der Oberst Sparre 200 kranke Soldaten ins Quartier, „welche denn voller Pestilenz gewesen und vollends, die vom Schwert und den Matern übrig geblieben, mit der Seuche ansteckten".
Jahr 1634

* S.154
Der Jahrgang machte sich durch einen trockenen heißen Sommer und großen Wassermangel bemerkbar; eine einzige Woche im Juli brachte Regen mit Schnee. Die Ernte an Getreide, Obst und Wein war frühzeitig und in den mit Kriegszügen und Mäusefraß verschonten Gauen ausgiebig. Bereits im November trat empfindliche Kälte ein, um bis Ende Februar des folgenden Jahres anzuhalten.
Die Pest, welche im Vorjahre in Franken keine besondere Verbreitung gefunden hatte, gewann nun auch hier festeren Boden. Obwohl aus den unteren Maingegenden die Nachrichten spärlicher fließen, so berechtigen doch die wenigen Andeutungen zu dem Schlusse, dass dort die Seuche besonders überhand nahm. In Frankfurt a. M. starben 3512 Personen und lagen auf einmal 750 Kranke im Hospital und Lazarett.

* S. 155 (Marktbreit)
Bereits im Sommer nahm in Marktbreit die Pest in Folge des Krieges und bei vielen aus der Nachbarschaft dahin geflüchteten Personen in solchem Maße zu, dass bald kein Haus mehr war, in welchem nicht ein Toter gelegen hätte. Die Kranken starben in 2-3 Tagen. Ehegatten mussten, aus Mangel an Trägern, ihre kaum erkalteten Frauen hinaustragen helfen, denn Niemand wollte einen Toten lange im Haus behalten. Im September und Oktober starben täglich 12-15 Personen. Hierzu kam, dass der Ort am 10. September von den Truppen Piccolominis ausgeplündert wurde. Der Tod hatte so vollständig aufgeräumt, dass viele Wohnungen Jahre hindurch leer standen. Am Jahresschlusse zählte man 806 Tote, 385 aus der Gemeinde, die übrigen aus der Fremde. Oft erfasste die Pest ihre Opfer auf der Straße, am Tische beim Essen oder im vollen Genuss des Vergnügens; täglich wurden Leute sterbend oder schon verschieden gefunden. Viele Heimatlose wurden an der Stelle, wo sie geendet, in ein Grab geworfen; am schlimmsten erging es fremden Pestkranken an Orten, wo sich kein Pesthaus befand. Jeder floh sie aus Furcht, das Gift einzuatmen und angesteckt zu werden; selbst Blutsverwandte kehrten sich den Rücken.

* S. 157 (Eichstätt / Fürth)
Auch Eichstätt wurde hart mitgenommen; vom 6. bis 12. Februar wurden in der Stadt, welche Johann von Werth verteidigte, durch die Schweden 444 Häuser und 7 Kirchen in Asche gelegt, so dass nur 127 Häuser übrig blieben. Der Seuche erlagen 982 Menschen; dieses Jahr brachte nur Not und Elend und vereitelte durch Mäusefraß die Ernte für Stadt und Land. - Nach Abzug des Feindes wütete auch in Beilngries die Seuche in entsetzlicher Weise. - Schwabach war so entvölkert, dass das Feld brach lag, weshalb das Korn auf 24 fl. und Dinkel auf 30 fl. zu stehen kam. - Was von der Verwüstung im Jahre 1632 in Fürth übrig geblieben war, wurde am 8. und 9. September bei einem neuen Einfall der Kroaten vernichtet; die noch erhaltenen Wohnungen wurden rein ausgeplündert und bis auf die als Stall benützte Synagoge und ein Haus am Markt von Grund aus zerstört.
Am verheerendsten hauste die Pest in Nürnberg. Nach der Chronik starben „11 Ratsherren, 4 Handwerksherrn, 14 Pfarrer, 7 Schuldiener, 850 so an die Leichtafel geschrieben waren, 9160 im Lazarett, 8664 wurden nachts auf dem Karren hinausgeführt, in allem, so genau nicht gerechnet, über 18 000 Personen. (...)"

* S. 158 (Bamberg)
Über das Elend in Bamberg erzählt die mehrgenannte Nonne Junius Folgendes. „Anfangs Januar plünderten die Forchheimer Soldaten in Franken Vieh und begingen sonstigen Unfug. Die Schweinfurter Besatzung begehrte von Bamberg wiederholt Brandschatzung. Die Teuerung war außerordentlich. Niemand konnte dem Andern helfen, weil alle verderbt waren.
Die Leute wohnten in den Kellern; aus einem solchen zog man auf einmal sieben Personen tot heraus. Am 22. Februar kamen wieder Schweden nach Bamberg; allein sie fanden nur Not und Elend, welche im März unbeschreiblich wurden; die Soldaten verlangten Geld, die Bürger hatten kein Brot; die Leute lagen auf der Gasse, mussten verzagen und verhungern; den letzten Bissen musste man den Schweden geben. In der Gärtnerei wurde Brot in den Dungstätten vergraben, um es zu retten. Manchen Tag lief man in die Stadt aus und konnte nicht für einen Pfennig auftreiben. Leute, welche Güter hatten, aßen kleine Kuchen. Im Mai war die Verwüstung so groß, dass der Feind selbst Jammer und Elend nicht mehr ansehen konnte. Wenn Eines über die Gasse ging, hingen sich die armen Leute haufenweise an ihn. - Halbtot, auch ganz, lagen Menschen vor den Häusern und auf den Dungstätten. Die Ausgehenden mussten über sie steigen. Nicht 20 langten manche Woche, welche tot auf den Gassen gefunden wurden. (...)"

* S.160 (Maingegend / Nördlingen)
Am 18. November nahm der in der Maingegend übelberüchtigte General Lamboy nach kurzem Kampfe das wehrlose Kulmbach, wo seit Frühjahr die Pest so wütete, dass in einer Nacht 60 Leichen begraben wurden und kaum 40 wehrhafte Männer übrig blieben; er ließ die ganze Nacht plündern, so dass der hierdurch erwachsene Schaden nicht mit zwei Tonnen Goldes zu bezahlen war. - Nach der Schlacht von Nördlingen überschwemmten die Kroaten von Neuem auch diese Gegend und begingen unerhörte Grausamkeiten. Heiligenstadt und fast alle umliegenden Dörfer wurden geplündert und eingeäschert. - Bei Gefrees herrschte die Pest. Am 14. November wurde die Gegend von Martinlamitz und am 16. Hof von Neuem durch Brandschatzung und Plünderung heimgesucht. Die Soldaten vom Regimente Bourneville leerten alle Häuser aus, beraubten die Kirchen und begingen, besonders an Frauen, die gräulichsten Gewalttaten. Am gleichen Tage wurde Redwitz geplündert, obschon der Markt von der Pest befallen war.

* S. 167 (Landshut)
Als die Schweden Landshut am 10. Juli erobert hatten, ließ Herzog Bernhard von Bayern 13 Tage lang plündern, sengen und brennen; die Wohnungen wurden ausgeraubt, die Apotheken mit aller Einrichtung zerstört, die Brunnen mit toten Körpern angefüllt und die Bewohner unmenschlich behandelt. Namentlich mordeten die Soldaten alle Wundärzte, die sie in ihre Gewalt bekommen konnten. So gingen gegen 1 000 Menschen elend zu Grunde. Auf der sog. Kapuzinerwiese wurden Gräben ausgehoben und die Leichen eingescharrt. Die Toten, welche man während der Schwedischen Gräuelzeit auf den Straßen fand, musste der Schinder in die Isar werfen. Nach dem Abzuge der Schweden (22. Juli) fing überdies die Pest zu wüten an; sie nahm den dritten Teil der Einwohner (...).

* S.173 (schwäbische Gauen)
Nach der Verwüstung Bayerns wandte sich das schwedische Heer den schwäbischen Gauen zu. In Neuburg a.D. richteten Pest und Hungersnot während dieses und des folgenden Jahres große Verheerungen an. Es befand sich daselbst ein großes Feldspital, in dem an einem Tage 17 Verwundete amputiert wurden.

* S.173-174 (Nördlinger Ries)
Die Stadt Nördlingen musste bei dem dort am 7. September ausgefochtenen Kampfe, wie auch die nahe gelegene Stadt Wemding vieles erdulden. In Haarburg am Ries starben vom 15. März bis 27. September 464 Menschen; 230 Ortsangehörige fielen in der Schlacht bei Nördlingen. Die Gesamtsumme der Toten betrug während des Jahres gegen 800. Öttingen an der Wörnitz ließ Johann von der Werth plündern. Wallerstein wurde am 18. August von den Kaiserlichen gebrandschatzt und in Asche gelegt. Um diese Zeit pflegten die Mütter im Ries ihre Kinder zu mahnen: „Bêd Büebli bêd, - morge kommt der Schwed, - morgen kommt der Oxesteere, - wurd des Büebli bêde leere!" - Nachdem bereits in den Vorjahren die Hälfte der Bewohner von Rain durch Hunger umgekommen war, wurden die Reihen der Überlebenden durch die Pest noch mehr gelichtet; überdies fielen über 100 Pferde als Beute einer Seuche. Wegen Mangel an Arbeitskräften verödeten die Felder. Die im Bezirk gelegenen Orte Thierhaupten und Niederschönenfeld wurden von den Schweden ausgeplündert, letzteres aber zerstört. Höchstädt a. D. erduldete am 22. und 23. August die größten Grausamkeiten von Seiten der Kroaten. Das zu diesem Bezirk gehörige Dorf Ammerdingen wurde nach der Schlacht bei Nördlingen von den Horden des Herzogs Bernhard teilweise in Asche gelegt. - In Dillingen kam zum Hunger die Pest und die ungarische Krankheit, die zahlreichen Toten wurden still beerdigt. Nach der Nördlinger Schlacht holten die Kroaten nicht nur, was die Schweden übrig gelassen, sondern sie blieben auch noch von Weihnachten bis Ostern 1635. - In der mit Flüchtigen angehäuften Stadt Lauingen wüteten Hunger und Seuchen bis ins nächste Jahr. Dem Ratsprotokoll von 1635 zufolge war die Not so groß, dass an etlichen Orten Menschen einander selbst aufzehrten, was „erschrecklich zu hören".

* S. 175 (Augsburg)
In Augsburg hatte während der Occupation durch die Schweden unter dem Befehl des Hans Georg aus dem Winkel vom 20. April 1632 bis 28. März 1635 die vorwiegend protestantische Bevölkerung eine schonendere Behandlung erfahren, als die katholische. Trotz hoher, vom Klerus geleisteter Schutzgelder trieben die Soldaten unter den Augen ihrer Obersten ihr rücksichtslosestes Wesen, das oft in offene Plünderung und Handlungen rohester Brutalität ausartete. Mit Schaudern erzählt Anastasius Vochetius, Konventual zum hl. Kreuz, in seinem Tagebuch die Misshandlung eines Geistlichen, den schwedische Soldaten vor der Stadt aufgriffen und unter einen Wagen banden, dass er wie ein Hund mit Händen und Füßen sich mitbewegen musste, bis er am Stadttor ohnmächtig zusammenstürzte und alsbald verschied. - Zu allen Erpressungen durch Kontributionen und Einquartierungen, die den bürgerlichen Wohlstand auf lange Zeit hinaus erschütterten, kamen, um das Maß des Elends voll zu machen, Hunger und Pest, welche, während der Belagerung der Stadt durch die Kaiserlichen (vom September 1634 bis März 1635) sieben Monate lang unter der Bevölkerung wüteten, und zwar entsetzlicher als Kugel und Schwert.

* S.175-176 (Augsburg)
Als der größte Teil der unglücklichen Einwohner durch Hunger und Pest den Tod gefunden und die Soldaten zum weiteren Kampfe zu matt waren, übergab der Schwede die verödete Stadt. Krankheit und Not hatten in ihr eine schreckliche Verheerung angerichtet, hatten von der im Jahre 1624 gegen 70-80 000 Menschen zählenden Bevölkerung gegen
60 000 hingerafft, so dass diese am 12. Oktober 1635 auf 16 422 Einwohner zusammengeschmolzen war.

* S.181 (Rhein-Main)
Der Verlegung des Kriegsschauplatzes in die Rhein- und Maingegend folgten Hunger und Seuchen auf dem Fuße nach, um auch dort ihren gewohnten Anteil an Menschenopfern zu fordern. Durch anhaltende Truppenzüge, Einquartierungen und Drangsale aller Art brachen über Hessen-Darmstadt, die Pfalz, Kur-Mainz und die Wetterau eine solche Hungersnot herein, dass eine große Anzahl Menschen der Not erlag. Alle Vorräte waren aufgezehrt oder vernichtet und das Feld blieb unbestellt, so dass auch der Feind durch Hunger aufgerieben wurde.

* S.182 (Hanau / Wetterau)
Im Hanauer Lande war die Pest, welche im Dezember 1629 von den Soldaten des kais. Oberst Witzleben eingeschleppt worden war, nicht erloschen. In Oberissigheim machte sich dieselbe noch bemerkbar. So berichtet das Kirchenbuch: „Am Ende Augusti ist Arnold Pflüger an der Pest, davon er ein Schenkel gehabt, wie eine Wagennabe zu Oberissigheim totkrank gelegen. Als nun das kaiserl. Kriegsvolk ankommen, ist Jedermann davon geloffen, als dass er Arnold ohne Zweifel verschmachten müssen, sein Körper ist ganz verwest im Haus gefunden worden." - Im Herbst wurde die Wetterau von den Kroaten, Ungarn und Polen verheert. Viele Dörfer gingen in Flammen auf, das Vieh wurde geraubt. Dazu kam die Seuche, die sich überall hin verbreitete und zu Friedberg täglich 7 bis 8 Menschen, wie auch die beiden Bürgermeister und Geistlichen hinwegraffte; sie spann sich ins nächste Jahr fort. In den letzten vier Monaten starben 91 Menschen, während im ganzen Jahr nur 17 Kinder geboren wurden. Ebenso grassierte die Pest in Lich u. a. O. Manche Orte verloren die Hälfte der Einwohner. So bemerkt das Kirchenbuch des Dorfes Garbenheim: „Seidhero ao. 1634, 1. Advent die Mansfeld Armee das Land hierumb verderbt, sind bis anjetzo peste Garbenheimer leut gestorben 75, leben noch 78."
Jahr 1635

* S.188 (Ulm)
In Ulm hatten sich Tausende von Flüchtigen zusammengedrängt, um Schutz gegen die Gewalttätigkeiten der Kriegsknechte zu suchen. Da brach im Juni neben allgemeiner Not und Teuerung die Pest aus; täglich starben 100 bis 124 Menschen; morgens fand man viele tot auf den Straßen, vor den Türen, vor den Bäckerläden. Der Pestwagen, die Räder mit Filz umwickelt, fuhr dann umher, um die Opfer wegzuführen; eine allgemeine Verkehrsstockung trat ein, man sperrte sich gegenseitig ab, kein Haus ward mehr geöffnet, nur Geistliche und Ärzte sah man im Dienst. 15 000 Menschen wurden im Laufe von 8 Monaten durch den Tod vom Elend erlöst; hierunter befanden sich 5672 Arme und Bettler, sowie 4033 Fremde und Flüchtlinge. Noch im Jahre 1635 wurden nach der Pesternte 60, im folgenden Jahre aber 479 Ehen geschlossen, hierunter am 9. Februar allein 24; hingegen wurden im Jahr 1636 nur 496 Personen, darunter Dr. med. Gregor Horst, begraben, und 554 Kinder geboren. - Zu Wurmlingen und Weilheim wurde durch die Truppenzüge eine pestartige Seuche eingeschleppt. Kein Tag verging, an welchem nicht Pestleichen zu Grabe getragen worden wären.