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Peter Milger : Der 30-jährige Krieg - Gegen Land und Leute

(6) Die Eroberung der Rheinpfalz

Habsburg-Spanien handeln nach Plan * Die Protestantische Union hat keinen und handelt nicht * Die Union gibt auf und löst sich auf * Der Krieg kommt näher * Kein Fuchs beist den anderen
Zwei Fliegen mit einer Klappe

Habsburg-Spanien brauchte einen Landweg in die Niederlande zwecks Bekämpfung der abgefallenen Generalstaaten, da bot sich die Pfalz geradezu an - jene Pfalz, die Kaiser Ferdinand II. seinem Schulfreund Maximilian, dem Herzog von Bayern, als Lohn für sein Wirken in Böhmen versprochen hatte. Kurfürst Friedrich hatte die Pfalz samt Titel nach Ansicht Ferdinands verwirkt, als er sich zum böhmischen König wählen ließ und damit gegen das Reich rebelliert habe. Tatsächlich hatte sich Friedrich mit Ferdinand in dessen Rolle als österreichischer Erzherzog angelegt. Da Ferdinand den Reichstag überging, hatte er keinen Rechtstitel für sein Vorgehen. Folgerichtig billigte er die gewaltsame Eroberung der Pfalz durch spanische Truppen. Das war laut Reichsrecht verboten - und ebenso folgerichtig setzten einige Fürsten der protestantischen Union ihr Heere in Marsch, die aber nicht eingriffen.
Wahrhaftige Abildung derjenigen Städte und Schlösser, welche Ihre Exell. Marquis Ambrosius Spinola, General, im Namen der Röm. Kay. Maj. in der Kur Pfalz am Rhein eingenommen - Flugschrift Augsburg 1621, Text am Ende des Kapitels.
Folter zwecks Preisgabe von versteckten Wertsachen. Theatrum (Zeitung) :"Während der Belagerung haben die Spanier, so im Böckelheimer Tal gelegen, alles geraubt und geplündert. Die Leute sind alle geflohen, nur ein alter Mann hat nicht fortkommen können. Sie haben denselben in einen Schornstein gehängt und Feuer und Rauch unter ihn gemacht, bis er nach großer Marter seinen Geist aufgegeben hat." Zeichnung aus einem Reisebericht eines Engländers. "Aufhängen im Rauch."

Herzog Maximilian streicht seinen Lohn ein

Eine vorgezogene Meldung. Relation, Straßburg, 1623:

"Aus Regensburg am 1. März. Samstags ist die Installierung ihrer Durchlaucht Herzog Maximilian von Bayern zur kurfürstlichen Dignität vollzogen worden... des Reichs Vizekanzler hat eine Rede getan... und der Länge nach des Pfalzgrafen (Friedrich) Verbrechen und den Verlust seiner Kur dargegeben."

Während das Heer der Liga unter Maximilian von Bayern in Böhmen einmarschierte, hatten die Tagebuchschreiber mehrfach die Erfolge der Spanier an der zweiten Front gemeldet. So stand es auch in den Zeitungen. Theatrum:

"Nachdem der spanische General Spinola in den Niederlanden, Flandern und Brabant seine Kriegsmacht zusammengebracht, ist er am 17. August des vergangenen Jahres 1620 gegen die Kurpfalz aufgebrochen."

Graf Spinola realisierte mit seinen spanischen Truppen den zweiten Teil des Kriegsplans. Der Feldzug galt keineswegs nur der Eroberung der Rheinpfalz, die dem Bayernherzog zugesagt war. Er war Teil der militärischen Gegenreformation.

Union in der Zwickmühle

Die protestantische Union hatte zu Ulm am 3. Juli 1620 dem Kaiser zugesagt, sich aus dem böhmischen Krieg herauszuhalten. Zum Dank eroberten die Spanier nun protestantische Gebiete am Rhein. Die Union war aber gegründet worden, um genau das zu verhindern. Sie war laut Reichsverfassung auch berechtigt, Angriffe ausländischer Truppen abzuwehren. Andererseits handelte Spinola mit Billigung von Kaiser Ferdinand. Die Begabung der einen, Zwickmühlen aufzustellen entspricht die der anderen, in sie hinein zu tapsen. Was also sollten sie tun, die Herren Protestanten? Ein mächtiges Aussehen annehmen. Theatrum:

"Die Unierten haben ihr Lager auf einem Berg bei Oppenheim aufgeschlagen. Es befanden sich bei der Armee Markgraf Joachim Ernst von Brandenburg Ansbach als Generalleutnant, Herzog Johann Friedrich von Württemberg, Markgraf Friedrich von Baden Durlach, Herzog Julius von Württemberg, Markgraf Carl von Baden, und viele andere hohe und vornehme Personen."

Das musste doch Eindruck machen. Aber Spinola erwies sich nicht als sonderlich schreckhaft.

"Der Graf Spinola hat sein Volk bei Mainz am 26. August 1620 eine Brücke über den Rhein schlagen lassen und ist gegen das Lager der Union bei Oppenheim vorgerückt. Danach ist der Markgraf von Ansbach mit 1.000 Musketieren und etlichen Kompanien Reitern gegen ihn gezogen und hat sich sehen lassen. Den 28. August haben beide Lager Stille behalten und sich beobachtet. Den 29. hat der Graf Spinola den Berg wieder verlassen und ist mit seiner ganzen Bagage mit 1.500 Wagen von dannen gezogen."

Deutliche Absichten

Spinola zog sich aber nicht in die Niederlande zurück, sondern nach Kreuznach, um es zu erobern.

"Die Spanischen haben 13 Schüsse auf das Schloss und die Stadt abgehen lassen und große Furcht bei den Einwohnern verursacht. Also hat der Rat am 31. August kapituliert. Nachdem die Stadt den Spanischen geöffnet worden, sind zwei Fahnen Wallonen und Burgunder eingezogen."

Die untätigen Fürsten konnten bald darauf in der Zeitung nachlesen, was ihre Schutzbefohlenen taten, um ihre Familien selbst zu schützen Theatrum:

"Am 31. August haben etliche Kompanien in dem Flecken Engelstadt logieren wollen. Als die Bauern sich zur Wehr gestellt und von den Spanischen 4 oder 5 erschossen haben, ist der Flecken übermannt und an die 110 Gebäude Asche gelegt worden. Viel Landvolk, das dem Flecken zur Hilfe kommen wollte, wurde gefangen. Ansonsten sind noch andere Dörfer bei diesem Zug in Brand gesteckt worden."

Die Spanier fragen nicht, wem Land und Leute gehören:

"Zu Eisenheim, Pfalz-Zweibrücken zugehörig, haben sie 25 Häuser abgebrannt. Dann ist Spinola nach dem Amt Alzey gerückt und hat die Stadt berennen und auffordern lassen. Weil sie gegen solche Gewalt nicht bestehen konnte, hat sie sich bald ergeben."

Leere Versprechungen

Die Armee der Union verlässt das Lager bei Oppenheim und marschiert nach Worms.

"Nach dem Abzug blieben die Oppenheimer nicht lange ohne fremde Gäste. Spinola hat 12.000 Mann mit etlichen Stücken groben Geschütz davor geschickt. Wie nun die Stadt sich zu schwach befunden, hat sie sich nach wenigen Stunden mit Akkord ergeben."

Der Akkord bestimmt:

"Sie sollen den Kommissaren, wer sie auch seien, im Namen kaiserlicher Majestät gehorchen. Die im Reich zugelassene Religionsausübung ist ihnen frei gelassen."

In einem Dekret von 1627 wird die katholische Konfession in der Pfalz Untertanenpflicht. Wer nicht gehorcht, muß gehen, ohne Hab und Gut.

Träge Union

Die protestantische Intelligenzia macht sich mittels Flugblättern über die Union lustig. Im Theatrum wird die Angelegenheit ausführlich erörtert:

"Unterdessen ist den Unierten besonders wegen des Verlusts der Stadt Oppenheim übel nachgeredet worden, dass die unierten Fürsten, von denen man doch große Taten gegen die Spanier erhofft, bei diesem Handel vorsichtig und träge waren und nur zusahen, wie der Spinola einen Ort nach dem anderen einnähme."
Spottflugschrift: Alles hat seine Zeit. Die protestantischen Potentaten sehen tatenlos zu, wie die Pfalz verwüstet wird.

Kein Anlass

Die Union sieht sich genötigt, eine Stellungnahme zu publizieren:

"Der Union General Fürsten und Stände haben einen freien Durchzug... mit gutem Fug und Recht abgelehnt, haben aber dann nicht genügend Ursache gehabt, ohne weiteren Anlass den Spinola anzugreifen ..."

Die Spanier nahmen in Besitz, was ihnen unter die Stiefel kam und zündeten die Häuser protestantischer Bauern an. Aber es waren nicht die Städte und Untertanen der versammelten Fürsten. Also waren sie auch nicht ernsthaft gewillt, ihre wertvollen Kanonen und teuren Regimenter aufs Spiel zu setzen. Die Strategen der Habsburger hatten diese Haltung vorrausgesehen, während die protestantische Öffentlichkeit wohl von mehr Kühnheit ausgegangen war. Die Union mußte also etwas für ihr Image tun.

Jakobs Irrtum

In ihrer Erklärungsnot machte die Union den englischen König Jakob I. zum Experten für die Analyse der Absichten Spinolas.

"Zwar sind die Fürsten nicht eines so schlechten und kindlichen Verstands, dass sie den Betrug des Spinola nicht zuvor bemerkt haben ... aber sie sind aus erheblichen Ursachen dem Gutachten des Königs von Großbritannien gefolgt, dass der Spinola keine Absichten gegen die Kurpfalz habe ... Was sollten die Fürsten anderes tun, als dasjenige, als sie getan haben?"

Was konnten die Fürsten dafür, dass sich der König geirrt hatte?

"Jetzt kann er merken, wie dem Haus Spanien zu trauen gewesen, auch mit der lang gesuchten Heirat. In Summa, wie leicht er ihnen geglaubt und wie schändlich sie ihn betrogen haben."

Land verdorben - Gewissen rein

Dass diese Begründung schwach war, erkannten die Verfasser der Erklärung offenbar selbst. Also setzten sie noch eine drauf: Die Fürsten hätten die Annexion protestantischer Territorien und Städte hingenommen, um vor der Geschichte als Unschuldslämmer dazustehen.

"Man kann jetzt auch merken, wie die geistlichen Herren den Vertrag zu Ulm so fleißig gehalten. In Summa, die ganze Welt kann sehen, dass die Fürsten zum künftigen Landverderben nicht Ursache gegeben haben. Dieses hätte nicht... mit so schönen Farben ausgemalt werden können, wenn von unserer Seite der erste Angriff geschehen wäre. Nun aber haben wir vor Gott ein gutes Gewissen und bei den Nachkommen einen ewigen Ruhm und ein Zeugnis unserer Unschuld."

Mit Ruhm bekleckert hatten sie sich, allenfalls. Da Spanien und Co. ohne erkennbare rechtliche oder moralische Skrupel vorgingen, offensichtlich auch nach dem Urteil der Nachkommen nicht fragten, hätte es für die Union nur ein Mittel gegeben, den Krieg zu verhindern: ein Signal ihrer Bereitschaft, ihn zu führen.

Die einen und die anderen

Aber das Verderben traf ja hauptsächlich andere. Meistens ärmere. Theatrum:

"Inzwischen ist der schöne und reiche Flecken Guntersblum vom spanischen Volk in Brand gesteckt und ganz in Asche gelegt worden. Weil die Einwohner sich gegen eine Besatzung gewehrt hatten, haben die Spanier etliche von ihnen erschossen und verletzt."

Wer genügend Geld und Preziosen einpacken konnte, machte sich davon.

"Danach ist der Spinola bei Oppenheim über den Rhein und mit etlichen Kompanien zu Ross bis an die Bergstraße gestreift und hat von dem Städtchen Bensheim bis an den Rhein Schanzen gemacht. Durch den bisherigen Erfolg des Spinola ist unter anderem zu Heidelberg eine solche Furcht entstanden, dass die Witwe des Kurfürsten, fast alle Räte und viele vornehme Einwohner sich an einen sicheren Ort begeben haben."

Selbsthilfe

"Ausschüsse" nannte man Verbände der Landesverteidigung. In der Regel mussten Körperschaften wie Zünfte oder Dorfgemeinden eine bestimmte Zahl wehrfähiger Männer stellen. Theatrum:

"Den 31. Oktober haben die Spanischen das Schloss Böckelheim mit 130 Schüssen beschossen. Der Kapitän des Ausschusses von Sobernheim hat sich mit Gegenschießen gewehrt, also dass vor dem Schloss 200 Soldaten tot geblieben. Soviel Volk hatten die Spanier in der ganzen Pfalz noch nicht verloren. Weil kein Entsatz kam, hat der Kapitän das Schloss mit der Bedingung übergeben, dass er samt seinen Soldaten freien Abzug haben möchte. Welches zwar die Spanier zugesagt, aber nicht gehalten haben. Sobald er mit seinen 60 Soldaten herausgekommen war, wurden sie größtenteils umgebracht und er gefangen nach Kreutznach geführt, wo er gegen Lösegeld freigekauft werden muste."

Folter

Die erste Meldung im Theatrum über eine Folterung zwecks Auffindung versteckter Wertsachen:

"Während der Belagerung haben die Spanier, so im Böckelheimer Tal gelegen, alles geraubt und geplündert. Die Leute sind alle geflohen, nur ein alter Mann hat nicht fortkommen können. Sie haben denselben in einen Schornstein gehängt und Feuer und Rauch unter ihn gemacht, bis er nach großer Marter seinen Geist aufgegeben hat."

Die Herren sind lustig gewesen

Eine Nachricht aus dem höfischen Leben gleich nebenan in Mainz. Nürnberger Zeitung, 1620:

"Der Kurfürst von Mainz hat ein stattliches Bankett gehalten und der Kurfürst von Sachsen hat die Oberstelle an der Tafel gehabt. Als die Herren sämtlich lustig gewesen und starke Trünke geschehen, hat der bezechte Trompeter nach ihrer kurfürstlichen Gnaden willen nicht aufgespielt. So hat der Kurfürst ihm jämmerlich mit dem Degen auf den Kopf geschlagen und dergestalt verletzt und gestochen, dass er hernach in wenigen Stunden verschieden."

Friedensfühler

Zwischen den europäischen Fürstenhöfen herrschte reger Briefverkehr. Viele glaubten noch, den Krieg auf diplomatischem Weg eindämmen zu können. Theatrum:

"Der König Jakob hat gegenüber dem König Philipp von Spanien erklärt: Er könne und wolle nicht leiden, dass man seiner Kinder Erbland so behandele und wenn es anderen zum Raub werde, so müsse er sich anderen Rat schaffen. Philipp hat sich aber nicht beirren lassen..."

Andere versuchten es mit Beten. Augsburger Flugblatt, Ende 1620:

"Darum wir Gott inbrünstig anrufen sollen, dass er alle wohlverdienten Strafen abwenden wolle, Krieg und Blutvergießen, auch die Verderbung von Land und Leuten verbieten. Damit den Bedrängten geholfen, das Verlorene wiedergebracht, Friede und Einigkeit erhalten, auch endlich wir dadurch ewig selig werden möchten. Amen."

Keine Wirkung

Eigentlich hatte Spanien im Namen des Kaisers nur das Land des "Rebellen" Friedrich von der Pfalz besetzen sollen. Spinola legte den Auftrag nicht kleinlich aus. Theatrum:

"Spinola hatte indessen viele Orte auf dem Hunsrück und an der Mosel mehrteils mit Sturm oder Übergabe in seine Gewalt gebracht."

Er eroberte auch Reichsstädte und sogar kurmainzische Dörfer, ohne auch nur den geringsten Vorwand.

"Spinola ist fürderhin auf mehrere Mainzer Orte gerückt und hat selbige ausgeplündert, auch in Falkenstein gute Beute erobert. Inzwischen sind auch beiderseits etliche Scharmützel vorgegangen. Dann haben die Spinolischen auch Kaiserslautern zur Übergabe aufgefordert, die sich auch gutwillig ergaben. Item Ladenburg, die Reichsstädte Friedberg, Gelnhausen und andere eingenommen. Und seit dem 15. Januar auch Wetzlar und Münzenberg erobert und andere Städte mehr. Von den Schatzungen, die Spinola den angrenzenden Grafen, Freien, Städten und Flecken auferlegt, zu schweigen."

Union gibt ganz auf

Im Januar 1621 sprach der Kaiser die Acht über Friedrich von der Pfalz aus. Die Union protestierte, und Ferdinand befahl ihr im Gegenzug, ihre Truppen zu entlassen. Die Union gehorchte, nachdem sie mit den Spaniern einen Neutralitätsvertrag abgeschlossen hatte. Das war ihr letzter Akt, sieht man von ihrer endgültigen Selbstauflösung am 14. Mai 1621 in Heilbronn ab.

Der Krieg aus Rothenburg gesehen

"Sie waren des selben Schlages mit ihren falschen Listen ..."

In der reichsunmittelbaren Stadt Rothenburg ob der Tauber fasst der Chronist Sebastian Dehner zusammen was er sieht, hört und liest. Er gibt sicher auch so etwas wie eine "protestantische" öffentliche Meinung wieder.

Der Krieg kommt näher

"1620. Mittwoch den 5. Januar hat Markgraf J. Ernst hier auf dem Markt wegen der Soldaten einen Galgen und einen Esel aufrichten lassen. Der Esel ist aus Brettern geformt; wer es verdient hatte, den setzten sie rittlings auf die Kante und hängten einen schweren Stein an jeden Fuß. Da saß er 2, 3 oder mehr Stunden, je nachdem was er verbrochen hatte.

Am 16. Januar hat man 3 große Feldgeschütze, je von 12 Pferden gezogen, samt 30 Wagen mit Rüstung von Amberg hierher geführt.

Den 17. Januar hat der Markgraf einen Reitersoldaten an den Galgen auf dem Markt hängen lassen, weil er auf der Nürnberger Straße einen Kaufmann angegriffen und ihm 150 Gulden genommen hat."

Kein Fuchs beißt den anderen

"Den 12. Mai ist Markgraf Ernst, als General-Obrist mit etwa 500 Mann zu Ross und Fuß, auf Dinkelsbühl gezogen. Er hat dort gewartet, bis etwa Fünfzigtausend zusammengekommen und ist mit allem Volk nach Ulm gezogen. Dort lag der Bayernfürst, um die Stadt einzunehmen. Es lagen sich also der Bayernfürst und Markgraf Ernst bis Juli gegenüber, und doch hat keiner den anderen angegriffen. Der Markgraf hätte, wie seine Soldaten selbst zugeben, den Bayernfürsten wohl in die Flucht schlagen können, aber kein Fuchs hat den anderen beißen wollen, sie waren des selben Schlages mit ihren falschen Listen."

Lieber Freunde

"Im Juli zog Markgraf Ernst mit allem Volk und Geschütz an den Rheinstrom. Dort lag der spanische Obrist, der Spindelein genannt (Spinola), und der Markgraf sollte ihn vertreiben. Aber er und Spindelein lagen da etliche Monate, und keiner wollte den anderen angreifen, sondern lieber Freundschaft schließen. Wie seine Soldaten bezeugen, hätte der Markgraf den Spindelein schlagen können. Aber er hat seine Soldaten jedesmal zurückgehalten. Nun ist der Markgraf zum Spindelein gereist und hat mit ihm getafelt und es gut sein lassen."

Protestanten geplündert

"Der Markgraf hat dem Pfalzgrafen in seinem Land nicht weniger Schaden getan, als der Spindelein. Anstatt es zu schützen, hat er selbst Flecken und Dörfer in Brand gesteckt und die guten Leute von Haus und Hof verjagt und um ihr Gut gebracht. Am Ende hat er Geld vom Spindelein genommen, und zog davon und hat etliche Maulesel mit Geld beladen nach Ansbach führen lassen."

Spott und Schmäh

"Als die Union ist angefangen worden, hat man in der Kirchen hier (das Gott seinen Segen dazu geben wolle) für dieselbe gebetet, da sie aber wieder zerrissen, hat man am heiligen Pfingsttag im Mai wieder aufgehört, dafür zu bitten... Von dieser Union sind viel Spott- und Schmähkarten, allerhand seltsame Kupferstücke und Reime gemacht worden, welche überall verkauft worden sind."
Text zum oben abgebildeten Flugblatt

Demnach sich im Königreich Böhmen und den inkorporierten Landen im Jahr 1618 ein große Empörung und Unruhe erregt und auch das Königreich Ungran inbegriffen. Deswegen man zu Stillung des weitaussehenden Feuers und Besorgnis größerer Gefahr allen Ortens sowohl innerhalb als auch außerhalb des Heiligen Römischen Reichs viel Volk zu Ross und Fuß gewonnen. Dergleichen dann auch vom Obristen General Ambrosio Spinola in den Niederlanden, Braband und Flandern geschehen. Nachdem er seine Kriegsmacht zusammengebracht ist er am 16. August des verwichenen Jahres 1620 gegen die Kurpfalz aufgebrochen ... inzwischen aber die evangelischen unierten Fürsten (Protestantische Union) im Engelheimer Grund ein Lager aufgeschlagen und des Spinola Intent verwehrt. Ungeachtet dessen ist er fortgerückt und den 17. August in Mainz angekommen und Teil seines Volkes in Biberach und Kastel ihr Quartier aufgeschlagen. Anderntags ist er daselbst aufgebrochen und nach Altzhaimb (Alzey) vorgerückt und selbige Stadt ohne Widerstand erobert, mit Volk besetzt und stark befestigt. Den 14. September hat sein Exell. Oppenheim erobert und mit 800 Mann besetzt und eine Brücke über den Rhein geschlagen. Auf den 15. ist er nach Kreuznach gerückt und das Tor mit einer Petarde (Geschütz) gesprengt, die Stadt samt dem Schloss (Burg) eingenommen und mit starkem Quartier belegt und stark besfetigt. Inzwischen sind etliche Streifzüge vorgegangen, beiderseits viel Volk geblieben oder gefangen und gute Beute erobert worden. Den 22. September haben die Unierten ihr Lager verlassen und haben bei Worms eine Schiffbrücke geschlagen, sich selbst mit 4000 Man dahin gelegt im den Spinola Einhalt zu gebieten. Der ist dessen ungeachtet nach Bacharach und Kaub aufgebrochen, selbige Städte wie auch Simmern, Kochberg auf dem Hunsrück (Kirchberg?) und Guntersblum eingenommen, weiter nach Niderulm (?), Weissenau und andere Mainzische Orte gerückt und selbige geplündert, Monsingen, Wald, Beckelhaimb (?), Sobernheim samt dem Städtlein Rosenberg erobert und besetzt. Gleichfalls hat sein Volk Hohenlandsberg, Zweibrücken wie auch Falkenstein, Moracker (?) eingenommen und gute Beute erobert, dazwischen sind beiderseits etliche Scharmützel vorgegangen. Folgend sind die Spinolischen nach Kaiserslautern passiert, selbige Stadt aufgefordert (zu Übergabe) die sich gutwillig ergeben , 9 Kompagnien Soldaten hineingelegt und wohl verschanzt. Nach diesem sind sie auf das Schloss Bickelheim, Trabach, Enkirch, und Rüdesheim dem Grafen Solms zugehörig. Item Schießhaimb (?), Ladenburg, die Reichsstadt Friedberg, Gelnhausen und andere Städte eingenommen. Und sind im Januar 1621 nach Granien (?) , die Stadt neben Wetzlar und Münzenberg gleichfalls erobert und besetzt und andere Städte mehr, welche auf obiger Figur zu sehen sind, sowohl der großen Schatzung (Lösegeld) so er den angrenzenden Grafen, Freien, Städten und Flecken auferlegt ganz zu schweigen.

Es folgt das im Kapitel 6 zitierte Gebet