Der 30-jährige Krieg - Peter Milger

(7) Krieg, überall Krieg

Verheerungen in der Pfalz, in Hessen, in Westfalen, im Elsass, die Schlacht bei Wimpfen, die Schlacht bei Höchst am Main
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Inhaltsverzeichnis
Schlacht bei Wimpfen 1622
NEUE BÜNDNISSE GEGEN HABSBURG
Die Schlacht bei Wimpfen, 26 April (6.Mai) 1622 - Markgraf von Durlach versus Tilly.
Kurz vor Auflösung der Union hatten die Niederländischen Generalstaaten Beistandsverträge mit Friedrich von der Pfalz und König Christian von Dänemark geschlossen. Letzterer war als Herzog von Holstein auch Reichsfürst. Die Eroberung der Pfalz und die Achterklärung verstießen gegen geltendes Recht und bindende Zusagen anlässlich der Kaiserwahl. Die Besorgnisse, die der Kaiser mit seinem Vorgehen auslöste, trieb Friedrich neue Bundesgenossen zu, so dass dieser nun die Rückeroberung der Pfalz ins Auge fassen konnte. Sonderlich viel Militär stand ihm nicht zur Verfügung.

Der größte Teil der niederländischen Truppen wurde für die Landesverteidigung gebraucht.

Mansfeld schlug sich mit der bayrischen Armee in der Oberpfalz an der böhmischen Grenze herum.

Die pfälzisch-englischen Truppen in der Rheinpfalz hielten die Städte Mannheim, Frankenthal und Heidelberg.

Von der Rheinpfalz meldet die Zeitung Theatrum:

"Spinola wieder nach Brüssel gezogen und in der unteren Pfalz hatte General Corduba das Kommando über das hinterlassene Kriegsvolk übernommen. Der Waffenstillstand war zu Ende gegangen."
General Tilly
Tserclares Tilly, General der bayerisch-ligsitischen Armada: Dienstherr: Herzog Maximilan von Bayern
Und alle konnten wieder richtig loslegen:

"Im August haben 15 Kompanien Pfälzisches Volk zu Ross und etliche Fahnen zu Fuß im Bistum Speyer mehr als zehn Dörfer eingenommen und mehrerenteils ausgeplündert".

Die eignen Untertanen auch nicht geschont:

"Die Pfälzischen haben ihr Lager zu Birstätt aufgeschlagen, welches ein reicher Flecken war, daraus die Einwohner fast alle entwichen, weil die Soldaten ärger als Feinde darin gehaust, Kisten und Kasten geöffnet und alles ausgeraubt, die Früchte aus den Scheunen und die Pfähle aus den Weingärten weggeführt, die Türen ausgehoben und Hütten daraus gemacht, Kühe und Schweine niedergeschossen und alles verwüstet, daher der Pfalz 'Defensores', ihre 'Devoratores' genannt worden."

SCHWERE KÄMPFE UM FRANKENTHAL

"Indessen hat sich der spanische General Don Corduba mit seinem Volk Bensheim, Heppenheim, Weinheim, des Schlosses Starkenburg und also der ganzen Bergstraße bemächtigt... Nachdem auch Oggersheim eingenommen wurde, ist Don Corduba den 19.September in voller Schlachtordnung gegen Frankenthal gezogen."

Noch waren die meisten Städte nur durch ihre mittelalterlichen Mauern geschützt, die den Geschützen (Stücken) nicht gewachsen waren. Aber Frankenthal war erst vor kurzem mit "modernen" massiven Vorwerken umgeben worden. Waren genug Vorräte vorhanden, konnten solche Festungen auch von einer kleinen Truppe lange gehalten werden.

"Sie hatten in der Stadt 12 Kompanien: drei Englische, drei Deutsche, zwei Holländische und vier Landvolk und Ausschuß. Die Bürger hatten sich stark zusammen verbunden und es durfte niemand über Akkordieren reden."

Da die Spanier die Pfalz dauerhaft erobern wollten, mussten sie auch die Festungen einnehmen.

"Den 6. Oktober gegen Abend um 7 Uhr haben die Spanischen einen starken Angriff gemacht. In einer Schanze hielten die Englischen unfleißig Wache und die Spanischen hieben an die 60 nieder und drangen bis zum Festungstor vor, wo sie wieder weichen und viele Tote hinterlassen mußten. Dann wurde wieder gewaltig aufeinander mit Stücken geschossen. Am 9. Oktober begannen die Spanier mit Feuerkugeln zu werfen. In der Stadt haben Bürger, Bauern sowie deren Weiber und Kinder fleißig acht gegeben und die Feuer mit frischen Ochsenhäuten erstickt. Nur in einem kleinen Häuslein hat eine solche Kugel eine Jungfrau getötet, und der Vater wurde mit einer anderen Tochter durch das Feuer ziemlich beschädigt. Den 10. Oktober fing es heftig an zu regnen, wodurch die Gräben mit Wasser angefüllt wurden, die die Spanier schon bis zur Mauer gegraben hatten."

Moderne Festungen wurden nach den Erfahrungen von Frankenthal im 30jährigen Krieg nur noch selten belagert.

"An spanischer Seite sollen - wie Gefangene berichteten - an 3.000 geblieben und verwundet worden sein; von denen in der Stadt aber sind 9 Bürger und etwa 100 Soldaten umgekommen."

Ernst von Mansfeld stand mit seiner Truppe an der böhmischen Grenze.

SCHLAGZEILEN

"Graf von Mansfeld richtet eine neue Armada auf und lagert bei Weidhausen in der Oberpfalz - Droht Bischöfen von Würzburg und Bamberg ins Land zu fallen - Herzog von Bayern rüstet gegen Mansfeld - Tillysche und Würzburgische werden von Mansfeld geschlagen - Vergebliche Verhandlungen - In beiden Lagern brechen Krankheiten aus - Graf Tilly und Mansfeld in Lebensgefahr - Es wird ein Meuchelmörder auf Mansfeld angesetzt - Die Jesuiten werden mit in die Tat gezogen - Mansfelder kommt mit List ungeklopft aus der Oberpfalz."

VORSCHNELLES FROHLOCKEN...

Mansfeld hatte mit Maximilian einen Vertrag geschlossen. Theatrum:

"Er stellte sich, als wollte er mit seiner Armee gegen Erlegung etlicher Tonnen Goldes in Kaiserlicher Majestät Diensten sich hinfort gebrauchen lassen."

Kaum war die Tinte trocken, rückte Mansfeld mit 20.000 Mann und 500 Bagagewagen nach Westen ab und zerriß den Vertrag.

"Hierdurch wurde die Freude zunichte, so schon zu Prag gewesen, wo man wegen des vermeinten Akkords die Glocken geläutet und das Te Deum laudamus gesungen hatte."

ALLE PLAGEN BEISAMMEN

Der Normalzustand dieses Krieges stellt sich ein. Unterwegs in die Pfalz verbreite Mansfelds Truppe neben den üblichen Schrecken auch Seuchen. Ein Arzt beschreibt die Symptome der typhusartigen Krankheiten:

"Melancholie, Manie, krampfhaftes Lachen, Schmerzen in der Wirbelsäule, in den Zähnen, Pusteln in den Augen, Blindheit, Blutspeien, Geschwülste, Kolik, Würmer, Arbotus, Harnbeschwerden etc."

In Weiden starben zum Beispiel 150 Menschen an der Krankheit.

FOLTERN NIMMT ZU

Ein Augenzeuge schreibt an das Amt Amberg:

"Es gab Rauben, Abbrennen, Raidlen (Zusammenpressen des Schädels mit Schnüren und Drehhölzern), Daumenschrauben, Aufhängen der Armen Leute an Bäumen, Verwüstung, Wegtreiben des Viehs, so dass es einen Stein erbarmen konnte."

Die Besatzung von Frankenthal dagegen hatte Grund zur Freude, als sie Ende Oktober eine Vorhut der Mansfelder Armee erblickte. Ganz andere Wahrnehmungen hatten die Menschen am Neckar und im Odenwald.

DIE BAYERN KOMMEN

Der bayrische Offizier Augustin von Fritsch beschreibt militärisch knapp die Verfolgung Mansfelds durch die bayrische Armee unter Tilly:

"Es hat jeden Tag Scharmützel gegeben, bis der Mansfelder aufbrach und eilends durch die Oberpfalz, durch Franken und in die Unterpfalz gerückt ist. Bis dahin konnten wir ihm wegen des Neckars nicht folgen. Daher haben wir regimentsweise etliche Städte, so Hichlbach, Neckargemünd, und Wiesloch samt dem Schloss Steinberg im Sturm genommen und alles darin niedergemacht. In Neckargemünd ist der Hauptmann Kögler beim Sturm von der Leiter auf mich heruntergefallen und tot geblieben. Hierauf sind wir zu Ladenburg ins Winterquartier verlegt worden."

Der Bayernherzog hatte die Oberfalz ( auch Friedrichs Land und Leute) in Besitz genommen, und Tilly mit der bayrischen zur weiteren Wahrnehmung seiner Interessen in die von ihm begehrte Rheinpfalz beordert. Maximilian hatte zwei Gründe: 1. Noch war nicht klar, ob er Ferdinand und/oder den Spaniern trauen konnte. 2. Die Truppe brauchte frisches, ungeplünderte Gegenden. Theatrum:

"Die Armada unter dem Grafen von Anhold und dem Freiherr Johann von Tilly ist durch den Taubergrund streng nach der Bergstraße vorgerückt und hat unterwegs bei Freunden und Feinden viel Schaden getan. Bei ihrer Ankunft hat sie Bensheim, Heppenheim, Weinheim und andere Orte in ihre Gewalt gebracht. Sie waren zuvor den Spanischen wieder abgenommen worden. Nach der Eroberung von Ladenburg ließ General Tilly alsbald eine Brücke auf Flössen und Fässern über den Neckar machen, worauf er weiter Mosbach und Eberbach, Steinach, Schönau und andere Orte einnahm. Sein Volk streifte auch in den Odenwald und brachte viel Vieh und andere Sachen davon."

PFARRER ENTMANNT

Der Rossdörfer Pfarrer Moterus berichtete am 21 . November 1621 an den Landgrafen von Darmstadt:

"Es kamen heute Nachrichten, es sollten die Bayrischen in das Dorf Beerfelden (Odenwald) gefallen sein und übel darin gehaust haben. Sie sollen den Pfarrer des Orts übel gemartert haben, ihm die Hüfte eingeschlagen und seines männlichen Glieds beraubt und mit Spott gesagt haben, sie wollten ihm das Singen vertreiben, er sollte hinfort nicht mehr singen >Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort<. Welcher auch bei solcher großen Marter sein Geist geduldig aufgeben und Christum bis in seinen Tod gepriesen hat. Den Kaplan des Orts sollen sie mit seinem Weib nackt ausgezogen haben und die beide gezwungen, also nackend miteinander zu tanzen."

Moterus selbst kam glimpflich davon. Die Bayrischen räumten seinen wohlgefüllten Keller aus, sowie seine Hosentaschen:

"Einer von diesen grimmigen Leuten hat mich am Morgen im Garten am Pfarrhaus erwischt und mir zwei Siegelringe samt etwas Geld aus den Hosensäckel geraubt. Er drängte mich, ich sollte ihm noch etliche Reichstaler holen, aber der Herr hat mich erlöst und aus seiner Hand errettet."

TILLY LÄSST BLUTBAD ZU

General Tilly hat das Niedermetzeln von Zivilisten zumindest hingenommen. Theatrum (April):

"Besagter General hat Neckargemünd aufgefordert, aber die Besatzung darin hat abgelehnt. Die Bayrischen haben am folgenden Tag den Ort mit ganzer Gewalt angefallen und erobert, die Besatzung samt den Bürgern, Weibern und Kindern wurde meistenteils niedergehauen und ausgeplündert."

FROMME MÄNNER MIT DER MARIENFAHNE

In der Altöttinger Tillykapelle (Schlüssel beim Pfarrer) wird der Krieger im Dienste Bayerns als Glaubensheld gefeiert. Tilly kniet in Holz geschnitzt unter dem Altarbild und schaut inbrünstig zum Gekreuzigten auf. Der erweckte Anschein entspricht der katholischen Geschichtsschreibung, die Tilly, Maximilian und die im 30jährigen Krieg wirksamen Kaiser als äußerst fromme Männer überliefert. Neben dem Altar hängt die Kriegsfahne Tillys mit dem Marienbilde. Sie wurde mit dem Schlachtruf "Jesus Maria" ins Getümmel getragen. Beide waren eigentlich nach dem Verständnis der Christenheit an oberster Stelle für den Schutz der Schwachen zuständig. Nun stelle man sich Tillys blutbefleckte Mannen auf dem Marktplatz von Neckarsgemünd vor (und nicht nur dort), wie sie ihre niedergemetzelten Opfer ausplündern, und Tillys Fähnriche lassen darüber die Fahne mit dem Marienbilde wehen. Leider fehlt es in den historischen Wissenschaften an einer Disziplin, die derlei Geisteshaltungen systematisch untersucht. So kann man nur ahnen, was "fromm" wirklich bedeutet. Etwa vor dem Sarg des Feldherren, in der Gruft der Kapelle, wo der Besucher durch ein Glasfenster seinen Schädel besichtigen kann. Woselbst der Gläubige auch darüber nachsinnen kann, wieso das hehre Bild nichts half, als ihn am Lech eine schwedische Kugel tödlich verletze.

AUCH NICHT BESSER

Sieht man vom Kult um Gustav Adolf ab, der noch zu behandeln ist, ging die Gegenseite weniger scheinheilig zu Werke. Ihr Schlachtruf "Gott mit uns" ließ zumindest namentlich den Verkünder der Friedensbotschaft aus dem Spiel. Selbstloses Handeln läßt sich auf keiner Seite ausmachen. So dachte Mansfeld nicht daran, sich den Bayern entgegenzuwerfen, um Land und Leute in der Pfalz zu beschützen. Theatrum:

"Indessen wütete Mansfeld im Bistum Speyer diesseits des Rheins mit Plündern, Rauben und Brennen über die Maßen übel. Didesheim hat er mit 6 groben Stücken beschossen, eingenommen und darin ein großes Gut gefunden."

Die Leute am Rhein hatten also nun reichlich Engländer, Niederländer, Mansfelder, Bayern und Spanier am Hals.

NUN AUCH NOCH DER TOLLE CHRISTIAN

Das Wort Mitleid kommt in den zeitgenössischen Texten selten vor. Im Theatrum schon:

"Unter anderen so mit Pfalzgrafs Friedrichs Zustand ein Mitleiden gehabt, befand sich auch Herzog Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums zu Halberstatt, ein Bruder des Herzogs zu Braunschweig. Er hatte eine Zeitlang Kriegsvolk geworben, um dem Pfalzgrafen in seinen Nöten beizuspringen. Um ihm bei der Rückgewinnung von Land und Leute Assistenz zu leisten, hat er angefangen seinen Zug nach der Pfalz zu nehmen."

Am 18. September 1621 war der wohlerzogene, gerade 22 Jahre alte Christian zum Reiteroberst ernannt worden, und zwar vom pfälzischen Friedrich. Die von ihm angeworbene Infanterie verweigerte sogleich den Gehorsam. Da in der fernen Pfalz nicht mehr viel zu holen war, bereicherte sie sich zunftgemäß gleich in den Bistümern Minden, Hildesheim und im Herzogtum Braunschweig, bis sie ein Aufgebot unter Christians Bruder Ende Oktober auseinandergetrieben hatte.

"Auf diesen Verlust hat Herzog Christian seine Reise in die Pfalz mit seinem übrigen Volk angetreten, und ist ungefähr 1.500 stark und nach Hessen gerückt. Er kam am 18. November in dem Kurmainzischen Amt Amöneburg an und hat sein Kriegsvolk in den umliegenden Orte einquartiert. Darauf hat er den 22. November einen Anschlag auf das Städtlein und Schloss Amöneburg - so ziemlich fest und auf einem hohen Felsen gelegen - gemacht und selbiges durch eine Kriegslist erobert."

Während Herzog Christian mit den Offizieren der Besatzung verhandelte, waren einige seiner Leute in die Stadt geschlichen.

"Worauf die Halberstädtischen innerhalb die Tore mit Instrumenten geöffnet und die draußen auch eingelassen. So konnten sie diesen Ort in ihre Gewalt bringen und haben darin ein großes Geld und Gut erbeutet. Dazu gehörte auch ein großer Vorrat an Lebensmitteln, die in diesen Kriegsläuften dahin in Sicherheit gebracht worden waren."

EDLER RITTER

Nicht nur Mitleid für den armen Friedrich soll den Herzog bewegt haben. Nein, auch sein Männerherz war angeblich entflammt, und zwar für seine Kusine Elisabeth, die Gattin Friedrichs, und nunmehr landlose Königstochter. Auf den Fahnen seiner Kompanien stand:

"Tout pour Dieu et pour elle, alles ist für Gott und für sie."

Der Mann tat etwas für sein Image, und die Gazetten würdigten beides: Seinen Edelmut und seine Grausamkeit.
Unterwegs macht er sich über Güter des Kurfürsten von Mainz in Besitz her:

"Nach solchem haben sie das Städtchen Neustadt und das ganze Amt eingenommen und dem Pfalzgrafen huldigen lassen."

Der protestantische Hessen-Darmstädter Landgraf Ludwig wurde dafür bestraft, dass er sich als neutral erklärt hatte:

"Er hat sich dazu etlicher Flecken und Dörfer, bemächtigt, die dem Landgraf Ludwig und anderen Adligen gehörten, und sie ausgeplündert. Auch an die Ämter Alsfeld und Homberg an der Ohm hat er Zahlungsforderungen abgehen lassen und zwei Orte in Brand gesteckt."

Landgraf Ludwig ließ Christian mitteilen, Land und Leute hätten schon genug Schaden erlitten, auch verstoße sein Vorgehen gegen die Reichsordnung. In seiner Antwort überging Christian die Rechtsbelehrung. Und nicht zu unrecht. Wer hielt sich denn noch an die Reichsordnung? Die Spanier und die Bayern in der Pfalz? Der Kaiser, der dahinter steckte? Christian ließ dem Darmstädter weiter ausrichten, er möge es nicht wagen, sich ihm in den Weg zu stellen. Der Protestant Ludwig (es gab Gerüchte, er wäre hinterrücks Katholik geworden) wagte es trotzdem, zusammen mit den Jesus-Maria-Streitern:

"Ein Teil der Bayrischen Armada hat sich vom Main in die Wetterau begeben, zu welchem Volk etliches Mainzische, Würzburgische und Hessisch-Darmstädtische gestoßen, sowohl Geworbene als auch Landvolk."

Der Landgraf ließ den Vorwurf der Pfälzer, er sei ein Pfaffenknecht, nicht auf sich sitzen:

"Man müsste viel Heu haben, solchen Buben die Mäuler damit zu stopfen".

GEFECHT BEI KIRTORF

"Den 20. Dezember nahm der (bayrische) Graf von Anhold einen Wald zu seinem Vorteil ein und schickte etliche Fähnlein Musketiere zum Scharmüzieren aufs Feld. Die Braunschweigischen kämpften ganz begierig, so dass der Graf noch etliche Kompanien Reiter nach vorn schickte. Es ist dann an ein starkes Treffen gegangen, in welchem von den Braunschweigischen an die 100 umgekommen oder verwundet worden."

RÜCKZUG "IN GUTER ORDNUNG"

"Der Herzog von Braunschweig, dem in diesem Treffen das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, befand nun, dass er an Fußvolk Mangel hätte. So hat er sich in guter Ordnung gewendet, hat Amöneburg, Neustadt und andere Quartiere plündern, zwei Dörfer und zwei Mühlen in Brand stecken lassen und zog sich in das Stift Paderborn zurück. Darauf, den 22. Januar, ist er mit allem Volk nach Soest gerückt, selbige Stadt aufgefordert, beschossen, Feuer hinein geworfen, gestürmt und endlich mit Akkord einbekommen, nachdem er davor an die 50 Mann verloren."

FEUER UND MORD

In Soest konnte sich Christian vom Reichtum des Paderborner Stifts überzeugen: Er fand an die 500.000 Taler an Barem vor, dazu allerhand Profangeschirr und heiliges Gerät aus Gold und Silber. Landesherr war Ferdinand, Kölner Kurfürst, Bischof von Lüttich, Münster, Hildesheim und Paderborn, ein Bruder des Bayernherzogs. Der "geistliche" Herr hatte die Neutralität gewählt, um sich die freien Niederländer vom Hals zu halten. Selbstredend war das Christian egal. In seinen (durchaus üblichen) "Brandbriefen", die er den diversen Obrigkeiten zustellen ließ, wurde ausdrücklich "Feuer und Mord" angedroht, falls die angeforderten Zahlungen ausbleiben sollten. Pro Dorf so 1.500 Taler. Die Geistlichkeit im Stift Paderborn sollte dazu 10.000, die Juden 30.000 und die Landstände Ablösung einzahlen. Er teilte seine Bereitschaft mit,

"das gesamte Stift abzubrennen, die Einwohner niederhauen und erschießen zu lassen, dass noch die Kindeskinder es beklagen sollten."

Mehr als 10 Dörfer ließ Christian tatsächlich anzünden, um die Ernsthaftigkeit seines Anliegens zu unterstreichen. Es handelte sich um eine eiskalte Form der Grausamkeit. Brutalität als Selbstzweck wäre einem hochwohlgeborenen und natürlich gebildeten Mann wie Christian nicht in den Sinn gekommen. Im Januar 1622 nennt ihn eine Kölner Zeitung zum ersten mal "toll", wobei anzumerken ist, dass sich die Bedeutung des Wortes gegen Ende des 20. Jahrhundert verkehrt hat. Die ihm feindlich gesonnene Kölner Zeitung meinte mit "toll" noch das "Toll" wie in Tollwut oder Tollkirsche. Aber sie irrte. Christian berauschte sich nicht am Geld, er gab es sogleich für die Verstärkung seiner Truppe aus. Nach den Maßstäben der Potentaten handelte er durchaus vernünftig: Nur so waren Land und Leute zu gewinnen.

ES TRIFFT NICHT NUR ARME

"Wo man ihm nicht zu Willen sein wollte, hat er mit Brandschatzen vielerorts in Westfalen sehr übel gehaust, viele Orte in Brand stecken lassen und fast das ganze Stift wie auch die Stadt Paderborn eingenommen. In selbiger Stadt hat er die Juden plündern lassen, die Kleriker gebrandschatzt und im Dom daselbst einen großen Schatz von 80 Pfund an altem Gelde aus besten Gold erlangt. Wie geschrieben steht, hat Christian den Schatz in den Arm genommen, ihn willkommen geheißen und dafür gelobt, dass er so lange Zeit auf ihn gewartet habe."

GOTTES FREUND

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Gazetten dem Schicksal des vergoldeten Silberschreins mit den Reliquien des hl. Liborius. Christian machte ihn in Lippstadt zu Geld, in dem er aus dem Silber den "Pfaffentaler" schlagen ließ. Auf der einen Seite steht "Tout avec Dieue". Theatrum:

"Auf dem Reichstaler zeigt das Gepräge auf der einen Seite eine Hand aus der Wolke, so ein Schwert führt, und den Taufnamen Christian. Auf der anderen Seite die Schrift: >Gottes Freund und der Pfaffen Feind.<"

AUCH SCHWANGERE

"Solchem seinem (Christians) Beginnen zu wehren, hat der Kurfürst von Köln eine Anzahl Kriegs-Volks von der ligistischen Armada von der Bergstraße, Wetterau und deren Enden eilends angefordert. Es nahm unter dem Grafen von Anhold seinen Weg durch die Grafschaften Nassau, Dillenburg und Siegen. Dort hat es in den Orten mit Rauben und Plündern schrecklich gehaust, mit Schändung der Frauen und Jungfrauen, ohne Schonung der Kindbettnerinnen."

Im März überziehen beide Parteien die Umgebung von Marburg dem üblichen Verfahren. Die Liste der betroffenen Ortschaften im Theatrum ist so lang, dass wohl sinnvoller gewesen wäre, die davongekommenen aufzuzählen. Der Landesherr, Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, war insofern nicht "neutral" als er Christian den Durchzug erlaubt hatte. Im Übrigen zieht nun derart viel Militärpersonal zwischen Westfalen und dem Elsaß durch die Lande, dass jeder Versuch einer vollständigen Beschreibung allen Elends müßig ist. Also nur noch das Gröbste.

ELSASS BERENNT

Johann Walter in seiner Straßburger Chronik:

"1621. Das Land hat angefangen die Kriegsunruhen zu empfinden. Gegen den Herbst kam der Graf Ernst von Mansfeld mit seinen undisziplinierten Völkern im Elsass an und nahm Hagenau fast ohne Widerstand ein, welche Stadt ihm allerdings eine große Summe Geldes reichen musste. Die Juden daselbst hat er besonders hart geschatzt. Darauf zog er fort und belagerte Zabern. Aber die Garnison darin wehrte sich tapfer, so dass mancher Mansfelder davor sitzen blieb und das Heer wieder abziehen musste. Darauf Mansfelds gottloses Volk das ganze Land mit Rauben, Brennen, Schänden dergestalt ruiniert, und grausam gehaust, dass dergleichen noch niemals gehört worden war. Man sah rund um die Stadt herum nichts als Feuersbrünste in den Dörfern, man konnte öfters bis an 16 und mehr Feuer auf einmal zählen. Kein Mensch konnte aus dem Tor hinaus kommen, ohne angefallen und geplündert zu werden. Das arme Landvolk, das entrinnen konnte, kam mit Weib und Kindern in die Stadt und manche brachten ihr Vieh mit. Viel Vieh aber blieb aus Not in den Häusern stehen, und starb an Hunger. Daher war die Stadt dergestalt mit Menschen angefüllt worden, dass es ganz unbeschreiblich war. Dadurch erfolgte eine grausame Teuerung, so dass ein Pfund Brot 10 bis 12 Kreutzer galt, und es war doch keines zu bekommen. Dieser Jammer hat den ganzen Herbst durch angehalten."

Auch die anderen schauen mal im Elsass vorbei. Theatrum:

"Die Bayrischen haben auch in der Zeit Elsass überfallen und 4 Dörfer verbrannt... damit der General Tilly Heidelberg umzingeln möchte, nahm er einen Ort nach dem anderen um die Stadt herum ein, steckte etliche in Brand und hauste übel darin."

FRIEDRICH KOMMT

Mansfeld hatte inzwischen ins Auge gefaßt, das Lager zu wechseln, dass heißt, in den Dienst der spanischen Statthalterin der Niederlande (Infantin Isabella) zu treten. Laut Theatrum hatte Mansfeld gefordert:

"Dass ihm (Mansfeld) die Stadt und Landvogtei Hagenau als ein Lehen überlassen werde... Ihn zum Reichsfürsten zu machen... Die Anwerbungsgelder für 10.000 zu Pferd und 40.000 zu Fuß zu erstatten... Ihm innerhalb 6 Wochen 200.000 Reichstaler, 100.000 Dukaten und 100.000 Kronen au zu zahlen... Ihn zum Feldmarschall der Infantin zu machen, mit 120.000 Kronen monatlichem Einkommen..."

Das war nicht wenig, aber der Deal hätte wahrscheinlich den Krieg entschieden - und beendet. Aber er fiel flach, weil nun Friedrich persönlich auftauchte.


ERSTE SCHLACHT

Nun kommt es tatsächlich zu originär militärischen Aktivitäten. Theatrum:

"Am 14. April ist der Graf von Mansfeld neben dem Pfalzgrafen mit allem Kriegsvolk in voller Schlachtordnung durch das Bistum Speyer marschiert, wobei viele Dörfer Brand gesteckt wurden. Sie trafen auf die Bayrischen, welche unfern von Wisloch in einem Holz auf einer Höhe in gutem Vorteil verschanzt lagen."

Mit einer Scheinattacke lockt Mansfeld die Bayern aus der Stellung.

"Wie nun die Bayrischen mit 4 Stücken Geschütz ihnen nachgefolgt, hat der Graf von Mansfeld hinter ihnen das Dorf Mingelsheim in Brand stecken und grob Geschütz unter sie abgehen lassen: Worauf ein hartes Treffen anfing, darin die Bayrischen den Kürzeren gezogen, also dass ihrer bei 2.000 geblieben und verwundet, die 4 Stück Geschütz samt 13 Cornett und 4 Fahnen abgenommen und viel Gefangene nach Mannheim gebracht worden, darunter viele Vornehme... Auf des von Mansfeld Seiten nicht viel über 100 geblieben, darunter zwei vom Adel."

KEIN KIND IM LEIBE

Worauf Mansfeld seine Mannen um Ladenburg in Stellung bringt. Da der spanische Kommandant nicht kapitulieren will, lässt er 200 Kanonenkugeln in die Stadt feuern. Theatrum:

"... bis zwei große Bogen an der Stadtmauer eingeworfen wurden. Darauf hat Mansfeld abermals einen Unterhändler an den Obristen geschickt und ihm gedroht, bei Ablehnung der Übergabe solle niemand, auch das Kind in Mutterleibe nicht geschont werden. Hierauf hat der Obrist Einetten dem von Mansfeld geantwortet: er seines Teils habe, Gott Lob, kein Kind im Leibe, doch sei er geneigt, einen billigen und ehrlichen Akkord zu verhandeln."

Die Herren Offiziere versuchen sich solange gegenseitig auszutricksen, bis es für die Bevölkerung wieder einmal zu spät war.

"Die Mansfeldischen sind durch die Bresche eingefallen, haben die Stadt eingenommen, geplündert, alles, was sich zur Wehr gesetzt, und alles, was nicht geflohen, in der Furie niedergehauen, sich der 8 Fahnen neben vieler Munition bemächtigt. Allein in der Wohnung des Spanischen Kommissars haben sie an die 100.000 Reichstaler bekommen. Die Mauern, wie auch die bischöfliche Wormsische Residenz daselbst, hat der von Mansfeld schleifen lassen."

EINE ERSTAUNLICHE ARMEE

Um an der Seite des Kurfürsten Friedrich Krieg zu führen, hatte sich auch der Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach gerüstet. Seine Armee war zwischen 15.000 und 20.000 Mann stark. Es gibt eine Beschreibung,

"... nach Urkunden zusammengestellt von Ludwig Frohnhäusler, Pfarrverwalter, Darmstadt 1870."

Der Text zeigt beispielhaft, dass der 30jährige Kriege keine nachhaltige Abscheu gegenüber absurder Gewalt erzeugte.

"70 Wagen, darauf Mörser gelegt waren, eine Erfindung des Markgrafen, ferner 1.800 Wagen, deren 150 mit 6 Rädern versehen waren, die mit Spitzen versehen waren und zum Schlagen einer Wagenburg dienten. Die übrige Masse der Wagen war beladen mit Pulver, Sturm- und Schanzzeug und Proviant. Unter der Rüstung befanden sich ferner 12 Schiffe für eine Schiffsbrücke, 40 Feldstücke, worunter zwei Sechspfünder, mit je 7 Pferden, ein großer Böller, der 70 Pfund warf, mit 9 Pferden, 6 neue Kanonen, die 1614 zu Durlach gegossen waren und des Markgrafen Wappen trugen, und 30 kleinere Stücke."

Und nun das Personal, das Mannschaft und Gerät in die Schlacht bei Wimpfen führt:

"Im Gefolge des Markgrafen war der Feldhofstaat, die Feldkanzlei, der Kriegsrat, die Garde und die Leibfahne in glänzender Rüstung mit je 2 Rohren, Schwert und Lanze. Obersten waren junge Prinzen und Grafen, die einzelne Abteilungen führten. Des Markgrafen Söhne, Karl, 24 Jahre alt und Christoph, 14 Jahre alt, führten Reiterscharen. Die Herzöge von Weimar, Wilhelm und Bernhard, letzterer später so berühmt geworden."

VOM HELDENTOD

"Herzog Magnus von Württemberg, der ein Regiment Schwabenreiter herbeiführte, starb den Heldentod."

Und zwar in einer der blutigsten Schlachten des Krieges. Der Pfarrverwalter kompiliert die nüchternen Berichte des Jahres 1622 zu einem Schlachtbild im Stil des militärseligen 19. Jahrhunderts. Darin fließt durchaus Blut. Die Kriegsromantiker leugnen ja nicht das Schreckliche, nein sie benutzen es, zur Verklärung des "Heldentodes", dieser neoheidnischen Erlösungsfigur deutscher Dichter, Oberlehrer etc.

DIE SCHLACHT BEI WIMPFEN

Tilly hatte sich mit seiner etwa gleich starken Armee nach der Niederlage bei Mingolsheim nach Wimpfen am Neckar zurückgezogen. Der Markgraf folgt ihm, aber Mansfeld und die Seinen sind nicht mit von der Partie, beim Württemberger dürfen sie nicht plündern. Den Ort der Schlacht kann man in Obereisesheim bei Wimpfen erfragen. Wo es besonders heiß herging, erinnert ein vaterländisches Denkmal an Herzog Magnus von Württemberg. Der Pfarrverwalter hält sich an seine Quellen, soweit es den realen Verlauf betrifft:

"Tilly eröffnete das Gefecht mit lebhaftem Artilleriefeuer gegen die badische Reiterei, die auch ein wenig zurück muss. Der Markgraf lässt seine Truppen ausfallen, tapfer antworten die Feinde, der Markgraf ist an der Spitze seiner Soldaten. Er befiehlt, langsam zu tun, damit die Leute Tillys ihre erste Hitze vertoben. Der Markgraf sagte, noch voller Zuversicht: >Sie müssen unser sein, die Bayern, und das heute noch. Meinen Leib und mein Blut setz ich dran. Was will der Haufe gegen uns. Lasst sie nur ein paar Mal anprallen und sich verbluten.<

MITTAGSPAUSE

"Allgemeiner wird der Kampf. Fest stehen die Badischen, sie gewinnen Vorteile, sie drängen vorwärts, die kampfgeübten Truppen Tillys beginnen zu weichen vor ihrem jungen Ungestüm, schon wenden sie sich gegen den Neckar, die Schiffsbrücke zu erreichen. Da, gegen Mittag, schickt Tilly einen Parlamentär zu dem Markgrafen, und lässt ihm eine Waffenruhe vorschlagen. Dieser geht darauf ein. Alle Berichterstatter von Bedeutung berichten von dieser Waffenruhe. Wenn der Markgraf dem Sieg so nahe war, dann bleibt die Bewilligung der Waffenruhe jedenfalls eine unbegreifliche Handlung des Markgrafen. Sie könnte nur in der Großmut dieses edlen Fürsten ihre Erklärung finden."

ZWEI LITER WEIN GESOFFEN

Der bayrische Offizier Fritsch liefert eine Erklärung für Tillys Wunsch nach einer Pause: Er hatte seine Mannen schon morgens mit Wein gestärkt.

"Des anderen Tags hat der Feind seine Armee gegen und in Bataille gestellt, seine Spitzwagen und sein Fußvolk aufgestellt. Es ist von beiden Seiten mit den Stücken stark gespielt (geschossen) worden. Nachdem aber unser General Tilly auf jeden Soldaten ein halbes Maß Wein hat geben lassen, sind wir alsbald auf den Feind losgegangen. Der stand sehr vorteilhaft und hat schrecklich mit seine Stücken auf uns geschossen. Fünf unserer Fähnriche wurden auf einmal erschossen. Darunter auch meiner, dem das rechte Bein über dem Knie abgeschossen wurde, so dass er noch am Abend starb."

GELDREGEN

Eine Mittagspause erwähnt Fritsch nicht, vielleicht ist die "Großmut" des Markgrafen eine protestantische Legende. Wie eine andere entstand, überliefert uns launig der Bayer:

"Einem Musketier, der Gräzel genannt, ist der rechte Hosensack mit 50 oder 60 Reichstalern weggeschossen worden, so das ein Gerücht erscholl, als ob der Durlacher zum Spott mit bayrischen Talern geschossen hätte."

NICHT NUR GESCHOSSEN

So weit ich sehe, ist die Schlachtbeschreibung von Fritsch die einzige, in der von menschlichen Bedürfnissen die Rede ist.

"Unser Regiment ist auf des Feindes rechten Flügel getroffen, und seine vier Stücke standen hart neben unseren. Von dem Schießen war ein so gräulicher Rauch, dass man kaum einen Pistolenschuss weit sehen konnte. Zu unserem Glück hat einer von unserem Regiment, der austreten ging, weil er mal musste, etwas gesehen. Er kam angerannt, mit den Hosen in der Hand und schrie: Der Feind, der Feind. Sonst hätten wir viele eingebüßt. Unser Obrist ließ alsbald nach rechts wenden und die Picketiere vorrücken..."

Und so geht es weiter. Der Pfarrverwalter:

"Da, gegen ein Uhr bemerkt der Landgraf Staubwolken im Rücken Tillys. >Das ist Mansfeld!< Rief er. Seine Siegesgewissheit verdoppelt sich."

JÄMMERLICH ZERHAUEN

"Doch es war nicht Mansfeld, sondern der Spanier Corduba, mit 2 Regimentern und 21 Cornett Reitern. Die Reiter eröffnen den Kampf, der ohne Entscheidung hin und herschwankt. Ein furchtbares Geschützfeuer unterstützt von beiden Seiten die blutige Arbeit. Die Chronik erzählt, es habe gedonnert und geprasselt, als wenn Erde und Himmel zusammenbrechen wollten. Herzog Magnus von Württemberg an der Spitze seiner Reiter wird mit seiner Kompanie abgeschnitten, er will sich nicht ergeben und findet, jämmerlich zerhauen, im wilden Reitergefecht den Heldentod. Der Markgraf wirft sich selbst an der Spitze seiner Truppen dem Feind entgegen, und dieser weicht, hitzig stürmen die Verfolger vor, abermals flieht die Reiterei, der Sieg scheint nicht mehr zweifelhaft."

DER HINTERHÄLTIGE SPANIER

"Da bricht Corduba mit dem neopolitanischen Regiment aus dem Hinterhalt hervor. Die badischen Geschütze richten furchtbare Verheerungen unter den Neapolitanern an, ganze Gassen des Regiments werden niedergerissen. Aber sie sammeln sich mitten unter den Markgräflichen und nun beginnt ein schauerliches Gewühl, es ist ein Kämpfen, Schlachten, Würgen, Mann gegen Mann und nur wenigen gelingt es, zum Heer zurückzukommen, die meisten werden erschlagen."

MARIA WIEDER DABEI?

In der Chronik des Dominikanerklosters wird erhellt, warum der Markgraf keine Chance hatte:

"Tilly lag während der Schlacht vor dem Marienbilde in der Kirche, ... deutete auf sie und sagte, sie werde schon helfen. Plötzlich erschien auf dem Schlachtfeld ein wunderbarer Reiter auf schneeweißem Ross, der zündete das Pulver an und gab so den Bayern den Sieg. Es war ein Engel, den die Königin der Engel zur Hilfe geschickt hatte."

In der Dominkanerkirche zu Wimpfen ist der Vorgang auf einem Ölgemälde zu besichtigen. Unser Autor glaubt natürlich nicht an Wunder:

EINFACH PECH GEHABT

"Ein unglücklicher Zufall sollte das Schicksal des Tages entscheiden. Des Markgrafen Pulver fing Feuer, schrecklich waren die Folgen. Einige Hundert Pferde und Menschen flogen in die Luft, andere wurden zerschmettert zu Boden geworfen. Entsetzen fast die Truppen. Vor sich den stürmenden Feind, um sich das Gestöhn der Sterbenden, die entsetzlichen Gräuel, Pulverqualm, Staub, Glut, Hitze, Hunderte von zerfetzten Leichen. Die Flucht beginnt gegen Neckargartach. In der Masse von fliehenden Wagen, die dort die Gassen füllten, kamen die verfolgenden Reiter zum einhauen. Neckargartach wurde fast ganz niedergebrannt. Dort wurden zwei Geldwagen des Markgrafen erobert. Sie führten 225.000 Reichstaler und etliche tausend Gulden, welche die Union contributiert hatte. Gegen 4 Uhr war die Schlacht beendet."

10.000 TOTE

"Der Markgraf ging gegen Abend vom Felde, wo er mit dem weißen Regiment so lange Widerstand geleistet. Tilly war so geschwächt, dass er die Verfolgung nur bis zum Neckar fortsetzen konnte. Der Verlust der Markgräflichen und der Tillys wird auf je 5.000 Mann geschätzt. Am 9. Mai zog der größte Teil der Armee über die Schiffsbrücke ab. In der Stadt lagen 926 Soldaten, meistens Verwundete. Großes Elend hatte die Schlacht für die Stadt im Gefolge."

WIMPFEN: NOT UND UNHEIL

Ein städtischer Bericht besagt:

"Sie haben nicht nur Früchte, Wein, Vieh und andere Viktualien mit Ungestüm den Untertanen und Bürgern entrissen, sondern auch die fruchtbaren Bäume abgehauen, die Stöcke in den Weinbergen und Zaunstecken um die Stadt verbrannt, die Gärten mit ihren Schanzen sämtlich durchgraben. Leider sind nach der Einlogierung der im blutigen Treffen verletzten und kranken Soldaten durch die Infektion viele Bürger zu Grunde gegangen. Hierdurch blieben die Felder unbebaut, worüber Kummer, Not und viel Unheil erwuchs."

Statt durchschnittlich 75 Kinder wurden im nächsten Jahr nur noch 43 Kinder geboren, der Preis für Korn stieg um das Siebenfache. Wimpfen wurde während des Krieges noch mehrfach heimgesucht. Die aktuelle Stadtchronik hat zieht diese Bilanz:

"Der 30jährige Krieg war zweifellos eine Katastrophe für die Stadt Wimpfen und das Ende ihrer sichtbaren Blüte. Damals ist aus der einstigen stolzen freien Reichsstadt ein armseliges Bauernstädtchen geworden ... von 400 Familien war die Bevölkerung auf 37 herabgesunken."

Der Markgraf war neben seiner Armee auch Land und Leute los, die sich Kaiser Ferdinand frommen Herzens einverleibte. Sie wurden erst mit dem Westfälischen Frieden restituiert.

NOCH EINE ARMEE; MIT ERZHERZOG

Das in der Schlacht bei Wimpfen verstorbene bayrisch-spanische Militärpersonal wurde durch einer weitere Landplage ersetzt. Das Theatrum meldet:

"Unter der Zeit ist Erzherzog Leopold, kaiserlicher Majestät Bruder, mit einer Armada im Elsass angekommen, um den Mansfeldischen Einfall vom selbigen Lande abzuhalten. Er hat Hagenau belagert, ernstlich beschossen und beim dritten Sturm die Schanzen davor mit ziemlichem Verlust erobert."

Ende Mai plündern Mansfeldische Truppen 8 Tage lang in den kurmainzischen Dörfern um Aschaffenburg.

CHRISTIAN KOMMT WIEDER

Inzwischen war es der vorwiegend evangelischen Bevölkerung klar, dass ihr Glaube sie nicht beschützte, wenn die Streiter für das pfälzische Paar anrückten.

"Sonsten ist dieser Zeit ein großes Flüchten in die Stadt Frankfurt am Main zu Wasser und Land gewesen, sonderlich, als man vernommen, dass Herzog Christian von Braunschweig anrücke."

BRÜCKE WEG

"Christian brach mit seinem Kriegsvolk aus Westfalen auf, nahm seinen Zug über eine Schiffbrücke, die bei Hörte über die Weser gelegt war. Seine Armee bestand aus an die 82 Kompanien zu Pferde und über 12.000 Mann zu Fuß. Es hat diesem Volk zwar die Spanische, Kur-Kölnische und Pfalz-Neuburgische Armada nachgesetzt, musste aber wegen der abgeworfenen Brücke umkehren und hat die Städte Soest, Ham und andere Örter wieder erobert."

Um schneller vorwärts zu kommen, begnügt sich Christian unterwegs bei protestantischen Landesherren mit Durchzugsabkommen. Im Kleinstaat des Fürstabts von Fulda nimmt er vornehmlich Bargeld. Theatrum:

"Der Herzog setzte seinen Zug friedlich nach Fulda fort, welches Stift ihm um 40.000 Reichstaler Brandschatzung hat erlegen müssen."


RELATIV FRIEDLICH

Was damals "friedlich" hieß, sah durch einen Fuldaer Bürger aus der Nähe so aus::

"Anno 1622 im Juni ist der Bischof von Halberstadt (Christian) und Kniphausen in das Stift Fulda kommen. Sie haben sich in die Dörfer hier einquartiert und zu Hünfeld die Stadt ganz ausgeplündert, und etliche Dörfer abgebrannt, so nämlich Kleinfeld bis auf 6 Häuser. Es hat ein Bauer einem Reiter zu Rodges eine Hand abgehauen. Sie haben auf den umliegenden Dörfern alle miteinander gebrandschatzt, und doch bei 300 Pferde im Stift Fulda genommen und hinweg gebracht. Sie haben auch gedroht, die Stadt Fulda mit ganzer Gewalt zu plündern und in Brand zu stecken, wurden aber durch 6.000 Taler der Bürgerschaft davon abgehalten. Man hat in alle Tage Brot, Wein, Bier genug hinaus geschickt auf Wagen. Blanckennau, Hasselstein, Grüsselbach, Marbach, Eitterfelt, Uffhausen, Steinen und der Petersberg wurden geplündert und bestohlen, und weitere Dörfer und Städte im Fuldarer Land. Sind dann fort in die Wetterau gezogen und ins Darmstädter Land, und haben übel gehandelt mit den armen Leuten."

Wie es dort vor Eintreffen von Christians Truppe zugegangen war, notierte der evangelische Pfarrer Georg Herdenius:

"Ende Mai wird durch den Pfälzer und den Mansfelder Darmstadt eingenommen, das ganze Land darum jämmerlich geplündert. Die Einnehmung Darmstadts ist vorgegangen den 23. Mai, den 25. des selben Monats. Unser gnädiger Fürst wurde festgenommen."

GESCHÄFTE MIT SCHUTZBRIEFEN

Nun kommt auch noch Christians Truppe. Über eine "Einquartierung" in Echzell (Wetterau) durch die "Braunschweigischen" schreibt der Pfarrer:

"Ich bleibe mit dem Gesinde in Echzell. Am 2. Juni erscheinen bei uns 8 Reiter und verlangten etliche hundert Reichstaler, wollten wir von der Einquartierung verschont bleiben. Für 200 Reichstaler erlangten wir einen elenden Schutzbrief. Kaum waren sie weg, kamen zwei andere und bieten den gleichen Handel an. Wir geben zur Antwort, wir hätten schon einen Schutzbrief erkauft. Darauf sie dann fluchten, uns Narren scholten, gaben vor, es wäre Betrug, und nahmen den Zettel weg. So waren wir beides los, Geld und Schutzbrief:"

AUCH MENSCHEN

"Montags den 3. Juni fällt das Kniphausische Regiment, etliche hundert, in Echzell ein. Ich bat sie, mögen als ehrliche Leute und unserer Religion Verwandte mit mir als einem Diener Gottes fein und bescheiden umgehen. Darauf denn einer antwortet: seid zufrieden, ich bin auch euren Geschlechts (Glaubens). Item, als die Mägde sich ängstigten und liefen: seid zufrieden, sagt er, wir sind sowohl Menschen als ihr, wenn wir nur Fressen und Saufen haben, sind wir zufrieden. Wie sie aber das Essen noch zwischen den Zähnen haben, durchlaufen sie das ganze Haus, reißen alle Türen und Kästen auf und nehmen hinweg, was da war. Und dieses verrichten sie alles ganz stillschweigend, stehen um die Kästen wie die Käufer auf den Jahrmärkten um den Kram, zanken sich um nichts, und teilen also das Meinige gütlich."

DIE MAGD DES KIRCHENDIENERS NICHT GESCHONT

Man kann davon ausgehen, dass die ortsfremden Söldner wussten, ob sie ein evangelisches oder ein katholisches Dorf ausplünderten, weil sie in der Kirche damit anfingen. Sie waren nicht nur hinter den Kirchengeräten her. Die Bewohner pflegten sich mit ihren Wertsachen in ihr Gotteshaus zu retirieren, wenn sich bewaffnete Haufen näherten. Eigentlich waren Kirchen und Mühlen nach geltendem Kriegsrecht tabu. Der Pfarrer von Echzell:

"Den 3. Juni. Die Kirche, darinnen die Leute das Meiste des Ihrigen gebracht, haben sie aufgerissen und alles, was tauglich, geraubt, die Gotteskasten aufgerissen und Geld, zwei Kelche, neben allem Altarornat mitgenommen, die Hostien zerstreut, die über viel tausend Gulden lautende Pfandbriefe, welche die Leute darinnen in Sicherheit gebracht, auf die Erde geworfen, mit dreckigen Füßen beschmutzt, teils zerrissen, teils die Kapseln mit den Sigeln abgerissen, teils mitgenommen. Die Altarleuchter haben sie zermalmt, die Kanzel aufgerissen und darin gesucht. Darinnen hat mit des Kirchendieners Magd der ganze Haufen Schande getrieben."

BILANZ DER SCHÄDEN

"Ansonsten haben sie die armen Leute dermaßen ausgeplündert, dass sich Beute und Schaden auf eine unglaubliche Summe im ganzen Land am Main beläuft, wenn schon allein dieses Fleckens Schaden an 50.000 Gulden beläuft. Die Pferde sind zur Hälfte hinweg, so dass die Felder nicht mehr nach der Gebühr bebaut werden können. Das Vieh wurde zu etlichen Tausenden vertrieben."

VERRÜCKT GEWORDEN

"Die Männer, die umkamen, wurden teils gehenkt, teils wegen des Gelds gemartert. Sie haben die Leute um die Köpfe mit Seilen geknebelt, dass ihnen das Blut aus den Ohren, Nasen und Mund gelaufen; ihnen die Daumen und Finger geschraubt und um die Geschlechtsteile herum jämmerlich gebrannt. Sie haben ihnen die Musketen und Rohre an die Lippen geschraubt und daran bis zur schrecklichen Zerreißung hängen lassen, die Leute mit Musketen wider die Brüste und an heimliche Orte gestoßen und etliche so gemartert, dass sie um die Sinne kamen."

FRAUEN ZU TODE GESCHÄNDET

"Nicht auszusprechen ist die Schande, die sie mit Weibsleuten getrieben, sofern dass sie auch 60 und 70jährige Personen, was kaum zu glauben ist, nicht verschonten. Es ist hier eine ehrliche junge Witwe, die geklagt, dass sie bei Zusehen mehrerer Weiber, ihrer eigenen und anderer Kinder von dreien Soldaten nacheinander mitten in der Stube sei vergewaltigt worden. Eine andere Magd haben sie in einem nahen Dorf also verderbt - sind ihrer auf die 10 gewesen -, dass sie in wenigen Tagen hernach ihren Geist aufgeben. Was sie von Weibsleuten auf dem Feld und in den Gärten angetroffen, haben sie ohne alle Scheu missbraucht."

Während sich die Reichen vor Christians Scharen in Sicherheit brachten. Von nun an wieder Theatrum:

"Das Flüchten nach Frankfurt hielt an, und es sind viele Tonnen Goldes wert hinein kommen."

Da Tilly anrückt, hätte Christian gut daran tun, sich in die Nähe der weiter im Süden stehenden Armada Mansfelds zu begeben. Er doch nicht.

HÖCHST EROBERT UND GEPLÜNDERT

Christian schlägt zu, bevor alle Wertsachen seinem Zugriff entzogen wurden. Als erstes ist das kurmainzische Höchst am Main dran. Bürger und Besatzung wehren sich verzweifelt, die "des Kinds im Mutterleibe nicht Verschonung" war auch ihnen angedroht worden. Nachdem sie 100 Angreifer niedergestreckt haben, fliehen die meisten Soldaten und Zivilisten per Schiff nach Frankfurt und Mainz. Theatrum:

"Nun sind die Braunschweigischen zum Wasser-Tor hineinkommen, schlugen die Zurückgebliebenen nieder und zerschlugen Kisten und Kasten, Fenster, Türen und Öfen. Des andern Tags hat Herzog Christian sich von Oberursel mit dem ganzen Lager auch dahin begeben, dabei in der Umgebung auch alle Mainzische, wie auch neutrale Dörfer jämmerlich ausgeplündert und zum Teil in Brand gesteckt."

TILLY KOMMT

Geringer Beute wegen also bleibt Christian bei Höchst. Seine Gegner tun sich zusammen.

"Am 7. Juni sind die Ligistischen und Spanischen mit aller Macht dem Main abwärts gerückt und haben sich am 8. zwischen Hanau und Frankfurt in dem freien Feld gelagert."

CHRISTIAN HAT ZEIT

"Inzwischen hat der Braunschweigische Brand-Meister den Flecken Eschborn, so Kronbergisch, das Städtlein Oberursel, so Mainzisch, Sulzbach, so Frankfurtisch, und Nidda, so Hanauisch fast zugleich besagten 9. Juni in Brand stecken lassen, anderer Flecken zu schweigen, so noch zu einem jämmerlichen Spektakel angezündet wurden."

Die anrückende Streitmacht ist fast doppelt so groß wie die von Christian. Warum er sich nicht absetzt, ist unklar. Entweder es war nun zu spät, oder er war wirklich "toll".

"Des Mittags sind die Ligistischen und Spanischen, 15 Regimenter zu Fuß um 20.000 und 140 Cornett Reiter um 6.000 stark, neben 18 Stücken Geschütz bei Frankfurt vorüber auf die Braunschweigischen gezogen, selbige Nacht diesseits der Nidda sich gelagert. Folgenden Tags hat der Herzog Christian seine Armee bei Höchst in Schlachtordnung gebracht."
Eigentliche Abbildung des Treffens belangend, welches zwischen der Kaiserlichen Armada und dem von Halberstadt unterhalb von Frankfurt nächst zu Höchst gehalten. Geschehen den 20. Juni 1622.
Schlacht bei Höchst 1622
SCHLACHT BEI HÖCHST

"Die Ligistischen sind auf die Braunschweigische Armada bei Höchst fortgerückt, wo dann ein hartes Treffen anfing, das etwa 6 Stunden lang dauerte. Die Ligistischen haben ihre 18 Stücke wie in einem Dreieck aufgestellt, und damit stark und mit Hagel (Steine oder Eisenstücke), wohl 24 Stück in einer Ladung, unter die Braunschweigische Reiterei geschossen, so dass dieselbe nicht recht ansetzen konnte. Die Braunschweigischen haben mit nur 3 Stücken wenig ausgerichtet. Ihr Fußvolk hat sich gewehrt, bis der Herzog auf Gutachten der Obristen den Rückzug befahl. Die ganze Armada kam in Unordnung, und ein jeder wollte bei der Flucht der erste sein. Da das Gedränge auf der Behelfsbrücke zu groß war, versuchten manche an tiefen Stellen zu übersetzen, wobei viele haben ersaufen müssen. So ist mehr Volk im Wasser als auf dem Land umgekommen."

BAUERN UND FISCHER WERDEN REICH

"Herzog Christian kam mit fünf Cornett Reitern über den Main, wo das Wasser den Pferden nur bis an die Bäuche reichte. Die meiste Bagage ließen sie zurück, auch blieben viele im Morast stecken. Die Führer haben die Rosse ausgespannt und machten sich davon. So ist mancher Bauer zu einer stattlichen Beute gekommen. Auch haben die Fischer einen großen Reichtum erlangt, da sie bei den Toten den Main und Rhein hinab viel Geld, Ketten, Ringe und stattliche Kleidung bekommen."

MANSFELD ZU SPÄT

"Wie nun der Herzog seinen Weg auf Darmstadt und Bensheim zu genommen, hat er daselbst den Grafen von Mansfeld mit 3.000 Musketieren und 5 Cornett Reitern angetroffen, so ihm beistehen wollten."


NACHLESE

"Des andern Tags haben die Kroaten die flüchtigen, verirrten, und im Gehölz und Gärten versteckten Braunschweigischen verfolgt, und haben noch viele niedergehauen, wobei die Bauern auch tapfer halfen."


Im Tross folgten die Familien der Söldner und "fahrendes Volk" den Heeren. Händler und Huren waren kriegsnotwendig, aber es schlichen sich auch unlizensierte Erwerbs- und Heimaltlose ein, die den Söldnern beim Plündern Konkurrenz machten.

"Viele vom Tross wurden ohne Erbarmen erschlagen. Es war eine große Menge gegen den Willen des Herzogs der Armada nachgezogen und hatte dem Landmann mehr Schaden getan und größeren Mutwillen getrieben, als rechte Soldaten."

TILLY WORTBRÜCHIG

"Selbigen Abend wurde Höchst von den Ligistischen wieder eingenommen und alle Braunschweigische und niedergemacht."

Die Besatzung des befestigten Schlosses bat um Gnade:

"Darauf wurde ihnen Quartier und freier Abzug zugesichert. Weil sie aber zuvor die armen Weibs-Personen und Kinder niedergehauen, auch einen alten Pfaffen kastriert, hat General Tilly sie alle niederhauen lassen."

SELTENER FALL VON FANATISMUS

In der Regel wurden noch brauchbare gefangene Söldner übernommen oder man ließ sie laufen. Fanatismus gehört nicht zu den Grundhaltungen in diesem Krieg, die grausamen Vorgehensweisen hatten vorwiegend sachliche Gründe: Exempel mit einer Stadt statuieren, damit die nächste zum Akkord bereit ist, oder Folterungen, um an versteckte Wertsachen heranzukommen. So versetzt eine Massenhinrichtung den Berichterstatter in Erstaunen:

"Unbarmherzigkeit des Kriegsvolks: Im Städtlein Kronberg waren auch bei 65 Braunschweigische: Die Einwohner mußten sie heraus schaffen, daselbst sie im Feld von dem Ligistischen Kriegsvolk hingerichtet wurden."

GERECHTER GOTT

Der evangelische Pfarrer Herdenius kommentiert mit frommer Genugtuung den Sieg der Katholischen Liga:

"Der gerechte Gott, der das Schreien der Unschuldigen und vieler frommen Herzen erhört, hat dies böse Volk nicht ungestraft gelassen. Denn wie sie jetzt vor Höchst dem bayrischen Volk eine Schlacht liefern - man hat hier das Schießen gehört -, werden sie übermannt, über den Main gejagt und teils erschlagen, teils in das Wasser getrieben; viele kommen hinüber und eilen nach Frankfurt, wo nun alle Gassen und Spitäler davon erfüllt sind. Viele Fliehende wurden von den Soldaten und dem Bauernvolk erschlagen, viele sind auch jämmerlich hin und wieder gestorben."

Wie alle, die nicht als Lobschreiber verpflichtet sind, kommt auch Pfarrer Herdenius nicht auf die Idee, es ginge um den Glauben.

GERAUBTER RAUB

"Wunder hört man, was man für ein großes Geld bei ihnen gefunden wurde. Es muss wohl ein schlechter Fußsoldat gewesen sein, der nicht wenigstens100 Taler bei sich eingenäht hatte. Übergroß aber ist der Raub gewesen, den die Bayrischen bekommen haben, denn alles was uns die Braunschweiger genommen, haben sie auf mehr als 1.000 Wagen in ihr Land gebracht, desgleichen die Pferde und alles Vieh. Dazu kommt, was sie in den gräflichen Dörfern zwischen hier und Frankfurt selbst erlangt."

POLITIK VERSAGT

Pfarrer Herdenius übt auch Kritik an seinem Landesherren, dem Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt.

"Wir im Land hätten 3 Dinge gewünscht: 1.) Dass unser Fürst in den Grenzen der strikten Neutralität geblieben wäre. 2.) Dass er sich bei Zeiten mit ihm verhandelt und die Erbitterung beseitigt hätte. 3.) Dass er mit einer großen Summe Geldes, wie Fulda getan, Frieden gekauft hätte."

Landgraf Ludwig dürfte nach Art der Politiker auf derlei Anwürfe geantwortet haben, die Dinge seien eben verwickelter, als es "die im Land" sich vorstellen können.

KRANKHEITEN IN FRANKFURT

Das Theatrum meldet, wie auch die Bevölkerung der großen Städte in den Krieg hineingezogen wird:

"Viele Verwundete und Kranke sind von beiden Teilen zu Frankfurt eingekommen, welche die Stadt infiziert, dass darauf ein großes Sterben an der roten Ruhr und anderen hitzigen Krankheiten erfolgte."

CHRISTIAN KANN WEITERMACHEN

"Der Herzog, als er wieder gemustert, soll über das Volk, so geblieben, zertrennt, und sich verlaufen, noch fünftausend zu Pferd und achttausend zu Fuß stark sich befunden haben. Von hohen Offizieren ist auf Braunschweigischer Seite niemand sonderlichs geblieben."

ZURÜCK ZUM KRIEGSALLTAG

"Hierauf haben die Ligistischen den Flecken Schwanheim geplündert, Birgel in Brand gesteckt und etliche andere Mainzische wie auch Hessen-Darmstädtische und Hanauische Flecken geplündert. Dann haben sie sich wieder zur Bergstraße begeben. Corduba aber ist mit seinem spanischen Volk nach Oppenheim gezogen."

INZWISCHEN IM ELSASS...

Während Tilly um Heidelberg zugange ist, hat sich im Elsaß auch Christian von Braunschweig mit der ihm verbliebenen Truppe eingefunden. Dort treiben es schon die Kaiserlichen unter dem Erzherzog und Mansfelds Mannen, ohne sich ernsthaft etwas zu tun. Die Straßburger Chronik:

"Obwohl des Erzherzogs Leopold Völker sich bisweilen präsentierten und sich gegen die Mansfeldischen Räuber sehen ließen, wichen sie doch bei deren Ankunft zurück, ja, machten es nicht besser, denn sie nahmen und plünderten auch wo sie konnten. Mansfelds Obrist Obentraut fiel mit seinen Reitern im Breisgau ein, streifte bis Breisach und Ensigheim und plünderte alles aus."

NOCH EIN FEST

"Nachdem Mansfeld das arme Elsass so verheert, verbrannt und gründlich Grund verderbt hat, ist er endlich mit Herzog Christian in die Stadt gekommen. Dort hat dieser Fürst einen köstlichen Abendtanz gehalten, wozu er viele adelige Frauenzimmer eingeladen hat und war sehr lustig mit ihnen."

INFLATION

"Weil das Land unbewohnbar war, wurde die Stadt und ihre Herbergen noch mehr angefüllt. Die Münzsorten stiegen immer höher. auf, so dass im Monat Februar der Reichstaler schon 6 Gulden galt (im Herbst noch 2 Gulden). Im März hat man das Viertel Weizen auf dem Kornmarkt um 24 Gulden angeboten (im Herbst noch 5 Gulden). So etwas hat man noch nie gehört, solange Straßburg gestanden. Und obwohl fast jedermann Geld genug hatte, konnte man nichts dafür bekommen. Und es gab jedoch Leute, denen solches wohl gefiel und aus dem Elend ihren Nutzen zogen."

ERZHERZOG MUSS AUSRUHEN

"Der Mansfeld ist auf den Erzherzog zugezogen und hat ihn von Hagenau nicht allein weggejagt, sondern ihm auch bei der Flucht viel Volk erschlagen. Mansfeld eroberte große Beute von Munition und Proviant, 2 große und etliche kleine Geschütze und eine große Menge anderer Waffen. Nach diesem großen Verlust hat sich der Erzherzog nach Freiburg im Breisgau zurückgezogen, um sich auszuruhen."

FRAUEN BEHALTEN

Ein Flugblatt weiß die Einzelheiten:

"Auf der Flucht haben sie die ganze Bagage und die Frauenzimmer im Stich gelassen, so dass die Mansfeldischen sie überfallen konnten. Dabei haben sie viele goldene Ketten, Kleinodien und Geld bekommen. Den Frauenzimmern haben sie nichts am Leben getan, sondern sie mit in ihr Quartier genommen und bei sich behalten."

HEIRATSPLÄNE WIRKEN IM ELSASS

Jakob, der englische König, wollte sich mittels Verheiratung seines Sohns Karl mit Spanien verbinden und Frieden stiften. Um die Verhandlungen mit Spanien voranzubringen, drängte der König seinen Schwiegersohn Friedrich von der Pfalz, sich daran zu beteiligen. Als Vorleistung entließ Friedrich am 13. Juli Mansfeld und Christian von Braunschweig und zog sich selbst auch zurück. Die beiden Truppeneigner verlegten ihr Tätigkeitsfeld in die Niederlande und fügten den Spaniern an der Seite der Generalstaaten eine schwere Niederlage bei (Fleury, 29.8.1622). Dem Straßburger Chronisten waren die verwickelten Machenschaften der Potentaten nicht bekannt:

"Bald darauf am 26. Juli sind alle Mansfeldischen Soldaten auf Befehl ihres Generals aus Hagenau gezogen und haben zum Abschied noch 120.000 Dukaten gefordert. Als Sicherheit haben sie etliche reiche Bürger und Juden als Geiseln mitgenommen. Ehe diese gottlosen Leute ganz aus dem Lande gezogen, haben sie im Elsaß und im Bistum Straßburg grausamen Schaden getan und fast alle Städtlein, Flecken und Dörfer gebrandschatzt und große Summen Geldes von ihnen gefordert. Mansfeld ist nie wieder in das Elsass gekommen, welches er so zugerichtet verließ, dass man in ewigen Zeiten davon reden wird. Als die Mansfeldischen aus dem Lande waren, hat der Erzherzog Leopold die Stadt Hagenau wieder eingenommen und besetzt."

NOCH EINER WENIGER

Da Mansfeld und Christian nun im Niederländischen Krieg mitmischen, werden die spanischen Truppen dort gebraucht. Theatrum:

"Don Corduba aber ist mit seiner Armada an 12.000 Mann stark durch Saarbrücken dem Mansfelder und Herzog von Braunschweig nachgezogen."

BIS ZUM BODENSEE

In vier Jahren sind in diesem Krieg nur drei größere Feldschlachten mehr oder weniger "passiert". (Weißer Berg, Wimpfen, Höchst.) Durch die Schachzüge der Großmächte steht im Südwesten Deutschlands auch keine weitere an, so dass der "Krieg" dort nun ungestört seinen Verlauf nehmen kann. Theatrum:

"Indessen streiften die Tillysche sehr aus in die umliegenden Herrschaften. Besonders die Crabaten (Kroaten) und Kosaken überzogen das Land des Markgrafen von Durlach mit Mord, Raub und Brand bis an die württembergische Grenze. Sie verwüsteten alles jämmerlich, schlugen den Fässern die Böden ein, schnitten die Betten auf und zerstreuten die Federn, den Kindern hauten sie die Köpfe ab, die Eltern, so sie bekamen und nicht gar ermordeten, richteten sie jämmerlich zu. Sie streiften auch bis an den Bodensee, bis sie die eidgenössischen Landleute abpassten und viele erschlugen."

DIE EIGENTLICHEN BÖSEN

Ligatruppen und Kaiserliche hatten nun in der Pfalz und im Elsass leichtes Spiel. Nur in Mannheim, Frankenthal und Heidelberg lagen noch größere pfälzische Garnisonen. Trotzdem machten die Anführer keine Anstalten, ihre im Osten rekrutierten Reitertruppen (Krabaten, Kosaken) zu entlassen. Sie beklagten zwar deren eigenständiges und besonders grausames Vorgehen, aber so, als seien sie nicht dafür verantwortlich. Vielleicht aus Überzeugung, sicher unter dem Druck der öffentlichen Meinung, forderte der Kaiser seine Heerführer mehrfach auf, etwas dagegen zu tun. Er bekam in der Regel die Antwort, ihre Entlassung sei wegen der geforderten Abstandszahlungen zu kostspielig. Das ist glaubhaft. Anderseits förderte der Schrecken, den die Truppe verbreitete, die Zahlungsbereitschaft beim Freikauf von Gewaltanwendung. Und ihre Beweglichkeit war gefragt, wenn es um die Sondierung des Geländes und die Störung größerer Verbände ging. Kurzum, man behielt sie. Theatrum:

"Leopold hat Germersheim belagert und beschossen, wodurch die meisten Einwohner samt der Besatzung zur anderen Pforte hinaus gewichen. Worauf die Krabaten alles, niedermachten, was sie noch an Bürgern, Soldaten, Weibern und Kindern in der Stadt antrafen. Darauf hat der Erzherzog Leopold bei Leibes- und Lebensstrafe verkünden lassen, keinen Menschen mehr am Leben etwas zu tun. Dadurch hat das Massakrieren ein Ende genommen."

HEIDELBERG: MIT STÜRMENDER HAND

Als Friedrich wegen der ehrgeizigen Pläne des englischen Königs seine Feldherren abrücken ließ, konnte er nicht ernsthaft glauben, das seine Residenzstadt Heidelberg heil davonkommen könnte. Er sollte sie nie wieder sehen, aber den größeren Schaden hatten "seine" Heidelberger.

"Hierauf ist ein Teil des Leopoldischen Volkes zu Speyer über Rhein gesetzt, sich mit den Tillyschen konjungiert, und die Stadt Heidelberg mit ganzer Macht angegriffen. Am 15. September hat General Tilly den ganzen Tag über, aus allen Batterien die Stadt und Außenwerke heftig beschossen und zwei Stunden lang einen General-Sturm unternommen, mit vielen hundert Leitern und bei stetiger Erfrischung und Ablösung der Stürmenden. Die Belagerten haben sich tapfer gewehrt, sonderlich die Engländischen und Niederländischen. Auch die Niederländer und Deutschen auf dem alten Schloss haben die Tillyschen etliche mal abgeschlagen, so dass sie weichen mussten."

ZERMÜRBUNG

"Die Tillyschen haben dann mit 18 Stücken von der Seite und von dem Gebirge herab so geschossen, dass kein Mensch mehr sicher auf den Wehren und Werken stehen oder fechten konnte. Die Stadt ist weitläufig und die Fortifikationen zu schwach. Die Belagerten waren durch langes Wachen ganz ermattet und wurden teils erlegt und teils verjagt. So konnten die Tillyschen sich aller Außenwerke bemächtigten. In diesem Lärmen haben die Krabaten mit ihren Pferden durch den Neckar gesetzt, sind in die Vorstadt kommen, und haben Feuer an unterschiedlichen Orten eingelegt."

SELBST SCHULD

"Die Tillyschen waren weiter siegreich und haben auch die alte Stadt angefallen. Darauf hat der Gouverneur zur Verschonung des Volkes Verhandlungen angeboten. Er hat die Antwort bekommen: Warum hat er's nicht eher getan? Das Volk wäre nun in der Furie (Wut, Ungestüm) und es sei unmöglich, es zurückzuhalten."

DREI TAGE LANG...

Von wegen Furie, das Volk ging beim Aufspüren der Wertsachen planmäßig und mit Ausdauer vor. Und nicht nur die Krabaten.

"Darauf hat sich der Gouverneur mit den übrigen Befehlshabern und Soldaten, etlichen Personen von der Universität und etliche Bürgern und Weibs-Personen ins Schloß salviert, und den Tillyschen auch die alte Stadt überlassen. Darin hob ein jämmerlich Zetergeschrei und Wehklagen an, durch Niederhauen, Plündern und Geld heraus martern, mit Däumeln (Daumenschrauben), Prügeln, Nägelbohren, Schänden und anderen dergleichen. Zugleich nahm die Feuersbrunst in der Vorstadt mächtig überhand und griff auch das reiche Hospital an. Solch Wüten und Toben des Kriegsvolks ist bis in den dritten Tag kontinuiert worden."

SCHLOSS KAPITULIERT

"Auf getroffenen Akkord ist den 10. September die Garnison mit 10 fliegenden Fähnlein, und dreißig Reitern aus dem Schloss abgezogen. Ein Teil des Kriegsvolks unterstand sich, die Ausziehenden zu berauben, ja gar niederzuhauen. General Tilly hat es selber mit bloßem Degen abgewehrt und sie mit Begleitschutz nach Frankfurt bringen lassen."

ELEND IN MANNHEIM

"Die Soldaten waren müde und verdrossen und hatten nur grob Brot essen müssen, wovon viele krank geworden. Das geflüchtet Land- und Stadtvolk lag unter dem freien Himmel und drohte mit Weib und Kindern zu verderben. Item war kein Geld vorhanden, um die Soldaten zu bezahlen und es gab keine Arznei mehr für die Verwundeten und Kranken, zudem hatte sich auch ein großer Gestank verbreitet. Daher wurde den 23. Oktober ein Akkord geschlossen und die Garnison konnte aus der Festung mit Sack und Pack nach Kriegsgebrauch ausziehen."

ZULETZT ELISABETHS MORGENGABE

"Nach dem der Graf von Tilly zu Mannheim alles in gute Ordnung gestellt, hat er sich vor die Stadt Frankenthal begeben um sie zu belagern. Mit Annäherungsgräben hat er große Arbeit anwenden lassen. Aber die Belagerten haben sich verzweifelt dermaßen gewehrt und so verbittert darauf geschossen, dass sich keiner ohne Gefahr von den Tillyschen blicken lassen konnte."

Tillys Truppe liegt in gebührendem Abstand und ist nicht recht ausgelastet. Es gibt nichts mehr zu plündern und die Verpflegung wird knapp. Missgestimmte Söldner aber waren ganz und gar unbrauchbar. Noch immer Theatrum:

"Weil in der Pfalz nichts mehr übrig war, ließ Tilly den größten Teil der Armada in die Wetterau ziehen. Die Einquartierung führte besonders in den Grafschaften Hanau und Isenburg zur merklichen Verderbung der Einwohner."

ZWEITES KRIEGSZIEL ERREICHT

Im März 1623 opferte Jakob auch Frankenthal. Er wies englischen Kommandanten an, die Stadt den Spaniern zu übergeben. Der Akkord bestimmte, die Besatzung:

"...solle mit ihren Waffen, Kleinodien und Bagage ausziehen, mit fliegenden Fahnen, brennenden Lunten, schlagenden Trommeln und dergleichen, und dürfe sich frei wieder in ihr Vaterland begeben."

RÜCKGABEKLAUSEL

So geschah es. König Jakob hatte, noch immer an das Gute in den spanischen Räten glaubend, sich auch das Folgende unterschreiben lassen:

"Im Fall innerhalb von zwei Jahren die Versöhnung zwischen Kaiserl. Majestät und dem Eidam des Königs in England (Friedrich), nicht vorginge... so sollen Stadt und Festung dem König in England wieder übergeben werden."

Der Vertrag war das Papier nicht wert. Es gab keine Heirat und keinen Frieden. Jakob mußte erkennen, dass man ihn aufs Kreuz gelegt hatte. Die Nachrichten aus der Pfalz sind im peinlich und er versucht es noch einmal mit einem Protest:

"Wegen etlicher in der Pfalz sich zutragender Übeltaten, so zu Beschwerung der Einwohner und Untertanen führten, seien Klagen gekommen..."

NUN KONFISZIEREN SIE WIEDER

Jakob hatte gemerkt, dass die Spanier nicht zu Besuch in der Pfalz waren.

"Zum anderen, dass besagter Pfalz Einwohner täglich mit neuen Auflagen beschwert, und die Güter jener Untertanen konfisziert würden, die um solch Elend und Unheil des Kriegs zu entgehen, sich außer Land an andere Ort begeben hätten."

Jakobs Protest machte keinen Eindruck am spanischen Hof und es kam auch nicht zur "Versöhnung". Friedrich war nun ein König ohne Königreich und ein Landesherr ohne Land. Habsburg-Spanien-Bayern hatte von Anfang an den besseren Plan und verfügte bei der Durchführung auf allen Feldern über die bessern Mittel. Ein Königreich und ein Kurfürstentum waren gewonnen, wobei die Aneignung des letzteren den Krieg nachhaltig verlängern sollte. Friedrichs Haushaltsführung blieb standesgemäß, seine Verbündeten steckten ihm genügend Bares zu.

BILANZEN

Und die anderen? In Straßburg zählte ein Arzt 22.000 Flüchtlinge und 4.330 Tote. Todesursache: Hunger und Seuchen. Der Chronist:

"Ein löblicher Magistrat hat allhier den armen Bürgern und Witwen billig aus dem Stadtspeicher geben lassen, damit sie nicht vor Hunger vergingen. Weil aber das schlechte Geld noch immer im Schwange war, wollten diejenigen, die Lebensmittel verkauften, den Preis nicht senken. Deswegen hat der Magistrat im Juni 1623 das Geld abgesetzt und um ein viertel reduziert und den Reichstaler wieder auf 15 Schilling gesetzt. Worauf alle angelegten Kapitalien aus dem vergangenen Jahr auf ein viertel reduziert wurden. Wodurch sich mancher in seiner Hoffnung betrogen sah."

WURZELN UND KRÄUTER

"In diesem Jahr ging es in unserer Nachbarschaft, in der Pfalz, erbärmlich zu, indem der General Tilly einen Ort nach dem anderen eingenommen und die meisten ausgeplündert hat. So wurde dieses herrliche fruchtbare Land, die ganze Pfalz, totaliter ruiniert. Bald darauf ist die Pfalz in solche Hungersnot geraten, dass die armen Einwohner im Lande, die überlebt hatten, sich mit Wurzeln und Kräutern aus der Erde erhalten mussten."


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