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Peter Milger: Der Dreißigjährige Krieg

(3) Die Zuspitzung

Kriegsründe, Kriegsrecht, Personalien, Meldungen vom Kriegsschauplatz, Dokumente zu den Kriegszielen


DIE RECHTSLAGE

Solange die Menschheit sich gewaltsame Problemlösungen nicht grundsätzlich verbietet, kann nur das Recht Kriege verhindern. Natürlich müssen sich beim Vereinbaren des Rechts alle einig sein.
Auf dem Reichstag in Augsburg 1555 aber war die Frage der „geistlichen Güter" nicht „endgültig" geregelt worden. Und das Haus Habsburg sah den Majestätsbrief nicht als „gültigen" Vertrag an, sondern meinte, das Königreich Böhmen erblich zu besitzen. ( Siehe Oñate-Vertrag.)
Recht nützt auch nichts, wenn sich keiner daran hält oder niemand da ist, der es durchsetzt. Der für letzteres zuständig war, der Kaiser, brach es selbst. Der Einmarsch ausländischer Truppen war nämlich nur mit Genehmigung der Reichsstände erlaubt. Und die Spanier waren reichsrechtlich Ausländer.

Daß Rechtsunsicherheit zum Krieg führt, wenn viel auf dem Spiel steht, war der damaligen „politischen Klasse" ebenso bekannt wie der unseren. Die damalige traf sich nun in Frankfurt bei der Kaiserwahl - und tat nichts, um den Konflikt aus der Welt zu schaffen.
Kurfürst Friedrich von der Pfalz - Winterkönig König Philipp II. von Spanien
EINIGE HANDELNDE PERSONEN UND WORUM ES IHNEN GEHT
Philipp III., König von Spanien. Will eine Landbrücke in die Niederlande und meldet alte Ansprüche an das Königreich Böhmen an. Sein Agent in Wien ist Graf Oñate.
Friedrich von der Pfalz, Kurfürst, für die einen dann auch böhmischer König, für die anderen ein Rebell, genannt "Winterkönig". Möchte gern alles behalten.
Winterkönigin Elisabeth

Ferdinand, Habsburger, österreichischer Erzherzog, zunächst designierter König von Böhmen und Ungarn, dann auch Kaiser. Möchte alles haben: Die von Protestanten angeeigneten Kirchengüter Böhmen samt der Nachbarländer, und Ungarn.

Kaiser Ferdinand II.
Friedrichs Frau, Elisabeth, Engländerin, Tochter von König Jakob, spornt den Ehrgeiz ihres Gatten an.
Maximilian von Bayern
Herzog Maximilian von Bayern. Chef der katholischen Liga. Möchte die Pfalz nebst Kurwürde, will auch zeitweiliger Landesherr von Oberösterreich werden.

Kriegsgräuel
Ulrich Franck: Kriegselend

VORENTSCHEIDUNG?

Das Theatrum über die Folgen der Niederlage Mansfelds in der Schlacht bei Zablat:

"Und obwohl dieser Sieg in Ansehung der Anzahl des Mansfeldischen Kriegsvolks nicht sonderlich groß schien, so war er doch Ihrer Majestät König Ferdinand sehr nützlich. Der Graf Thurn gab die Belagerung der Stadt Wien auf und mußte wieder nach Böhmen ziehen. Der Sieg hat auch Ihrer Majestät Erhebung zum Römischen Kaiser großen Vorschub getan."

Prag bedroht

„Der Graf Mansfeld hat sich nach dieser Niederlage gen Pilsen salviert und Patente ausgeteilt, um frisches Volk in Teutschland zu werben. Es wurden auch Kuriere an den Grafen Turn geschickt, ihm zu melden, wie der Graf von Buquoy Städte und Schlösser ohne Widerstand einnähme und zu befürchten sei, daß er bald etwas gegen die Stadt Prag unternähme. Die Wallonen und Ungarn haben mit Rauben, Morden und Brennen in Österreich großen Schaden getan und viel Mutwillen und Tyrannei verübt."

Ein Fest in Frankfurt. Ferdinand wird Kaiser

Vom 21. bis 28. Juni 1619 treffen in Frankfurt am Main rund 2.000 Gäste mit 1.500 Pferden ein, um der Kaiserwahl beizuwohnen. Die protestantischen Kurfürsten schicken nur ihre Gesandten. Der Kandidat der Habsburger, Ferdinand, liegt ihnen begreiflicherweise nicht besonders. Nach zähen Verhandlungen, in denen Ferdinand die üblichen Zusagen macht, kommt die notwendige Einstimmigkeit zustande. Als designierter böhmischer König wählt Ferdinand sich selbst. Nach Wahl und Krönung am 28. August geht es hoch her, auf dem Römerberg fließt der Wein und regnet es Geld, geliehenes, wie üblich.
Kaiserkrönung Römer Theatrum:

„Wie die Krönung vollbracht war..., haben drei Reiter Gold- und Silbergeld unter das Volk ausgeworfen, bis ein Tumult entstand ... Ist beim Bankett mit stattlichem Essen, Konfekt und dergleichen gar herrlich zugegangen, und auch eine liebliche Musik gehört worden."


Alle waren sich gut, man hatte ja, wie gesagt, persönlich nichts gegeneinander.
WEGEN GRÄUEL ENTLASSEN

Während Ferdinand in Frankfurt eine Krone gewann, kam ihm eine andere abhanden. Am 19. August hatte der böhmische Landtag seine "Designation" zum König zurückgenommen. Aus der Begründung:

„Ihre königliche Würden Ferdinand haben den geheimen Ratsdirektor Klesl wider den Willen von Kaiser Matthias in Arrest genommen, zum Krieg gegen das Königreich geraten, ja auch eigens Volk in Friaul ausgehoben und in das Königreich Böhmen befohlen, um dessen Bewohner mit Feuer und Schwert zu verderben... Nach des Kaisers Matthias tödlichem Abgang haben ihre Würden dieses feindliche Kriegsvolk angenommen, das im Königreich und in Mähren eine grausame Tyrannei ausübt. Dazu viele Tausend Mann eines fremden spanischen Volks geworben und in dieses Land einführen lassen, und keine Schonung bei alten noch jungen Manns- noch Weibspersonen, weder bei kleinen Kindern, die noch im Mutterleib verschlossen, üben lassen."

Auch der geheime Oñate-Vertrag, der Böhmen erblich an Habsburg binden sollte, war für die Stände ein Kündigungsgrund:

„Ferdinand hat ... auch wegen des Königreichs Ungarn und Böhmen Verträge aufgerichtet, welche jetzt durch Gottes Schickung offenbar geworden."

Es handelte sich um den Oñate-Vertrag

Gemütsmensch

Ferdinands antworteten den Ständen mit einer umfänglichen Rechtsbelehrung (19.1.1620). Exzesse wurden darin durchaus wahrgenommen und bedauert:

„Wir bezeugen auch hiermit: Wo unser Kriegsvolk gegen Kriegsrecht, Ordnung und Artikelbrief mit Rauben, Brennen, Erwürgung unschuldiger Personen, von Weibern und Kindern, Schändung ehrlicher Frauen und Jungfrauen, und andere Exzesse vorgenommen, dass diese alle gegen unsere Meinung... und Befehl vorgegangen... und uns tief zu Gemüt ziehen."

STÄNDE VEREINT

Den Nachbarn der Böhmen war nicht entgangen, dass der Einmarsch spanischer Truppen auch ihnen galt und mit der Absicht erfolgte, Habsburgs Herrschaft über sie zu verewigen. Folgerichtig schlossen sich nun die protestantischen Stände Böhmens, Mährens, Schlesiens, der Ober- und Niederlausitz, Ober- und Niederösterreichs zu einer Konföderation zusammen. Der Bündnisvertrag sah als Direktmaßnahme die Aushebung und Finanzierung von Truppen vor, das Verbot des Jesuitenordens, die Entlassung katholischer Amtspersonen und die Kassierung des Oñate- Vertrages. Und nicht zu vergessen:

„Alle Kirchen in den Unierten Landen, die die Evangelischen innehaben, sollen ihnen ... auf immerwährende Zeiten verbleiben."

Die Konföderationsakte war zugleich auch eine Art Verfassung, die die Regierungsmacht den „ständischen" Vertretungen übertrug. Alles was Habsburg sich nördlich der Donau einverleibt hatte, schien verloren.

NEUER KÖNIG - KURFÜRST FRIEDRICH

Es kam noch schlimmer. Die böhmischen Stände hatten sich schon seit einiger Zeit nach einem neuen König umgeschaut. (Der Kandidat aus ihren Reihen, Jan Smirický, war verstorben.) Nun wurden sie ausgerechnet am kurpfälzischen Hof fündig, in Gestalt des jungen Kurfürsten Friedrich V. Dessen hochbrisante Kandidatur war von Friedrichs Chefberater, Christian von Anhalt, eingefädelt worden.

Den Haag - Heidelberg - Prag

Aus Habsburgs Sicht bahnte sich eine kalvinistische Achse an: Die niederländischen Generalstaaten unterstützten die böhmischen "Rebellen"; der radikale Kalvinist Friedrich wurde ihr König. Nun sah es so aus, als hätten sie alle recht gehabt mit ihren Kriegsvorbereitungen: Ferdinand, Bayerns Herzog Maximilian, deren jesuitische Berater und auch der Spanier Oñate.

Noch ein Fest

Was sich die Stände von Friedrich erhofften, war sonnenklar: Truppen und Geld für Truppen. Friedrich zierte sich eine Weile, sein Berater und seine Gattin, die englische Königstochter, drängten ihn. Schließlich sagte er den böhmischen Ständen zu. Am 3. November 1619 traf er in Prag ein, mit wenig Truppen und einem großen Hofstaat. Eine Zeitung beschreibt den prunkvollen Einzug, die Gewänder der Damen, die Festtagsstimmung:

„In Summa, es ist so prächtig zugegangen, dergleichen keinem römischen Kaiser je in Prag widerfahren."

Ein kurpfälzischer Rat berichtet nach Heidelberg:

„An Pferden waren es 2000. Die Herren und der Adel und die Gesandten der anderen Länder haben sich spendabel gezeigt, und allein die Prager Bürger von ihrem eigene 50.000 Gulden gegeben. Nach meiner Beurteilung wäre das Geld besser zur Bezahlung des Kriegsvolks angelegt gewesen."

Hellsichtig kommentiert der Kölner Kurfürst:

„Nun kann man sich auf einen 20-, 30,- ja 40jährigen Krieg gefasst machen, denn Spanien und das Haus Österreich werden eher alles aufgeben, was sie in der Welt besitzen, als Böhmen."

JETZT MACHEN SIE ERNST

Bisher hatte Spanien einiges investiert, wenn auch keineswegs "alles", und Ferdinand, mangels Masse, fast nichts. Da der Krieg in Böhmen stagnierte, musste die Firma Habsburg nun auf einen bisher nur ideellen Teilhaber zurückgreifen: Herzog Maximilian von Bayern, Ferdinands Schulkamerad bei den Jesuiten. Diese Partnerschaft würde Ferdinand einiges kosten, aber er hatte keine andere Wahl. Die "geistlichen Fürsten" waren einfach zu knauserig. Am 8. Oktober 1619 schlossen Ferdinand und Maximilian den „Vertrag von München." Er regelt die Leitung und Finanzierung eines Feldzuges nach Oberösterreich und Böhmen. Maximilian wird "Direktor" aller Truppen der katholischen Reichsstände (Liga) und streckt die Kosten vor, sowohl gegenüber Ferdinand als auch den ständig säumigen "geistlichen Fürsten". Man sollte meinen, die angeblich so gottesfürchtigen Männer hätten einander getraut, oder dem Wort, das sich Studienfreunde und Kampfgefährten einander geben. Weit gefehlt.

VERTEILUNG VON LAND UND LEUTEN


Der Vertrag regelte minutiös, was Maximilian an Pfändern und Erträgen einbehalten konnte, falls Ferdinand nicht zahlen würde. Der Text erhellt aufs Schönste, was den Herren so am Herzen lag.

„Es soll I. Kais. Maj. und dero ganzes löbliche Haus, bei Verpfändung aller dero Hab und Güter, nichts ausgenommen, obligiert und verbunden sein, I. Fürtsl. Durchl. in Bayern sowohl die erlittenen Schäden als auch alle angewendeten Unkosten zu refundieren und zu erstatten... und bis solche Erstattung geschieht, von den Oberösterreichischen Landen pfandweise genügend übertragen werden."

Oberösterreich an Maximilian

Ferdinand räumte Maximilian das Recht ein, in einem Habsburger Erbland ein Besatzungsregime zu installieren.

„Wofern auch I. Fürstl. Durchlaucht in Bayern bei diesem Zug und Kriegswesen in Oberösterreichs Landen den Feinden wieder etwas abnehmen und in ihre Gewalt bringen würde, soll daselbige mit allen und jeden Nutzungen, Gerichten und Zugehörigkeiten I. Fürstl. Durchlaucht und deren Nachkommen als Pfand verbleiben..."

Und wie lange durfte Maximilian Oberösterreich besetzt halten? Er war nicht verpflichtet:

„... es abzutreten, und die Soldateska abzuführen, bis die entstanden Extrakosten und Schäden erstattet und erledigt sein werden."

Die Lausitz an Kursachsen

Ferdinand war es gelungen, auch einen Protestanten für seine Sache zu gewinnen. Der lutherische Kurfürst von Sachsen sollte mit seiner Armee von Norden gegen Prag vorrücken und unterwegs die lutherischen "Rebellen" in der Ober- und Niederlausitz bezwingen. Nicht aus Idealismus mischt der Sachsenfürst mit, sondern gegen Kostenerstattung auch er. Da Bares nicht vorhanden war, versprach ihm Ferdinand die Lausitz mit der Stadt Bautzen.

Pfalz und Kurwürde an Maximilian

Friedrich von der Pfalz war noch nicht König von Böhmen, also noch kein "Rebell", da griffen sie schon nach seiner Kurwürde, seinem Land und seinen Leuten. Anwärter für die Nachfolge? Es darf geraten werden. Ende September stellte Maximilian seine Bedingungen für die Übernahme des Direktoriums. Darunter auch:

„Expectanz auf künftige zurückfallende Reichslehen, in specie aber die Kurpfalz."

Ferdinand hatte entsprechende Zusagen gemacht. So jedenfalls Maximilian (9. 4. 1621):

„Solche Kur (wurde) ohne eine Kondition. Limitation und Restriktion... zugesagt."

Maximilian drängte Ferdinand, die Reichsacht über Friedrich von der Pfalz verhängen, denn nur so würden dessen Besitz und Kurwürde zur Disposition stehen. Nur musste die Pfalz ja noch erobert werden.

Und Spanien?

Es hatte sich ja schon das Elsass ausgeborgt, des Landwegs in die Niederlande wegen. Fehlte nur noch die Pfalz. König Philipp III. von Spanien an seinen Statthalter in den spanischen Niederlanden am 12. Januar 1620:

„Ich habe die Geldmittel auf eine Million Dukaten festgesetzt, die aus den (spanischen) Königreichen Neapel und Sizilien beschafft werden müssen ... Das Regiment von Olivera, das nun in Portugal aufgestellt wird, und von der spanischen Infanterie in Neapel sollen weitere 2.000 Soldaten und 4.000 Neapolitaner in das Gebiet der Niederlande aufbrechen. Außerdem sollen alle in Flandern entbehrlichen Truppen... mit ihnen in die Pfalz ziehen."

Sie waren sich der Beute sicher. Am 3. Februar empfahl Philipp III., die pfälzische Kurwürde an Maximilian zu übertragen. Andererseits befürchtete der spanische König, Maximilian könnte sich in Böhmen und Österreich zu viel aneignen (Brief vom 21. November). Das konnte er nur verhindern, indem er die Truppen unter Buquoy in Böhmen verstärkte. Dass diese vornehmlich unter spanischem Kommando dort agierten, zeigt diese Ankündigung des Königs (3. Februar).

„Man wird versuchen, dass eine weitere Million für den Grafen Oñate für den Unterhalt der Truppen unter dem Befehl des Grafen Buquoy... bezahlt werden kann."

Auch der Schriftverkehr zwischen Oñate und Buquoy belegt die führende Rolle des spanischen Hofes. So beklagte sich Oñate am 14. Juni 1620 bei Buquoy über die Unordnung in der Armee und mahnte die Einhaltung gefaßter Beschlüsse an.

EIN WELTLICHER EUROPÄISCHER KRIEG

Die idealistische Lesart, nach der es sich bei der ersten Phase des 30jährigen Krieges um einen eher lokalen Glaubenskrieg gehandelt habe, ist mit den zitierten Quellen nicht vereinbar. Auch die Kriegsziele sprechen dagegen.

Gut vorbereitet

Der Liga, Bayern, Spanien und österreichisch Habsburg ging es um:

Land und Leute in Böhmen, in Mähren, in der Lausitz, in Ober- und Niederösterreich, in der Pfalz und alsbald auch in Ungarn.

Die pfälzische Kurwürde, die eine "katholische" Mehrheit bei der Kaiserwahl sichern würde.

Eine bessere Ausgangsposition Spaniens bei der Rückgewinnung der abgefallen Provinzen der Niederlande.

Schlecht vorbereitet

Den Ständen und den niederländischen Generalstaaten ging es um die Erhaltung ihrer "ständischen" Verfassung und die Abweisung absolutistischer Fremdherrschaft. Friedrich und die Stände hatten bisher nur ein Viertel der Summe aufbringen können, die Spanien schon in den Krieg gesteckt hatte. Und die protestantischen Fürsten verweigerten jeglichen Beistand. Einige, wie der sächsische Kurfürst, hielten die Absetzung Ferdinands für einen Akt der Rebellion.

Auch Jakob hilft nicht

Friedrichs eheliche Verbindung mit der Tochter des englischen Königs zahlte sich nicht aus. Jakob war zwar gut antipapistisch und hasste die Jesuiten, aber die Staatsräson hinderte ihn daran, seinen Schwiegersohn zu unterstützen. Mit dem spanischen König wollte er es nicht verderben, sondern mittels seines Sohns Karl dessen Schwager werden. Die niederländischen Generalstaaten lagen Jakob nicht. In England kursierte eine Druckschrift mit dem Titel: "Die Kunst der Holländer, die Monarchie zu schmähen." Die venezianische Republik, so der Autor, sei zu loben, da sie von Aristokraten geführt werde. Die Niederländer aber wären "Demokraten", die die Monarchie abschaffen wollten.

VON WEGEN GLAUBENSBRÜDER

Die deutschen protestantischen Fürsten und Städte rafften sich zu einer folgenreichen Tat auf, in dem sie versprachen, den Ständen im Königreich Böhmen keinen Beistand zu leisten. Am 3. Juli einigen sich Union und Liga in Ulm. "Herzog Maximilian als "des Catholischen Vereins General" und Kurfürst Joachim Ernst von Brandenburg als "der Evangelischen Union General-Lieutenant" unterzeichnen einen Neutralitätsvertrag. Darin versicherten die Vertreter der Union, sie wollen:

„In Frieden, Ruhe und Einigkeit verharren, und jeder bei dem Seinigen unbetrübt sicher bleiben... und solchen Sachen wie im Königreich Böhmen und den eingeschlossenen Ländern freien Lauf lassen."

Die Herren Protestanten, die da in Ruhe zuschauen wollten, sollten die nächsten sein, denen "solche Sachen" widerfuhren, wie Verwüstung von Land und Leuten etc.

AUSGEWOGEN

Das Theatrum bringt die Meldungen über die „Sachen" in Böhmen , ohne Partei zu ergreifen. Die Protestanten plündern Klöster:

„Der Mansfeld hat mit einer Verstärkung von 2.000 Mann einen starken Streifzug gegen Budweis getan, und hat aus der Gegend nicht nur eine große Zahl Vieh weggetrieben, sondern auch das Kloster Güldenkron überfallen. Alles, was er angetroffen, darunter auch sechzehn Mönche, hat er niedergehauen und große Beute, darunter auch Kelche und Kirchenzierrat davon geführt."

Die Kaiserlichen bessern ihren Sold auf protestantischen Gütern auf:

„In Österreich hat der Graf Dampierre mit 1.000 Pferden und 1.500 Musketieren einen Anschlag auf die Böhmen gemacht und den Markt Garst, in dem 600 Mann gelegen, überfallen und in Brand gesteckt. Was sich nicht in das Schloß retten konnte, wurde niedergehauen. Auf der Flucht haben die Böhmischen sich auf der Brücke im Gedränge selbst von der Brücke gestoßen und 6o sind im Fluß ersoffen. Es sind auch viele Menschen und Vieh in den Häusern durch Feuer verdorben worden."

Dreißigjähriger Krieg -Gräuel
Die schöne Stadt auf solche Weis zum Plündern preisgegeben Hogenberg, Geschichtsblätter
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