Inhaltsverzeichnis Hauptseite
Einige nehmen Gift, um den Tod zu erlangen. Dr. Vincent, Lamentations of Germany
Milger, Peter : Der Dreißigjährige Krieg

(16) Die Wende - Heim ins Reich

(1633-1635) * Schwedisch-kursächsicher Feldzug nach Böhmen * Regensburg kapituliert nach schweren Kämpfen * Die Schweden bei Nördlingen vernichtend geschlagen * Rückzug der Schweden auf die Mainlinie * Separatfrieden zwischen Kursachsen und dem Kaiser * Protestantische Fürsten und Stände schließen sich an * Das Reich wird Kriegspartei

FERDINAND NACHFOLGER WALLENSTEINS

Im April 1634 ernannte Kaiser Ferdinand seinen Sohn König Ferdinand III. (von Böhmen und Ungarn) zum Oberbefehshaber der kaiserlichen Armee und Generalleutnant Gallas zu dessen Stellvertreter. Am 20. Mai konnte Ferdinand in Pilsen seine Mannen in Augenschein nehmen: 20 Regimenter zu Fuß und 18 zu Pferd. Die meisten wurden nach Regensburg in Marsch gesetzt, das inzwischen von den Schweden erobert worden war. Schlechte Nachrichten lagen auch aus Schlesien vor.

EINMARSCH IN BÖHMEN

Am 13. Mai waren die kursächsische Armee unter Arnim und einige schwedische und brandenburgische Regimenter unter Baner bei Liegnitz auf die Kaiserlichen unter Colloredo getroffen. Theatrum:

„Die Kurfürstlichen haben 36 Fähnlein und 27 Kornett, 9 Stücke, darunter 3 halbe Kartaunen, 2 Feuermörsel und alle Munition gewonnen. Man hat Nachricht, dass auf der Walstatt 4.000 Kaiserliche geblieben sind. 1.400 wurden gefangen und unter die kurfürstlichen Regimenter gestellt. Von den Kurfürstlichen sollen nicht über 400 geblieben und etwa in 200 beschädigt sein."

Am 26. Juli standen die alliierten Armeen vor Prag. Als die Nachricht im Lager vor Regensburg eintraf, setzte König Ferdinand III. 12 Regimenter unter Gallas nach Böhmen in Marsch. Sie wurden dort aber nicht mehr gebraucht. Im Juni hatten nämlich kursächsische und kaiserliche Diplomaten in Leitmeritz bei Verhandlungen über einen Separatfrieden Fortschritte gemacht. Als Vorleistung befahl Arnim drei Tage nach der Ankunft vor Prag seiner Armee den Rückzug aus Böhmen. Zähneknirschend musste Baner den Sachsen folgen. Er schrieb am 6. August an Oxenstierna:

„Allein aber gegen den Feind zu gehen, nachdem ihm secours zugekommen, finde ich nicht ganz raisonable. Obwohl ich gerne etwas tendieren möchte, ... darf ich es doch keineswegs harzadieren ... itzo sind die Gedanken (Kursachsens) hingegen nur auf Friedenstractaten gerichtet, in der Hoffnung auf einen unglücklichen Streich gegen uns ... Sie hoffen auch, einen leichteren Frieden zu erlangen, wenn sie still sitzen."

Statt den Belagerten in Regensburg beizustehen, belagerten die Schweden selbst: Gustav Horn vergeblich bis zum 26. Mai Überlingen und Bernhard von Weimar bis Mitte Juni Forchheim.

FORCHHEIMER TABAK

Die Nonne Maria Anna Junius vom Kloster des heiligen Grabes vor Bamberg hat in ihrem Tagebuch festgehalten, was sie selber erlebte und was sie am „Redfenster" des Klosters von den Leuten erfuhr. (Das Inhalieren von Rauch nannte man früher „trinken".)

„Am Mittwoch, dem 21. Juni, ist auch Oberst Cratz mit dem Fußvolk auf Forchheim zu gezogen, um es zu belagern. Aber 100 Soldaten haben sie hier als Schutzgarde gelassen. Am Nachmittag hat man schon einen Wagen verwundeter Soldaten nach Bamberg gebracht. Die hatten schon den „Forchheimer Tabak" versucht, denn einige Offiziere sagten, als sie morgens früh von uns Abschied nahmen, sie wollten wacker zu Forchheim Tabak saufen. Ich zweifle nicht, sie werden den Tabak, der von den Bastionen und Mauern von Forchheim herabgelassen wird, schon genügend zu schmecken bekommen. Am Donnerstag, dem 22., hat man schon drei Kähne voll verwundeter Schweden nach Schweinfurt geführt, die vor Forchheim verwundet waren. Abends kam ein Büblein zu uns, das den Schweden ein Bündel nach Forchheim hat tragen müssen. Das erzählte uns, Herzog Bernhard von Weimar liege in einem Gehölz, in das die Forchheimer mächtig hineinschössen. Die Schweden hätten noch keinen Schuss in die Stadt getan, aber Oberst Cratz habe heute alle Bauern, die er noch in Pretzfeld angetroffen habe, niedermachen lassen. Wir haben auch sehr viele Feuer um Forchheim herum gesehen, die die Schweden angezündet haben."

RECHT LUSTIG GEWESEN

„Am Freitag, dem 23., morgens früh, hat man wieder 100 verwundete Soldaten nach Bamberg gebracht. Es haben heute im Lager einige Dragoner zusammen gesessen und Tabak geschnupft, und sind recht lustig gewesen. Da trifft eine Kanonenkugel aus der Stadt unter sie und schafft mächtig Raum. Einige kamen hierher zum Bader im Steinweg und ließen sich verbinden. Ein Soldat, der vom Lager kam, erzählte von dem Hunger und Durst, den die Soldaten leiden müssten. Am Montag, dem 3. Juli, hat der Kommandant von Forchheim die Geschütze losbrennen lassen und hat mit diesem erschrecklichen Schießen die ganze Schlachtordnung der Schweden in die Luft gesprengt. Wie ich von den Schweden selber gehört habe, sind 400 von ihnen dabei geblieben. Auch sagten sie, man hätte sie hierher geführt, damit man ihrer ledig würde, denn wenn sie noch länger im Lager bleiben müssten, so würden sie alle niedergeschossen oder vor Hunger sterben. Denn die Obersten machten sich fein aus dem Staube, und die armen Soldaten müssten ihr Leben und ihren gesunden Leib einbüßen."

VOM HERRGOTT VERTRIEBEN

„ Am Montag, dem 14., sind alle schwedischen Soldaten im Forchheimer Lager aufgebrochen und in großer Eile nach Bamberg marschiert. Am Dienstag, dem 15., ist hier ein großer Jammer gewesen. Die Schweden haben hier übel gehaust, viele Häuser eingerissen, auch der Stadt und der Bürgerschaft mächtig gedroht. Am Samstag, dem 19., ist alles schwedische Volk in großer Eile und Furcht auf Schweinfurt zu gezogen. Ich meine, unser Herrgott hat sie mit Furcht geschlagen und hinweggetrieben. In diesen 25 Wochen hat man in der Stadt Bamberg mehr als 1.600 Menschen begraben, welche nur aus großem Kummer und Hunger gestorben sind."

GREUEL IN LANDSHUT

Unterdessen unternahm Gustav Horn einen Vorstoß nach Bayern, in der Annahme, König Ferdinand würde dann die Belagerung der Stadt Regensburg abbrechen. Der aber dachte nicht daran, sondern entließ nur ein kleines bayrisches Korps unter General Aldringen, um das von den Schweden belagerte Landshut zu entsetzen. Es kam zu spät. Das Theatrum benutze einen Bericht, in dem die Schweden „Feinde" genannt werden.

„Als gegen Abend am 22. Juli der Sturm durch die angeschossenen Mauern begann, ist im Schloss durch einen Schuss oder sonstige Fahrlässigkeit Feuer in das Pulver gekommen, welches einen großen Part des Schlosses in Brand setzte und sehr viele sich tapfer wehrende Soldaten versengte. Im Schloss wurde nun von den Feinden beim Stürmen alles niedergeschlagen und niemand verschont, so dass die Pforten mit Toten gefüllt waren. Wie es alsdann in dieser Stadt zugegangen, ist leider nicht zu beschreiben. Unterschiedliche vortreffliche Häuser, darunter die Probstei, wurden zur Vermehrung des Schreckens in Brand gesteckt. Alle Straßen, Häuser und Winkel waren mit Mord und Toten erfüllt. Weder Jung noch Alt, Mann noch Weib, Geistliche noch Weltliche, Kirchen oder anderes wurden verschont, alles mit Marter, Zwang und Drang erbärmlich heimgesucht. Alle Lebensmittel wurden von dem ausgehungerten Feind aufgezehrt. Über die Isarbrücke ist eine große Anzahl von Standespersonen durch das Fliehen, Fahren, Reiten und Drängen des Volks in den reißenden Isarstrom gestürzt und ersäuft worden... Das Aldringische, Volk welches an diesem Abend vor der Stadt angekommen, sah diesem Spektakel zu."

DIE BAYRISCHEN PLÜNDERN MIT

„Die Flüchtenden, die hinüber entrinnen konnten, sind von dem Aldringischen Volk beraubt, geplündert, teils ganz ausgezogen, ranzioniert, weggeführt und, mit einem Wort, nicht besser als von dem Feind traktiert worden. Und obzwar etliche Offiziere, darunter auch der General Aldringen selbst, gegen solches Plündern ernsthaft mit den Waffen vorgingen, so hat doch alles nichts verfangen wollen. Bei solcher Unordnung ist gedachter Herr General durch einen tödlichen Schuss in der Vorstadt, zwischen den Brücken genannt, verletzt und erschossen worden. Von wem aber solches geschehen, ist auch auf fleißiges Nachforschen nicht erkundet worden."

AKKORD IN REGENSBURG

Aus Regensburg meldete das Theatrum:

„Den 14. Juli wurde im bayrischen Lager tapfer auf die Stadt approchiert, wie auch die Königlichen auf der rechten Hand. Dagegen hielten sich tapfer die Belagerten mit Gegenminieren, Schießen und Ausfallen, und wurden von der Bürgerschaft in gleicher Courage und Freudigkeit sekundiert, wodurch gar mancher Bürger auf dem Lauf geblieben."

Als der schwedische Kommandant erkannte, dass kein Beistand mehr zu erwarten war, handelte er einen Akkord mit König Ferdinand aus. Theatrum:

Am Freitag früh, den 29. Juli, fing die Bagage an, über die Brücke auszuziehen. Es präsentierte sich auch I. Kön. Maj. zu Ungarn in Person, I. Kurf. D. zu Bayern und viele andere Fürsten, Offiziere und Soldaten, und sahen den Auszug an... 63 hohe und niedrige Offiziere neben 564 gemeinen Soldaten sind geblieben, 42 hohe und niedrige Offiziere samt 711 gemeinen Soldaten wurden gequetscht, und ausgezogen sind an die 1.800 Mann. Von den Bürgern blieben nicht über 800 am Leben. Alle darüber sind bei 465 Ausfällen umgekommen."

Beim Vormarsch donauaufwärts stürmte König Ferdinands Truppe am 16. August Donauwörth und kam zwei Tage später vor Nördlingen an.

NÖRDLINGER BITTEN UM BEISTAND

Ein namentlich nicht bekannter Nördlinger Bürger hat die Belagerung in seinem Tagebuch beschrieben:

„Alle Bürger und Soldaten haben von der Stadtmauer mit ihren Musketen auf allen Basteien, Türmen und Schanzen um die Stadt herum steif, stetig und fest auf die in den Gärten schanzenden Soldaten geschossen. Sonntag, den 20. August, haben sie angefangen, aus Mörsern und Böllern große Granaten und Feuerbälle zu 134, zu 150, zu 175 und mehr Pfunden gräulich und schrecklich in die Stadt zu werfen..."

Die Nördlinger baten Bernhard von Weimar um Beistand:

„Die Stadt tut sich ritterlich wehren, aber die Gewalt draußen und der Hunger sind so groß, und die Pest und das Sterben fangen an einzureißen ... es ist nicht möglich, sich länger zu halten."

DIE SCHLACHT BEI NÖRDLINGEN

Im Gegensatz zu Gustav Horn war Bernhard von Weimar von der Notwendigkeit einer Schlacht überzeugt und hielt das Risiko trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit für gering. Am 19. August schrieb Bernhard aus dem Lager bei Bopfingen an Oxenstierna:

„Ich für meine Person versichere meinem Herrn, dass die Soldaten wie bishero noch willig ihr Äußerstes tun werden und alles als billig leiden und ausstehen. Nunmehr fängt der Feind an, sich stark zu verschanzen und erwartet spanisches Volk. Leidet zur Zeit noch große Not, und wenn die Spanischen kommen werden, wird der Hunger darum nicht geringer... Ich kann nicht anders judicieren, der Feind muss wieder zurück."

Gustav Horn stimmte schließlich zu, obwohl um Nördlingen inzwischen 24.000 Mann unter Ferdinand und 15.000 Spanier versammelt waren. Von Bopfingen kommend, konnten die Schweden am 5. September nach schweren Gefechten mehrere Berge südlich von Nördlingen einnehmen. Nur der Sturm auf die höchste Erhebung, den Aalbuch, misslang. Gallas ließ den Berg in der Nacht verschanzen und durch 16 Regimenter besetzen. Am nächsten Tag berannten die Sturmtruppen Horns mehrere Stunden lang vergeblich den Aalbuch. Theatrum:

„Das gelbe Regiment hat sehr lang und tapfer gefochten wobei viele Offiziere und gemeine Soldaten darüber verloren und gequetscht worden sind. Sie haben an die 17 Stürme auf diesen Posten in 6 oder 7 Stunden getan, während immer wieder frische spanische Truppen zur Defension des Postens herangeführt wurden. Als man auf schwedischer Seite wegen der vielen Toten, Gequetschten und Ermüdeten nicht mehr fortkommen konnte und dem unaufhörlichen Kanonieren entgehen wollte, hat man sich von dem Berg retirieren müssen, welches doch mit ziemlicher Ordnung geschehen."

Mit der Ordnung war es vorbei, als Horns Regimenter auf die in voller Flucht befindlichen Weimarischen trafen:

„Inzwischen wurde Herzog Bernhards linker Flügel von den Kaiserlichen durch das mächtige Andringen und ein verdecktes Hagelgeschütz dermaßen in Konfusion gebracht, dass sich die Reiter in voller Flucht den Berg hinunterbegaben und sich nach dem Aalbuch retirierten, und dort Herrn Feldmarschall Horns Reiterei gleich mit flüchtig machte. Das Fußvolk, die Geschütze und die Bagage sind stehen geblieben und wurden von den Kaiserlichen ganz umringt, wobei alles erschlagen und danieder gemacht worden ist. Nur den allerwenigsten Teil haben sie gefangen genommen... Also haben die Schwedischen ganz das Feld quittieren und den Kais. Kön. den Sieg überlassen müssen."

BILANZ

„Es war ein Verlust, wie dafürgehalten worden, von 12.000 Mann Toten, darunter 4.000 württembergischer Ausschuss und Landvolk. 6.000 wurden gefangen, darunter Herr General Feldmarschall Horn, Herr Graf Cratz und andere hohe und niedrige Offiziere mehr. Der junge Markgraf Friedrich, Herr von Zerotin und viele andere hohe und niedrige Offiziere sind geblieben, und sehr viele andere wurden gequetscht und hart verwundet. Die Sieger haben 80 große Geschütze, 4.000 Wagen, 1.200 Pferde, 300 Kornette und Fähnlein bekommen und eine solche Beute, davon das ganze Lager der Sieger reich werden konnte. Der Kais. Kön. sollen nicht über 1.200 geblieben sein."

HEILBRONNER BUND VOR DER AUFLÖSUNG

Schweden musste gleichzeitig eine politische Niederlage hinnehmen. Auf einer Tagung des Heilbronner Bundes in Frankfurt am Main lehnten Kurbrandenburg und der Niedersächsische Kreis den Beitritt zum Bündnis ab, weil Oxenstierna den Anspruch Schwedens auf Pommern nicht zurücknehmen wollte. Kursachsen ließ mitteilen, es sei nach wie vor gegen Bündnisse im Reich. Als die Nachrichten aus Nördlingen eintrafen, löste sich die Versammlung auf, ohne die Folgen der Niederlage beraten zu haben. Die Vertreter der Kreise und Städte mussten sich beeilen, um vor den kaiserlichen Truppen in ihrer Heimat einzutreffen.

KAISERLICHE ÜBERALL HERR UND MEISTER

Schlagzeilen, Berichte und ein Kommentar im Theatrum:

„Übles Hausen im Schwäbischen und Durlach

Gleichwie nun die Kaiserlichen in dem Schwabenland und Herzogtum Württemberg und all den Orten, wo sie nur hingekommen und den Fuß hingesetzt, also haben auch die unter dem Herzog von Lothringen und Obristen Werth Herumstreifenden gehaust, und mit Rauben, Morden, Sengen, Brennen und andern Exzessen das Alleräußerste getan, und Durlach, Rastatt, ja das ganze Land eingenommen, ja es streiften die Kaiserlichen bis an die Straßburger Brücken und an Rheinhausen.

Kommandant in Göppingen plündert sein eigenes Quartier

Der schwedische Kommandant in Göppingen hat selbige Stadt selbst geplündert und sich darauf bei den Kaiserlichen untergestellt. In Summa gingen das ganze Württemberger und markgräfische Land bis auf etliche wenige feste Örter in die Hände der Kaiserlichen, und es wurde alles rein ausgeplündert. Wie aber dabei verfahren, sonderlich mit Pfarrherren, Weibern, Jungfrauen und andern Ehrenleuten, das ist nicht zu beschreiben."

Elender Zustand im Reich

Es ging im Reich in dieser Zeit erbärmlich her. Die Landeskinder waren vertrieben worden und Fremde hatten das Reich eingenommen... Auf einer Seite wüteten die Schweden, Finnen, Lappen, Iren und dergleichen, auf der anderen Kroaten, Kosaken, Polacken, Husaren, Spanier, Wallonen, und es wusste niemand, wer da Freund und Feind wäre, denn es war da kein Unterschied. Wer Geld hatte, war Feind, wer nicht hatte, wurde doch für reich gehalten und deswegen gemartert, da war kein Unterschied der Orte oder Personen, in Heiligem und Unheiligem. Die eingeborenen Landeskinder befleißigten sich, in der Tyrannei die fremden Meister zu übertreffen. Niemand suchte Frieden von Herzen, sondern ein jeglicher das Seine. Ehr- und Geldsucht war der Maßstab, nach welchem alle Dinge gemessen wurden.

Elender Zustand im Württemberger Land

Es wurden die Württembergischen, ungeachtet eines getroffenen Akkords, sonderlich Waiblingen, Böblingen, Bessigheim sowohl auch zu Cannstatt die Vorstädte, Kirchheim, Nürtingen, Plieningen, Achtertingen, rc. samt vielen anderen auf den Feldern angesteckt, verbrannt, eingeäschert.

Heilbronn fast ganz in Asche gelegt

Dergestalt wurde auch die Stadt Heilbronn, nachdem sie mit Feuer und Schwert geängstigt worden war, endlich bald gar in die Asche gelegt und ganz ruiniert.

Zustand mit Ulm, Augsburg, Nürnberg

Zu Augsburg nahm der Jammer sehr überhand, doch hielt es noch an dem Evangelischen Bund. Die belagerten Ulmer fielen aus und brachten Beute und Gefangene ein. Und es stand auch Nürnberg noch in dem Bund.

Vormarsch der Französischen

Dieweil die am Bodensee vernommen, dass die Französischen im Marschieren über den Rhein seien, und es wurde besorgt, dass sie weiter nach Württemberg und vielleicht noch weiter nach Schwaben, Allgäu und anderen Orte gehen möchten.

Zug auf Neujahrstag durch Frankfurt

Auf den Neujahrstag oder 1. Januar 1635 nahm die schwedische oder weimarische Armee ihren Marsch durch die Stadt Frankfurt. Der Marsch währte dritthalbe Tage lang, und befanden sich bei demselbigen an die 11.000 Pferde, ein wiederum ziemlich mundiertes Volk."

4.000 Französische an der Bergstraße

Die französische Armee, die der Herr Marschall de la Force bei sich hatte, lag noch teils jenseits des Rheins, teils auch zwischen dem Rhein und Neckar bei Heidelberg, und teils an der Bergstraße herunter. Die schwedisch-weimarische Armee ist auf Hanau und Gelnhausen gegangen und ist allda geblieben.

Herr Bischof zu Würzburg und Bamberg kommt wiederum in sein Bischoftum

I. F. G., Herr Bischof zu Würzburg und Bamberg und Herzog in Franken ist mit der kaiserlichen Armada zurückgekommen, um sich seiner Schafe und Untertanen wiederum anzunehmen und vollends von den schwedischen Drangsalen zu entledigen.

Augsburger Huldigung

Am 31. Mai leistete die Bürgerschaft den Eid vor dem Herrn Statthalter und dem katholischen Magistrat im Namen der Kais. Maj. Sodann ist die evangelische Kirche zu den Barfüßlern den Minoritenmönchen eingeräumt worden, also dass die Evangelischen ihre Predigten und Gottesdienste von da an unter dem freien Himmel verrichten müssen.

Albeck belagert

Die Kaiserlichen sind auf das Schloss Albeck gegangen und haben solches stark belagert. In währender Belagerung den Flecken Altheim mit Feuer angesteckt, so dass an die 125 Häuser abgebrannt sind.

EIN EINIG REICH?

Diesmal ließ sich der Kaiser durch das allgemeine Frohlocken im katholischen Lager nicht zur Selbsttäuschung verleiten. Inzwischen keimte doch die Erkenntnis, dass der Ausgang der Schlachten von Zufällen abhing, und die Kräfteverhältnisse den Gesetzen des Pendels gehorchten. Der Rückzug der Schweden auf die Mainlinie musste Frankreich auf den Plan rufen, mit mehr Geld und am Ende auch mit Truppen. Beim nächsten Ausschlag konnte das Pendel also mit ziemlicher Wucht auf Spanien-Habsburg und die katholische Liga zurückschlagen. Imposant war auch nach wie vor die Liste der durch Bündnisse verflochtenen Kriegsgegner: Die niederländischen Generalstaaten, Frankreich, Schweden, Kursachsen, Kurbrandenburg, Hessen-Kassel und der Heilbronner Bund. Aber es hatte sich eine Schwachstelle aufgetan: Aus der Sicht der meisten deutschen Protestanten versagte Schweden als Schutzmacht und trat immer offener als ausländische Besatzungsmacht auf. Diese Stimmungslage eröffnete die Möglichkeit für eine völlig neue Konstellation: Das geeinte Reich versus Schweden. Voraussetzung war ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen über einen Separatfrieden mit Kursachsen. Da alle protestantischen Stände gedrängt werden sollten, dem Vertrag beizutreten, musste Johann Georg auch deren Interessen vertreten. Woraus sich zwangsläufig ergab, dass seine Räte die Frage der geistlichen Güter auf die Tagesordnung setzten. Ihre Hauptforderungen: Rücknahme des Restitutionsedikts und Amnestie für alle, die sich gegen den Kaiser gestellt hatten.

SCHACHER MIT DEM KLERUS

Vor dem Kriegseintritt Schwedens hatte Kaiser Ferdinand in Siegerlaune das Restitutionsedikt erlassen und damit die Chance für einen Frieden im Reich vertan. Da Ferdinand die Protestanten jetzt brauchte, um Schweden auszuschalten, musste er es zur Disposition stellen. Das hat ihm sicher weh getan, und nicht nur ihm. Bei den Vorverhandlungen über die Modalitäten einer Rücknahme des Restitutionsedikts zwischen dem Kaiser und den klerikalen Interessengruppen ging es erneut zu wie beim Kuhhandel. Die Orden, der Papst, die katholischen Fürsten, Äbte, Bischöfe und diverse Pfründenanwärter legten bei jeder neuen vom Kaiser vorgelegten Liste der den Protestanten zu überlassenen geistlichen Güter Proteste ein oder verlangten Ausnahmeregelungen für „ihr" Bistum oder Kloster. Auch die Bannerträger des wahren Glaubens meldeten sich wieder lautstark mit der Forderung zu Wort, kein einziges Kloster dürfe in Besitz eines Protestanten verbleiben. Aber Spanien war für einen Ausgleich mit den deutschen Protestanten, um alle Kräfte gegen die abtrünnigen Niederländer und Frankreich bündeln zu können, und auch Kurfürst Maximilian von Bayern sprach sich für Verhandlungen aus. Am Ende überwogen die politischen Erwägungen. Die kaiserlichen Räte reisten mit einem Vertragskonzept für einen Separatfrieden nach Pirna und legten es den kursächsischen Räten vor.

SCHACHER MIT KURSACHSEN

Da im Verlauf des Krieges einige protestantisch verwaltete Bistümer wieder von Katholiken in Besitz genommen worden waren, forderte Kurfürst Johann Georg die Wiederherstellung der Besitzstände des Jahres 1618. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich auf das Jahr 1627. Auch mit der Forderung nach einer vollständigen Amnestie kam Kursachsen nicht durch. Sie sollte nur für diejenigen gelten, die sich nach dem Kriegseintritt Schwedens gegen den Kaiser gestellt hatten. Damit wurde zugunsten des bayrischen Kurfürsten die Rückgabe der Pfalz und der Kurwürde an die Erben Friedrichs von der Pfalz verhindert. Auch Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel blieb von der Amnestie ausgeschlossen. Die Nachgiebigkeit Johann Georgs zahlte sich aus: Die Ober- und die Niederlausitz gingen endgültig in seinen Besitz über. Auch sein Sohn wurde bedacht. Vertragstext:

„Das Erzstift Magdeburg betreffend, ist es um des lieben Friedens willen dahin gelangt, dass Kurfürstlicher Durchlaucht zu Sachsen freundlicher, geliebter Sohn, Herzogs Augusti zu Sachsen dasselbige auf ihre übrigen Lebtage innehaben und genießen mögen."

DIE HABSBURGER SIND EINFACH BESSER

Die Gewinne für das protestantische Lager insgesamt waren bei mehreren Nachverhandlungen erheblich geschrumpft. Die geistlichen Güter, die sich protestantische Administratoren nach dem Augsburger Religionsfrieden angeeignet hatten, und 1627 noch immer unter protestantischer Verwaltung standen, waren zwar zum großen Teil gerettet worden, aber nur für 40 Jahre. Danach sollte es den Erben der katholischen Vorbesitzer freigestellt sein, die Gerichte anzurufen. Auch von Amnestie waren weitere „Rebellen" oder „Verräter" ausgeschlossen worden, darunter rein zufällig zwei Fürsten, die große Nutzflächen ihr eigen nannten: Herzog Eberhard von Württemberg und Markgraf Friedrich von Baden. Kaiser Ferdinand griff zu wie einst in Böhmen und spendierte dem Haus Österreich, Maximilian von Bayern, mehreren kaiserlichen Räten und dem Bischof von Wien ganze Landstriche.

ALLES FRÖHLICH: DER PRAGER FRIEDEN

Als der Frieden schließlich in Prag besiegelt wurde, waren die Vertragspartner offenbar rundum zufrieden. Schlagzeilen und Berichte im Theatrum:

„Friedensschluss zu Prag

Nachdem nun die kursächsischen Abgesandten mit dem endlichen Schluss zu Prag wiederum angelangt sind, ist man bald zu gänzlicher Konfirmation geschritten, welches geschehen ist am 30. Mai auf folgende Weise: Zu Mittag zwischen 11 und 12 sind die kursächsischen Herrn Gesandten auf das Schloss zu Prag gefahren, allda sich die kaiserlichen Herrn Gesandten bereits befanden. Darauf ... haben beiderseits die Herren Gesandten mit ihrer Subskribtion und Besiegelung den Friedensschluss vollzogen und bekräftigt. Bei und nach den Akten sind 50 Stücke abgefeuert worden. Die Kaiserlichen haben die Kursächsischen zu sich zu Gast geladen, und es ist da alles fröhlich und wohl zugegangen. Am selbigen Abend gab es auch unterschiedliche schöne Feuerwerke. Jedermann war hoch erfreut über diesen Friedensschluss.

Regelungen die geistlichen Güter betreffend

Anfänglich bleibt es, wegen der Mediatsstifte, Klöster und anderer geistlicher Güter und deren sämtlicher Zubehörungen, welche der augsburgischen Konfession verwandte Kurfürsten und Stände des Heiligen Römischen Reichs Vorfahren noch vor dem aufgerichteten Passauischen Vertrag oder Religionsfrieden eingezogen und innegehabt, bei dem klaren Buchstaben und Verordnung des angeregten und hoch bewährten Religionsfriedens allerdings und durchaus ... Was aber anlangen tut... diejenigen Stifte und geistlichen Güter, welche nach gedachtem Passauischem Vertrag oder Religionsfrieden in der augsburgischen Reiligionsverwandten Gewalt gekommen ... ist es endlich dahin verhandelt, dass dieselben genannten Kurfürsten und Stände, so viel sie deren Anno 1627, den 12. November stylo novo innegehabt, besessen und gebraucht... auf vierzig Jahre, von dato dieser beschlossenen Vergleichung anzurechnen, geruhiglich verbleiben...

Nürnberger Erbieten gegen Ihre Kaiserliche Majestät

Am 27. Juni kamen Ihre Königliche Majestät zu Ungarn zu Neumarck an, zu welcher Stadt alsobald zwei Ratsherren und zwei Doktores abgefahren, und den Friedensschluss zwischen Ihrer Majestät und der Stadt Nürnberg wohl vollzogen. Es wurde ein völliger Pardon allergnädigst erteilt, dergestalt, dass sie keine Garnison einnehmen müsse , auch bei allen Gerechtigkeiten, Privilegien, Religion und Kirchen ruhig und ungestört verbleiben dürfe.

Friedensschluss gefällt Ihrer Majestät in Frankreich nicht

Ihre Majestät aus Frankreich waren wegen des kursächsischen Friedensschlusses sehr bewegt, weil weder Ihrer Majestät noch auch der Krone Schweden etwas davon kommuniziert worden war, und auch nichts zu ihrem Vorteil darin enthalten war. Deswegen die Majestät aus Frankreich sehr erhitzt zum Krieg geboten hat und auf Lothringen marschieren ließ."

EIN FRIEDEN FÜR DEN KRIEG

Die beiden Majestäten hatten allen Grund zu Unruhe. Ihnen wurde nun kommuniziert, sie könnten in den Frieden eingeschlossen werden. Allerdings müsse Schweden auf Pommern und Frankreich auf Lothringen verzichten. Die protestantischen Stände ließ der Kaiser wissen, die Wahrnehmung der Vorteile des Frieden erfordere den Beitritt zu demselben. Sowie die Mehrheit der Stände zugestimmt hätte, solle der Frieden in den Rang eines Reichsgesetzes erhoben werden. Die wichtigsten Bestimmungen: Die Stände haben ein auf den Kaiser vereidigtes Reichsheer von 80.000 Mann zu finanzieren, Sonderbünde werden aufgehoben, und nur die Kurfürsten dürfen eigene Heere unterhalten.

DAS REICH ALS KRIEGSPARTEI GEEINIGT

Würden die protestantischen Fürsten und Stände dem Frieden beitreten? Der schwedische Kommandeur Johan Baner hatte es schon am 6. März vorausgesagt, in einem Brief an Kanzler Oxenstierna:

„Aus allen Umständen ist nichts anderes zu verspüren, als dass sie alle zugleich ihre Intention geändert haben, sich nach dem Friedensschluss bequemen und begierig sind, sich von uns gänzlich abzusetzen... Es ist kein Fürst noch Stand, der sich nicht von Kursachsen hätte verleiten lassen, außer Landgraf Wilhelm von Hessen, der allein noch etwas bei der Sache zu tun haben möchte... Nach dem Friedensschluss ... ist nicht zu zweifeln, das man auf beiden Seiten der Elbe gegen mich gehen wird und sowohl durch Thüringen und Meißen als durch die Mark und Schlesien in Pommern einzufallen sich unterstehen wird."

Baner sollte Recht behalten. Als auch Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg am 8. August seinen Beitritt erklärte, gab es kein Halten mehr. Ende 1635 hatte Kaiser Ferdinand fast alle protestantischen Stände und Fürsten im Reich bezwungen oder auf seine Seite gebracht. Maximilian von Bayern war natürlich über die Auflösung der katholischen Liga nicht gerade begeistert, und er trat dem Frieden erst bei, nachdem ihm der Kaiser die Führung über das Ligaheer als eigenständiges Korps innerhalb der Reichsarmee zugesagt hatte.