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In den Rauch gehängt - Blut aus den Fingern gepresst (Folter zwecks Preisgabe von Verstecken) Vincent, Lametations of Germany
Peter Milger - Der 30jährige Krieg - Gegen Land und Leute

(14) Schweden und Wallenstein machen weiter

1633 - Die Krone Schwedens übernimmt die Herrschaft in den besetzten Gebieten - Weitere Eroberungen - Diverse Schlachten - Bayern erneut bedroht - Wallensteins zurückhaltender Krieg in Schlesien

ABSCHIED VON GUSTAV ADOLF - DIE ARMEE BLEIBT

In Schweden übernahm der Reichsrat die Regentschaft für Gustav Adolfs Tochter, die 6jährige Christine und nunmehrige Königin. Der Trauerzug mit der königlichen Leiche war mehr als ein halbes Jahr in Deutschland zwecks Ausstellung unterwegs. Schließlich nahmen die Protestanten in Wolgast Abschied von ihrem Helden. Theatrum:

„Abführung der kön. Leiche nach Schweden: Nachdem nun am 15. Juli des Abends der königl. gewesene Hofprediger, Herr D. Jacobus Fabritius, in der Schlosskirche zu Wolgast (allda die königl. Leiche gestanden) eine schöne Trauer- und Trostpredigt, aus denen Worten, die aus dem 5. Kapitel der Klagelieder Jeremiae genommen: Die Krone des Hauptes ist abgefallen. O wehe, dass wir also gesündigt haben, rc. verrichtet, ist die königliche Prozession von dem fürstlichen Hause ab dergestalt erfolgt: Als erster ritt vorher Herr Oberst Axel Lilie, dem folgten 92 Glieder jedes zu 8 Musketieren, alle schwarz gekleidet, mit langen Binden um die Hüte. Hierauf sind gefolgt 36 Paar Schüler, die sehr lieblich und still gesungen haben, auf dieselben 50 Studenten von Greifswald und 100 Deutsche, auch 14 schwedische Priester, sämtlich mit langen Trauermänteln bekleidet. Hernach wurden fürgetragen 2 Heerpauken, die nicht geschlagen wurden. Darauf gingen 6 Trompeter, deren Trompeten sowohl als die Heerpauken mit schönem schwarzem Gewand überzogen und die Fahnen von Damast, darauf das königl. schwedische Wappen mit Gold sehr schön gestickt war. Darauf gingen 2 Herolde, deren der eine ein Oberster Leutnant, der andere ein Major, jeder mit 2 stattlichen königlichen Zeptern, angezogen mit schwarzen, samtenen Trauerröcken, auf welchen auf der Brust und Rücken der Krone Schweden Wappen köstlich in Gold gestickt gewesen."

Der schwedische Reichsrat stattete Kanzler Oxenstierna am 6. April 1633 praktisch mit allen Vollmachten aus, die sich Gustav Adolf in Deutschland angemaßt hatte. In Heilbronn schlossen dann am 23. April die protestantischen Stände der Reichskreise Schwaben, Franken, Niederrhein und Oberrhein ein Bündnis mit der Krone Schwedens. Dass Oxenstierna diesen Vertrag weitgehend diktiert hatte, zeigt schon der Passus, demzufolge die Stände für die Unterhaltung der Heere aufzukommen hatten. Oxenstiernas Kriegsziele: Pommern für Schweden, Erstattung der Kriegskosten, Restitution der Pfalz, Erfüllung aller Forderungen der protestantischen Stände. Wallenstein sollte für Mecklenburg mit dem Stift Würzburg entschädigt werden, Maximilian von Bayern für die Pfalz mit Land und Leuten in Oberösterreich. Da der Plan die Schwächung Habsburgs vorsah, konnte sich Oxenstierna der weiteren Bezuschussung durch Frankreich versichern.

ALLE MACHT DER SCHUTZMACHT

Die Krone Schweden übernahm in den besetzten Gebieten und Städten die militärische und politische Herrschaft. Zu den Militärbefehlshabern gesellten sich Zivilbeamte, die sich in den einträglichen Sektoren der Verwaltung einnisteten: Vergabe von Privilegien, Steuererhebung, Zollwesen. Als ein Ausschuss von Obristen wegen ausbleibender Gelder mit Befehlsverweigerung drohte, verteilte die schwedische Krone erneut geistliche Güter als Lehen an sie. Die Stifte Bamberg und Würzburg gingen als „Herzogtum Franken" an Bernhard von Weimar. (Womit für Wallenstein im Friedensfall andere Entschädigung für Mecklenburg hätte gesucht werden müssen.)

DER KRIEG WIRD VOLLENDS UNÜBERSICHTLICH

Das Heer wurde in mehrere Korps aufgeteilt: Eines unter Herzog Georg von Lüneburg sollte in Westfalen operieren, zusammen mit den Truppen von Hessen-Kassel, eines unter Bernhard von Weimar im Stift Bamberg und am Main, eines unter Gustav Horn in Schwaben und Bayern, und eines unter Christian von Birkenfeld am Ober- und Niederrhein. Kleinere Abteilungen sollten kaiserlich-ligistische Truppen und Besatzungen aus dem Stift Bremen, dem Stift Magdeburg und Thüringen werfen. Der kursächsische Armee in Schlesien wurden einige Regimenter und Oberst Duwal beigestellt. Diese Übersicht zeigt, dass der Krieg nun auch nicht mehr ansatzweise übersichtlich und zusammenhängend dargestellt werden kann.

BAYERN BEDROHT

Anfang 1633 marschierten zwei schwedische Armeen in Richtung Bayern. Im Januar die unter Gustav Horn vom Rhein her über Württemberg, die unter Bernhard von Weimar aus dem Stift Bamberg im Februar über Donauwörth. Wallenstein hatte seine Truppen nach der Schlacht bei Lützen in Böhmen wieder auf den alten Stand verstärkt. Aber er eilte nicht nach Bayern, um der angeschlagenen Armee des Kurfürsten Maximilian beizustehen, sondern rückte gegen die schwedisch-sächsische Armee in Schlesien vor. Das wird ihm allerhand Ärger einbringen.

SCHLAGZEILEN IM THEATRUM

Einnehmung und Verheerung der Stadt Kemten im Allgäu durch die Kaiserlichen - Kaufbäuren von Schwedischen erobert - Kaiserliche erobern Hagenau wiederum (Anfang Januar) - Herzog in Lothringen mischt sich in das deutsche Wesen - Breisacher bekommen durch Abzug Gustav Horns Luft - Elsässische Bauern stehen auf wider die Schwedische - Aufrührerische Bauern geschlagen - Bauern hängen einander selbst auf - Landgraf Wilhelm zieht nach Westfalen - Herzog Georg von Lüneburg kommt in Bremen an - Kursächsische und Kaiserliche scharmützieren in Schlesien - Herzog Bernhard zieht mit seiner Armaden nach Franken, erobert Kronach und Bamberg - Kaiserlicher General Gallas zieht nach Schlesien - Gustav Horn will Kempten und Memmingen liberieren - Dortmund ergibt sich an die Hessischen und andere Orte mehr - Fernere Success der Schwedischen am Weserstrom - Herzog Bernhard nimmt etliche Orte ein - Schlägt etliche der Reiterei des Jean de Werth - Herzog Christian von Birkenfeld zieht nach dem Erzstift Köln - Landgraf Wilhelm zu Hessen nimmt Paderborn ein - Zusammenkunft Herzog Bernhards und des Feldmarschall Horns zu Donauwerth - Landsberg und Neuburg von Schwedischen eingenommen - Heilbronnisches Bündnis - Von dem erneuerten Bündnis mit Frankreich - Herr Generalissimus von Friedland zieht auf Sachsen - Belagerung und Eroberung von Eichstätt - Schwedische ziehen auf Regensburg - Bayrische von Schwedischen vor Memmingen geschlagen (16. Mai) - General Rheingraf Otto-Ludwig kommt wieder ins Elsas - Wiedereroberung der kurpfälzischen Residenz Heidelberg - Schwedische werden von Kaiserlichen bei Eger geschlagen - Friedensartikel, so der Herzog von Friedland der Evangelischen Armee in Schlesien vorgeschlagen - Friedenshoffnung in Schlesien wird zu nichts - Haupttreffen bei Oldendorf vor Hameln zwischen Kais. Ligistischen und Schwedischen (Juni) - Schlacht zwischen den Schwedischen und Lothringischen bei Pfaffenhofen (31.Juli) - Die Schwedischen gehen von Pfaffenhofen nach Hagenau und Philippsburg - Hameln den Schwedischen übergeben - Herrn Feldmarschall Holkes Einfall auf Leipzig (August) - Die Kais. ziehen in Eile auf Leipzig und belästigen die Stadt übermäßig - Es wird mit Leipzig akkordiert - Holk stirbt an der Pest - Friedens-Tractation in Schlesien - Scharmützel in Schlesien - Schwedische von Bayrischen hart geschlagen - Pest in Schlesien - Frankreich bietet Schweden Succurs an - Herrliche Victori der Wallensteinischen bei der Steinauer Brücke über die Sächsischen - Herr Generalissimus nimmt etliche Orte in Schlesien ein - Frankfurt an der Oder eingenommen - Trefflicher Progress der Kaiserlichen in Schlesien und der Mark Pommern - Berlin von seinen eigenen Leuten verlassen - Regensburg von Herzog Bernhard mit Akkord eingenommen - Starke Kriegsbereitschaften beiderseits in den Niederlanden - Herr General Rheingraf kommt wieder in das Elsas - Kön. M. in Frankreich nimmt sich Busweiler im Elsas an - Russach von Schwedischen eingenommen (8. Dezember) - Philippsburg noch belagert (24. Dezember) - Kur Bayern sucht kaiserliche Hilfe

Wenn die Schweden mit der üblichen Grausamkeit vorgingen, rechtfertigten sie sich mit den Schandtaten, die ihre Opfer vorher begangen haben sollen. Die schwedische Propaganda wollte den Leuten noch immer einreden, man führe Krieg für eine gute Sache und könne dabei anständig bleiben. Einige Berichte zu den Schlagzeilen im Theatrum:

LANDSBERG UND NEUBURG EROBERT

„Hierauf sind die Schwedischen vor Landsberg gerückt, selbiges beschossen und stark beschädigt, den Ort erstürmt, erstiegen und mit Gewalt eingenommen. Sie haben den Bürgern und Bauern wegen ihrer an den Schwedischen verübten Grausamkeiten und um ihres großen, mutwilligen Verbrechens willen hart zugesetzt. Die Besatzung aber, die Quartier erlangt, hat sich alle auf fünfhundertundfünfzig unterstellen müssen. Demnach sind sie, nach Demolierung der Türme und Mauern zu Landsberg, auf Neuburg gegangen, deren Ankunft aber die darin gelegene bayerische Besatzung nicht erwartet, dazu, damit ihnen nicht möchte nachgesetzt werden, etliche Joch von der Donaubrücke abgeworfen. Derowegen der Rat Ihrer Fürstl. Gn. Herzog Bernhard entgegengeschickt und zu akkordieren begehrt, was verwilligt wurde. Und hat der Rat und Bürgerschaft die an der Donaubrücke abgeworfene Joch auf ihre Kosten eilends wiederum reparieren und verfertigen lassen müssen. Ihre Fürstl. Gnaden Herzog Bernhard sind darüber in das Bistum Eichstätt gegangen, dem Herrn Generalissimo Friedland den Pass aus Böhmen nach Regensburg zu verwehren. Und sind etliche tausend nach Rain am Lech kommandiert, selbigen Pass wieder zu erobern."

BEUTE IN EICHSTÄTT

„Dieweil aber die auf dem Schloss sich gewehrt, ist man sie zu belagern und zu beschießen benötigt worden, welche Belagerung sich auf zehn Tage belaufen, da sie sich dann endlich ergeben. Und sind also die Schwedischen des ganzen Bistums mächtig geworden. Die beiden Armeen, weimarische und hornische, haben darin tapfer erbeutet und alles sehr verderbt. Unter anderem haben sie auch vor Ingolstadt in 500 Stück Rindvieh und viele Pferde weggenommen und bis an Regensburg gestreift, neben dem, dass ihnen im bischöflichen Schloss zu Eichstätt ein großer Vorrat an Getreide und sonstigem hinterlassen worden, und das ganze Land in Kontribution gesetzt. Sonst ist die Eichstättische Besatzung nach Ingolstadt konvoyiert worden. Das ganze Lager aber ist auf Regensburg zu gezogen, den Kaiserlichen zu begegnen."

AICHACH FÜNF MAL EROBERT

An den beiden Tortürmen der Stadt Aichach bei Augsburg wird das Wirken von Gustav Horn und der Jungfrau Maria gewürdigt.

DIE SCHLACHT BEI HESSISCH OLDENDORF

Eine kaiserliche Armee unter Graf Gronsfeld versuchte Anfang Juli 1633 die von Schwedischen belagerte Stadt Hameln zu entsetzen. Am 8. Juli erreichte sie das nahegelegene Städtchen Oldendorf.

„Herr Obrist Stalhandske hat mit seinen Regimentern Finnen über einen Pass auf die Kaiserlichen zugesetzt und förders zu scharmützieren angefangen. Dann ist das ganze Heer, das jenseits des Passes gehalten und sich dabei Herzog Georgens zu Lüneburg Fürstl. Gn. neben Herrn Feldmarschall Kniphausen in der Person befunden, hernach gefolgt, und nach und nach ein Regiment nach dem andern über den Pass gegangen, so dass es also endlich zum Haupttreffen geraten. Dann haben der General Leutnant Melander mit seinem Volk auf der einen Seite, auf der andern Seite aber Herr Feldmarschall Kniphausen den Feind so chargiert, dass endlich der kaiserlichen und ligistischen Kavallerie in die Flucht gebracht wurde. Darauf ist dann weiter tapfer in das Fußvolk gesetzt worden. Der General Leutnant hat dann hinter den Feind durch einen Busch etliches Volk mit den Regimentsgeschützen kommandiert, die demselben in die Flanke gegangen ist und mit den Stücken auf die Artillerie gespielt hat. Dann hat der General Leutnant die Infanterie, welche noch gestanden hat, von vorne mit ganzer Macht chargiert und endlich auch in Unordnung gebracht, so dass die Kaiserlichen und Ligistischen ganz bis auf das Haupt geschlagen wurden. Von den Schwedischen und Hessischen sind nicht über zwei oder dreihundert Mann umgekommen. Die Kaiserlichen Ligistischen sind in diesem Haupttreffen, vermöge einer in Herrn Grafen von Merode hinterlassenen Kanzlei gefundenen Liste, auf 15.000 oder 16 .00 Mann geschätzt worden. Der Kampf hat über drei Stunden nicht gewährt, und es sind auf der Walstatt auf 5 .000 Mann geblieben, 2.500 wurden gefangen und, sehr viele in die Flucht geschlagen. Der Herr General Major hat sich zeitig aus dem Dampf und Rauch gemacht. Der Rest hat sich auf Minden begeben, denn sie haben sonst nirgends hinkommen können. Auf der einen Seite war die Weser, auf der andern aber die hohen Berge und Wälder, und sonst allenthalben die Pässe verlegt. Herr General Merode aber bald um der Wunden im Haupt und Leib zu Köln des Todes verblichen. Sie fingen viele Kavaliere und bekamen 13 Stück Geschütz samt aller Munition, an die 70 Fahnen und Kornett samt aller Bagage, darunter sechs Maulesel mit Silbergeschirr und Geld beladen, sowie die ganze Kanzlei Herrn Grafens von Merode und Herrn Obristen Wachtmeisters Böninghausen. Auch ist Herrn Grafen von Merode Gemahlin zusamt ihrem Frauenzimmer und vielen Domherren gefangen worden."

SCHLACHT BEI PFAFFENHOFEN - ELSASS

„Es sind bei diesem Treffen (31. Juli 1633) auf der schwedischen Seite geblieben der Oberst über die Artillerie, Simon Schultheiß, wie auch ein Oberst Leutnant und sonst von gemeinen Soldaten 208, die tot als auch beschädigt waren. Die Anzahl derer, die auf der Lothringer Seite geblieben, konnte man damals nicht eigentlich wissen. Sind aber ungefähr 900 auf der Walstatt geschätzt worden. Unter dem Treffen ist ein solches Ungewitter von Wind, Nebel und Regen abermals entstanden, dass ein Mensch den andern über wenige Schritte nicht mehr sehen können: Nichtsdestoweniger die volle Bataille angegangen, dass also beide Teile, eines sowohl als das andere, mit Wind, Nebel, Regen und Rauch zu fechten gehabt, welches dann verursacht, dass der meiste Teil der schwedischen Reiterei wegen der lothringischen Kürassiere, die nur mit Degen gefochten, den Hasenpfad gewandert sind. Dagegen haben sich Herr General Major Vizthum und Herr Oberst Ranzow mit der Infanterie dermaßen heroisch erzeigt, dass die gedachten lothringischen Kürassiere und danach die ganze Infanterie, mit Hinterlassung aller ihrer Musketen, Picken, 2 Feldgeschützen, aller Munition, vieler 1 000 lb. Brot, 400 Fudern Wein, Bagage und aller anderen Vorräte ihren Weg ängstlich gegen Zabern, und folgenden Tages übers Gebirge wieder nach Lothringen genommen."

DER BÖSE HOLK

Plünderungszug eines wallensteinischen Korps nach Kursachsen.

„In diesem Monat August 1633 ist geschehen der grausame große Einfall des Herrn Feldmarschall Holken über die Bergstätte. In Schneeberg wurden etliche Bürger niedergemacht und die Stadt geplündert, ebenso Marienberg und andere. Ist von da auf Plauen, Elsenitz, Reichenbach und Zwickau marschiert, allda sie aber wegen grassierender Pest sich nicht lang aufgehalten. Zu Altenburg ist es sonderlich hart hergegangen, als Holk ganz plötzlich und unversehens mit viertausend Pferden allda angekommen, alles geplündert, die Weibspersonen zu Tode geschändet und die Mannspersonen zu Tode geschraubt, geprügelt und auf allerlei Marter und Weise getötet hat. Die Stadt tat Herrn Feldmarschall einen Fußfall, der sie fragte, was sie begehrten? Sie antworteten: Gnade. Kirchen, Schulen, Pfarrhäuser wurden geplündert, 4 Feuer gingen in der Stadt auf. Die Toten wurden aus den Särgen geworfen, die Weiber ranzioniert und geschändet, Tafeln und Flügel aus den Kirchen genommen, der Syndicus erschlagen, die Apotheken in Grunde verderbt. Die Körper der zu Tode geschändeten Weiber und anderer Ermordeter konnten nicht alle begraben werden. Es mussten die Eltern ihre Kinder, die Männer ihre Weiber begraben, die Toten lagen auf den Gassen, in Häusern und Gärten, und es konnte der Jammer nicht genugsam beschrieben werden. Es ging allenthalben übel, zu Ronnenburg, Gera, auch Pega, Lützen, und Meltzen wurden so ausgeplündert. Merseburg sollte 8.000 Reichstaler, Halle 16.000 Reichstaler geben, allda haben sie den Spitalvogt so gemartert, dass er gestorben ist."

WALLENSTEIN SCHONT KURSACHSEN

Anfang Oktober zog sich Arnim mit dem kursächsischen Heer aus Schlesien nach Sachsen zurück. Wallenstein, der mit den 5.000 Sächsischen leicht fertig geworden wäre, machte sich an die Verfolgung. Es sollte ja Kursachsen einen Separatfrieden aufzwingen. Am 9. Oktober erfuhr Wallenstein aber, dass das 6.000 Mann starke schwedische Korps unter dem Grafen Thurn ziemlich entkräftet bei Steinau an der Oder lag und kehrte um. Denn wie zwingt man Kursachsen, das Bündnis mit den Schweden zu lösen? Man schlägt sie aus dem Feld.

„Herr Generalissimus ist in aller Eile wiederum auf Schlesien mit seiner Kriegsmacht gerückt, und in einem Tag 8 oder 9 ganze Meilen marschiert. Er ist auf einer Seite der Oder auf die Steinauer Brücke zu marschiert und Herr Schaffgotsch auf der andern. Diesen kaiserlichen Anzug auf die Steinauer Brücke haben die Schwedischen erst erfahren, als jene mit der ganzen Macht nur eine halbe Meile entfernt gewesen, und bereits beiderseits in voller Schlachtreihe teils gehalten, teils hinter dem Berg weiter gezogen waren, mit über 30.000 Mann und 70 der neuen und allerbesten Stücke. Obwohl Herr Graf von Thurn die Schwedischen auf die Kaiserlichen hat ansetzten und chargieren lassen, so war es doch augenscheinlich unmöglich, mit so wenigem und geringem Volk einer solchen Macht zu begegnen. Die Schwedischen sind allenthalben von den Kaiserlichen geschlagen und zurückgetrieben worden und haben sich endlich auf Gnade Herrn Generalissimo ergeben müssen. Die geringen Offiziere und Soldaten waren gezwungen, sich bei der kaiserlichen Armee zu unterstellen. An die 60 Fahnen und Standarten, 17 Stücke Geschütz und alle Kriegsmunition wurden dem Herrn Generalissimo übergeben. Dadurch wurde die kais. Armee mächtig gestärkt, die schwedische ging aber, ohne was noch in etlichen festen Plätzen, ganz verloren. Jedoch sind die meisten Schwedischen und bei der kais. Armee Untergesteckten wiederum durchgegangen und entronnen und haben sich nach Pommern retiriert. Herr Graf von Thurn wurde neben andern schwedischen Obristen und hohen Offizieren wiederum auf freien Fuß gestellt. Es sind hierauf Groß-Gloggau und Lignitz bald verloren gegangen und der meiste Teil der festen Örter in Schlesien in der Kaiserlichen Hände gekommen."

Die Entlassung des böhmischen „Rebellen" Matthias Thurn schien jene zu bestätigen, die am Wiener Hof die Entlassung Wallensteins betrieben. Man übersah dabei, dass viele der „festen Örter in Schlesien" umstandslos eingenommen werden konnten, weil Thurn den Kommandanten die Übergabe befohlen hatte. Als Gegenleistung hatte Wallenstein den alten Mann laufen lassen. Mehr als die Geländegewinne in Schlesien und die Sicherung Böhmens brachte Wallenstein mit der riesigen kaiserlichen Armee im Jahr 1633 allerdings nicht zustande. Er hätte zweifellos die kleine kursächsische Armee unter Arnim stellen und vernichten können. Er schonte ihn und legte gute Gründe für sein Handeln vor, aber Kaiser Ferdinand und seine Räte waren immer weniger bereit, sie abzuwägen.

Siehe auch
Thema Kreuzzüge Thema Kolumbus Thema J. Christus