Inhaltsverzeichnis Hauptseite
Innereien von Toten gegessen Dr. Vincent, Lamentations of Gemany (Augenzeuge)
Peter Milger :Gegen Land und Leute - Der 30jährige Krieg

(13) Kriegselend in Deutschland

Der Alltag im Krieg - Berichte von Augenzeugen - Die Belagerung und Plünderung der Reichsstadt Rotenburg ob der Tauber - Die Erlebnisse des Pfarrers Bötzinger - Einmarsch der Hessen im Stift Fulda - Kriegselend in Deutschland in den Jahren 1631 und 1632

... und was noch nicht gestorben ist, das macht sich auf die Socken nun. B. Brecht

AUS DER CHRONIK DER STADT
ROTHENBURG

Schieß mir auch einen

Sebastian Dehner beobachtete am 7. Oktober 1631 ein Gefecht vor den Toren der Stadt:.

„ Es haben die Schwedischen die Kaiserlichen übermannt, einen da, den andern dort vom Pferd herabgeschossen, 2 Oberste auf den Tod verwundet und also ganz zertrennt und in die Flucht geschlagen, welches man auf der Stadtmauer und Türmen alles hat sehen können. Und als die Leute in den Weinbergen solches Lärmen, Geschrei und Schießen vernommen, sind etliche den Toren zugeeilt, welche aber verschlossen waren, und haben sich darauf in den Weinbergen versteckt. Etliche aber, mehrerteils Bauern, sind den Schwedischen, wie sie sich mit den Kaiserlichen getroffen, nachgelaufen und haben geschrieen: „Herr, schießt mir einen!" „Herr, schießt", schrie bald ein anderer Bauer, „mir auch einen!" Denn die Schwedischen sind nicht von den Pferden gestiegen, sondern haben die Bauern die Geschossenen plündern und fast nackend lassen ausziehen. Dabei haben dann manche Bauern und andere, die mitgelaufen, gute Beute bekommen, Sattel, Kleider, und Geld. (aber wie es ihnen bekommen, hat die Zeit mitgebracht). Über dieses Lärmen sind die Kaiserlichen in der Stadt ganz verzagt und feig geworden. Es haben 2 Kutschen mit stattlichen Sachen und vornehmen Leuten von Würzburg ins Bayernland wollen fliehen, und als sie eben an diesem Tag unwissend dieser Sachen vor das Klingentor gekommen und solches verschlossen gefunden, sind die schwedischen Reiter auf sie gekommen, haben Pferde und alles genommen und gute Beute und großes Gut genommen."

Schwedisch, schwedisch

Die kaiserliche Garnison ergab sich am 9. Oktober. Von 800 Mann schrieben sich 500 bei den Schweden ein.

„Als die Schweden nun auf den Markt gekommen, hat sie der Rittmeister angeschrieen: „Schwedisch oder kaiserlich?" Haben sie alle geschrieen: „Schwedisch! Schwedisch!" Hat keiner kein Wehr noch Büchse aufgehoben und sind also alle treulos und meineidig geworden. Denn es war verakkordiert gewesen, dass man sie mit fliegenden Fahnen und brennenden Lunten, mit Sack und Pack wolle abziehen lassen."

Abrüstung: Windel statt Spieße

Ein Teil der Soldaten warf die Waffen weg

„Es haben die Buben, die damals auf dem Markt gestanden und zusehen wollten, sich um die Rüstung geschlagen, solche angehängt und sind bewehrt mit nach Hause gelaufen. Ja, Weiber und Mägde haben die langen Spieße genommen, nach Hause geschleppt und Windelstangen daraus gemacht."

Katholiken geplündert

„Es haben die Schwedischen den deutschen Hof geplündert und alles genommen, was sie haben bekommen können. Da aber das Beste heraus war, hat man Bürger hineinkommandiert und ihnen aufzuhören befohlen. Es haben die Schwedischen auch Gebsattel geplündert und alles genommen. Hierauf haben sie sich versammelt, dazu sich andere schlimme Burschen geschlagen und haben sich hinaus auf das Herriedische, Eichstättische und andere katholische Orte begeben und allerorten gute Beute gemacht. Den 12. Oktober hat der Rittmeister Ringenberger umschlagen lassen und Reiter geworben. Haben sich viele junge Rothenburger Landkinder der Bürger und Bauern unterhalten lassen, dem Schweden zu dienen."

Eigentliche Beschreibung, wie die Stadt Rothenburg den 30. Oktober wieder von kaiserlichem Volk belagert, beschossen, mit Akkord eingenommen worden, das schwedische Volk wieder ausgetrieben und was weiter darauf erfolgt ist.

"8. Oktober, Freitag, hat man der Bürgerschaft aufs Rathaus geboten, wie auch den Herren Geistlichen, Pfarrern, Rektor und alle Kirchen- und Schuldiener. Ist ihnen ein Schreiben vom General Tilly, das um Aufgabe der Stadt und Quartiert gesucht, vorgelesen worden, welches aber E. E. Rat und die ganze Bürgerschaft rund abgeschlagen und sich bei den Schweden Leib, Ehr, Gut und Blut zu lassen erklärt. Haben alle überlaut geschrieen: „Schwedisch! Schwedisch! Es gehe darüber, wie es wolle!" Es haben zwar etliche verständige und gelehrte Herren, als Hans Bezold, Konsul, Georg Nusch, Herr Rektor scholae u. a. geraten, man sollte sich dem Kaiser, dem man gehuldigt, gelobt und verpflichtet, nicht also freventlich widerfechten, sonderlich, weil man mit Volk und der Gegenwehr nicht versehen, aber es hat kein guter Rat Gehör gefunden."

Bürger in Waffen

„9. Oktober, Samstag, hat man alle ledigen Burschen auf die alte Bürg geboten. Die hat man aus der Rüstkammer bewehrt und allen Musketen gegeben. Als man bei den Weinbergen die kaiserliche Reiterei tropfenweise ankommen sah, hat man die ganzen Bürgerschaft in die Rüstung geboten Es ist alles bewehrt worden, was Büchsen hat tragen und brauchen können, auch die größeren Schüler, alumni der lateinischen Schule. Die schwedische Reiterei ist mit der Bürgerschaft, alles bewehrt, auf den Markt geführt und in die Bataille gestellt worden, und dann sind sie auf die Basteien, hohen Türme und Mauern rottenweise kommandiert worden. Um die Vesperzeit haben die Kaiserlichen haufenweise, schwarzvoll die ganze Stadt umritten, die Leute, die sie angetroffen, teils verjagt, teils gefangen und niedergemacht. Die ganze Nacht musste die ganze Bürgerschaft in armis mit großen Sorgen wachen. Man hat in allen Gassen die Pechpfannen angezündet, Wachfeuer gemacht und sorgfältig gewesen."

Es wird ernst

„30. Oktober, Sonntag, sobald es Tag geworden, hat der ganze Jammer erst recht angefangen und ist des Feindes Ernst gespürt worden. Die Reiterei ist haufenweise um die Stadt geritten, auf welche brav Feuer aus der Stadt gegeben wurde. Nach der Frühpredigt um Mittag ging es erst recht an, da kam der Herzog von Lothringen mit etlichen Regimentern Fußvolk herbei, und ließen sich zwischen dem Galgen- und Klingentor hinter den Gärten öfters blicken, auf welche die Bürger aus der Mauer viel Feuer gaben und sich sehr verschossen. Unterdessen ist auf der Klingenbastei das Pulver angegangen, das durch einen Bauern verwahrlost worden, das hat das ganze Dach aufgehoben, alle Ziegel heruntergestoßen und etliche Bürger und Bauern beschädigt, die teils hernach davon gestorben. Das hat einen großen Schrecken unter die Bürgerschaft gebracht, sonst hätten sie sich vielleicht länger gewehrt. Indessen hat der Feind die großen Stücke draußen bei den Äckern gepflanzt und auf den Turm gerichtet und viele Schüsse auf denselben getan. Etliche Kugeln, bei 10 und mehr Pfund, sind in der Gasse, doch ohne Schaden niedergefallen. Da nun der Ernst des Feindes vermerkt worden, und je länger je mehr Volk sich zum Stürmen rüstete, hat man angefangen zu akkordieren und ein weißes Tuch auf dem Galgenturm hinausgesteckt, und der schwedische Trompeter hat den Akkord hinausgeblasen. Darauf ist alsbald das Schießen in der Stadt auf der Mauer bei Leib und Leben verboten worden. Auch draußen hat das Stürmen und Schießen aufgehört. Da sind die Bürger, Bauern und ledigen Burschen alle nach Hause gegangen, und haben ihre Rüstung, Büchsen, Schwerter und alle Waffen abgelegt."

In Deckung geblieben

Die Verteidiger waren mit der geboten Vorsicht zu Werk gegangen.

„Es sind von den Kaiserlichen, wie gemeldet, bei 300 Mann geblieben, darunter 2 Leutnants. Von den Bürgern aber sind nicht mehr als 2 Personen geblieben, als nämlich ein Tuchmacher, Johann Bubenleb, und einer von Adel. Ist hernach unter der Plünderung gar schlecht in der Franziskus-Kirche begraben worden . Seine Freunde haben ihm ein stattliches Epitaph machen lassen. Im unteren Rahmen steht:

Als Schweden von Papsts Tiranei
Das teutsche Land wollt machen frei
Und ich mit Freuden half dazu,
Fordert mich Gott eilend zur Ruh."

Plündern nach dem Essen

„Den 30. Oktober des Nachts ist das Galgentor geöffnet worden. Da ist der Lothringer mit seinem Volk, lauter Franzosen, hereingezogen, und hat alsbald Rathaus, Rüstkammer und den Markt mit Schildwacht bestellt. Auf dem Markt wurde viel Feuer angezündet, und haben dabei Schweine, Schafe, Hühner, Gänse, gebraten, gesotten, und recht soldatisch angefangen zu leben. Nach Mitternacht fingen sie an, die Häuser mit Gewalt zu erbrechen und die Leute zu tribulieren, alles zu plündern, zu schlagen, dass ein großes Lamentieren, Weinen, Heulen, Klagen und Schreien in allen Gassen und Häusern entstanden. Sie haben die Leute Geld zu geben mit Stößen und Schlägen genötigt, in manchem Haus Truhen und Kasten, alles zerschlagen, die Leute auf der Gasse ausgezogen usw. Man hat fast nichts so gut versteckt, dass sie es nicht gefunden."

Zweite Runde

„31. Oktober, Montag gegen Tag, als es hell geworden, sind mehr Soldaten in die Stadt gelassen worden, und was die vorigen nicht genommen und verwüstet, haben diese vollends genommen. Sind manche Häuser rein auspoliert worden, ist eine Partei aus-, die andere eingegangen. Gegen Abend sind etliche Deutsche vor das lateinische Schulhaus gekommen, vorgebend, sie wären salva guardia, welchen der Herr Rektor die Tür geöffnet. Aber als sie hinaufgekommen, haben sie den Rektor geschlagen, Geld und Silbergeschmeid und Kleider genommen und sind damit fort, welchen alsbald bei 16 Franzosen mit ihren Büchsen und brennenden Lunten folgten, und der armen Schüler Mäntel, Kleider, Hüte und Schuhe mitnahmen. Um Mittag sind die kaiserlichen Generäle alle in die Stadt gezogen, als Generalissimus Mons. Tilly, Obrist Kommissar Ossa, Aldringen, Cronberger, Schönberger, Lothringer und bis auf den Mittwoch in der Stadt geblieben, in den vornehmsten Herrenhäusern.."

Gesang zensiert

„4. November, am Freitag nach dieser Einnehmung hat man wieder das erste Mal in die Kirchen geläutet und sind die Herren wieder zu Rate gegangen, und ist der Gesang: „Erhalt uns Herr bei Deinem Wort" verboten und ausgelassen worden. Am Samstag haben die Leute wieder gebeichtet und ist das Heilige Abendmahl den Sonntag gehalten worden. Aber in der Johanniter-Kirche hat ein katholischer Pfaff gepredigt und die Messe gelesen."

Und das leibliche Wohl

„Am Samstag und Sonntag hat man die Völker erst recht einquartiert, je einem 4, 5, 6. Denen hat man in Fülle müssen Fressen und Saufen schaffen, wie und was sie begehrt, und war Leibs und Lebens nicht recht sicher bei ihnen. Oftmals alles aus den Häusern geschlagen und darin nach ihrem Mutwillen gehaust und den Leuten mit großer Bedrohung öffentlich unter die Augen gesagt, alles, was noch übrig in Häusern, wäre ihres. „Vater hinaus, mein ist das Haus!", usw., „Ihr Rebellen! Ihr Schelmen! Ihr Diebe! Ihr Meineidige! Das Plündern hat gewährt vier Tage bis auf den Donnerstag. Da sie einlogiert worden, hat keiner mehr plündern dürfen, welches durch den Trommelschlag verboten worden war. Die Besatzung, die allhier blieb, war vom Herzog aus Lothringen, ist auf die 25 hundert Mann stark gewesen."

Tilly gnädig

„Wie oben ist gemeldet, ist des General Aldringens Leibkompanie in der Stadt zuschanden gegangen. Das hat der Aldringen sehr empfunden, und weil er vermeint, als hätten die Bürger Ursache dazu gegeben, ist er ergrimmt worden und hat Befehl gegeben, man sollte alles, Mann und Weib, Jung und Alt, niedermachen. Als man solches erfahren, hat man alsbald durch die Wachbieter den Leuten lassen ansagen, sie sollten alles liegen und stehen lassen und Groß und Klein, wer laufen und schreien kann, solle unverzüglich auf den Markt kommen und den Herrn Generälen mit Heulen, Schreien und Bitten um Gnade einen Fußfall tun. Darauf hat sich alsbald Weib und Kind, ja mit den Kindern in der Wiege, mit großem Heulen sich auf den Markt begeben. Ist der ganze Markt, Högelmarkt, Hafengasse und halbe Schmidtgasse voll gewesen, und ein erbärmliches Geheul und Geschrei entstanden: „Um Gnad! Um Gnad! Wir wollen für Eurer Kaiserlichen Majestät, Ihrer Excellenz Generalität langes Leben, Sieg und Heil bitten!", rc. Welches Bitten und Heulen dem General Tilly so tief zu Herzen gegangen, dass er darüber angefangen zu weinen und gesagt: „Steht auf, liebe Leute, und geht heim, es soll euch kein Leid widerfahren. Ich denke anjetzo an Magdeburg, seit dero erbärmlicher Verwüstung hab´ ich kein rechtes Glück gehabt. Geht heim in Frieden und betet für den Kaiser und seine Generäle und ganze Armee, rc. Ich will mit der Trommel lassen umschlagen und das gefasste Urteil der Niederhauung (darauf sich die Soldaten schon gefasst und gerüstet hielten) lassen abkünden und einstellen. Welches auch geschehen."

Im alljährlich zu Pfingsten aufgeführten Schauspiel „Der Meistertrunk" ist es der Bürgermeister Nusch, der Tilly umstimmt: In dem er einen riesigen Humpen Wein auf einen Zug leert.

Noch Gold und Silber da

Es zeigte sich, dass die Söldner beim Plündern keineswegs aller Wertsachen habhaft geworden waren.

„ Den 11. November hat man der ganzen Bürgerschaft auf das Rathaus geboten. Ist ihnen vorgehalten worden, dass man in zwei Tagen solle 20.000 Taler geben und 6.000 Ellen Tuch und 3.000 Paar Schuhe, oder man wolle auf ein Neues anfangen zu plündern. Es habe E. E. Äußerer und Innerer Rat 10.000 Taler zusammengebracht, das übrige solle die gemeine Bürgerschaft vollends zusammenschießen. Da hat man Silbergeschmeide von silbernen Bechern, Gürteln, Beschlägen und alles, was Gold und Silber gewesen, zusammengetragen, bis man es hat erlegen können."

Und dann das Sterben

„Es sind viele Kranke unter dem Volk gewesen und bei 200 ins Spital gelegt worden, die fast alle hernach gestorben sind. Man hat Furcht und Entsetzen gehabt, weil hernach ein Sterben unter die Bürgerschaft geraten, nämlich die Ungarische Krankheit, Kopfweh, Zerrüttung und Pestilenz, dass man an einem Tag ihrer bis zu 10 und mehr zu Grabe getragen. Einmal sind auch in einem Tag 25 Bürgerspersonen und 11 Soldaten (darunter 7 gewesen, die auf der Wacht auf dem Wall wegen großer Kälte und Nässe tot gefunden worden) begraben worden. Weil die Schwedischen bis an das Tor gestreift, hat man niemanden, weder Tote noch Lebendige, zum Tor hinausgelassen. Darum man sie in den Juden-Kirchhof je 5, 6, 7, oft noch mehr, in ein großes Loch zusammengelegt und den Leichsermon getan unter freiem Himmel, alles stehend, mit großem Trauern und in Unordnung, da Mann und Weib und Schüler untereinander gestanden. Und als der Juden-Kirchhof übergraben gewesen, hat man die Bürgersleute im Kirchhof beim Franziskanerkloster begraben. Die Soldaten aber, die in Häusern gestorben, auf dem Pfarrkirchhof, die im Spital und Lazaretthaus, auf dem Mühlacker. Dieser Sterb hat gewährt bei 14 Wochen lang von Einnehmung der Stadt bis sie wieder weggezogen. Und damals sind die besten, ältesten und stärksten Männer und Bürger draufgegangen, dass viele Häuser gar ausgestorben und öd worden, welche Aufräumung in 20, ja 30 Jahren nicht wieder wird können ersetzt werden."

DIE ERLEBNISSE DES PFARRERS BÖTZINGER

Martin Bötzinger war protestantischer Pfarrer in Poppenhausen.

Schweden so arg wie Feinde

„Anno 1631, Michaelis, kam König Gustavus aus Schweden plötzlich über den Wald, als wenn er flöge. Königshofen und viele andere Orte bekam er ein, und es ging sehr bunt daher. Unsere vom Adel warben dem König Volk, welches im Mausen und Rauben just so arg war wie die Feinde. Sonderlich nahmen sie den benachbarten Katholischen ihre Kühe, Pferde, Schweine, Schafe und trieben sie gen Heldburg, da war ein Gekauf, eine Kuh für einen Dukaten, ein Schwein für einen Taler. Und oft liefen die Papisten her und sahen, wie und wer ihr Vieh kaufte, sie lösten es auch selber oft wieder ein. Es wurde ihnen aber so oft genommen, dass sie des Lösens müde wurden, und waren die armen benachbarten Papisten übel dran. Wir allhier zu Poppenhausen verwahrten ihnen aus Nachbarschaft ihr bisschen Habe in Kirchen und Häusern, soweit es helfen wollte. Da sich aber Anno 1632 das Blatt wandte und die drei Generäle, Friedländer, Tilly und Bayerfürst, Koburg und das Land einnahmen, halfen die benachbarten Papisten rauben und brennen, und fanden wir bei ihnen keine Treue noch Sicherheit.Als man am Abend vor Michaelis die große Kartaune von Koburg hörte, als Losungsschuss, dass der Feind ankäme und sich jeder in acht nähme, zog ich mit all denen, die ich etliche Wochen geherbergt, nach Heldburg, wohin ich schon mein Weib und Kind geschickt hatte"

Wie ein Ochs gefallen

„Aber es war der Mittag am Fest Michaelis noch nicht heran, da präsentierten sich 14 Reiter, man meinte, es wären Herzog Bernhards Völker, aber es war sehr weit gefehlt. Diese musste man nun einlassen ohne allen Dank. Ihnen folgten bald etliche Fußgänger, welches zum Anfang alles durchsuchten und schlugen und schossen, wer nicht parieren wollte. Mitten auf dem Markt hatte einer von diesen 14 meinen Schwiegervater mit einer Pistole vor den Kopf geschlagen, dass er wie ein Ochs niedergefallen. Der Reiter ist abgestiegen, hat ihm die Hose visitiert, und haben unsere Bürger, die auf dem Rathaus gewesen, gesehen, dass der Dieb einen großen Klumpen Geld herausgezogen. Als dem Schwiegervater die Betäubung von dem Schlag vergangen... brachten sie ihn in mein Haus. Es währte nicht lange, so forderte einer Geld; da er sich nun entschuldigte, stach ihn der Tropf mit seinem eigenen Brotmesser in Gegenwart meines und seines Weibes, dass er zu Boden sank. Hilf Gott! Wie schrieen mein Weib und Kind... Ich nahm meinen Schwiegervater, der da wie ein Trunkener taumelte, und trug ihn in die Badestube, dass er verbunden würde. Ich musste zusehen, dass einer eurer Mutter die Schuhe und Kleider auszog und dich, Sohn Michael, auf den Armen trug. Hiermit räumten sie das Haus und die Gasse."

Fast entmannt

„Weil nun in der Stadt ein Metzeln und ein Niederschießen stattfand, auch niemand sicher war, kamen in einer Stunde unterschiedliche Bürger, wollten sich verbinden lassen. Da stimmte mein Schwiegervater zu, dass ich ein Loch suchte und aus der Stadt käme, mein Weib und meine Kinder aber wollte er nicht mit mir lassen. Also ging ich auf die Schlossgärten zu und kam an der Höhe hinter das Schloss, dass ich gen Holzhausen und Gellershausen zu sehen konnte, ob´s sicher wäre. Da fanden sich Bürger und Weiber zu mir, an mir einen Trost zu haben und mit mir zu reisen. Als wir nun bei den Heideäckern waren, ritten acht Reiter, es waren Kroaten, oben auf der Höhe. Da sie uns gewahr wurden, errannten sie uns eilends. Zwei entkamen, ich musste am meisten aushalten. Sie zogen mich aus, Schuhe, Strümpfe und Hosen, und ließen mir nur die Kappe. Mit den Hosen gab ich ihnen meinen Beutel mit Geld, den ich vor drei Stunden hinten in die Hosen gesteckt. . Sie forderten tausend Taler, danach fünfhundert, endlich hundert für mein Leben, ich sollte mit in ihr Quartier und musste barfuß eine Stunde lang mitlaufen. Endlich wurden sie gewahr, dass ich ein Papp oder Pfaff wäre, welches ich auch gestand; da hieben sie mit ihren Säbeln auf mich ein, ohne Diskretion, und ich hielt meine Arme und Hände entgegen, habe durch Gottes Schutz nur eine kleine Wunde unten an der Faust bekommen. Etliche gaben den Rat, mich zu entmannen, der Oberst aber, ein stattlicher Mann, wollte es nicht zugeben."

Lauf, Pfaffe, lauf

„Unterdessen wurden sie einen Bauern gewahr, welcher sich in den Büschen besser verkriechen wollte. Es war der reiche Kaspar von Gellershausen, auf solchen ritten sie alle zu, und blieb nur einer bei mir, welcher ein geborener Schwede und gefangen worden war. Dieser sagte zu mir: „Pape, Pape, leff, leff, du müsst sonst sterben." Item, er wäre gut schwedisch. Ich fasste Vertrauen zu dem Rat und bat ihn, wenn ich liefe, sollte er mir zum Schein nachreiten, als wenn er mich einholen wollte. Und also geschah es, dass ich den Kroaten entkam. Der reiche Kaspar aber musste an jenem Ort elend sterben. Denn als er sich nicht ausziehen wollte, welches ich wohl sah, haben sie ihm die Kniekehlen entzwei gehauen. Darüber ist er an diesem Ort liegen geblieben und wurde nach Abzug der Feinde gefunden."

Viele Orte brannten

„Ein Bauer kam und brachte mir ein Paar alte lederne Hosen, die von Wagenteer sehr übel rochen, ein anderer ein Paar alte Riemenschuhe, ein anderer zwei Strümpfe, einen grünen und einen weißen wollenen. Diese Livree schickte sich weder für einen Reisenden noch für einen Pfarrer. Dennoch nahm ich´s mit Dank an, konnte aber in den Schuhen nicht gehen, denn sie waren hart gefroren. Die Strumpfsohlen waren zerrissen, und ich ging also mit ihnen mehr barfuß als beschuht gen Hildburghausen. Wenn wir uns umsahen, so sahen wir, wie es im Itzgrund an vielen Orten lichterloh aufbrannte. Damals ging auch Ummerstadt, Rodach, Eisfeld, Heldburg im Feuer zugrunde."

Trauriger Zug

„Und unzählig viele Leute saßen mit ihren Paketen auf der Gasse, auch viele, viele Wagen und Karren waren angespannt, die alle, als das Tor aufging, mit fortwanderten. Als wir ins freie Feld kamen, sahen wir, dass die guten Leutchen sich in alle Straßen verteilten. Da wurden viele tausend Windlichter gesehen, diese hatten Laternen, diese Strohschauben, andere Pechfackeln. In Summa etliche tausend Leute zogen in Traurigkeit fort. Ich und mein Haufe kamen um zwölf Uhr Mitternacht gen Themar, welche Stadt sich mit uns auch aufmachte, so dass wir abermals etliche hundert mehr wurden. Der Marsch ging auf Schwarzig, Steinbach zu, und als wir gegen Morgen in ein Dorf kamen, da wurden die Leute erschreckt, dass sie Haus und Hof auch zurückließen und mit uns fortzogen. Wir waren etwa eine Stunde in der Herberge gewesen, so kam schon Post, dass die Kroaten diesen Morgen wären zu Themar eingefallen, hätten die Fuhrmannsgüter oder Geleit aufgehauen, geplündert, dem Bürgermeister den Kopf aufgespalten, die Kirche ausgeplündert, auch die Orgelpfeifen auf den Markt hinaus getragen usw. Da war´s hohe Zeit, dass wir gewichen waren." Hildburghausen aber hat sich danach mit einer großen Summe Geldes und seinen Kelchen ranzionieren müssen, sonst wäre die Stadt auch eingeäschert worden wie andere Städte."

Schwiegermutter gefoltert

„Ich achtete aber damals keiner Gesellschaft, überlief viele hundert Menschen und kam als erster nach Heldburg zurück, gerade da man die Erschlagenen auf einem Karren auf den Gottesacker führte. Als ich solches sah, ging ich auf den Gottesacker und fand siebzehn Personen in einem Grab liegen, darunter waren drei Ratspersonen, eine mein Schwiegervater, der Kantor, etliche Bürger, der Hofmeister, Landknecht und Stadtknecht. Waren alle gräulich zugerichtet. Nach diesem ging ich in meiner Schwiegermutter Haus, da fand ich sie krank vom Rädeln, Zwicken mit Pistolschrauben so übel zugerichtet, dass sie mir kaum Rede geben konnte. Sie gab sich darein, sie müsste auch sterben."

Mach ihn vollends tot

„Wie es aber zu Heldburg unterdes mit Mord, Brand, usw. hergegangen, will ich auch melden. Da kommt ein ganzer Tross und führt den Schwiegervater und mein Weib und die Schwiegermutter in Herrn Göckels Haus. Ach, da war ein Bankettieren und Gesaufe! Als er nun angestrengt wird, Geld zu geben und allerlei vorwendet, haben sie ihm mit Talglichtern seine Augen, Bart und Maul scheußlich geschmiert und versengt, mein Weib aber unverschämt in der Stube vor jedermann wollen notzüchtigen, welches aber so sehr schrie, dass ihre Mutter mit Gewalt in die Stube sprang und sie durch die Stubentür ausschlüpfte. Da hat sich der Koch über sie erbarmt und sie aus dem Haus geführt, und als ihm mein Weib etliche Dukaten, welche sie acht Tage lang vorn im Überschlag an ihrem Ärmel erhalten, gegeben, hat er meinen Schwiegervater, aber übel zugerichtet, ihr zugestellt. Also sind sie mehr tot als lebendig aus der Stadt gegangen, und weil er der Mattigkeit halber nicht weiter kommen konnte, ins Siechhaus. Da hielten sich nicht allein die armen siechen Leute auf, sondern auch viele ehrbare Bürger und Weiber, in Hoffnung, an diesem Ort sicherer zu sein. Aber weit gefehlt. Obgleich mein Schwiegervater dem Tode nahe auf ein Bett gelegt worden und jedermann sah, wie blutig und übel er zugerichtet war, dennoch ist er hin und her geschleppt und ohne Zweifel von losen Leuten verraten worden, dass er ein Reicher wäre. Mein Weib und meine Kinder haben sie gefangen mitgeführt, sie hat den Soldaten Hemden machen sollen. Als sie nun auf dem Kirchhof sitzt und ihr einer ein Stück Leinwand bringt, sie solls zerschneiden, spricht er zu seinen Kameraden: „Geh hin, mache den Bauern (meinen Schwiegervater meinend) vollends tot." Dieser geht hin, kommt bald wieder und hat in seinen Armen meines Schwiegervaters Hosen und Wams und spricht zu meiner Frau: „Dein Vater ist fertig." O Grausamkeit! - Als die Mauser genug aus der Kirche gemaust hatten an Kleidern und weißem Zeug, zogen sie aus der Stadt und musste mein Weib mit ihnen, es wäre ihr lieb oder leid."

Frau Bötzinger konnte entkommen.

„Sie kam gesund und in Ehren zu mir, dass wir alle froh waren und Gott dankten.

DIE WENDE IM STIFT FULDA

Die Hessen kommen

Der Chronist Gangolf Hartung erlebt in Fulda die Folgen der schwedischen Invasion.

„Anno 1631. Jahr den 24. August ist Ihr F. G Johann Bernhard Schenck, Abt zu Fulda, nach Hammelburg gezogen, und auf den Morgen sind die Bürger von Fulda mit Weib und Kindern bald alle aus der Stadt gezogen, etliche nach Hammelburg, etliche nach Brückenau, und auf die Dörfer hin und wieder gelaufen von wegen des hessischen Kriegsvolks, und den 26. August ist ein oberster Wachtmeister von dem Hessenvolk in die Stadt Fluida gekommen mit 26 Pferden, und hat 60.000 Reichstaler Lösegeld gefordert oder sie wollten die Stadt in Brand stecken. Den 30. August haben 6 Kornett Reiter an dem Frauenberg gehalten und den Frauenberg ganz geplündert, die Kirche und alles."

Tillysche hausen im Stift Fulda

Als Tilly mit seiner Armee vorbeikam, verzogen sich die Hessischen kurz aus Fulda. .

„Den 16. Oktober ist der General Tilly in die Stadt Fulda gekommen und ins Schloss gezogen, und ist die ganze Armee bei der Stadt hin marschiert, und hat bei dem Johannessberg im Feld gelegen. Die Reiterei ist überall auf den Dörfern gelegen, und hat in der Stadt Fulda und auf den Dörfern ganz und gar alles verdorben. Dann ist die ganze Armee nach dem Land zu Frankenland gezogen. Da ist der König aus Schweden gewesen und hat eine Stadt nach dem andere eingenommen, Konigshofen, Würzburg und Hammelburg, und alles eins nach dem andere eingenommen und ausgeraubt; ist Ihr F. G. Abt Johann Bernhard Schenck auf dies mal auch mit dem General Tilly weg gezogen aus seinem Land."

Der Wein ab nach Kassel

„Und den 19. und 22. November hat der Landgraf von Kassel, Landgraf Wilhelm, aus der Stadt Fulda aus dem Schloss den besten Wein, "Waltstetter", lassen fuhren nach Kassel; ungefähr 30 Fuder. Und danach den 25. November ist ein oberster Wachtmeister mit einer Kompanie Reiter in die Stadt Fulda gekommen, und hat sein Quartier im Schloss genommen, und die Reiter in der Stadt bei den Bürgern einquartiert. Danach den 27. hat der Oberst Wachtmeister vom Neuenhof alles lassen weg fahren; Vieh und Bett; alles was da gewesen ist. Den 2. Dezember hat der Oberst Wachtmeister 2 Wagen mit Musketen und etliche Futer Wein von hier von Fulda nach Kassel bringen lassen. Den Wein war auf dem Spital bei den Mönchen abfüllt worden."

Schwedens Königin singt in Fulda

„Anno 1632. Jahr den 16. Januar ist die Königin aus Schweden hier in die Stadt Fulda gekommen, allezeit mit etliche 14 Kutschen und viel Packwagen, ist so bald ins Schloss gezogen und geblieben bis auf den Sonntag. Den 18. Januar hat die Königin aus Schweden, den Sonntags morgens im Schloss im großen Gemach einen lutherischen Prädikanten lassen predigen. Nach der Mittagsmahlzeit ist die Königin aus dem Schloss in das Jesuitenkloster gefahren. Ihre Kutschen ist inwendig mit lauter Gold bestickt gewesen und das Zaumzeug auf den 6 Kutschenpferden war auch mit Gold bestickt gewesen. In der Jesuitenkirche haben sie auf lutherisch gesungen, den Psalm "Wann Gott der Herr nicht bei uns heilt", und auch "Am dritten Tag ein Hochzeit war zu Canaan in Galilea"; danach aus dem Jesuitenkloster gefahren ins Nonnenkloster, zu den Nonnen, wo die Königin im Nonnenkloster 30 Dukaten verehrt. Dann sind sie aus dem Nonnenkloster in das Stift gefahren, und haben auch im Dom auf Lutherisch gesungen, "Erhalt uns Herr bei deinem Wort", und danach wiederum ins Schloss gefahren. Den 19. Januar, ist die Königin aus Schweden von hier auf Frankfurt gezogen, zu ihrem Herrn König aus Schweden, der zu der Zeit ins Reich gerückt mit seinem Kriegsvolk und eine Stadt nach der andere eingenommen hat."

1631: DAS ELEND IM ÜBERBLICK

Aus dem Buch von Dr. Lammert

Allein 934.000 in Sachsen

„Auf dem norddeutschen Kriegsschauplatze entfalteten die Seuchen eine verheerende Tätigkeit. In Stettin herrschte die hitzige Krankheit (Typhus), welcher die Gattin des schwedischen Generals Horn am 12. August erlag. - In Mecklenburg grassierte die rote Ruhr; sie forderte zahlreiche Opfer. In Parchim erlagen vom August bis November mehr als 100 Menschen derselben Krankheit. Nach einer großen Hungersnot brach in Prenzlau die Pest aus, um in ¾ Jahren 1.500 Menschen - wohl 25% der Bevölkerung - der Erde zu überliefern. In Kyritz (Altmark) wurde die Pest durch Einquartierung eingeführt; doch erlagen nur 231 Personen. - In Havelberg wurden 227 Einwohner dahingerafft. In Lindow nahm die Pest 400 Personen mit sich. Nach der Einnahme der Stadt und Festung Spandau durch die Schweden (6. Mai) brach, und zwar im Gefolge von Hungersnot, die Pest von Neuem aus, sodass 1.500 Einwohner ins Grab sinken mussten. In Berlin setzte die Pest bei großer Not ihre Verheerungen fort; 2.066 Personen wurden ihre Beute. Frankfurt an der Oder verlor bei der Eroberung der Stadt durch Gustav Adolf (13. April), wobei 1.700 kaiserliche Soldaten niedergemetzelt wurden, eine Menge Volkes. Die Sterbeziffer wurde durch eine bald nachfolgende Seuche, welche, obschon man sie nicht für die Pest hielt, in kürzester Zeit, oft binnen wenigen Tagen, ganze Familien wegraffte, wesentlich erhöht. Zu solcher Sterblichkeit trug die große Hitze und Dürre während des ganzen Mai, Juni, und Juli erheblich bei. Die Anzahl der Opfer, die der Eroberung wohl inbegriffen, betrug gegen 6.000. Die Pest herrschte noch in Westfalen; so in der Stadt Arnsberg. - Auch im Bergischen Lande trat die Pest auf, ebenso wurde die Stadt Rade vorm Wald heimgesucht. Im Kurfürstentum Sachsen starben in diesem und dem folgenden Jahre 934.000 Menschen durch Krankheiten und Krieg, wie M. Joh. Mich. Weisse in seiner Beschreibung der Stadt Hohenstein bemerkt."

Beim Vormarsch der Schweden

„Am 13. Dezember eroberten die Schweden Mainz, bald darauf auch Bingen. Eine unerhörte Brandschatzung war der Geistlichkeit, den Bürgern und den Juden noch besonders auferlegt; jenen, die nicht zahlen konnten, wurden Häuser, Gärten, Stallungen, Scheuern verwüstet, das Holz verbrannt. Die Schweden hausten in der fürchterlichsten Weise. Dazu kamen Seuchen und eine schreckliche Hungersnot. Mit Wurzeln, Gras und Baumblättern stillten die Menschen ihren Hunger. Die schwedischen Truppen drangen vor bis an die Lahn und trieben überall unter den gewohnten Gewalttätigkeiten Kontributionen ein. - Worms, Mannheim, Speier und viele pfälzische Orte wurden von den Schweden besetzt."

Beim Rückzug der Kaiserlich-ligistischen

„Tilli zog nach der Niederlage bei Breitenfeld mit seinen gesammelten Truppen nach Halberstadt, schlug bei Corvey in Welfalen eine Brücke über die Weser und marschierte eilig über Fritzlar nach Fulda. Bei Miltenberg am Main, mit Herzog Karl III. von Lothringen vereinigt, machte er den von Gustav Adolf zurückgewiesenen Versuch, Würzburg zu entsetzen. Entmutigt nahm er mit 40.000 Mann seinen Weg gegen Nürnberg und bedrohte diese Stadt, doch erfolglos. Plünderung, Not und Seuchen bezeichneten die Richtung dieses Kriegszuges. Viele Landleute hatten ihr Vieh nach Windsheim geflüchtet, wo es ohne Obdach und Nahrung verschmachtete. Auf dem Lande plünderten die Soldaten und brannten in allen Orten Häuser nieder; viele Leute hatten sich in die Wälder geflüchtet; Hunger, Nässe und Kälte war ihr Loos. Des Herzogs von Lothringen „Gesindel" suchte sie mit Hunden in den Wäldern auf und raubte ihnen, was sie gerettet. Viele dieser Unglücklichen erlagen Krankheiten, die sie sich unter solchem Elende zugezogen. Der Kaplan L. Röhl von Burgbernheim erzählt: „Bin ich mit den Verstorbenen mehrenteils bis zum Grab gegangen und haben wir niedergekniet und ein andächtig Vater unser gebetet. O Gott! Der Jammer war groß. Viele haben aus Kälte und Mangel die Erde kauen müssen. In diesem Jahr war auch die Pest und der war glücklich gepriesen, der ohne Soldatenplag daran gestorben". Tilly schickte einen Teil seiner Belagerungstruppen vor Nürnberg über Sulzbach nach Böhmen, auf welchem Zuge den armen Leuten auf dem Lande gräulicher Schaden zugefügt worden ist. In Bayern wie in Schwaben verbreiteten sich typhöse Krankheiten. So meldet eine handschriftliche Chronik von Oberammergau: „Anno 1631: Wegen dem noch fortdauernden schwedischen Krieg, teuren Zeiten und Kriegsunruhen haben die Krankheiten sowohl in Bayern als in Schwaben eingerissen, so ist auch hier allenthalben ein hitziges Fieber oder Kopfweh entstanden, dass sehr viele Leute daran gestorben sind."

FORTSETZUNG: DAS ELEND 1632

In Bayern und am Main

„Für Bayern wurde der 30jährige Krieg erst vom Jahre 1632 an besonders verhängnisvoll und von den schrecklichsten Folgen; er machte das Land zur menschenleeren Wüste, zumal er noch die Pest im Gefolge hatte. Wie die kaiserliche Armee unter Tilly im Herbste 1631, so hat die schwedische Armee auf ihren Zügen alles aufgezehrt und überall, wohin sie kam, 1632 - 1635, den Hunger- und Kriegstyphus wie die Bubonenpest ausgestreut, sodass alle Orte am Maine mindestens die Hälfte ihrer Bewohner verloren. Was die schwedische Armee übrig gelassen, das zehrte die ihr nachrückende kaiserliche auf; das grüne Korn auf dem Felde wurde den Pferden verfüttert und niemand mochte mehr für die Armeen säen. Weit und breit war kein Saatkorn, selbst nicht um gutes Geld, zu haben. Man nagte vor Hunger an verhungerten und gefallenen Tieren. Selbst der Spessart und der tiefste Odenwald wurden von den Horden nach Proviant durchsucht und alles riss man an sich, was essbar war. Überall Hunger, Elend, Krankheit und Tod. Nur die Wölfe vermehrten sich, schlichen in die Dörfer ein und zehrten die verlassenen Kranken und die Toten auf. Ganze Ortschaften waren ausgestorben. Stockstadt bei Aschaffenburg hatte vor dem 30jährigen Kriege 200 Nachbarn, nach demselben kaum noch 10. Wenigumstadt, südlich von Großostheim, starb im 30jährigen Krieg bis auf 3 Familien aus. Großwallstadt verlor nur im August 1632 durch die Pest 32, im ganzen Jahre 83 Menschen. Die östlich vom Main gelegenen Orte Rossbach Die Bewohner von Volkersbrunn fasten heute noch in Folge eines zur Pestzeit abgelegten Gelöbnisses am Annatag bei Wasser und Brot. Erlenbach bei Klingenberg lieferte 125 Personen auf den Friedhof im Pestjahre 1632. In Klingenberg am Main starb 1631 bis 35 die Hälfte der Bürger an der Beulenpest. Unter der Bevölkerung des Spessart zwischen Aschaffenburg und Lohr am Main richteten die Pest und die allgemeine Not im Schwedenkriege große Verwüstungen an In Würzburg fing die Pest im August zu grassieren an. Die Apotheker mussten zur Nachtzeit ihre Geschäfte offen halten und den Armen die Arzeneien, wo nicht umsonst, doch billiger überlassen. Marktbreit verlor 92 Personen durch die Pest, mit Fremden und Soldaten 193. Im nahen Obernbreit raffte die Pest 179 Menschen hin . In Volkach starben 222 Menschen (sonst im Durchschnitte während eines Jahrzehnts 59). Schweinfurt erlitt einen Verlust von „vielen hundert Menschen". Man zählte 258 Geburten, 82 Trauungen, darunter 17 Soldaten und 1.055 Todesfälle. In Bamberg starben viele Menschen an der ungarischen Krankheit, welche die Truppen im Frühjahre mitgebracht hatten."

Die Schweden beim Erobern

„Die Stadt Landshut selbst wurde am 10. Mai von Gustav Adolf eingenommen und durch Mord und Brand heimgesucht. Kaum vom Feinde befreit, bekam die Stadt die Einkehr einer ansteckenden Seuche zu verspüren. Von München aus hatte der Schwedenkönig starke Brandschatzungen ausgeschrieben. Seine Horden streiften bis in das Inngebiet. Der Markt Thann wurde am 25. Mai von den Schweden, auf ihrem Zuge von München her, überfallen und ausgeplündert. Wer nicht nach Braunau und über den Inn geflohen war, wurde aufs grausamste misshandelt. „Die Soldaten banden die Mädchen und Frauen an den Händen und Füßen und trieben ihre viehische Lust; die Männer aber mordeten sie langsam unter entsetzlichen Matern, indem sie ihnen heißes Blei oder Schmalz in die Öffnungen des Körpers gossen, oder sie mit den Bärten an die Roßschweife banden und durch den Markt schleiften." Im Oberlande zündete der Feind allein gegen 100 Dörfer an. Tölz ward erstürmt und ausgeraubt. Die Klöster Beuerbach, Scheftlarn, Andechs wurden teils ausgeraubt, teils zerstört. Ebenso wurde Weilheim geplündert und gebrandschatzt."

Erst metzeln die einen, dann die anderen

„Die ehemalige Reichsstadt Kempten kam in die Gewalt der Schweden. Wie die Schweden hier gehaust, das erzählt uns die Kemptener Chronik von Dr. Ph. Jak. Karrer in einer Weise, die wiederzugeben die Feder sich sträubt. Wer wollte auch nur einen Augenblick verweilen an Stätten, an welchen der Mensch zur Bestie geworden ist! Frauen wurden die Brüste abgeschnitten; Mütter und Dienstmägde mit den Kindern auf den Armen sprengte man in die Iller. Nachdem sie einen Chirurgen totgeschlagen hatten, schändeten sie dessen Tochter, stachen ihr die Augen aus und warfen sie zum Fenster hinaus auf die Straße neben ihren Vater. In Gegenwart der Männer und Eltern, die hernach umgebracht wurden, missbrauchten sie deren Weiber und Töchter; ein Mädchen von 12 Jahren wurde zu Tode geschändet, sogar eine alte fast 100jährige Frau... Die unglückliche Stadt geriet am 13. Januar wieder in den Besitz der stürmenden kaiserlichen Truppen. Die nun von den Eroberern verübten Gräuel, über welche sich Dr. med. Gabriel Furtenbach in seiner Oberländischen Straff- und Jammerchronik 1669 verbreitet, spotten aller Phantasie... Neustadt „musste bald die Herberge der kaiserlichen, bald der schwedischen Gäste sein, von welchen keine Partei viel übrig ließ, als sie wieder abzog." Sonntag, den 8. Juli, fiel ein Haufen Kroaten ein; sie begannen mit Plündern, Schänden und Rauben der Weiber, Morden von über 43 Personen und Schandtaten jeder Art; 70 Häuser gingen in Flammen auf."

Modergerüche um Nürnberg

„ Das Auftreten des Skorbuts im Schwedenheer war eine Folge der Kriegsnot, Strapazen und der Krieger, der großen Unreinlichkeit, feuchtkalten Witterung, dann der Genus verdorbener, mangelhafter Nahrung. Nach dem von Gustav Adolf am 3. September gewagten, missglückten Sturm auf das feindliche Lager blieben beide Heere noch 14 Tage einander gegenüber gelagert, jedes in der Erwartung, das andere zum Aufbruch zu nötigen. Je mehr mit jedem Tage der kleine Vorrat an Lebensmitteln schmolz, desto empfindlicher wuchsen die Qualen des Hungers, desto mehr verwilderte der Soldat; das Landvolk umher wurde das Opfer der tierischen Raubsucht der Soldaten. Die steigende Not löste alle Bande der Zucht und der Ordnung im schwedischen Lager auf. Nachdem alles Land auf sieben Meilen in der Runde aufgezehrt und verwüstet und alle Vorräte zu Ende gegangen waren, musste sich endlich der König zum Abzug entschließen. Aber welch ein Bild! Zertreten lagen alle umliegenden Felder, die Dörfer in Asche, das ausgeplünderte Landvolk verschmachtete auf den Straßen, Modergerüche verpesteten die Luft, verheerende Seuchen, durch die kümmerliche Nahrung, durch den Qualm eines so bevölkerten Lagers und den Geruch so vieler verwesender Leichname, unter der Glut der Hundstage ausgebrütet, wüteten unter Menschen und Tieren. In der Pfarrgemeinde Poppenreuth lebte nur noch der vierte Teil der früheren Bevölkerung. Viele Bauern der Umgegend wie auch Bürger und Soldaten holten sich noch dadurch die Krankheit und Tod, dass sie sich in das verlassene kaiserliche Lager begaben, um die vielen Kriegsgerätschaften, als Kugeln, Waffen, auch Proviantabfälle, wegzuführen. Die zahlreichen umherliegenden, mit Fliegen und Maden bedeckten Äser von Pferden erzeugten ein gifthauchendes Miasma, sodass noch lange nach dem Abzug der Armeen Seuchen und Not das Land drückten."

Nur Rauben, Stehlen, Morden

„Zu dieser Zeit", berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, „ging Jammer und Not an in unserem Lande und hat gewährt bis auf das 1637. Jahr, da man denn bald nichts anderes hörte, als Rauben, Stehlen, Morden, Brennen und Sengen. Die armen Leute wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm und Beine entzwei geschlagen, Ohren und Nasen, auch männliche Glieder und säugende Brüste wurden ab- und ausgeschnitten, etliche von Ferne beim Feuer gebraten, teils im Rauchschlot aufgehängt und Feuer unter sie geschüret, etliche in die Backöfen gestoßen, Stroh fürgemacht und angezündet, die Daumen geschraubt, spitzige Knöbel ins Maul gesteckt, dass das Blut haufenweise herausgeflossen, hernach den ganzen Leib, durch den Mund, mit Urin und Mistwasser gefüllt, die Fußsohlen aufgeschnitten, hernach Salz hinein gestreut, Riemen aus den Leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den Leib entzwei geschlagen. In Summa die große Pein und vorhin unerhörte Marter (davon auch der Teufel in der Hölle mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angetan, bis sie gestorben und verschmachtet oder presshaft geworden, ist nicht zu schreiben, da hat manches frommes Herz in solcher Marter und Pein bekennen, Hab und Gut, Weib und Kind, auch wohl seines Herren oder besten Sachen, die lange Zeit verwahrt gewesen, verraten müssen. Da wurde weder alt noch jung, edel und unedel, auch der schwangeren und Sechswöchnerin mit Schänden nicht verschont, und welches ja ein Gräuel anzuhören, 8jährige Mägdlein, sowohl auch 60 bis 80jährige Weibspersonen zu Tod gemartert, hernach ausgezogen in die Teiche geworfen, oder auf den Straßen liegen lassen. Zuletzt durfte sich auch kein Mensch mehr in den Wäldern betreten lassen, denn da war auch niemand mehr sicher, es war gleich im Morast, oder in gebirgigen Steinklüften, denn da hatten sie Hunde, welche auf die Menschen abgerichtet, dass also kein Mensch in Steinklüften bleiben konnte. Ach da sind viele Leute in den Wäldern erschossen und niedergehauen worden, auch unbegraben liegen geblieben."

Die Kaiserlichen beim Vormarsch nach Sachsen

„Wallenstein sandte den General Holk, einen Dänen, mit 6.000 Mann aus dem Lager von Nürnberg als Vortrab des folgenden Heeres gegen Sachsen. Auf dem Wege dahin hatten die armen Leute im Voigtlande und Erzgebirge von dem Wüterich Holk Unerhörtes zu leiden. Städte und Dörfer wurden niedergebrannt, Häuser und Ställe ausgeplündert, was nicht fortgeschleppt werden konnte, wurde vernichtet. Noch grässlicher wütete die entmenschte Soldateska an den Bewohnern: Männer und Jünglinge wurden gemartert oder hingeschlachtet, Weiber und Mädchen aufs Blut geschändet. Noch heute lebt in dortigen Gegenden die grauenvolle Erinnerung an jene Unmenschen. Verwüstung, Feuer und Blutvergießen bezeichnete ihre Bahn. In den eroberten Städten Zwickau, Chemnitz, Freiberg, Altenberg, Dippoldiswalde u.a.O. hausten die Kroaten furchtbar. Bis nach Dresden entsandte Holk seine Streifkolonnen. Bald rückte General Gallas mit einer zweiten Division nach. Was den verwilderten Horden entgangen war, fiel als Opfer der bald hausenden Pest. In der zweiten Hälfte des Juni trat in Leipzig die Pest auf. Sie griff allmählich so um sich, dass das Lazarett in Stand gesetzt, ein Pfarrer, Arzt und Barbier aufgestellt und die öffentliche Wohltätigkeit beansprucht werden musste. Im August wuchs die Seuche und brachte bis Oktober vielen Bewohnern und vier Lazarettgeistlichen den Tod. Während der von Wallenstein vollzogenen Blockade wurden die Toten bis 24. November in der Stadt begraben. Man zählte bis Jahresschluss 1.390 Pestleichen."


Siehe auch
Die Kreuzzüge - Krieg im Namen Gottes Der Fall Kolumbus - Wie der Mythos entstand