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Frauen auch in Kirchen vergewaltigt - Reisebericht eines englischen Augenzeugen
Gegen Land und Leute - 30jähriger Krieg - Peter Milger -

(12) Gustav Adolf in Deutschland

Gräuel der Kaiserlichen in Mecklenburg und Pommern - Der Vormarsch der Schweden - Blutbad in Frankfurt an der Oder - Neues Bündnis der deutschen Protestanten - Die Katastrophe von Magdeburg - Tilly unterliegt bei Breitenfeld - Rückzug auf der ganzen Linie - Tilly in der Schlacht bei Rain am Lech tödlich verwundet - Gustav Adolf in München - Wallenstein retour - Lagerkrieg vor Nürnberg - Die Schlacht bei Lützen - Gustav Adolf stirbt im Kugelhagel

Was immer man dem schwedischen König nachsagt, Edelmut, Heldenmut, staatsmännische Klugheit und Feldherrengeschick, es lohnt der Nachprüfung nicht. Seine Biographen kommen zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Das ist kein Wunder. Es hängt einfach davon ab, welchen Quellen man den Vorzug gibt: Den Fabrikaten der „evangelischen" oder der „katholische" Propagandisten.

Man kann sie alle nur an ihren Taten messen. Durch den Kriegseintritt Schwedens hat das Land- und Leuteverderben in Deutschland zugenommen. Das ist faktisch. Ob das Leiden wegen Edelmut oder Habgier, durch Staatskunst oder Diletantismus herbeigeführt wurde, hat die Opfer nie interessiert, sondern nur hinterher die Interpreten, am sichreren Ort.

Faktisch verhielt sich Gustav Adolf nach den herrschenden Mustern. Die einen werfen ihm vor, er habe Kaiser werden wollen. Die anderen bestreiten es. Faktisch vergab der König in Deutschland eroberte geistliche Güter an Feldherren und protestantische Fürsten. Das durfte aber eigentlich nur einer, der oberste Lehnsherr des Reiches, der Kaiser. Ferdinand ging mit diesem Recht höchst willkürlich um, aber legitimierte Gustav Adolf keineswegs, es sich selbst anzumaßen. Sein Kanzler Oxenstierna hat dann später in den schwedisch besetzten Gebieten sämtliche Hoheitsrechte ausüben lassen, durch Kommissare, die an der Grenze gelegentlich mit ihren kaiserlichen Kollegen verhandelten. Man befand sich auf Länderraub auf Kosten der „Rechtlichkeit" und machte so im Grunde gemeinsame Sache. Das war besonders fatal, weil das Eigentumsrecht und das Kriegsrecht ohnehin schlecht ausformuliert waren.


DIE SCHWEDEN ZUNÄCHST BEGRÜSST

Die schwedische Armee hatte in Pommern leichtes Spiel, weil sie auf eine völlig entkräftete kaiserliche Soldateska traf. Die Krieg hatte sich hier so ausgiebig ernährt, dass nichts mehr da war. Theatrum:

„Zu Greifshagen lagen an 17 kaiserliche Kompanien, bei denen war große Armut und Elend, ihrer gingen viele betteln, die sich aber dessen schämten, sie hatten oftmals in drei Tagen kein Brot zu essen...Darüber aber viele entliefen und sich in schwedische Dienste, andere aber sich wieder zu den Ihrigen nach Hause begaben."

Da Schweden dünn besiedelt und nicht besonders reich war, dienten in Gustav Adolfs Kernregimentern vor allem zwagsrekrutierte Bauernsöhne. Das Theatrum, begeistert:

„Es war ein gar arbeitsames Volk, welches in geschwinder Eile Großes tun konnte und sich also eingraben konnte, dass ihm niemand leichtlich beikommen mochte. Sie ließen sich mit Brot und Wasser begnügen. Die Einwohner hatten keine Bedrängnis von ihnen. Welche Geld hatten, zahlten und kauften ums Geld, welche nichts hatten, die nahmen vorlieb, was ihnen gegeben wurde. Daher die Einwohner sie heftig liebten und ihrer Ankunft sich erfreuten, hingegen aber die Kaiserlichen hassten, verfolgten und, wo sie ihrer mächtig wurden, gar niedermachten."

Tatsächlich unterließen die schwedischen Truppen anfänglich das Plündern von Zivilisten. Aber auch Gustav Adolf sah sich bald genötigt, nach den üblichen Verfahren Truppen anzuwerben. Wie etwa Maximilian von Bayern und König Christian machte er dann die Erfahrung, dass die habituellen Aneignungsmethoden der Soldateska auch durch Strafmaßnahmen nicht zu unterbinden waren. Und schon im ersten Winter ging dem König das Geld aus, so dass er sein Heer mittels Kontributionen unterhalten musste.

KURFÜRSTEN IN BEDRÄNGNIS

Die schwedische Armee besetzte Stettin und rückte langsam in Pommern vor. Tilly, inzwischen zum Oberbefehlshaber der ligistischen und kaiserlichen Armee ernannt, überließ die Abwehr der Invasion zunächst den dort stationierten kaiserlichen Truppen. Aber um Bremen, im Braunschweigischen, um Münster, in der Altmark, in Hessen, Schwaben und Franken lagen mehrere Zehntausend Mann Ligatruppen. Der Ausgang der kommenden Auseinandersetzungen war also ungewiss. Die Kurfürsten Johann Georg von Sachsen und Georg Wilhelm von Brandenburg hatten nun jede Menge Probleme. Der Sachse war traditionell schon aus Sorge um die Einheit des Reichs gegen die Einmischung ausländischer Mächte. Der Brandenburger erhob wie Gustav Adolf Ansprüche auf Pommern. Am bedrohlichsten aber war: Gustav Adolf drängte sie zu einer militärischen Allianz. Die denkbaren Szenarien:

1.) Sie gewinnen den Krieg an der Seite Schwedens. Gustav Adolf greift sich Pommern und nimmt den Platz von Ferdinand ein - ob zum Kaiser gewählt oder als oberster Lehnsherr eines „Nordreiches".

2.) Sie unterliegen an der Seite Schwedens. Im schlimmsten Fall verlieren sie dann als „Reichsrebellen" alles, zumindest aber fällt Tillys ausgehungerte Truppe über ihre Länder und Leute her. Und bleiben, bis nichts mehr zu holen ist.

Die beiden Kurfürsten und ihre Räte wählten das geringere Risiko und hielten Gustav Adolf hin. So schaute sich der „Retter der Protestanten" zunächst vergeblich unter den bedrängten Glaubensbrüdern nach Bundesgenossen um. Der erste, der zusagte, war der mittellose Administrator des Bistums Magdeburg. Dann folgte die Bürgerschaft von Magdeburg am 11. August 1630 nach heftigen Auseinandersetzungen. Der Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel trat immerhin in Verhandlungen über einen Bündnisvertrag ein. Viel zu verlieren hatte er nicht mehr, da der Kaiser den größten Teil seines Landes dem hessisch-darmstädtischen Landgrafen übertragen hatte. Diese Bundesgenossen sahen in Gustav Adolf tatsächlich einen Retter, sie hatten aber weder Geld noch nennenswerte Streitkräfte.

DAS PASEWALKER GEMETZEL

Der Krieg in Pommern wurde von beiden Seiten ohne erkennbaren Plan geführt. Die Schweden nahmen mal hier, mal da Städte und Festungen ein und besetzten sie, die Kaiserlichen fielen gelegentlich über die schwedischen Garnisonen her. Und nicht nur über diese. Unter dem Titel „Pasewalker Gemetzel". Von der zu Pasewalk in Pommern verübten unmenschlichen Tyrannei und Zerstörung..." erschien 1630 in Stralsund ein Augenzeugenbericht über die Rückeroberung von Pasewalk durch die Söldner des kaiserlichen Obristen Götz. Eine Übersetzung wurde später in England nachgedruckt.

„Den 7. Sept. 1630 erhebt sich ein Geschrei, der Feind sei vor der Stadt und treibt das Vieh hinweg. Der helle Haufe, wie man sagte von 3 000 Mann umringte die Stadt und setzte ihr mit gewaltigem Schießen zu. Wie der Feind an das Stettinische Tor kam und Feuerbälle hineinwarf, auch unten an den Mauern durchbrach, wehrten sich die schwedischen Soldaten ritterlich... Aber weil keine Artillerie vorhanden und die wenigen Soldaten und Bürger auch die Mauern nicht überall beschützen konnten, mussten sie sich nach dem Jagowischen Tor retirieren und wurden endlich bezwungen. Da ging das Elend an. Nicht nur die, die sich zur Wehr gesetzt, wurden heftig beschossen, geschlagen und gewürgt, sondern auch alle die Unbewehrten, die dieser ersten Furie begegneten, mussten niedergemacht werden. Viele liefen in den Morast, in die Hopfengärten und Gräben oder setzten über die Ucker, aber sie wurden verfolgt, die Weiber zur Unzucht behalten, die Männer jämmerlich ermordet. Die schwedischen Dragoner, als ihnen die kaiserl. Reiter nachsetzten, erschossen einen und den andern und kamen also davon. Danach wird nun auf das Stadtvolk aller Grimm gewendet. Ist einer auf der Gasse, wird er niedergehauen. Ist er im Hause, wird er durch vielerlei Marter und Pressur, durch Daumenschrauben und andere schwere Mittel genötigt zu bekennen, ob er etwas weiß, das verborgen ist. Kann er etwas anzeigen, hilft es ihm nicht, weil immer einer nach dem andern dieselbe Frage mit Schlägen und Drohen wiederholt. Weiß er nichts zu sagen, so gilt´s ihm. Da heißt´s: Gib Geld oder Blut. Gab einer oder gab er nicht, er musste entweder gar getötet oder so verwundet werden, dass er es die Tage seines Lebens fühlt... Sie zerschlugen alles im Haus, da durften keine Schüssel, kein Topf, kein Hemd, Summa kein Fässlein bleiben, und es wurden einem jeden die Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die Hüte, Hauben und Mützen vom Haupt, die Kleider vom Leib gerissen. Ging man vor die Türschwelle, lag bald hier, bald da ein guter Bekannter, mit zehn und mehr Wunden beschädigt, ja wohl ganz erschlagen. Ja sie haben einen kranken Prediger aus dem Siechbett gehoben, ihm Hände und Füße gebunden, ihn toquiert und gemartert. Er sollte anzeigen, wo er Geld hätte."

GESCHÄNDET UND WIE VIEH VERKAUFT

„Nach der Plünderung haben sie das grausamste Werk, das je die Sonne gesehen, angefangen. War etwa ein ehrbares Weib, das um Gottes Willen bat und mit gefalteten Händen um ihre Ehre flehte, auch alles auf den letzen Pfennig hergab, so musste sie sich doch öffentlich, nicht von einem, sondern von allen, die wie Hunde über sie kamen, schänden und sich so zurichten lassen, dass sie nicht mehr laufen konnte. Die Ehr- und gottesvergessenen Hurenhengste haben sich nicht gescheut auch die Kindbettnerinnen aus ihrem Lager zu jagen und zu verunehren und die schwangeren Frauen nackt auszuziehen und zu schänden. Den Säugenden haben sie die Säuglinge genommen und an die Erde geworfen, haben auch die abgelebten alten Weiber wie etliche noch kleine Mägdlein nicht verschont, sondern mit ihnen ihre satyrische Lust gebüßt. Etliche haben sie an die Wagen oder mit den Armen an die Sattelknöpfe gebunden und sie also bei sich her traben lassen, hernach dieselben einer dem andern wie ein Rindvieh verkauft. Solches Schänden hat doch gestern, den 11. September, nicht aufgehört."

UND DAS RECHT?

„Da die Schwedischen die Stadt eingenommen, was konnten doch die armen disarmierten Pasewalkschen dazu? Insonderheit, da die Kaiserlichen die Stadt verlassen hatten und dem Schweden Tür und Tor aufmachten? Wer wollte darum sie als Rebellen achten? Aber wer will von Recht sagen bei denen, die alle Rechte schelten, keinen Glauben halten, keine Aufrichtigkeit lieben, keine Gerechtigkeit achten, keine Pietät empfinden, sondern leben, als wenn kein Gewissen, kein Gott, kein Himmel, kein Teufel, keine Hölle wäre?"

WIE FEIN BRENNT PASEWALK

„Als endlich in den Häusern nichts mehr zu finden gewesen, ist bald hier, bald dort Feuer angelegt worden, welches alsbald gewaltig um sich gefressen hat. Darauf geht die Marienkirche, ein sehr schönes Gebäude, köstlich ausgeziert, durch das Feuer an nachdem sie erstlich von allen Kirchen Ornat, Silber und Gold, geplündert worden war und alle schönen Werke darin werden zur Asche. In diesem Feuer sind viele Kinder verbrannt, die die Mütter auf der Flucht den Wiegen oder Betten zurücklassen mussten Und man hat diese neroischen Worte vielfältig gehört: Siehe, wie fein brennt Pasewalk."

BÜNDNIS ZWISCHEN SCHWEDEN UND FRANKREICH - DER KRIEG GEHT WEITER

Nachdem die Schweden im Januar 1631 die Festungen Greifenhagen und Garz eingenommen hatten, marschierte Tilly mit ein paar angeschlagenen kaiserlichen Regimentern nach Frankfurt an der Oder. Gustav Adolf zog sich darauf in Richtung Stettin nach Bärwalde zurück. Ohne Klärung der Bündnisfrage wollte er den Krieg nicht „offiziell" eröffnen. In Bärwalde erschien zum vierten Mal ein französischer Gesandter beim König. Beide unterschrieben am 24. Januar ein Bündnis zum Zweck der „Befreiung der Nord- und Ostsee und der Restitution der unterdrückten Reichsstände." Frankreich sagte die Zahlung von einer Million Livres im Jahr zu. Kurz darauf bewilligten die niederländischen Generalstaaten 50.000 Gulden pro Monat. Mit dem Vertrag zu Bärwalde war entschieden: Der große Krieg geht weiter. Er wurde 18 Jahre lang hauptsächlich zwischen Frankreich und Schweden einerseits, Spanien und dem Reich andererseits ausgefochten werden. Und zwar in Deutschland.

GEMETZEL IN NEUBRANDENBURG

Die schwedische Armee eroberte am 25. Februar 1631 die Festung Demmin, rückte aber nicht weiter vor. Gustav Adolf grübelte über seine Optionen. Tilly hatte sich Mitte Februar von Frankfurt an der Oder in Richtung Brandenburg zurückgezogen. Er wollte eine Schlacht vermeiden, da er erst 10.000 Mann beisammen hatte. Aber er blieb nicht untätig. Am 19. März griffen seine Truppen die Stadt Neubrandenburg an, in der Gustav Adolf zwei Regimenter als Besatzung zurückgelassen hatte, darunter auch schottische Kompanien. Der schottische Offizier Monro, inzwischen für Schweden aktiv, schildert das Schicksal seiner Krameraden:

„Weil Tilly den Anmarsch des Königs fürchtete, nahm er Neubrandenburg um so härter unter Feuer, bis eine Bresche in die Mauer geschossen war. Oberst Kniphausen schickte einen Oberstleutnant mit einem Trommler zur Bresche, um Verhandlungen anzubieten. Der Feind beachtete es nicht, weil es zu spät war. Er hatte den Befehl zum Generalangriff schon gegeben. Viele Offiziere wurden mit manch tapferem Mann im Ungestüm niedergemetzelt... Die Offiziere und Soldaten in der Stadt wurden zum größten Teil gefangen genommen... Auf der anderen Seite der Stadt, an einem Turm, wo nicht gestürmt wurde, ließ der Feind im Ungestüm die meisten über die Klinge springen..."

1631 erschien die Schrift „Die erschröckliche Eroberung und blutige Zerstörung der Stadt New Brandenburg". Der Autor verschweigt seinen Namen. Wahrscheinlich war er Schulmeister in Neubrandenburg. Nach diesem Bericht hatte Kniphausen am Morgen des 9. März gegen den Willen der Bürgerschaft einen Akkord abgelehnt.

„Nach dem Verlust vieler Tillyschen bei den ersten beiden Stürmen, sammelten sich die abgeschlagenen Regimenter und griffen erneut den Wall am friedländischen Tor an, das der Oberst Kniphausen und Kapitän Pfluch verteidigten. Obwohl der Kapitän schon durch zwei Schüsse schwer verwundet war, hat er sich mit dem Schlachtschwert lange gewehrt und viele anstürmende tillysche Soldaten niedergemacht, bis er endlich durch den Kopf geschossen wurde und tot zur Erde fiel. Dann haben die Tillyschen Soldaten die königlichen Soldaten dergestalt zwischen zwei enge Mauern getrieben und unter ihnen gemetzelt, dass man im Umkreis von 30 bis 40 Schuh 92 Personen übereinanderliegend tot gefunden hat, dabei auch abgehauene Fäuste, Finger, Arme, Beine, Hirnschalen und andere abgetrennte menschliche Gliedmaßen."

AUCH IN DER KIRCHE

„Obgleich die Bürger nicht in Waffen gewesen: Es ward
niemand verschont, ob in der Kirche, in den Häusern oder in den Gassen. Viele vom Adel, so in die Stadt geflohen waren, nebst den Bürgerfrauen und Jungfrauen waren nach dem Gottesdienst um 12 Uhr in der Kirche geblieben. Dahin flohen dann auch andere Bürger und königliche Soldaten. Ihnen folgten die Tillyschen. Da sah man einen Jammer und hörte ein Zetergeschrei, da wurden Bürger und Soldaten in der Kirche niedergemacht, ein Ratsherr und Doktor der Medizin durch den Kopf geschossen, und wie der tot vor dem Altar liegt, spaltet ihm ein Crabat den Kopf kreuzweise... Da schändeten die Tillyschen Frauen und Jungfrauen öffentlich auf den Gassen, den Märkten und auch in den Kirchen. Da war kein Schonen ob jung oder alt... Tillysche Offiziere ritten durch die Stadt und schrieen: Kein Quartier für Soldaten und Bürger. Da ging erst ein Rauben und Plündern an... alle Kelche und Patenen samt dem Messgewand und den Leuchtern wurden vom Altar gerissen... die Kirchstühle sowohl der Männer wie der Frauen waren überall mit Blut bespritzt... Der General Tilly kam selbst in die Stadt mit der ganzen Armee, die nun auch plünderte, was drei Stunden währte... Der General Tilly zog mit der Armee wieder aus Neubrandenburg in sein Quartier bei Stargard. Obwohl er vorher mit Trommelschlag von weiterem Rauben, Plündern und Morden abzusehen hatte ausrufen lassen, so folgte doch niemand. Die Kompanien, die darinnen blieben... trieben Mutwillen mit den armen Leuten, Manns-oder Weibspersonen, welchen sie mit Daumenschrauben, verknoteten Stricken, welche sie ihnen um die Köpfe zudrehten, dass die Knoten die Augen in die Hirnschale drückten. Mit Aufhängen und anderen Mitteln der Henker und Büttel marterten sie die Leute unchristlich, damit sie bekennen, wo sie ihr Geld und Gut vergraben oder versteckt hatten..."

VERLETZTE NIEDERGEMACHT

Oberst Monro über die unrühmliche Revanche:

„ Als Tillys Armee weggezogen war, wurden ein Fähnrich mit einigen Dragonern nach Neubrandenburg geschickt. Die Kranken und Verwundeten, die Tilly zurückgelassen hatte, wurden ausgeplündert, und einige auch getötet."

Der Neubrandenburger Chronist, genauer:

„Sie hinterließen über hundert kranke und verwundete Tillysche Soldaten mit zwei Feldscherern. Nach drei Tagen kamen 80 königliche Dragoner in der Nacht, plünderten die Kranken und nahmen die Feldscherer gefangen und zogen mit der Beute von dannen. Zwei Stunden später kamen etliche königliche Reiter, machten viele von den Kranken nieder, nahmen auch die übrige Beute mit und fingen von den Tillyschen einen Quartiermeister, welcher sich bei seiner Dame in Liebe verspätet hatte."
MAGDEBURG IN GEFAHR

Tilly hatte schon im Dezember 1630 mehrere kaiserliche Regimenter vor Magdeburg beordert. Eine radikale Fraktion der Bürgerschaft und der Administrator des Stifts hatten sich mit Schweden verbündet und Tilly musste verhindern, dass sich Gustav Adolf sich in der Stadt festsetzte. Auch galt es, das Restitutionsedikt zu vollstrecken und dem Sohn des Kaisers zu einem Erzbistum zu verhelfen. Da die Belagerung keine Fortschritte machte, verlegte Tilly nun auch die Feldarmee nach Magdeburg. Eilte nun auch die schwedische Armee herbei, um den Verbündeten beizustehen?

BLUTBAD IN FRANKFURT AN DER ODER

Sie tut es nicht. Oberst Monro:

„In Frankfurt an der Oder waren an die 9.000 Mann Kaiserliche zusammengezogen worden. Da der schwedische König sich weder seines Schwagers, des Kurfürsten von Brandenburg, noch des Kurfürsten von Sachsen sicher war, marschierten wir mit 10.000 Mann nach Frankfurt an der Oder.

Frankfurt an der Oder war befestigt und wurde von einer ganzen Armee verteidigt. Trotzdem befahl Gustav Adolf den Sturmangriff.

„3. April 1631. Der König hatte große und kleine Kanonen laden lassen. Nach dem Abfeuern sollten die Sturmtruppen noch im Pulverdampf vorgehen, was wir auch taten. Im Graben wateten wir bis zur Hüfte im Wasser und Schlamm. Der Feind hatte sich voller Angst vom Wall zurückgezogen. Wir drängten nach, um dem Feind durch eine Ausfallpforte in die Stadt zu folgen... Oberst Lumsdale und ich standen an der Spitze unserer Abteilung. Er mit einer Partisane, ich mit einer Halbpike in der Hand. Wir gaben den Pikenieren das Zeichen zum Angriff und führten sie an. Glücklicherweise erreichten wir die Pforte unverletzt, aber einige fanden den Tod. Der Feind war so überrascht, dass ihm der Mut fehlte, das Fallgitter herunterzulassen. So konnten wir auf den Fersen des Feindes in die Stadt eindringen... Nach uns kam General Baner mit frischen Musketieren herein.... Wir stießen wieder auf den Feind und besiegten ihn vollständig. Der größte Teil der Soldaten wurde niedergemacht, zur Vergeltung für die Gräueltaten, die sie in Neubrandenburg verübt hatten. Einige Offiziere erhielten Quartier, wie sie es auch gegeben hatten."

GLAUBENSBRÜDER GEPLÜNDERT

„Als die Wut verraucht war, vergaßen unsere Soldaten ihre Pflicht und waren nur noch auf Beute aus. Die Straßen waren voll mit Wertsachen aller Art. Es gab Tafelsilber, Juwelen, Gold, Geld und Kleider."

Monro hat sich offenbar nicht bedient. Er ist rechtschaffen empört:

„So eine Unordnung! Alles wurde hervorgerufen durch die Raffgier, die Wurzel allen Übels."

Weil ein Teil der Stadt brannte, erhielt die Truppe den Befehl zum Abzug.

„Diese Befehle wurden öffentlich ausgerufen, aber viele hielten sich nicht daran und blieben in der Stadt, um zu plündern."

BILANZ

„Bei diesem Treffen verlor der Feind fast 3.000 Mann, vier Obristen, und weitere 36 kamen ums Leben. Oberst Sparr, fünf deutsche Oberstleutnante und ein irischer Kavalier wurden gefangen genommen... Auf unserer Seite kamen 800 Mann ums Leben... Man brauchte sechs Tage, um sie zu begraben. Zuletzt warf man sie haufenweise in große Gruben, mehr als 100 in jede."

PROTESTANTISCHE VEREINIGUNG

In die hohe Politik kam Bewegung. Der sächsische Kurfürst hatte die protestantischen Stände nach Leipzig eingeladen, und als die Versammlung am 20. Februar dann eröffnet wurde, waren fast alle protestantischen Landesherren und Vertreter der Reichsstädte anwesend. Sie befanden in seltener Einmütigkeit, dass etwas gegen die Kontributionen und die Restitution des Kirchengutes unternommen werden müsste. Aber was? Hessen-Kassel und Sachsen-Weimar schlugen ein Bündnis mit Schweden vor. Das war den meisten zu riskant. Der Kursachse schlug vor, über das Edikt auf dem geplanten Vergleichstag in Frankfurt mit dem Kaiser zu verhandeln. Das war den meisten zu wenig. Schließlich der Kompromiss: Aufstellung eines Heeres von 40.000 Mann. Das Ziel: Bisher erfolgte Restitutionen rückgängig machen, die ligistischen und kaiserlichen Verbände von den Territorien der Bündnispartner vertreiben. Der „Leipziger Abschied" wurde am 12. April 1631 ausgefertigt. Kaiser Ferdinand versandte sofort Drohbriefe. Auch König Adolf protestierte. Er brauchte vor allem den Beistand der beiden Kurfürsten, und der „Abschied" war eine klare Absage.

DIE KATASTROPHE VON MAGDEBURG

Im Mai verstärkte Tilly den Druck auf die Verteidiger von Magdeburg. Gustav Adolf musste handeln. Er brauchte die Stadt und sein Ruf als „Retter" stand auf dem Spiel. In zeitraubenden Verhandlungen zwang er den Kurfürsten von Brandenburg, ihm den Durchzug zu genehmigen. Aber damit war nur ein Problem gelöst. Sein Feldheer war mit 15.000 Mann der Truppenansammlung Tillys nicht gewachsen. Für die Musterung weiterer Verbände fehlte ihm das Geld. Anfang Mai musste der König endgültig feststellen, dass man den Krieg nicht zivilisiert führen kann: Seine Kavallerie lebte seit Monaten vom Raub, weil die Soldzahlungen ausgeblieben waren. Kurzum: Als der Sturm auf Magdeburg begann, stand das schwedische Heer noch immer in Brandenburg. In einer ausführliche Rechtfertigung legte Gustav Adolf später seine Gründe dar: Ein Vorstoß auf Magdeburg mit unterlegenen Kräften hätte die ganze Unternehmung gefährdet und den Untergang des Königreichs Schweden zur Folge haben können. Natürlich wies er auch auf die Obstruktion von Seiten des Brandenburgers hin und auf die mangelnde Kooperation der deutschen Protestanten überhaupt. Insgesamt ziemlich schlüssig.

HERZELEID UM MAGDEBURG

Aus dem Tagebuch eines einfachen deutsche Soldaten (da einige Seiten fehlen, ist sein Name nicht bekannt):

„Am 20. Mai haben wir ernsthaft zum Sturm angesetzt und die Stadt Magdeburg auch erobert. Ich bin mit stürmender Hand ohne Schaden in die Stadt gekommen, aber am Neustädter Tor bin ich zwei Mal durch den Leib geschossen worden. Das ist meine Beute gewesen. Dann bin ich in das Lager gebracht und verbunden worden. Ich bin vorne durch den Bauch geschossen worden und zum andern durch beide Achseln. Der Feldscher hat mir beide Hände auf den Rücken gebunden, so dass er den Meißel hat anbringen können. Dann bin ich halbtot in meine Hütte gebracht worden. Es ist mir von Herzen leid gewesen, dass die schöne Stadt so schrecklich gebrannt hat, und weil sie zu meinem Vaterland gehört. Als ich nun verbunden war, ist mein Weib in die Stadt gegangen, obwohl sie überall gebrannt hat, und wollte Kissen, Tücher und Binden für mich holen. So habe ich auch unser Kind, das krank war, bei mir liegen gehabt. Wir hörten nun im Lager das Geschrei, dass die Häuser alle übereinander fallen und viele Soldaten und Weiber, welche mausen wollten, nicht mehr heraus konnten. Mein Weib hat mich mehr bekümmert als meine Verwundung , weil das kranke Kind sie brauchte. Doch hat Gott sie behütet, denn sie kam nach anderthalb Stunden mit einer alten Frau aus der Stadt zurück, die ihr beim Tragen geholfen hat. Sie brachten Bettzeug und eine große Kanne mit vier Maß Wein. Dazu hat sie auch zwei silberne Gürtel und Kleider gefunden, die habe ich für zwölf Taler zu Halberstadt verkauft. Am Abend kamen meine Gefährten, jeder hat mir etwas verehrt, einen Taler oder einen halben.

NICHT GENUG TRÄNEN

Der Naturwissenschaftler und Ratsherr von Magdeburg, Otto von Guericke:

„Als nun durch den General Pappenheim eine ziemliche Anzahl Volkes auf den Wall bei der Neustadt und da herum in die Gassen der Stadt gebracht, auch der von Falckenberg erschossen und das Feuer an allen Enden eingelegt worden, da war es um die Stadt geschehen und aller Widerstand zu spät und vergebens. Denn obgleich von Bürgern und Soldaten an einigen Orten noch Widerstand geleistet wurde, haben doch die Kaiserlichen immer mehr und mehr Truppen, auch viele Reiterei, zu Hilfe gekriegt, endlich auch das Kröckentor geöffnet und also die ganze Armee der Kaiserlichen und Katholischen Liga von Ungarn, Kroaten, Polen, Heyducken, Italienern, Spaniern, Franzosen, Wallonen, Nieder- und Oberdeutschen usw. hier eingelassen. Da ist es geschehen, dass die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die Hände und Gewaltsamkeit ihrer Feinde geraten ist. Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern, Peinigen, Prügeln gewesen. Insonderheit hat ein jeder von den Feinden nach vieler und großer Beute gefragt... Da haben sie angefangen zu prügeln, ängstigen, gedroht zu erschießen, spießen, henken und so weiter, dass, wenn's gleich unter die Erde vergraben oder mit tausend Schlössern verschlossen gewesen, es die Leute dennoch hervorsuchen und herausgeben mussten. Als dann diese so herrliche, große Stadt, gleichsam eine Fürstin im ganzen Lande, in voller, brennender Glut und solchem großen Jammer und unaussprechlicher Not und Herzeleid gestanden, sind mit gräulichem, ängstlichem Mord- und Zetergeschrei vieltausend unschuldige Menschen, Weiber und Kinder kläglich ermordet und auf vielerlei Weise erbärmlich hingerichtet worden, also dass es mit Worten nicht genugsam kann beschrieben und mit Tränen beweint werden."

WER WAR SCHULD?

Haben die Verteidiger die Stadt angezündet oder die Angreifer? Alsbald wiesen sich die beiden Lager gegenseitig die Schuld zu. Protestantische Publikationen verbreiteten die Meldung, der kaiserliche Feldmarschall Pappenheim habe während der mehrstündigen Straßenkämpfe aus taktischen Gründen Feuer legen lassen. Zu diesem Mittel griffen gelegentlich sowohl Angreifer wie Verteidiger. Guericke:

„Es hat aber diese trübselige Zeit nicht viel über zwei Stunden lang in der Stadt gewähret, indem durch den unversehens zustoßenden Wind das Feuer, so zwar anfangs der Graf von Pappenheim den Bürgern und Einwohnern zur Verwirrung und Schrecken anzulegen soll befohlen haben, nachmals aber die gemeine Soldateska hierin keine Diskretion und Aufhörung gewusst haben, dergestalt überhand genommen, dass um zehn Uhr vormittags alles in Feuer gestanden und um zehn Uhr gegen die Nacht die ganze Stadt, samt dem schönen Rathaus und allen Kirchen und Klöstern völlig in der Asche und Steinhaufen gelegen. Daher denn das kaiserliche Kriegsvolk, wenn es nicht selbst verbrenne wollen, wiederum aus der Stadt entweichen und sich in seine Feldlager hat retirieren müssen."

EIN KATHOLISCHER AUGENZEUGE

Gaspard Wiltheim, Jesuit aus Luxemburg:

„Während die Patres frühstücken, sehen sie Rauch über Magdeburg aufsteigen. Erst glauben sie an einen Kaminbrand in der Stadt. Doch der Rauch wird dichter, und gleich kommt die Botschaft: Magdeburg ist genommen und brennt. Die Patres eilen der Stadt zu. Auf ihrem Wege begegnen sie den siegreichen Soldaten, die beutebeladen im Siegestaumel dem Lager zustreben. Die einen schleppen Säcke voll Fleisch, Kleider, Hausgeschirr jeder Art mit sich. Andere zeigen stolz die vergoldeten Silbergefäße und Becher, die sie in Händen tragen, wieder andere die erbeuteten goldenen Halsketten oder kostbare Ringe. Welche langen aus ihren Tornistern große und kleine Perlen und Diamanten hervor, in solcher Menge, dass Lagermägde damit geschmückt werden. Mit sich schleppen sie gefangene Frauen und Jungfrauen, schmucke, weinende, schluchzende, entehrte, halbgekleidete Mädchen."

TILLY: SELBST SCHULD

In den Dom geflüchtete Magdeburger bitten den Jesuitenpater um Hilfe.

„Ich verlasse den Dom. Bald stoße ich an der Stadtpforte auf die siegreichen Tilly und Mansfeld, die zum erstenmal die Stadt betreten. Beide bedauern aufs lebhafteste den Brand Magdeburgs. Tilly, den bei der großen Hitze der Durst quält, erbittet sich von einem vorübergehenden Soldaten einen Schluck Wasser. Während er trinkt, trage ich ihm meine Bitte für die Domflüchtlinge vor. Er fordert mich auf, ihn zu diesen zu führen. Auch er tadelt dort deren Starrsinn. Sie hätten selbst ihr Unglück verschuldet, sagt er ihnen geradezu. Das Leben verspricht er ihnen ohne weiteres, befiehlt ihnen jedoch, ihr Asyl nicht zu verlassen. Einer Soldatenwache befiehlt er, niemanden in den Dom einzulassen."

„SCHAUPLATZ DES MORDENS"

„Unterdessen griff das Feuer immer weiter um sich. Da nach sächsischer Sitte viel Holz bei Bauten verwandt worden, verzehrte die Glut blitzschnell die Stadt. Weil ich mir ein Bild von Magdeburg machen wollte, drang ich immer tiefer in die Stadt ein bis zum Rathaus... Auf dem Markte gab es keinen Handel mehr; er war nur Schauplatz des Mordens. Solange die Straßen der Stadt vom Feuer unberührt blieben, waren sie weiß, wie bei einem Schneefall. Federflocken durchwirbelten die Luft. Um mehr Beute wegzuschleppen, schüttelten die Soldaten die Bettfedern von den Fenstern herab. Sie gebrauchten die Überzüge als Säcke, die sie mit verschiedenstem Hausgerät vollstopften, um dann vor dem Feuer atemlos damit ins Lager zu flüchten."

DIESE GEILHEIT

„Vom Markt begab ich mich in die nahe Johanniskirche. Unterwegs mahnte ich die mir begegnenden Soldaten, die Frauenehre zu achten, wie Tilly befohlen, und vom Morden abzustehen. Leider waren aber schon die Straßen mit Leichen getöteter und der Kleider beraubter Menschen wie gepflastert. Keine Rücksicht wurde auf die Frauenehre genommen. Vor der Peterskirche lag ein Haufen geschändeter und getöteter Frauen. Mit Hundegier stürzten sich unsere siegreichen Landsknechte öffentlich auf die Frauen der Besiegten. Durch diese Geilheit wurden unsere Siegerheere zu besiegten Banden. Sie wandelten all die vorherigen Triumphe in ständige Niederlagen. Nicht nur der gemeine Landsknecht hatte sich ja mit solcher Schmach befleckt, sondern sogar die Obersten. Nicht genug mit dem leidenschaftlichen Ausbruch eines einzigen Tages, sie haben dann auch noch Geschändete geraubt und zu ihrem Verderben lange mit sich herumgeschleppt."

DURCH DIE GNADE GOTTES

Rechte Ordinari Zeitung, München:

„Aus Magdeburg vom 21. Mai. Es berichtet Herr General von Tilly durch eigne Staffeta, dass er durch die Gnade Gottes die Stadt Magdeburg erobert habe. Wie dann die Kurf. Durchl. in Bayern den 1. Juni das Te Deum laudamus solenniter hat singen lassen. Herr General Tilly hat die Magdeburger vielmals freund- und gütlich ermahnt, sie sollten die Extrema nicht erwarten, sondern sich I. Kais. Maj. gutwillig ergeben und so sich ihre und ihre Kinder verschonen. Sie haben aber solches nicht angenommen, sondern sind halsstarrig verblieben. Zwei ihrer Bürgermeister, die zum Akkord geraten, haben sie sogar aufhenken lassen."

30.000 TOTE?

Rechte Ordinari Zeitung, München:

„Leipzig, vom 23. Mai. Durch eignen Kurier, der gestern hier angekommen, wird konfirmiert, dass den 20. die Stadt Magdeburg mit Sturm erobert wurden... Herr Tilly hat mit etlichen hundert Sturmleitern auf den Wall setzen lassen, ist aber oft wieder zurückgetrieben worden. Endlich aber wurde das Äußerste darauf gesetzt und immerzu Feuer hineingeworfen. Darauf die Bürger... etliche Stunden scharmütziert, bis fast mittags, bis der meiste Teil, darunter der Falckenberg, tot geblieben. Dann haben die Tillyschen überhand genommen und alles Mannsvolk mit etlichen Offizieren niedergehauen. So sind mit Weibern und Kindern an die 30.000 Seelen in Rauch aufgegangen. Die ganze Stadt ist verbrannt, bis auf etliche und zwanzig Häuser samt dem Dom... Viele haben sich aus Desperation und Furcht, dass man so grausam mit ihnen umgehen wolle, über die Wälle hinabgestürzt, sind auch teils in die Elbe gesprungen. Es haben sich auch an die 400 Jungfrauen in ein Haus retiriert, das Haus mit Pulver angesteckt und in die Luft gesprengt. Der Jammer ist nicht zu beschreiben, auch in den Historien kaum zu finden. Es haben sich auch etliche hundert Weiber und Kinder in den Dom salviert, welche ins Lager gebracht und wie das Vieh verkauft worden sind. Der Administrator, der in einem Schenkel verletzt, ist neben anderen wenigen Offizieren gefangen worden. Man kann noch nicht wissen, ob die Abbrennung durch Feuerballen oder durch eingelegte Feuer geschehen."

Die Zeitung geht davon aus, dass sich sämtliche Magdeburger während der Erstürmung in der Stadt aufhielten. Das ist sicher unrichtig. Allerdings ist nicht bekannt, wie vielen vorher die Flucht gelang.

„SELBST ANGEZÜNDET"

Mit der nächsten Meldung klärte die Münchener Zeitung die Schuldfrage:

„Particularia oder kurze Erzählung von Verbrennung der Stadt Magdeburg... Durch Anstiftung des schwedischen Feldmarschalls Falckenberg haben ein Teil Bürger, damit den Tillyschen keine Beute zuteil würde, die Stadt oder eine große Anzahl Häuser selbst angezündet und in Brand gesteckt."

Keinem der Befehlshabenden kann unterstellt werden, dass er die Vernichtung einer Stadt samt ihrer Bevölkerung beabsichtigt habe. Schon gar nicht Tilly, der Magdeburg nach Maßgabe des Restitutionsedikts für den Sohn Kaiser Ferdinands in Besitz nehmen sollte.
Wenn Pappenheim und/oder Falkenberg aus taktischen Gründen Feuer legen ließen, so handelten sie gemäß militärischer Bräuche, die bis heute nicht grundsätzlich geächtet sind. Vorsatz lag also nicht vor. Aber der Befehl Tillys, eine Großstadt mit 30.000 Einwohnern „mit stürmender Hand zu nehmen", konnte und kann als völlig unverantwortlich bezeichnet werden. Nach den Regeln durften die Söldner plündern und metzeln, bis ein Befehl ihnen Einhalt gebot. Kaiserliche und ligistische Söldner hatten in viel kleineren Städten Blutbäder angerichtet: Zum Beispiel in Pisek, Prachatice, in Neckargemünd, Hannoversch Münden, Pasewalk und Neubrandenburg. Wenn Offiziere gelegentlich einschritten, dann meistens vergeblich. Tilly ließ mindestens 15.000 Mann auf 30.000 Magdeburger los. Naiv? Fahrlässig? Wie auch immer. In Magdeburg wurde gemetzelt, bis das Feuer die Söldner aus der Stadt vertrieb.

400 ÜBERLEBENDE

Die Anzahl der Toten war schwer zu schätzen. Theatrum:

„Belangend die Anzahl der Erschlagenen und Umgekommenen in Magdeburg: Weil nicht allein das Schwert, sondern auch das Feuer viele aufgefressen, konnte man dieselbe nicht eigentlich wissen. Man hielt dafür, es wären durchs Feuer, wo nicht mehr, doch eben so viel Menschen wie durch der blutgierigen Soldaten Hinrichtung verdorben worden... Es hat der Graf von Tilly wider alle alte Kriegsmanier und Gebrauch, aus einem unchristlichen und teuflischen Eifer, den armen Körpern die Erde nicht gegönnt, sondern sie nach der Elbe führen und ins Wasser werfen lassen. Nach etlichen, die die Anzahl observiert haben wollen, sollen es bis auf den 21. Mai sechstausendvierhundert und etliche vierzig gewesen sein... Aber der größere Teil lag noch in den verfallenen Gewölben, Kellern und Häusern, die wohl in keinem halben Jahr alle möchten hervor gebracht werden... Aus allgemeiner Mutmaßung und Nachrichtung hält man dafür, dass etwa 400 Bürger noch am Leben geblieben sein möchten, welche gefangen ins Tillysche Lager geführt und darin übel gehalten wurden. Es wurde auch hohes Lösegeld von ihnen gefordert, ungeachtet, dass sie auf der Welt nichts mehr gehabt haben."

Die Katastrophe bewegte die Gemüter in ganz Europa. Trauer wurde bekundet, Entsetzen, und grimmige Rachewünsche. Die Potentaten ließen ungerührt weitermachen.

Protestantisches Flugblatt: Engel sammeln die Tränen und die Asche, bereiten daraus eine scharfe Lauge und gießen sie über die Köpfe der Schuldigen, die „Raub, Diebstahl, Mord und Brand verübt".


SCHLAGZEILEN IM THEATRUM

Staaten der Vereinigten Niederlande setzen den Krieg gegen Spanien fort - Englischer Abgesandter begehrt in Wien eine endliche Resolution, ob die Restitution der Pfalz geschehen würde oder nicht - Reformation wird eifrig fortgetrieben - Graf von Tilly bricht mit seinem Lager vor Magdeburg auf und zieht auf Erfurt - Harzbauern gehen hässlich mit den Tillyschen um - Tillysche tun großen Schaden in Thüringen - Ziehen auf Erfurt - Greifswald wird von den Schwedischen eingenommen - König zu Schweden schlägt eine Brücke bei Tagermünde über die Elbe - Verschanzt sich zu Werben - Havelberg von den Schwedischen eingenommen - Graf von Tilly wird nach der Elbe gefordert - Große Freude in Hessen und Weimarischen Landen wegen der Tillyschen Abzug- Herzöge von Mecklenburg nehmen ihr Land wieder ein - Graf von Tilly zieht gegen Werben auf das Schwedische Lager - Tilly legt sich vor das Königliche Lager bei Werben - Graf von Tilly retiriert sich ins Stift Magdeburg

GUSTAV ADOLFS ABSICHTEN

Der schwedische König agierte von Anfang an als Eroberer. Seinem Schwager, dem Kurfürsten von Brandenburg, drohte er solange mit Plünderung ohne Verschonung von Frauen und Jungfrauen etc., bis dieser sein von Wallenstein und Tilly ausgelaugtes Land zur Unterhaltung von 10 schwedischen Regimentern in Kontributionsbezirke einteilte. Auch der „beständige und unauflösliche" Bündnisvertrag, den Gustav Adolf dem hessischen Landgrafen Wilhelm aufnötigte, legte seine Absichten an den Tag: Der König ernannte sich darin zum „Schutzherren" über die besetzten und zu besetzenden Territorien.

ABER WIE SOLL ES WEITERGEHEN?

Ohne ein Bündnis mit Sachsen waren die Pläne des schwedischen Königs zum Scheitern verurteilt. Aber Kurfürst Georg setzte weiter auf den in Leipzig verabredeten Zusammenschluss der deutschen Protestanten. Gustav Adolfs Optionen waren dürftig. Der Kurfürst verfügte über eine starke Armee, war also nicht erpressbar wie der wehrlose Brandenburger. Da die schwedische Armee der Tillyschen nicht gewachsen war, konnte Gustav Adolf im Grunde zwecks geordneten Rückzugs einpacken. Als er diesen tatsächlich erwog, wurde ihm Beistand zuteil, und zwar von unerwarteter Seite. Kaiser Ferdinand ließ kaiserliche Verbände auf Georgs Bundesgenossen im Süden losgehen, die daraufhin verschreckt den „Leipziger Schluss" reihenweise aufkündigten. Kaum war dem Kurfürsten bewusst, dass er ziemlich allein dastand, da stellte ihm Tilly die Aufforderung zu, seine Truppen unverzüglich dem Kaiser zu unterstellen. Im Falle der Weigerung würde die Ligaarmee in Kursachsen einfallen.

SCHLAGZEILEN IM THEATRUM

Kaiserliches Volk zieht aus Italien nach dem Herzogtum Württemberg - Memmingen von Kaiserlichen zu Kassierung des Leipzigischen Schlusses bezwungen - Kempten ergibt sich den Kaiserlichen - Graf von Fürstenberg fällt ins Württemberger Land ein - Administrator von Württemberg kassiert den Leipzigischen Schluss - Kaiserliches Volk haust übel im Württemberger Land - Ulm, Nürnberg und der Fränkische Kreis kassieren gleichfalls den Leipzigischen Schluss - Kurfürst von Sachsen ermahnt seine Bundesverwandten bei der gefassten Resolution beständig zu verbleiben - Graf von Tilly richtet sein Intent auf Sachsen - Er schickt Gesandte am 14. August an den Kurfürsten von Sachsen - Tilly fällt in Sachsen ein - Kurfürst von Sachsen führt sein Volk zusammen - Graf von Tilly haust übel und bemächtigt sich unterschiedlicher Orte in Sachsen

TILLY HAT ES GESCHAFFT

Wenn Tilly sich überhaupt etwas dabei gedacht hatte, war es falsch: Sein Erpressungsversuch musste den Kurfürsten in die Arme der Schweden treiben. Frohgemut registrierte Gustav Adolf in seinem Lager zu Werben, dass Tilly ihm die Überzeugungsarbeit abgenommen hatte, und setzte seine Armee in Richtung Sachsen in Marsch. Noch unterwegs in Brandenburg wurde dem König Post aus Dresden zugestellt: das ersehnte Beistandsersuchen des Kurfürsten. Jetzt war alles klar: Gustav Adolfs Krieg in Deutschland konnte beginnen.

DIE SCHLACHT BEI BREITENFELD

Unbeirrt legte Tilly seine Truppe vor die Stadt Leipzig, die am 15. September kapitulierte. Am selben Tag führten der König und Kurfürst Georg rund 30 Kilometer entfernt in Düben ihre Armeen zusammen. Georg plädierte beim Kriegsrat dafür, eine Schlacht zu riskieren. Gustav Adolf zögerte. Theatrum:

„Er war der Meinung gewesen, man sollte nicht alles auf einmal dem ungewissen Glück und Ausgang einer Generalschlacht übergeben... Jedoch aber hat der Kurfürst von Sachsen auf eine allgemeine Schlacht inständiglich gedrungen, mit Vermelden, dass sonst der Feind aus keinem Land zu bringen sei."

Gustav Adolf willigte ein. Am 17. September brachen die beiden Armeen nach Leipzig auf, laut Theatrum weniger als 30.000 Mann. Tilly erwartete sie beim Dorf Breitenfeld, laut Theatrum mit 30.000 Mann.

„Graf Tilly hat alsbald die ganze Armada ins Feld geführt und in Schlachtordnung gestellt, um der Schwedischen und Sächsischen zu erwarten. Dabei hat er dann in Eile das Lager mit etlichen Trenchen verschanzen und drei Batterien aufwerfen lassen... Als nun die Regimenter und Kompanien allerseits zum Treffen bereit waren, hat man ungefähr von 12 Uhr des Mittags an bis nach 2 Uhr mit Kanonen aufs Heftigste gespielt, und durch viele hundert gewechselte Schüsse ziemlich viel Volk gefällt, inzwischen aber überall scharmützierend avanciert..."

Pappenheim führte 8 Regimenter gegen den rechten Flügel der Schweden, Tilly den Rest der Armee gegen den linken. Die Schweden hielten stand, zwei Stunden lang blieb die Partie unentschieden.

DIE SACHSEN MACHEN SICH NÜTZLICH

„Hierauf ist des Grafen von Tilly Bataillon, in welchem die ganze Macht des Fußvolks bestand, neben der Reiterei, vom Hügel heruntermarschiert. Weil sie von Ihrer Königlichen Majestät Stücken großen Schaden empfingen, haben sie ihre Ordnung so gedreht, dass sie größtenteils die sächsische Armee angefallen. Was von ihrer Reiterei auf den königlichen linken Flügel traf, ist bald getrennt und in die Flucht gebracht worden. Dagegen sind die Kurfürstlichen von ihnen in Unordnung gebracht worden, dass sie mehrenteils darüber die Waffen von sich geworfen und das Feld geräumt haben. Indem aber die Tillyschen schon an den Sieg geglaubt, haben sie sich in Verfolgung und Nachsetzung der Sächsischen zu weit zerstreut..."

Abelin, der das Theatrum kompilierte, benutzte einen schwedischen Bericht. Er ersetzte das Wort „Feind" nicht immer durch „Tillysche"..

„Nachdem der Feldmarschall Gustav Horn mit dem Westgotischen Regiment zu Ross und den Musketieren, die schon zuvor auf dem linken Flügel gestanden, des Feindes Truppen mit Macht angegriffen, ist ihre ganze Bataille gebrochen und zertrennt worden, außer 4 Regimentern, welche sich unter dem Staub salviert haben, der in dem Treffen entstanden war und gleich einer finsteren Macht den Kämpfenden die Sicht nahm. Unterdessen ist I. Kön. Maj. mit ihrem rechten Flügel an das Gehölz gekommen, und hat den Rest der Kaiserlichen und Ligistischen Armee - nach Eroberung dero ganzen Artillerie und wider sie selbst gerichteten 26 Stücken - mit so heroischem Mut angegriffen, dass eine große Anzahl erlegt und die übrigen vollends zerstreut worden sind... Die Flüchtigen haben die Gepäckwagen ihrer eigenen Obristen und Offiziere geplündert und sind zu Tausenden an der Stadt Leipzig vorbeigelaufen. Die schwedische Reiterei ist ihnen spornstreichs nachgesetzt und hat derselben viele auf der Flucht erlegt und stattliche Beute erobert."

TILLY UNDURCHDRINGLICH

„Unterdessen ist das flüchtige kaiserliche und ligistische Volk nach Merseburg, Halle und noch weiter fortgeeilt. Tilly selbst hat sich in großer Eile auf Halberstadt zu gemacht, ob er wohl heftig geschädigt gewesen. Er hatte drei Schüsse empfangen und war auch mit Piken und Pistolen heftig auf Kopf und Arm geschlagen worden... Solche Schüsse und Stöße aber, die Tilly empfangen, sind gleichwohl nicht durchgegangen. Der Balbierer von Halle, welcher ihn unterwegs verbunden hat, hielt dafür, er sei fest oder gefroren... Bei Tillys Marsch nach Halberstadt sind nur 15 Fähnlein und darunter nicht über 600 Mann zu Fuß gesehen worden. Der Feldmarschall von Pappenheim ist mit 40 Kornett Reitern, welche über 1.400 nicht stark gewesen, auch zu ihm gestoßen. Die Bauern auf dem Harz und sonst haben bei dieser Gelegenheit, wo sie ihrer mächtig werden konnten, ihnen großen Schaden getan."

9.000 TOTE

„Die Anzahl derer, die in dieser Schlacht umgekommen, wird allerseits auf 9.000 Mann geschätzt, darunter an schwedischer Seite nicht über 700, an sächsischer fast 2.000, das übrige aber auf Tillyscher Seite gewesen."

GLAUBENSFRAGE

„Feldmarschall Gustav Horn fragte den gefangenen Herzog von Holstein, warum er sich wider seine Glaubensgenossen in Kriegen gebrauchen lasse... Darauf hat der Herzog sich damit entschuldigen wollen, dass es ihm unbekannt gewesen wäre, dass der Kaiser die Reformation mit Gewalt vornehmen wollte."

DER ALLMÄCHTIGE JETZT MIT IHNEN

Nun bedankten sich die Evangelischen bei Gott. Theatrum:

„In Schweden wurde wegen der glücklichen Erfolgs des Königs in Deutschland ein allgemeines Dankfest zelebriert und öffentlich gebetet, dass der Allmächtige ferner seine Gnade und Segen zu dem Evangelischen Wesen geben wolle."

Seit 1831 feiert ein Denkmal bei Breitenfeld den Schwedenkönig als Freiheitskämpfer:

„Glaubensfreiheit für die Welt, rettete bei Breitenfeld, Gustav Adolf, Christ und Held."

Also weder war er´s allein noch herrschte nach 1631 Glaubensfreiheit auf der Welt. Aber etwas wahres ist dran: Die schwedische Besatzer haben in katholischen Städten oder Gegenden nicht „reformiert", also per Dekret einen Konfessionswechsel erzwungen.

SCHLACHTENGLÜCK

Hätten die kaiserlichen und ligistischen Truppen die schwedische Armee aufgerieben, wäre den verbliebenen Leipziger Bundesgenossen nur noch übrig geblieben, den Kaiser um Gnade zu bitten. Ferdinand hatte die Tür zu einem gemäßigten Frieden offen gelassen, indem er Kurfürst Georg nicht zum Reichsrebellen erklärt hatte. Aber so war es in diesem Krieg: Wenn in einer Schlacht die Entscheidung Krieg oder Frieden anstand, ging sie, aus der Sicht der geplagten Menschen, unglücklich aus.

KRIEGSVERHANDLUNGEN

Kurfürst Georg drängte Gustav Adolf, nunmehr Schlesien und Böhmen unter seine Gewalt zu bringen, um dann durch Bedrohung der Habsburger Erbländer Kaiser Ferdinand zum Frieden zu zwingen. Er selbst wollte mit dem wiederbelebten Leipziger Bündnis die Machtverhältnisse im Reich zugunsten des protestantischen Lagers korrigieren, ohne die Reichsverfassung zu gefährden. Der Kurfürst und seine Räte wussten natürlich, dass Gustav Adolf die Oberherrschaft zumindest im Norden des Reichs anstrebte. Und sie lagen richtig damit. Der König lehnte es brüsk ab, in Böhmen einzumarschieren. Er hatte auch ein schlüssiges Argument zur Hand: Die sächsische Armee sei den kaiserlichen und ligistischen Truppen im Reich nicht gewachsen, im vom kaiserlichen Militär praktisch entblößten Böhmen aber habe sie leichtes Spiel. Kurfürst Georg musste zustimmen. Nicht allein wegen der Argumente, sondern weil er ohne die schwedische Armee auf verlorenem Posten gestanden hätte. Gustav Adolf hatte die Führung übernommen.

NEUARTIGE NACHRICHTEN NACH DER WENDE...

Die Sachsen marschierten in Schlesien und Böhmen ein, die Schweden eroberten die Bistümer Würzburg, Bamberg und Mainz. Auch der Landgraf von Hessen-Kassel konnte nun tätig werden. Schlagzeilen im Theatrum:

Landgraf Wilhelm erobert Fritzlar - Altringer und Fugger ziehen sich aus Hessen und Thüringen zurück - Graf von Tilly retiriert sich nach dem Weserstrom - Erfurt von dem König zu Schweden eingenommen - König zu Schweden zieht nach dem Frankenland - Erobert Königshofen - Große Furcht unter den Katholischen über des Königs zu Schweden glücklichen Erfolg - Schweinfurt wird von dem König zu Schweden eingenommen - Würzburg wird von dem König zu Schweden durch Übergebung, das Schloss aber mit stürmender Hand erobert

UND DIE GEWOHNTEN NACHRICHTEN

Gustav Adolfs Einmischung hatte den Krieg verlängert, aber nicht verändert. Theatrum:

„Nachdem der König mit guter Ordnung vor Würzburg angelangt, hat er die Tore geschlossen gefunden. Weil nun keine gütliche Öffnung erfolgte, sind solche gesprengt, die Vorstadt mit Gewalt eingenommen und von den Soldaten geplündert worden. Als die Soldaten, und mit ihnen viele Bürger, Weibspersonen und Mönche, mit ihren besten Sachen, auch vielen Kaufmannswaren, sich aufs Schloss salviert, ward der König sobald in die Stadt eingelassen."

ERSTÜRMUNG DER FESTUNG MARIENBURG

„Unangesehen kontinuierlichen Schießens hat der König gegen das Schloss mit aller Macht Gräben ausheben lassen. Nach 4 ganzen Tagen und Nächten lang ausgestandener gefährlicher Mühe und Arbeit sind die Schwedischen den 8. Oktober früh beim Turm an der Schlossbrücke mit den Laufgräben angelangt. Selbigen auch alsbald mit stürmender Hand einbekommen. Da die Brücke zum Tor des Vorhofs abgeworfen war, kamen sie nicht weiter und mussten etwas zurückweichen."

ÜBERALL TOTE

„Beim zweiten Sturm wurde das Schloss auf beiden Seiten zugleich mit Gewalt erstiegen. An die 1.500 Soldaten wurden niedergemacht. Mehr als zwanzig Mönche und in Summa, was in der Furie von den königlichen Soldaten ergriffen wurde, hat müssen Haare lassen. Daher lagen im Schloss, auf dem Hof, in der Schlosskirche und in der Sakristei überall Tote. Mehr als 100 Weibspersonen, Bürgersfrauen und Nonnen, neben des Bischofs Edelknaben, etlichen Gelehrten, Ratsherren und anderen vornehmen Leuten wurden gefangen und mussten Lösegeld bezahlen."

KÖNIGLICHE BEUTE

„Im Schloss wurde ein stattlicher Vorrat an Proviant, Munition, 30 Stück Geschütze und an Gold- und Silbergeschmeide, auch barem Geld, ein unermesslicher Schatz angetroffen und erobert. Der fürstliche Stall war voller stattlicher Pferde, es gab Wein auf etliche Jahre Vorrat, und in Summa, was ein König zu seiner Königlichen Hofhaltung vonnöten hat."

GUSTAV ADOLF - KAISER?

Gustav Adolf nahm nicht nur ein und eroberte. Mehrfach handelte er auch, als sei er der oberste Lehnsherr. Das Bistum Würzburg verwandelte er in eine weltliche Herrschaft. Er nahm Reichsstädte „in Schutz", und damit die Stelle des Kaisers ein. Das kaiserliche Messeprivileg in Frankfurt ersetzte er durch ein eigenes. Schlagzeilen:

- Nürnberg begibt sich in Schwedischen Schutz - Bischof von Bamberg handelt um einen Frieden bei dem König zu Schweden - König zu Schweden richtet eine neue Landesregierung im Bistum Würzburg an - Hanau, Aschaffenburg und Rostock von den Schwedischen eingenommen - Kaiserliche erleiden von den Schwedischen bei Magdeburg großen Verlust - Niedersächsischer Kreis stellt sich gegen die Kaiserlichen und Ligistischen - Herzog Georg von Lüneburg tritt auf des Königs Seite - Landgraf Wilhelm zu Hessen erobert Münden - König bekommt Frankfurt am Main zu seiner Versicherung ein - Höchst wird vom König zu Schweden eingenommen - Kurfürst von Mainz flieht nach Köln - Mainz wird belagert - Graf von Tilly erobert Rothenburg und Winsheim und legt sich vor Nürnberg (18. Nov.) - Tilly zieht vor Nürnberg ab - Der König vereinigt sich völlig mit der Stadt Frankfurt - Bemächtigt sich der Stadt Oppenheim - Spanier und Lothringer weichen aus der Pfalz - Lothringer hausen tyrannisch in Worms - Mainz von dem König zu Schweden mit Akkord eingenommen (13. Dez.) - Lässt ein Mandat zur Versicherung der Frankfurter Messe publizieren - Spanier quittieren die meisten Orte in der Wetterau - Speyer, Landau und Kronweißenburg treten auf des Königs Seite - Mannheim wird von den Schwedischen erobert - Feldmarschall Gustav Horn erobert Mergentheim und Heilbronn - Kaiserliche Besatzung zieht aus Wismar

DIE SACHSEN IN BÖHMEN

Als der sächsische Feldherr Arnim bemerkte, dass die kaiserlichen Verbände nach Schlesien zurückwichen, folgte er ihnen nicht, sondern marschierte in Böhmen ein. Theatrum:

„Dieses Einbruchs halber ist in Böhmen, weil sich niemand dessen versehen, große Furcht entstanden, und sind dahero nicht allein aus den kleinen Städtlein und Flecken, sondern auch aus der Stadt Prag die vornehmsten Einwohner und königlichen Landoffiziere mit ihren besten Sachen nach Budweis und Wien gewichen. Der Reformationssekretarius Hegner wurde anderthalb Meilen von der Stadt von etlichen sächsischen Reitern aufgesprengt, erschossen und sein Weib und Kind neben 15.000 Reichstalern weggeführt... Als nun die sächsische Armee auf Prag vorrückte, haben sich der Statthalter und die meisten Geistlichen davon gemacht, sowie auch der Herzog von Friedland, Don Balthasar und die kaiserlichen Offiziere. Der sächsischen Feldmarschall Arnim ließ die Bürgerschaft wissen, dass ein jeder bei seiner Religion gelassen und der Leibeigenschaft befreit werden sollte."

Am 1. November handelte Arnim einen ungewöhnlich zivilisierten Übergabevertrag mit den Vertretern der Prager Bürgerschaft aus.

„1.) Alle Soldaten, sobald sie in die Stadt gebracht, sollten sich friedsam halten und niemandem an Gut, Leib oder Leben einigen Schaden zufügen.

2.) Die Prager Städte sollten mit der Einlagerung der Soldaten in der Bürger Häuser nicht beschwert, noch Klöster, Kollegien und Kirchen geplündert werden, sondern die darin anwesenden geistlichen Personen sollten darin frei und sicher bleiben und ihnen kein Schaden oder Hindernis von den Soldaten angetan werden."

Auch die weiteren Artikel zeugen von der Absicht, einen friedlichen Ausgleich mit dem Kaiser nicht zu erschweren. Außerhalb Prags ging es rauher zu. Theatrum:

„ Darauf sind die vertriebenen und einst ausgewiesenen Evangelischen, die bisher im Elend herumziehen mußten, nach und nach in den Städten und auf dem Land wieder angekommen. Sie begaben sich in ihre Häuser und Güter, welche ihnen die Katholischen bei der vorgegangenen Reformation abgenommen hatten, und nahmen sie wieder in Besitz. Die böhmischen Bauern begaben sich unter diesen Umständen auf die sächsische Seite und plünderten die Güter ihrer weltlichen und geistlichen Oberherrn. Sie schlugen sie auch wohl gar tot, wenn sie dieselben antrafen. Dergleichen taten sie auch mit den kaiserlichen Soldaten, wo ihnen dieselben in die Hände gerieten."

EROBERUNGEN, DEFENSIV

Während Kursachsen sich in Böhmen verhielt, als sei es nur zum Besuch gekommen, nahm Gustav Adolf in Deutschland offensiv für sich, protestantische Fürsten und seine Heerführer Bistümer, Abteien und Klöster in Besitz. Schon die damalige Politik beherrschte die Wortverdrehungskünste, die Orwell erst für das Jahr 1984 voraussah. Gustav Adolf ernannte sich in den bilateralen Bündnisverträgen „Haupt und Direktor der evangelischen Devensionsverfassung". Mit diesen „immerwährenden" Verträgen zwang er vor allem die von den kaiserlichen Edikten und Truppen gebeutelten protestantischen Landesherren ihn als „Direktor" anzuerkennen: die Herzöge von Sachsen-Anhalt, Sachsen-Weimar, Lüneburg, Wolfenbüttel, Mecklenburg, Württemberg, die Grafen der Wetterau, der Markgraf von Durlach und der Landgraf von Hessen-Kassel. Mit moderateren Verträgen band der König die Städte Lübeck, Hamburg, Bremen, Braunschweig, Lüneburg, Hildesheim, Frankfurt, Ulm, Nürnberg und Straßburg an sich.

LANDESFÜRST

Größere Bistümer nahm Gustav Adolf selbst in Besitz, oder bereitete die Besitznahme vor: Magdeburg, Mainz und Würzburg. Im Stift Würzburg zwang er die Stände, ihm als Landesfürst zu huldigen. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass Gustav Adolf dort den „immerwährenden" Landesherren geben wollte. Bei Friedensverhandlungen konnten die Bistümer gegen Bares eingehandelt werden, bei einer Neuordnung des Reiches müßte man verdienstvolle Gefolgsleute belohnen. Kleinere geistliche Güter vergab der König sogleich: An Herzog Wilhelm von Kassel die Stifte Paderborn, Fulda und Corvey, an den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel das Stift Hildesheim, an den Herzog von Lüneburg das Stift Minden. Dem Feldherrn Gustav Horn wurde das Territorium des Deutschen Ordens um Mergentheim zuteil.

ER WOLLTE KAISER WERDEN

Wollte Gustav Adolf Kaiser werden? Ein Gesandter des Königs hat es dem Rat der Stadt Nürnberg gesteckt, und sicher nicht ohne Wissen des Königs. Das katholische Lager war ohnehin überzeugt, dass der König Kaiser werden wollte, und hielt das für sehr böse. Dabei war es mit der Reichsverfassung völlig vereinbar, einen „ausländischen" Fürsten zum Kaiser zu wählen. So wurde dem König das einzig legale Vorhaben in Deutschland besonders übel genommen.

FORDERUNGEN VERHINDERN FRIEDEN

König Christian IV. von Dänemark vermeinte, für eine Friedensinitiative mit den begehrten Braunschweigischen Bistümern belohnt zu werden und führte Verhandlungen zwischen Wallenstein und Kurfürst Georg herbei. Der kaisertreue hessisch-darmstädtische Landgraf Georg schlug einen Ausschuss geistlicher und gemäßigter protestantischen Fürsten vor, der die gegenseitigen Forderungen gütlich vergleichen sollte. Ihm drohte verloren zu gehen, was er seinem Verwandten in Hessen-Kassel mit Hilfe des Kaisers an Land und Leuten abgenommen hatte. Trotz der durchschaubaren Motive setzen die Initiativen rege diplomatischen Aktivitäten in Gang. Das Interesse ließ allerdings nach, nachdem alle Beteiligten ihre Forderungen gestellt hatten. Die Kleinen erwiesen sich als unentwirrbares Gestrüpp, die Großen widersprachen sich. Gustav Adolf bestand auf der Rückgabe aller Kriegsgewinne des Hauses Habsburg und seiner Verbündeten. Kurfürst Georg wollte dagegen nur den in Deutschland geschädigten Lutheranern zu ihrem alten Besitzstand verhelfen, aber nicht den protestantischen Ständen im Königreich Böhmen. Georgs gemäßigte Forderung war angesichts der militärischen Lage für Kaiser Ferdinand verhandelbar, weil ein Frieden auf dieser Basis Habsburg-Österreich nur unwesentlich geschwächt hätte. War das schwedische Militär erst abgezogen, würde man weitersehen. Gustav Adolf, den das Wunschdenken der deutschen Protestanten schon immer amüsiert hatte, blieb bei seinen Maximalforderungen. Der Friede sollte ihm möglichst viel einbringen und die Habsburger soweit schwächen, dass sie ihn auch dauerhaft einhalten mussten.

RICHELIEU MACHT MOBIL

Nachdem Frankreich in Italien die spanischen und kaiserlichen Truppen aus den Feld geschlagen hatte, konnte sich Kardinal Richelieu im Januar 1631 wieder den Händeln im Reich zuwenden. Seine Diplomaten versuchten mit allen Mitteln der Überredungskunst, einen Keil zwischen die katholischen Fürsten und Kaiser Ferdinand zu treiben. Richelieus Plan: Schweden sollte sich allein der Niederwerfung Österreichs widmen, während die deutschen Fürsten ihre Neutralität erklären sollten. Letztere brauchten nicht lange nachzudenken, was für sie dabei herausgesprungen wäre, denn Gustav Adolf war dagegen. Richelieu zahlte trotzdem weiter Subsidien an Schweden und bereitete die Annexion angrenzender Reichsgebiete vor: Französische Truppen vertrieben kaiserliche aus dem Bistum Metz und rückten als „Schutzmacht" im Bistum Trier ein. Der offene Kriegseintritt Frankreichs war nur eine Frage der Zeit.

KNAUSERIGE POTENTATEN

Kaiser Ferdinand ließ die katholischen Mächte wissen, durch den Vormarsch der alliierten Protestanten sei die ganze heilige Kirche mit ihrem Glauben in höchste Gefahr geraten. Er hatte wohl übersehen, dass die Vorschützung ideeller Motive zur Verwirrung des Volkes ersonnen worden war, und nicht um Potentaten zu beeindrucken. Wenn Ferdinand von einer „Mission" erfüllt war und glaubte, was er verkündete, so war er der einzige. Spanien hatte keine Truppen übrig und Papst Urban VIII. weigerte sich, Frankreich mit dem Kirchenbann zu drohen. Geld sagten sie alle zu, wenn auch unwillig und zu wenig.

WALLENSTEIN ZURÜCK IM CLUB

Auf die klassischen Potentaten konnte Ferdinand also nur begrenzt setzen. Aber es gab ja noch einen des neueren Typs, der schon einmal ausgeholfen hatte. Als im Kriegsrat des Kaisers der Vorschlag aufkam, Wallenstein wiedereinzustellen, gab es zunächst Streit. Es war bekannt, dass Wallenstein politische Kontakte zum protestantischen Lager unterhielt: Zum sächsischen Hof über Georgs Feldherren Arnim (der einst unter Wallenstein gedient hatte), zu Gustav Adolf über den böhmischen Emigranten Graf Thurn. Aber Ferdinand ließ sich von den Gönnern Wallensteins im Kriegsrat überzeugen. Im Dezember 1631 übernahm Wallenstein den Auftrag, die kaiserliche Armee zu reorganisieren und frische Verbände aufzustellen. Im April 1632 ernannte ihn der Kaiser zum General-Obersten-Feldhauptmann. Er wurde ausdrücklich befugt, mit Kursachsen über einen Separatfrieden zu verhandeln.

ACHTUNG WALLENSTEIN

Kaiser Ferdinands Sohn, auch ein Ferdinand, Erzherzog, König von Böhmen und Ungarn, hatte den Oberbefehl über die Armee für sich beansprucht, war aber am Widerstand Wallensteins gescheitert. Wallenstein musste aufpassen: Er hatte sich den zweitmächtigsten Mann in der österreichischen Filiale des Hauses zum Feind gemacht.

KRIEGSFOLGEN IN DEN ERBLANDEN

In Österreich mussten die Reichen jetzt ihre Schatullen öffnen, während es die gemeinen Untertanen mit den Gebräuchen der Soldateska zu tun bekamen. Theatrum:

„Hierauf nahm der Herzog von Friedland sein Hauptquartier in Mähren, und überall in den kaiserlichen Erb- und anderen umliegenden katholischen Landen wurde Volk zu Ross und Fuß geworben. Der Obrist Tieffenbach hat das unter seinem Kommando habende kaiserliche Kriegsvolk dem von Friedland übergeben, welches samt dem neu geworbenen in den kaiserlichen Erblanden mit großer Beschwernis der Untertanen einquartiert wurde. Diese neu Geworbenen, und sonderlich die Ungarn, sind oft wieder ausgerissen und haben mit Plündern und Rauben großen Schaden getan, aber die ungarischen Bauern haben viele von ihnen erschlagen... Zur Wiederaufrichtung der kaiserlichen Armada geschahen große Anlagen. Der König in Hispanien versprach bald zum Anfang dreihunderttausend Dukaten, der König Ferdinand in Ungarn und Böhmen dreihunderttausend Reichstaler, der Fürst von Eggenberg hunderttausend Reichstaler, der Bischof zu Wien achtzigtausend Reichstaler, der Kardinal und Fürst von Dietrichstein hunderttausend Gulden, Graf Michna hunderttausend Böhmische Taler und der Reichsvizekanzler von Stralendorff achtzehntausend Dukaten herzugeben."

SCHWEDISCHE HOFHALTUNG ZU FRANKFURT

Während Hunderte von Bauarbeitern die Mauern Wiens verstärkten, ging es in Frankfurt am Main recht sorglos zu. Das Theatrum über die Ankunft der schwedischen Königin am 20. Januar 1632:

„Sie ist des Abends glücklich angekommen und mit Losbrennung des groben Geschützes empfangen worden, dabei hat auch die Bürgerschaft in den Gassen in ihrer Rüstung aufgewartet. Damals haben sich unterschiedliche Fürsten, Grafen und hoher Häupter Abgesandte in besagter Stadt befunden und I. Kön. Maj. aufgewartet. Um selbige Zeit ist auch der schwedische Reichskanzler, Axel Oxenstierna, bei dem König angelangt. Auch ist König Friedrich von Böhmen, auf I. Kön. Maj. zu Schweden Aufforderung aus Den Haag, nachdem kurz zuvor seine Gemahlin einen jungen Sohn zur Welt gebracht, den 11. Februar bei I. Kön. Maj. zu Schweden angekommen, und demselben zur Fortsetzung des Kriegs und Wiederbesetzung seiner Länder eine starke Summe Geldes erlegt. Der König in Schweden hat auch bei seinem ganzen Hof befohlen, ihn mit seinem königlichen Titel anzusprechen."

SCHWEDISCHE LANDNAHME

Inzwischen war der Krieg wieder richtig in Fahrt gekommen. Die angeschlagenen Truppen Pappenheims und Tillys und wichen der schwedischen Hauptarmee aus, setzten kleineren Heeresabteilungen der Alliierten nach und nahmen sich unterwegs auch die Zeit, die eine oder andere Stadt zu besetzen oder im Sturm zu erobern. Die schwedische Landnahme konnten sie nicht verhindern. Nachrichten im Theatrum:

Schwedische erobern Kreuznach und Bacherach - Kaub und Pfalz im Rhein werden von den Hessischen eingenommen - Mainz wird von den Schwedischen stark befestigt, auch gegenüber eine neue Stadt gebaut - Bamberg wird von den Schwedischen eingenommen - Graf von Tilly zieht wider den Schwedischen Feldmarschall Gustav Horn in das Bistum Bamberg - Gustav Horn retiriert sich von Bamberg - König zu Schweden zieht mit seinem Kriegsvolk von Mainz nach dem Frankenland, den Grafen von Tilly mit Ernst anzugreifen - Königlich schwedisches Mandat wegen der bevorstehenden Frankfurter Fastenmesse - Pappenheimische hausen übel um Magdeburg - Pappenheim quittiert Magdeburg - Magdeburg wird restauriert und im selbigem Erzbistum das evangelische Religionswesen wieder aufgerichtet - Pappenheim zieht nach der Weser - Göttingen wird mit Sturm von Herzog Wilhelm von Weimar erobert - Marburg, Münden Amöneburg und andere Orte werden von Landgraf Wilhelm eingenommen -Pappenheim erobert Einbeck mit Akkord - Hessische werden von dem Pappenheimer geschlagen - Lüneburgische werden von den Pappenheimischen geschlagen - Stade wird von den Schweden belagert - Pappenheim entsetzt Stade - Pappenheim quittiert Stade - Schwedische haben Victory wider die Kaiserlichen in Schwaben - Kaiserliche hausen übel im Elsass und der Markgrafschaft Durlach - Spanier nehmen Neustadt und Speyer ein - Spanische werden bei Mainz von den Schwedischen geschlagen - Spanier verlassen Speyer - Krabaten tun großen Schaden um Prag (10. März 1632) - Es wird der König zu Schweden und General von Tilly in einer Komödie repräsentiert - Graf von Tilly zieht aus dem Bistum Bamberg zurück - König zu Schweden kommt nach Nürnberg - Nürnberger tun dem König eine ansehnliche Schenkung - Nürnberger tun dem König und seinen hohen Offizieren große Ehre an - König setzt dem Tilly nach - Tilly weist dem König den Weg in Bayern - König zu Schweden erobert Donauwerth

DONAUWÖRTH GEPLÜNDERT

1607 hatte der Bayernherzog Maximilian die Stadt Schwäbischwerth (heute Donauwörth) annektiert - gleichsam als Ouvertüre der gewalttätigen Gegenreformation. Noch immer lagen bayrische Soldaten in der Stadt, und deren Kommandeur wollte nicht kapitulieren. Theatrum:

„Als nun I. Maj. diese Antwort empfangen, haben sie die Stadt rundum diesseits der Donau belagert und alsobald die dieselbe beschießen lassen. Die in der Stadt antworteten ziemlich stark mit Falkoneten, Doppelhacken und Musketen. Sonderlich waren an der Donau über der Brücke drei Häuser, inwendig teils mit Holz, teils mit Salz dick belegt, in welchen eine ziemliche Anzahl Soldaten stark und nacheinander Feuer gaben. Auf diese aber wurde auf des Königs Anordnung von der Höhe dermaßen geschossen, dass sie nacheinander übers Feld wieder in die Stadt hineinschlichen... Hierauf hörte man ungefähr um 9 oder 10 Uhr des Abends über die Brücke Bagage und Reiter aus der Stadt marschieren. Auf welche der König aus Stücken und Musketen hat schiessen lassen... Auch anderen Orts kamen etliche hundert und versuchten mit Gewalt durchzubrechen, wurden aber also empfangen, dass in 300 auf der Wallstatt liegen blieben und ein großer Teil gefangen wurde... Unter diesen Umständen brachen die Schweden in die Stadt ein, hauten nieder, was sie noch von den Tillyschen antrafen. Die Bürger wurden geschont, doch mussten sie in der Furie auch wider I. Maj. Willen die Plünderung ausstehen... Von den Tillyschen lagen in und um die Stadt und auf der Brücke über 500 Tote, die alle in der Donau begraben wurden."

BAYERN IN GEFAHR

Herzog Maximilian, um sein bisher vom Krieg verschontes Bayern besorgt, eilte ins Lager der Ligatruppe und ermahnte Tilly, die Schweden am Lech aufzuhalten. Theatrum:

„Al die Bayerischen sich um Rain zu verschanzen anfingen, schlug der König diesseits des Lechs, etwa zwei Stunden von Rain um Nordheim das Lager auf. Die Bayerischen hatten sich mit etlichen Regimentern in ein Gehölz gelegt und sich stark verschanzt... An einer Flusskrümmung ließ der König den 3. April drei Batterien, aufwerfen und mit einem Erdwall schützen. Hierauf wurde eine große Anzahl großer und kleiner Stücke plantiert und damit kreuzweise heftig auf besagtes Holz gespielt. Der König ließ eine Brücke über den Lech schlagen, die ganze Nacht wie auch den folgenden Tag. Damit der Feind nicht sehen könnte, was man eigentlich vorhätte, ließ er nicht allein unaufhörlich auf das Holz schießen, sondern auch an der Brücke den ganzen Tag über von Pech und andern rauchenden Materien einen großen, dicken Rauch machen. Als nun die Brücke am 5. April fertigt war, schickte der König 300 Finnländer (deren jedem 10 Reichstaler versprochen worden) hinüber, welche mit großer Behendigkeit eine Schanze aufgeworfen. Die Bayerischen spielten zwar stark darauf, fielen auch drei Mal darauf an, konnten aber doch nichts ausrichten. Wie nun der König mit dem Schießen aus groben Stücken (dabei er dann selbst in Person bei sechzig Schuss verrichtet) auf das Gehölz immerfort ernstlich anhalten ließ, ward dadurch ein schreckliches Donnern und Krachen in dem erwähnten Gehölz verursacht, als wenn viele Holzhauer zugleich darin arbeiteten. Das im Wald befindliche bayerische Volk empfing nicht allein von den schwedischen Stücken heftigen Schaden, sondern auch von fallenden Bäumen und Ästen... Demnach nun der König mit der Armee anfing hinüber zu setzen, auch unterhalb der gemachten Brücke die Reiterei eine Furt durch das Wasser fanden und mit den Tillyschen, deren etliche Truppen sich aus dem Wald hervor getan, aber bald wieder zurück geschlagen waren, zu scharmützieren anfingen..."

TILLY SCHEIDET AUS

„Unter solchem Verlauf aber erlitt der Graf von Tilly mit einem Schuss durch das dicke Teil des rechten Schenkels eine tödliche Verwundung. Etliche vornehme Offiziere wurden neben über 600 gemeinen Soldaten niedergemacht. Daraufhin riet der Herzog von Bayern zum Rückzug. Des Abends wurde die Bagage wie auch meistenteils Tote auf Wagen fortgeführt. Hernach in der Nacht brach die übrige Armee auf und retirierte sich mit großer Konfusion auf Neuburg und Ingolstadt. Tilly wurde auch nach Ingolstadt gebracht... Er ist etliche Tage hernach, nachdem ihm vier Splitter aus dem Bein genommen worden und er unsägliche Schmerzen erlitten hatte, in Ingolstadt gestorben."

ABELINS NACHRUF

„Ein solches Ende hat genommen Johann Tserclaes Graf von Tilly, des Kaisers und der Katholischen Ligae General Leutnant, welcher zwar durch seine Kriegserfahrenheit und unterschiedliche Victorien, die er wider des Hauses Österreichs Gegner hin und wider im Reich erhalten, einen großen Namen erlangte, aber hernachmals seine Heldentaten durch die Retirada aus Mecklenburg und die darauf erfolgte tyrannische Zerstörung der Stadt Magdeburg und Hinrichtung so vieler tausend unschuldiger Seelen gänzlich verdunkelte, und hat so seiner erlangten Ehre und Ruhm einen unauslöschlichen Schandflecken angefügt. Es wurde referiert, er hätte vor seinem Absterben das Verfahren mit Magdeburg sehr beseufzt, und dass es also hergegangen, dem Grafen von Pappenheim viel Schuld zugemessen."

DER SCHLÜSSEL NACH BAYERN

„Nachdem nun der König den 6. April des Morgens früh vermerkt, dass sich die bayrische Armee retiriert hatte, ließ er etliches Volk ihnen nachsetzen. Welche noch viele in der Flucht niedergemacht, also dass die Anzahl der Erschlagenen von der bayerischen Armee sich auf tausend Mann belief. Daneben wurden auch etliche hundert gefangen und in dem Holz, da sie gelegen, und viel Harnisch, Musketen und andere Sachen gefunden. Das Städtlein Rain, welches die Bayerischen nach dieser Niederlage gleichfalls verließen, bekamen die Schwedischen auch mit Akkord ein, fanden darin 4 Stück Geschütz neben einer Anzahl Proviant und Munition, und mussten die Einwohner für die Verhinderung der Plünderung etliche tausend Reichstaler bezahlen. Es war also der Schlüssel in Bayern zu kommen gefunden."

GLAUBENSHELD IN AUGSBURG

Abelin lässt nun im Theatrum eine gewisse Rührung seines Protestantenherzens erkennen:

„I. Kön. Maj. hat um den 14. April um den Mittag den Einzug feierlich in Augsburg gehalten, und ist von den Geschlechtern und der Bürgerschaft begrüßt und mit großer Freude empfangen worden. I. Maj. sind alsbald ohne Absteigen auf die Kirche S. Anna zugeritten, hat sich hinein begeben und allda neben dem evangelischem Gottesdienst die Augsburgische Konfession wieder eingeführt - in Gegenwart König Friedrichs von Böhmen, Herzog Willhelms zu Sachsen Weimar, Herzog Hansens von Holstein und Markgrafs Christof von Baden-Durlach. Ebenfalls anwesend waren Abgesandte vieler Fürsten, unzählige Grafen, Obristen und andere vornehme Herren, sowie der wieder eingesetzte evangelische Rat und sonst viele tausend Menschen."

TE DEUM LAUDAMUS AUF DEUTSCH

„Dabei wurde erstlich eine schöne Musik gehalten und der 103. Psalm gesungen. Auf welches H.D. Fabricius, königl. Hofprediger, eine schöne Predigt getan, deren Text folgende Worte aus dem 12. Psalm gewesen: Weil die Elenden zerstört werden und die Armen seufzen, will ich, spricht der HERR, eine Hilfe schaffen. Dieser Text ist auf gegenwärtigen Zustand bezogen worden, welches dann bei hohen und niederen Standespersonen eine solche Freude und Frohlocken verursachte, dass auch vor Freude viele Tränen darüber vergossen wurden. Nach vollendeter Predigt hat man das Te Deum Laudamus deutsch gesungen, worauf dieser geistliche Akt mit einer schönen Musik beschlossen wurde. In andern Kirchen ist auch dergleichen geschehen, und so haben die evangelischen Einwohner mit herzlicher Freude, Eifer und Andacht den Gottesdienst verrichtet, da unterdessen den Katholischen das Herz hätte brechen mögen."

AN STELLE DES KAISERS

Alsdann brach die Augsburger Bürgerschaft die Reichsverfassung. Theatrum:

„Nach diesem Akt sind I. Kön. Maj. neben erwähnten Potentaten, Fürsten und Herrn nach dem Weinmark in Marquardi Fuggers Behausung, da I. Maj. logiert, geritten. In der Prozession passierten vorher die hohen Offiziere, Generäle und Obristen, hernach die anwesenden Grafen und Herren und darauf der neu eingesetzte evangelische Rat. Da dann auf dem Platz etliche Regimenter Fussvolk in Ordnung gestanden, ist auch die ganze Bürgerschaft auf gedachtem Platz erschienen und hat der Köngl. Maj., welche unterdessen in einem Fenster gestanden, die Huldigung abgelegt."

RECHTMÄSSIGE OBRIGKEIT

„Ihre Majestät. haben erstlich zu der Bürgerschaft mit entblöstem Haupt eine Oration getan, hernach durch den königl. Secretarium Philippum Sattlern den Eid ablesen lassen, des Inhalts: Kö. Maj. und dero Krone Schweden getreu zu verbleiben, dero Nutzen und Bestes zu befördern, dero Schaden und Nachteil aber zu hindern, in Summa alles zu tun, was Untertanen ihrem natürlichen Herrn und rechtmäßiger Obrigkeit zu tun schuldig seien, so wahr ihnen Gott helfe an Seele und Leib."

MIT KANONEN AUF DEN KÖNIG GESCHOSSEN

Kanzler Oxenstierna blieb als des Königs Statthalter mit einer schwedischen Garnison in Augsburg. Der König machte sich am 15. April mit der Armee auf den Weg, um die Grenzfestung Ingolstadt einzunehmen.. Theatrum:

„Aber es ging an diesem Ort, weil es mit Wällen, Gräben, Schanzen und allerhand Notdurft der Defension aufs beste versehen war, sehr hart zu. Die Schwedischen eroberten zwar den 20. April eine Schanze vor der Brücke, als sie aber auf die große Schanze nächst dabei auch einen Anfall taten, wurden sie mit Verlust etlicher Offiziere und vieler Soldaten abgetrieben. Der König selber war diesen Tag in großer Gefahr. Denn als er etwas an der Donau rekognoszieren wollte, ward ihm das Pferd unter dem Leib nahe an den Waden hin durch ein Stück aus der Stadt erschossen."

KANONEN UND KUNSTWERKE

Nächstes Ziel: Die bayrische Residenzstadt. In Freising boten ihre Abgesandten dem König zuwenig Bares an. Theatrum:

„Derhalben der König mit der Armee auf München fort rückte. Da die Einwohner dieses vernommen, krochen sie zum Kreuz und entschlossen sich sämtlich, dass sie sich gutwillig ergeben wollten. Worauf dann die ältesten Herren der Stadt die Schlüssel samt dem Gehorsam I. Maj. entgegen getragen, und dieselben I. Kön. Maj. mit Bitte und tiefster Demut übergeben, die der König auch in Gnaden angenommen. Er ist den 17. Mai mit der Armee vor der Stadt angekommen, das Volk in Schlachtordnung gestellt und mittags gegen 12 Uhr mit drei Regimenten, neben König Friedrich, Pfalzgrafen August, dem Herzog von Weimar und Holstein, auch anderen Grafen, Herren, Obristen und Offizieren in die Stadt geritten, die übrige Armee und Bagage aber, welche sehr groß war, um die Stadt sich gelagert. Beide Könige zogen in das Schloss, die anderen Fürsten und Herren aber in die vornehmsten Häuser ein. Des andern Tags gingen sie sämtlich in die Zeughäuser, die allernächst bei der Residenz waren, selbige zu visitieren und was vorhanden wäre zu suchen. Da fing man nun an, die Toten (denn also sagten die bayerischen Bauern) aufzuwecken. Gemeint sind die schönsten Geschütze, die in der Erde verborgen waren... Die Bauern, die zum Ausgraben bestellt, waren zu solcher Arbeit sehr willig, weil der König ihnen eine Hand voll Dukaten gab und sich selbst zu ihnen auf die Blöcke niedersetzte und wies, wie sie die Stücke herausziehen sollten... Es wurden 140 Stücke gefunden worden, davon zweiundachtzig der allergrößten und schönsten Geschütze. Unter denen waren in fünfzig doppelte, halbe und ganze Kartaunen, die zwölf Apostel und ein sehr großes Stück, die Sau genannt. Diese Stücke waren teils aus der Pfalz geführt, teils in der Prager Schlacht erobert, teils Herzog Christian von Braunschweig, teils dem König in Dänemark abgenommen worden. Außer diesen Stücken wurde nun auch viel Munition und anderes Gut gefunden. Und weil sich immer eins nach dem andern entdeckte, erlustigte der König sich also darüber, als wenn er ein ganzes Königreich bekommen hätte. Ließ auch alle Geschütze und andern Sachen, die in der Kunstkammer gefunden wurden, alles weg nach Augsburg und anderswohin führen. Es wurde also in Bayern verfahren, wie man in vorigen Jahren in der Pfalz vorgegangen war. Es sind auf dem Schloss viele neu gemachte Soldatenröcke von gelber, blauer und grüner Farbe gefunden, und damit etliche Regimenter unter der schwedischen Armee bekleidet worden. Sonst wurde den abwesenden Bürgern und Einwohnern kein Leid zugefügt. Die Häuser der Geflohenen wurden ausgeplündert und verwüstet."

DIE REICHEN TUN NICHTS FÜR DIE STADT

Der hohe Klerus, der Hofstaat und die reichen Bürger hatten sich natürlich mit ihren Wertsachen abgesetzt. Die Zurückgebliebenen behaupteten, die von Gustav Adolf geforderten 400.000 Reichstaler nicht aufbringen zu können. Theatrum:

„Schließlich wurde akkordiert, dass sie 300.000 Reichstaler Brandschatzung geben sollten. So gaben auch das Bistum Freisingen 200.000 und Landshut 100.000 Reichstaler."

HUNDERTE VON DÖRFERN ABGEBRANNT

Die Bauern hielten die Schweden völlig zutreffend für Feinde. Abelin, ihre Motive wohl doch verkennend im Theatrum:

„Die Bauern in Bayern, die gleichsam in Rosen und Violen gesessen, während andere Länder das äußerste Elend und Desolation erfahren mussten, sind zu früh der Händel überdrüssig geworden."

„Händel" soll heißen: die Beschlagnahme von Nahrungsmitteln und Brandschatzungen.

„Sie fingen am, mit den schwedischen Soldaten, wenn sie selbige in geringer Anzahl antrafen, jämmerlich umzugehen und sie aufs grääulichste hinzurichten. Sie haben ihnen die Hände und Füße abgehauen, die Augen ausgestochen, Nasen und Ohren abgeschnitten und sie mit andern unmenschlichen Martern umgebracht. Wegen dieser Untaten und Mörderei ergrimmte das schwedische Volk über die Bauern und verfolgte sie erbittet mit Feuer und Schwert, um solches zu rächen. Es sind dann nicht wenige hingerichtet und etliche hundert Dörfer in Bayern angezündet und in Asche gelegt worden. Welches große Furcht und Schrecken im Land verursacht.

GENUG VOM KRIEG

Die Bauern, die in den Verbänden der Landesverteidigung dienten, korrigierten alsbald ihr Feindbild:

„Bei solchem Zustand hatte das ausgehobene Landvolk, das sich bei der bayerischen Armee ich befand, des Kriegs auch genug, und begehrte wieder nach Hause. Es konnte sich mit dem geworbenen kaiserlichen und bayerischen Volk nicht vertragen, weil die Krabaten und die Reiter indessen das Ihrige tapfer ausplündern und ruinieren halfen, unter dem Vorwand, damit es dem Feind nicht zugute kommen möchte."

BAUERNAUFSTAND IN SCHWABEN...

Abelin hält wie einst Dr. Luther nichts davon, dass Bauern sich zur Wehr setzen:

„Die Schwedischen sind auch gegen Lindau zu avanciert und haben sich unterschiedlicher Orte bemächtigt. Dieses war sonderlich den papistischen Bauern ein ungewohntes Ding. Sie ließen sich durch unruhiger Köpfe Verhetzung leichtlich aufwiegeln, so dass sie sich hier und dort in Schwaben zusammenrotteten und vermeinten, die Schwedischen wieder aus dem Land zu jagen. Zu Weingarten versammelten sich etliche Tausend unter dem Obristen von Schwenden und vermeinten, große Sachen auszurichten. Als aber die Schwedischen in großer Anzahl auf sie anzogen, entfiel ihnen das Herz. Sie verglichen sich auf gewisse Konditionen, und lieferten ihre Waffen ab. Ungeachtet dessen hatte es doch mit den Bauern keinen Bestand, nachdem sie wieder ein wenig Luft bekommen. Sie rotteten sich bei Bregenz einige Tage später wieder zusammen und zogen auf Wangen und Ravensburg. Weil die schwedischen Garnisonen darin zu schwach waren, brachten sie solche Orte mit geringer Mühe in ihre Gewalt, hauten die Schwedischen alle nieder und gingen auch mit den Einwohnern übel um."

IM ALLGÄU...

„Diesem Exempel folgten die Bauern um Kempten im Allgäu und unterstanden sich auch, das Ihrige bei diesem Spiel zu tun. Das schwedische Volk sammelte sich darauf aus Ulm, Augsburg und andern Orten etliche tausend stark zusammen und traf den 12. Mai unfern von Kempten etliche hundert dieser Bauern an. Sie wurden teils niedergemacht, teils verjagt. Unter anderem sind an die 150 in eine Kirche geflohen, welche die Schwedischen angezündet haben, so dass viele verbrannten und sich etliche sich selber vom Turm zu Tode stürzten. Bei Oberndorf wurden auch etliche hundert Bauern niedergemacht, sowie viele Dörfer ausgeplündert und in Asche gelegt. Wie nun die Bauern gesehen, was ihr unzeitiges Rebellieren für einen Ausgang gewonnen und was für Ungemach sie dadurch sich selbst auf den Hals gezogen, sind sie zum Kreuz gekrochen, haben ihre Waffen nach Kempten gebracht und sich akkomodiert."

UND UM FULDA

„Im Stift Fulda konnten um diese Zeit die Bauern auch nicht ruhen. Auf Anstiftung unruhiger Leute ist eine starke Anzahl zusammengekommen, hat sich mit Waffen versehen, widersetzte sich den Hessischen und verweigerte Quartier und Kontributionen. Darauf hat dann Anfang Juli Landgraf Wilhelm etliches Volk wider sie ausgeschickt, welches mit den Bauern gefochten hat. Dabei wurden ihrer an die 500 zum Teil niedergehauen, zum Teil gefangen oder zerstreut."

JUNGFRAUEN UND PREDIGER ENTFÜHRT

Maximilian von Bayern wagte es nicht, seinen bedrängten Untertanen beizustehen. Dafür machte sich seine Truppe über protestantische Städte her. Theatrum:

Der bayrische Kurfürst hat sich von Ingolstadt auf Weissenburg gewendet und selbiges Städtlein belagert. Die schwedische Besatzung hat sich zwar tapfer gewehrt und der Bayerischen etliche hundert erlegt, als sie aber etliche Tage lang sich also aufgehalten und vergeblich auf Succurs gewartet, haben sie endlich akkordiert und sind den 28. Mai mit ihren Gewehren, Sack und Pack nach Kriegsgebrauch abgezogen. Aber der gemachte Akkord ist ihnen bei dem Abzug nicht gehalten worden. Die Bayerischen haben sie überfallen, geplündert, und wer sich nicht bei ihnen unterstellen wollte, niedergehauen. Danach sind sie in das Städtlein eingefallen, haben alles ausgeplündert, Kisten und Kasten zerhauen, Weiber und Jungfrauen geschändet, deren über hundert neben den Ratsherren und Predigern weggeführt und die drei Tore verbrannt. Der Obrist Cratz hatte Befehl, auch die Mauern niederzureißen sowie auch Anspach und Schwabach zu ruinieren. Weil aber die Schwedischen anrückten, war ihm die Zeit zu kurz, deswegen er sich wieder durch Aichstädt nach Ingolstadt begeben musste."

Zur Kontrolle der Weissenburger Chronist Alexander Döderlein:

„Die Kaiserlichen haben uneingedenk der Akkordpunkte die Stadt totaliter ausgeplündert, sonderlich die Schweden totgehauen, geschlagen, geraidelt, Frauen und Jungfern geschändet, teils zu bestialischen Lust davongeführt, teils Bürger und Herren in Arrest genommen und an die 7/4 Jahre darin gehalten, und die Stadttore mit höchster Gefahr in Brand gesteckt. Es sind nicht mehr als 10 Personen in der Stadt geblieben."

STRAFAKTION SCHWEDISCHERSEITS

Abelin beschreibt durchaus billigend eine wegweisende Methode, Zivilisten kollektiv haftbar zu machen.

„Zu Freiberg bei Augsburg haben indessen die Bürger übel mit der schwedischen Salva Guardi verfahren, die in siebzig Mann stark war und die doch um ihres Schutzes und Besten willen eingelegt worden war. Sie haben dennoch selbige bei nächtlicher Weile durch die Hilfe etlicher Truppen der Krabaten niedergemacht. Welche unredliche Tat aber der schwedische General Banner nicht ungerächt gelassen. Denn er hat stracks etliches Volk von Augsburg aus dahin kommandiert. Das Städtlein, inzwischen von den Kaiserlichen verlassen, wurde mit Macht angefallen, die Tore mit Petarden gesprengt und, obwohl die Bürger stark Feuer heraus gegeben, mit Gewalt erobert. Das Kriegsvolk hat alle Mannschaft darin niedergehauen, die Weiber und Kinder aber in das Feld hinaus geschafft, hernach das Städtlein geplündert und in Brand gesteckt."

SCHWEDISCHER ERFOLG IM WESTEN

Die Nachrichten von den Siegen der schwedischen Waffen waren Balsam für die so lange gedemütigten Seelen der Protestanten. Beispiel Wiesloch. Theatrum:

„Die Kaiserlichen rückten aus Heidelberg und Phillipsburg an, um die Besatzung in Wiesloch zu entsetzen. Bei ihrer Ankunft wurden sie von der schwedischen Reiterei an einem Wald unversehens angegriffen und nach geringer Gegenwehr zertrennt, in die Flucht geschlagen und bis auf Mingolsheim zwei Meilen von Wiesloch stark verfolgt. Danach wurden zwei Obristen, etliche Rittmeister und über 200 Soldaten auf dem Feld gezählt. Ohne die, so von ihren Pferden wegliefen und sich in die Büsche verkrochen, wo sie vom nachfolgenden Tross ihren Rest bekamen. Eine ziemliche Anzahl wurde gefangen und so 1.000 Mann Reiterei ruiniert. Durch diese Victori fiel der Kaiserlichen Vorhaben in den Brunnen, im Elsass eine neue Armee aufzustellen."

Dafür konnte der schwedische Feldherr im Elsass unter anderen die Städte Benfelden, Hagenau und Schlettstadt einnehmen und mit Garnisonen versehen.

DER FRIEDLÄNDER WIRD AKTIV

Wallenstein setzte im Mai 1632 rund 50 Regimenter mit geschätzten 35.000 Mann in Richtung Prag in Marsch, worauf Feldherr Armin seine hat 10.000 Mann ins Sächsische verlegte. Die Besatzung von Prag ergab sich am 25. Mai, am 17. Juni zog Wallenstein in Eger ein. Gustav Adolf stand mit seiner Truppe am 18. Juni bei Fürth und registrierte enttäuscht, dass Wallenstein nicht in Sachsen eingefallen war, sondern es auf ihn abgesehen hatte. Und schlimmer noch: Kurfürst Maximilian vereinigte bei Weiden seine etwa 10.000 Mann starke bayrisch-ligistischen Truppe mit der kaiserlich-wallensteinischen. Am 11. Juli erfuhr Gustav Adolf, dass rund 45.000 feindliche Mannen 15 Kilometer südlich von ihm bei Schwabach kampierten. Die Zählung der eigenen Reihen ergab weniger als 16.000 Mann. Theatrum:

„Des Herzogs von Friedland Intent war, die Stadt Nürnberg und den König so lang blockiert zu halten, bis sie durch Mangel dahin gezwungen würden, sich mit ihm in einen Akkord einzulassen. Er machte dann I. Maj. zu unterschiedlichen Malen Vorschläge zur Aufrichtung eines Friedens und zur Verhandlung einen Stillstand der Waffen.. Weil er aber einen solchen Frieden suchte, welcher dem gemeinen Wesen nicht zuträglich war, wollte I. Kön. Maj. sich zu keiner Verhandlung verstehen."

Später sollte man Wallenstein vorwerfen, er habe auf verräterische Weise mit dem König verhandelt.

LAGERELEND

Die Schweden verschanzten südwestlich vor Nürnberg, Wallenstein ließ ab dem 17. Juli ein Lager rund um einen Anhöhe bei Zirndorf befestigen. Theatrum:

„Damals war in dem schwedischen Lager große Not, weil es mit dem Proviant für das Volk und Fütterung für die Pferde gar genau herging, so dass viel Volks erkrankte und wegstarb. So verdarben und starben auch viele Pferde und anderes Vieh, und es verursachten die toten Aase, weil es heißes Wetter war, einen großen, übermäßigen Gestank. So hatte auch das Volk zu Fürth Mangel an Wasser, denn sie fanden allda nur einen einzigen Brunnen. Selbiger ward von den durstigen Soldaten ganz ausgeschöpft... Im friedländischen Lager ging es auch nicht besser, ja wohl noch ärger, denn in demselbigen kamen zum Hunger und Kummer eine solche unsägliche Menge Fliegen und anderes Ungeziefer, dass kein Mensch davor sicher war."

Gustav Adolf beschloss am 12. August einen Sturmangriff auf Wallensteins Lager. Obwohl er laut Theatrum wusste:

„... dass es viel Volks kosten und doch schwer fallen würde, dem Feind, wegen seiner starken Besatzung und des verhauenen Gehölzes, dazu des guten Vorteils wegen der Höhen, darauf er das Lager gehabt, etwas anzuhaben und die Soldaten auch wenig Lust dazu hatten..."

VERLUSTREICHER STURMANGRIFF

Abelin benutzte einen schwedischen Bericht über die Schlacht bei Zirndorf.

„Dann sind auf Befehl des Königs sobald in sechzig Stück Geschütz vor das friedländische Lager geführt worden, und ein so grimmiger Angriff geschehen, dass es nicht genugsam mag beschrieben werden. Der Herzog von Friedland hat bei solchen Dingen sein Volk zurückgehalten und sich allein mit dem Geschütz defendiert. Es ist ein solches Schießen, Donnern und Krachen von Stücken und Musketen gewesen, dass, wenn das friedländische Lager nicht in allzu großem Vorteil auf den Höhen gelegen, alles ineinander hätte brechen müssen. Der ganze Berg war voller Feuer und Rauch, also dass man davor endlich das Lager nicht mehr sehen können. Dieser Angriff wurde vom schwedischen Fußvolk regimentsweise durchgeführt und währte in zehn Stunden lang, bis endlich die Nacht eingefallen und der Schiedsmann geworden. Die Schwedischen konnten die Friedländischen und Bayerischen nicht aus ihrem Vorteil, hingegen sie die Schwedischen nicht aus dem Feld bringen. Die Reiterei hatte wegen des Gehölzes keinen Platz zum Fechten. Als das cronbergische Regiment (mit der besten Reiterei auf des Feindes Seite) trotzdem einen Angriff versuchte, haben die finnländischen Reiter es so empfangen, dass es ganz geschlagen wurde und der Obrist Cronberger zu Tode kam. Worüber die Finnen so nahe unter die friedländische Stellungen kamen, dass sie sich mit einer Redute verschanzen konnten. So gewann auch Herzog Bernhard von Weimar einen Posten an der Höhe, gegenüber dem alten Berg. Er konnte keine Stücke heraufbringen, sonst hätte er von da aus das ganze friedländische Lager in Konfusion bringen können."

SCHWERE VERLUSTE AUF BEIDEN SEITEN

„Weil nun die Schwedischen im freien Feld haben fechten müssen, sind ihrer bei diesem Angriff über zweitausend umgekommen und viele verwundet worden. Unter den Gebliebenen sind die vornehmsten gewesen Obrist Major Boetius und Obrist Leutnant Scepter. Unter Herzog Wilhelm von Sachsen: Obrist Leutnant Mackin. Unter Landgraf Wilhelm von Hessen: Rittmeister Crailsheim, Rittmeister Moritz von der Malsburg. Dazu noch etliche Kapitäne, Leutnante und andere Offiziere. Verwundet wurden Obrist Rossstein, Obrist Pforte, Graf von Erbach, Graf von Castell, Graf von Eberstein, der junge Graf von Thurn, neben etlichen Rittmeistern, Kapitänen und andern Offizieren samt etlichen 100 gemeiner Soldaten, die alle in und außerhalb Nürnbergs in die Lazarette gelegt und allda kuriert worden sind. Gefangen wurden Leonhard Thorstensohn, General über die Artillerie, Obrist Erichhand, 2 Obrist Leutnante und etliche andere Offiziere und gemeine Soldaten. An friedländischer und bayerischer Seite sind umgekommen Graf Jacob Fugger, Obrist Aldobrandini, Obrist Don Maria de Caraffa, neben noch zwei andern Obristen, und nach der Gefangenen Aussage an die 60 hohe und niedere Offiziere und an die 2.000 gemeine Soldaten. Auch wurden drei Fähnlein verloren und eine große Anzahl Volks verwundet, daneben auch viel gefangen. Dem Herzog von Friedland, wie auch Herzog Bernhard von Weimar, wurden die Pferde unter dem Leib erschossen, auch dem König an dem rechten Fuß bei der großen Zehe ein Stück von der Sohle am Stiefel durch einen Schuss weggenommen."

DIE SCHWEDEN ZIEHEN AB

„Hierauf nun sind beide Teile noch an die vierzehn Tage lang also beieinander still liegen geblieben. Den 8. September ist der König mit seinem ganzen Lager von Fürth aufgebrochen und mit gesamter Bagage und Artillerie in guter Ordnung, mit vollem Trommelschlag und Trompetenklang, dem Feind vor der Nase vorüber nach Neustadt an der Aisch marschiert, um die Proviantierung für das Kriegsvolk desto bequemer zu haben. In solchem Zug haben die Friedländischen und Bayerischen sich nicht allein nicht gerührt. Der Stadt Nürnberg zum Schutz hinterließ der König etliche tausend Mann zu Fuß und 300 zu Pferd."

30.000 TOTE IN NÜRNBERG

Was Potentaten so hinterlassen. Bilanz im Theatrum:

„Die Soldaten hatten alles daherum auf 5 und mehr Meilen verwüstet und alle Viktualien und Feldgewächs täglich in über hundert Wagen hinweg und zu sich genommen. Daher hat sich das Bauernvolk häufig in die Stadt begeben, musste aber aus Mangel an Nahrungsmittel große Not leiden. Manche hatten auch in 14 Tagen keinen Bissen Brot genossen. Das Bauernvolk und viel hinterbliebener Tross verursachte und erlitt große Seuchen. Sie sind aus Mangel notwendigen Unterhalts an der roten Ruhr und andern fiebrigen Krankheiten dermaßen häufig dahin gestorben, dass sie die Schergen nur zu 2, 4, 6 zusammen auf Wagen werfen und hinausführen mussten. Das Lazarett ist dermaßen mit kranken schwedischen Soldaten überhäuft gewesen, dass man die Toten im selben Hof wie Holz aufeinander gelegt, bis man Zeit gehabt eine Grube zu machen und selbige da reinzuwerfen. Welche Seuche dann dermaßen überhand genommen, dass sie auch etliche hundert Bürger und fast den besten Kern der jungen Mannschaft hinweggerissen. Summatim sind dieses 1632. Jahr über zu Nürnberg gestorben:

So an den Kirchentafeln angeschrieben 8.500
Im Lazarett gestorben 19.060
Auf den Schützenkarren hinausgeführt 1.846
Summa Summarum 29.406.

Ohne diejenigen, die nahe um die Stadt, auf der Schütt, Wiesen und in Gärten gestorben und daselbst begraben worden, deren ingleichem eine große Anzahl gewesen."

SCHWER BEGREIFLICHE MANÖVER

Fünf Tage nach den Schweden setzten auch Wallenstein und Maximilian ihre Armeen in Marsch. Es ging nicht gegen Gustav Adolf, sondern nach Sachsen. Kurfürst Georg hatte die ihm zuteil gewordene Schonung nicht durch einen Bruch mit seinen Verbündeten honoriert .Im Gegenteil. Seine Armee unter Armin war in Schlesien eingefallen. Bei Koburg machte Maximilian am 13. Oktober mit seinen Mannen und einer Abteilung Kaiserlicher kehrt, als Nachrichten von den Bewegungen der Schwedischen Armee eintrafen. Gustav Adolf nämlich eilte keineswegs nach Sachsen, um seinem Bundesgenossen beizustehen. Nein, er ließ die Truppe nach Donauwörth marschieren, um sich von dort aus weiterer Landesteile im Südwesten zu bemächtigen. Am 14. Oktober machte auch Gustav Adolf kehrt, er hatte Nachrichten von den Heeresbewegungen im Norden: Pappenheim eilte mit 10 kaiserlichen Regimentern von Westfalen nach Sachsen, um dort Wallenstein zur Seite zu stehen. ( Die Pappenheimer hatten eine Weile im Niederländisch-Spanischen Krieg mitgemischt und danach Hildesheim erobert und das belagerte Wolfenbüttel entsetzt.) Die schwedische Hauptarmee marschierte nun über Arnstadt und Erfurt nach Sachsen. Nicht um dort Unheil von Land und Leuten abzuwenden, dazu ist es zu spät. Der König dachte politisch: Allein gelassen, würde Kurfürst Georg wohlmöglich einen Separatfrieden schließen.

DER KRIEG KOMMT NACH SACHSEN

In Sachsen besetzten und brandschatzten kaiserliche Heeresabteilungen unter Holk und Gallas Zwickau, Chemnitz und Freiberg. Theatrum:

„Der Vortrab des Friedländers ist den 10. Oktober zu Plauen angekommen und hat den Marsch von da auf Weida fortgesetzt. Allda ist die ganze friedländische Armee zusammengekommen und hat General-Rendezvous gehalten. Auf welches der Herzog auf Altenburg vorrückte, wo sich Holk und Gallas mit ihrem Volk mit ihm konjungiert. Darauf ist der Jammer in Sachsen allererst recht angegangen, und die Einwohner mit Plündern, Brennen und Morden verfolgt und das Land diesseits der Elbe aufs Äußerste ruiniert worden. Den 13. Oktober sind in 18 Krabaten nach Neustadt an der Orla gekommen und selbes, wie auch die umliegenden Orte, ganz ausgeplündert. Darauf sind drei Kompanien nach Kahla gekommen, ebenmäßig mit den Einwohnern übel gehaust und nach ihrem Willen spoliert. Selbige Tage sind auch in 500 Deutsche und Krabaten vor Saalfeld gekommen, in Meinung, selbigen Orts sich zu bemächtigen. Aber der Obrist Ross hat so stark herausgeschossen, dass sie ihr Vorhaben nicht ins Werk setzen können, sondern unverrichteter Dinge, etliche Tote hinterlassend, wieder weichen mussten. Doch haben sie bei ihrem Abzug die Vorstadt in Brand gesteckt. Das Land ist auch daherum allenthalben mit Brennen und Plündern sehr verwüstet worden. Daher überall große Furcht und Schrecken entstanden, und so haben die Leute ihre besten Sachen nach Erfurt, Wittenberg und Magdeburg geschafft, auch viele selbst mit Weib und Kind sich an solche Örter salviert."

Wallenstein ließ die Armee von Altenburg nach Leipzig rücken und zeigte sie den Bürgern in voller Schlachtordnung, worauf diese am 2. November kapitulierten. Nächstes Ziel war die Elbbrücke bei Torgau, die allerdings von 2.000 Mann unter dem Herzog von Lüneburg und drei kursächsischen Regimentern verteidigt wurde. Wallenstein machte kehrt. Die Motive können wir uns aussuchen oder kombinieren: Wallenstein wollt sich nicht direkt mit Kursachsen anlegen. Er hielt einen Vorstoß nach Dresden wegen des nahenden Winters ohnehin nicht mehr für möglich. Er wollt nur seinen guten Willen zeigen, aber auf keinen Fall ein paar hundert oder gar tausend Mann verlieren.

WALLENSTEIN MACHT EINEN FEHLER

Zurück in Leipzig konnte Wallenstein am 7. November die Pappenheimer begrüßen. Am 8. November kam die schwedische Hauptarmee in Nauenburg an, worauf sich die vereinte kaiserliche Streitmacht 15 Kilometer weiter saaleabwärts einigelte. Ein paar Tage lang tat sich nichts, die Herren machten sich Gedanken. Von Feldherren sagt man ja, dass sie bei dieser Anstrengung versuchen, die Resultate gleichartiger Bemühungen beim Feind zu durchschauen. Für Gustav Adolf kam Wallenstein offenbar zum Ergebnis: Keine Schlacht mehr in dieser Saison, ab in die Winterquartiere. Damit hätte er dem König unterstellt, was er selbst für richtig hielt. Am 14. November schickte Wallenstein an die zehn Regimenter unter Pappenheim nach Norden. Sie sollten die Bistümer Magdeburg und Halberstadt zwecks Einrichtung von Winterquartieren freikämpfen. Wallenstein, eben doch mehr Unternehmer, kümmerte sich also um die Erhaltung der kostbaren Armee. Und er war sich offenbar sicher, dass Gustav Adolf genauso vernünftig entschieden hatte. Jedenfalls gab er das befestigte Lager bei Weissenfels auf und ließ in Richtung Leipzig abmarschieren. Gustav Adolf, doch eher Feldherr im Gemüt, und über den Abmarsch der Regimenter unter Pappenheim nach Halle informiert, gab den Befehl zur Verfolgung. In Rippach vertrieben die Schweden mit leichten Geschützen die Reiterregimenter der friedländischen Nachhut. Ein paar Kilometer weiter in Lützen ließ der Kanonendonner in Wallenstein die Erkenntnis reifen, dass er einen Fehler gemacht hatte. Er schickte einen Kurier hinter Pappenheim her. Die Nachricht an ihn besteht nur aus wenigen Zeilen.

„Der Feind marschiert hereinwärts. Der Herr lasse alles stehen und liegen und incaminire sich hierher mit allem Volk und Stücken, auf dass er morgen früh bei uns sich einfinden kann."

DIE SCHLACHT BEI LÜTZEN - AUFSTELLUNG

Abelin benutzte für seine Schlachtdarstellung im Theatrum eine schwedische Quelle:

„In der Nacht zum 16. November haben beide Armeen in voller Schlachtordnung gegenüber gelegen. Der König ist Willens gewesen, die Friedländischen noch etliche Stunden vor Tag anzugreifen, aber der einfallende dicke Nebel hat es verhindert. Der Herzog von Friedland erkannte seinen Vorteil und ist am frühen Morgen des 16. November vollends auf Lützen zugegangen und hat die beiden Gräben am Weg tiefer machen lassen und Musketiere darin gelegt, so dass sie gleichsam eine Brustwehr daran gehabt. Der König ist ihm seitwärts nach der rechten Hand gefolgt und hat das große Geschütz in aller Eile nachbringen lassen. Als nun der Feind mit seinen Stücken, welche er nahe den Windmühlen bei Lützen aufgepflanzt, des Morgens zeitig auf die Kön. Schwedischen zu spielen angefangen, hat I. Kön. Maj. bei der ganzen Armee gute Ordnung und Vorkehrungen gemacht und sie Schlachtordnung aufgestellt."

DER KÖNIG VERLÄSST SEINEN KRIEG

Ein Augenzeuge soll im Sterben die Einzelheiten des Ablebens von Gustav Adolf mitgeteilt haben. So jedenfalls will es die schwedische Überlieferung, die auch Abelin im Theatrum übernimmt:

„Auf solches ist ferner der König den 16. November mit zweien seiner Sattelknechte von seinem Volk etwa einen Musketenschuss weit hinaus geritten, in Meinung, das Feld zu rekognoszieren... In dem Feld war ein dicker Nebel, so dass fast keiner den andern erkennen konnte. Ungeachtet dessen ritt der König mit seinen zwei Sattelknechten fort, unwissend, dass sein Feind so nahe wäre. Im dicksten Nebel stieß er auf einen Trupp kaiserlicher Reiter, welche ihn gefangen nehmen wollten, unwissend, dass es der König wäre. Er aber wehrt sich und löst beide Pistolen auf seine Feinde, ingleichem taten es auch die beiden Knechte. Als sich der König verschossen hatte, griff er nach dem Degen. Dabei wird er von etlichen Schüssen getroffen, so dass er vom Pferd sinkt. Den Degen noch in der Faust bleibt er aber im Bügel mit dem einen Fuß hängen. So hat das Pferd ihn ein gutes Stück Wegs geschleift, ehe er herauskam. Interim sind die Reiter neben ihm her und haben auf ihn gestochen und geschossen, also dass er 11 Schüsse und Stiche gehabt, darunter zwei Schüsse durch den Kopf, der eine durch die Schläfe, der andere durch den Nacken, die übrigen in den Leib. Unterdessen wurde der eine Sattelknecht vom Pferd geschossen und blieb für tot liegen... Der (andere) Knecht begehrte kein Quartier und ist mit etlichen Schüssen auch erlegt worden... Den König, der ein gutes Stück Wegs davon lag, zogen sie bis aufs Hemd aus, darauf der ganze Trupp fortritt, über des Königs Leichnam. Des Königs Pferd aber riss aus und kam zu der schwedischen Armee. Als es nun mit Blut bespritzt und beiden abgeschossenen Pistolen dem Herzog Bernhard von Weimar zugeführt wurde, erkannte dieser, was mit dem König geschehen war. Indessen hat sich der dicke Nebel verloren und Herzog Bernhard sah die friedländische Armee nächst dem Städtlein Lützen in voller Schlachtordnug halten. Er aber sprach seiner Armee zu, schloss seine Schlachtreihen, plantierte das Geschütz und avancierte auf seinen Feind in guter Ordnung, so dass da dann um 11 Uhr mittags das Treffen angegangen... Als nun die Nacht herbeikam und dem Treffen ein Ende machte, wich der Friedländer und brach ganz auf und ließ zwei Stücke stehen, die er in der Eile nicht fortbringen konnte. Als solches Herzog Bernhard vernahm, hat er ausgesandt, des Königs Leichnam zu suchen. Zuerst fanden sie den einen Sattelknecht noch lebend, der andere aber nächst bei ihm war tot. Der lebende Knecht wurde gefragt, wo der König sei. Der berichtete, wie er ihn fallen sah und dass ihn das Pferd geschleppt hätte. Darauf suchten sie weiter und fanden endlich des Königs Körper weit von diesen beiden. Er war ganz ausgezogen im Hemd und von Pferden zertreten und so verstellt, dass er kaum zu erkennen war. Also wurde er samt dem noch lebenden Knecht zu Herzog Bernhard gebracht, der erzählte nun alles, wie jetzt beschrieben ist, und lebte noch 3 Stunden."

NACHRUF

„ Ein solches Ende hat er gehabt, der vortreffliche Held, König Gustavus Adolphus, dessen herrliche Gaben, Weisheit, Verstand und Tapferkeit, nicht allein von Freunden, sondern auch von seinen Feinden selbst gerühmt und hochgehalten wurden."

Bei Lützen versammeln sich jährlich am Todestag trauernde Protestanten aus Deutschland und Schweden zu einem Gottesdienst in der Gustav-Adolf-Gedächtniskapelle. Hinterher legen sie Kränze an seinem Denkmal nieder. Eine Abordnung der Bundeswehr ist auch dabei, offenbar um das Soldatische im Glaubensstreier zu würdigen. Die Protestanten haben Tilly für die 20.000 Toten in Magdeburg verantwortlich gemacht. Und was ist mit den 30.000 Toten allein in Nürnberg? Allesamt Protestanten übrigens. Macht nichts, Gustav Adolf fiel zu Lützen für die Freiheit ihres Glaubens. Allesamt Protestanten übrigens. Macht nichts, Gustav Adolf fiel zu Lützen für die Freiheit ihres Glaubens.

ORIGINAL - SCHLACHTBESCHREIBUNG

Die Schlacht bei Lützen. Ein militärgeschichtliches Dokument im Theatrum:

„Nachdem den ganzen Morgen mit dem Feind scharmütziert worden und Herzog Bernhard nunmehr die Stücke an bequeme Örter an dem Schölzinger Hölzlein, dem Feind gegenüber, gebracht, ist darauf nach etlichen wenigen Kanonenschüssen das Treffen mitten um 11 Uhr recht angegangen. Da dann zu beiden Seiten des Feindes Kavallerie sich präsentiert, bis so lang der General Friedländer das Fußvolk neben der Windmühlen (E) in Bataglie (B) gebracht hatte, da sie dann auf der Seite bei dem Floßgraben (K) wieder zurückgegangen und sich auf der rechten Hand bei dem Städtlein Lützen in voller Bataglie gestellt. Auch zugleich das Städtlein Lützen in Brand stecken lassen, damit an selbigem Ort der Schwedischen Einfall verhindert würde, welche nicht minder unverzagt in voller Bataglia auf der Seite des Städtleins und Floßgraben gerade zu avanciert und der kaiser. großen Armee in guter Ordnung (A) sich präsentiert. Darauf hat auch das schwedische Fußvolk auf den Feind angesetzt. Ob nun wohl derselbige ohne die 2 Gräben am Weg (D) mit den Musketieren sonst nicht geringe Vorteil innegehabt, dennoch von der schwedischen Brigada (12), alles Schweden, angefallen, aus den Gräben zurückgetrieben und der 7 Stücke, die bei den Gräben plantiert waren, also bald verlustig gemacht worden. Worauf auch die andere schwedische Brigada (13), die Guardie oder das gelbe Leibregiment genannt, gefolgt, welche schnell über den Graben und auf des Feindes Brigada (48), ungeachtet des Feinds jede Brigada wohl dreimal stärker und mächtiger als die der Schwedischen gewesen, mannlich getroffen, dieselbe ganz ruiniert und geschlagen, hernach auch auf die andere (49) mit gleicher Ruin und Trennung derselben gegangen und bis auf die dritte (50) gelangt. Weil sie aber von so langem Fechten ziemlich schwach geworden, auch die angefallene, des Feindes, Brigada von einer andern Brigada (51) und 2 Squadronen Reitern (52, 58) sekundiert worden, ist sie endlich nach scharfem Treffen mitsamt des Obristen Winckels Brigada (14), das blaue Regiment genannt, welche jene sekundieren wollen, zurückgetrieben, fast ganz ruiniert und die 7 kaiserischen Stücke wieder zu verlassen gezwungen worden. Inmittels aber hat man die schwedischen Stücke, die vor den Brigaden sonst gehalten, auf die Windmühlen, da des Feindes Stücke gepflanzt, mit denen sonst auf Herzog Bernhards von Weimar Brigada (15) dermaßen gespielt worden, dass dieselbe sich hinter des Müllers Häuslein (N) ein wenig nach der Länge zurück begeben müssen, zu richten vorgenommen, und nicht wenig Schaden beim Gegenteil damit verursacht. Ihre F. Gn. hat indessen mit den Squadronen Reitern (1, 3, 5, 7, 9, 11) (welche Squadronen aber gleichfalls ihr, des Feindes, an Macht wohl dreimal übertroffen) in dem rechten Flügel auf des Feindes linken Flügel (45, 46, 47) getroffen und denselben dermaßen angefallen, dass der Hinterhalt (59, 60, 61) also bald durch solche Furie geschreckt, durchgegangen und die Flucht gegeben. Nichtsdestoweniger aber haben sich zwei große Truppen Krabaten (44, 62) sogleich auch an des Feindes linken Flügel gehalten, und verstanden der Schweden rechten Flügel zu hinterschleichen, auch mit ihrer großen Furie und gewaltigem Geschrei so weit gekommen, dass sie die Pagagy und Munitionswagen (1) erlangt und dieselben, wie auch etliche Reiterei, in Konfusion gebracht. Weil nun eben damals wieder ein dicker Nebel eingefallen, hat der Feind (welcher sonst, da er es gewahr worden, an einem andern Ort auf die Schwedischen ansetzen und mehrere Unordnung machen mögen) solche Konfusion nicht sehen können. Auch ist besagte Reiterei von drei Squadronen Reitern (41, 42, 43) sekundiert worden, so die Krabaten mit ziemlichem Verlust wieder zurückgetrieben. Mittlerweile solches geschehen, hat auch Herzog Bernhard mit dem linken Flügel (16, 18, 20, 22, 24, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32) nicht gefeiert, sondern mit denselben und bei sich führenden (H) Regiment Stücklein und kommandierten Musketieren so zwischen der Kavallerie (17, 19, 23, 25) des Feindes rechten Flügel (53, 54, 55, 56, 57), welcher sich an die Windmühlen bei den Stücken (F) begeben, tapfer angegriffen, auch die obgemelte in Konfusion geratene Reiterei mit sonderlicher Dexterität und Geschwindigkeit wieder zusammengeordnet und gegen dem Feind angeführt. Auch durch seine Tapferkeit es dahin gebracht, dass mit Hilfe der Infanterie nicht allein die 7, sondern auch noch dazu die 14 Stücke bei den Windmühlen erobert, gegen den Feind gewendet, demselben dadurch nicht wenig Schaden getan und die meiste Armee getrennt und in die Flucht gebracht worden. Da dann auch wohl zu wissen, dass eben, da Herzog Bernhard angefallen, etliche Munitionswagen des Feindes (P) zwischen den Windmühlen und dem Galgen (O) unversehens mit Feuer angegangen und großen Schaden verursacht."

DER AUSGANG DER SCHLACHT

Der Lesbarkeit wegen wieder leicht modernisiert. Theatrum:

„Nachdem der Graf von Pappenheim mit 8 Regimentern von Hall angekommen war, wurde es ernst. Die Flüchtigen haben sich wieder gesammelt, sind mit Hilfe der Pappenheimischen auf das Geschütz zugeeilt und brachten es wieder in ihre Gewalt. Die Schwedischen mussten sich nun zum zweiten Mal zurückziehen und dabei alle vorigen Vorteile dem Feind wieder überlassen... Gleichwohl aber haben sie sich wiederum erholt, den Feind mit viel größerem Ernst angegriffen, ihm alle Stücke und Munition wieder abgenommen, sich gegen ihn endlich behauptet und so lang gefochten, bis sie die finstere Nacht umgab. Als keiner mehr Feind oder Freund erkennen konnte, haben sich die Kaiserlichen retiriert und den Schwedischen das Feld gelassen, mit großem Verlust für beide Teile. Darauf hat Herzog Bernhard alles übrige Volk wieder zusammengebracht, dasselbe wegen seiner Standhaftigkeit und Tapferkeit gerühmt, von neuem in Ordnung gestellt und auf der Wallstatt also die ganze Nacht durchgehalten."

9.000 TOTE

„Die Anzahl derer, die bei dieser Hauptschlacht auf der Wallstatt geblieben, belief sich in 9.000 Mann. Darunter auf kaiserlicher Seite der Abt von Fulda, welcher dem Treffen zusehen wollen und der katholischen Liga General Graf von Pappenheim, der mit einer Drahtkugel in die Hüfte geschossen worden war und in dem Schloss zu Leipzig mit großen Schmerzen verschied, Obrist Lan, Obrist Westrum, Obrist Leutnant Breda, Obrist Leutnant Taxheim, Obrist Leutnant Lamper, Obrist Leutnant Cammershof, Obrist de Foves, Obrist Piccolomini, neben vielen andern hohen und niederen Offizieren. So wurden auch die meisten Offiziere und Soldaten beschädigt, also dass wenige waren, die nicht ein Denkmal davon brachten, von welchen dann hernach an ihren Wunden noch eine große Anzahl gestorben. Davon an kaiserlicher Seite die Vornehmsten gewesen Graf Berthold von Wallenstein, Obrist Comargo, der alte Obrist Breuner, Obrist Witzleben und andere. An schwedischer Seite ist auch General Major Ißler und Obrist Gerßdorf geblieben, und Graf Niclas hernach an seinen Wunden gestorben, Fürst Ernst von Anhalt, Graf von Thurn, Graf Schlick, Obrist Winckel, Herr von Felß, der auch in wenigen Tagen hernach zu Naumburg verstorben, und nicht wenige andere hohe Offiziere sind beschädigt und verwundet worden."

NACHRUF FÜR KÖNIG FRIEDRICH

Noch vor Gustav Adolf hatte ein weiter prominenter Kriegstreiber die Welt verlassen. Theatrum:

Der durchleuchtigste und hochgeborene Fürst und Herr, Herr Friedrich, König in Böhmen, dem so viele Widerwärtigkeiten begegnet sind, der von Land und Leuten vertrieben wurde und im Exil eine lange Zeit zubringen musste, hat sich nach Mainz begeben. Dort ist er und nun 14 Tage lang mit schwerer Leibesschwachheit behaftet gewesen und hat den 9. November des Morgens, etwa eine viertel Stunde nach 7 Uhr diese Welt gesegnet - nachdem seine pfälzischen Lande mehrenteils zurückerobert worden waren."

Die letzte Meldung zum Jahr 1632 im Theatrum:

„Es hat sonst dieses Jahr über fast an allen Orten in Deutschland die pestilenzische Seuche heftig grassiert und viele tausend Menschen hinweggenommen."


Siehe auch
Die Kreuzzüge Christopher Kolumbus Jesus Christus