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30jähriger Krieg in Bayern
Holzstiche eines englischen Augenzeugen, der einige Schauplätze bereiste. Sie zeigen das ganze Elend, das Sterben an Krankheiten, Hunger, Ratten & Kadaver im Handel, Kanibalismus, Vergewaltigungen, Überfälle, Raub, Entführung, Erpressung, Folter um an versteckte Wertsachen, Lamentations of Germany, Dr. Vincent, 1638 /
Gegen Land und Leute - der Dreißgjährige Krieg - Peter Milger

(11) Ein Friede und doch kein Friede

Kontributionssystem entwickelt - Kriegsalltag - Ausbreitung der Seuchen - Bauernaufstand in Österreich - Verzichtfrieden zu Lübeck - Das Restitutionsedikt, ein weiterer Kriegsgrund - Enttäuschender Kurfürstentag - Gustav Adolfs Beweggründe - Sein Heer landet auf Usedom - Wallenstein entlassen - Klagen der Stände über das Landverderben

RAUBKRIEG?

Zum Wesen des Krieges äußert sich Kaiser Ferdinand in seiner Instruktion an Wallenstein (26.6.1625):

„Es ist vornehmlich vonnöten, dass unter dem Kriegsvolk starke Disziplin gehalten werde, ohne welche Kriege nichts anders sind als große Raubzüge. So wird der Erhaltung solcher Disziplin sich vornehmlich angelegen sein lassen, die unrechtmäßigen Handlungen über dasjenige hinaus, was die tägliche Notdurft erfordert, wie auch das unchristliche Sengen, Brandschatzen, Rauben, Schänden und Notzwängen ehrbarer Frauen und Jungfrauen durch scharfe exemplarische Strafen abzustellen."

Nach der Definition des höchsten Hüters des
Rechts bestand der 30jährige Krieg nur aus Raubzügen, da die aufgezählten Untaten in keinem Heer abgestellt wurden.

GLAUBENSKRIEG?

Auch über die Vorschützung edeler Motive urteilt der Kaiser mit Sachverstand:

„Es wird seiner Liebden beflissen sein, durch sanfte politische Mittel die Gemüter zu gewinnen... Vornehmlich dass er den Vorwand der Religion, dessen sich unsere Feinde am allermeisten zu Verdeckung ihrer rebellischen Anschläge und Interessen sich meisterlich bedient haben, soviel wie möglich benehmen möge..."

SYSTEM ENTWICKELT

Das Theatrum 1626 über die Benutzung des Militärs zur ökonomischen Erpressung protestantischer Landesherren:

„Kaiser Ferdinand hatte im Stift Köln und den angrenzenden Landen unter dem Grafen von Merode etliches Kriegsvolk, wie geschrieben ward 6.000 Mann, meistenteils Wallonen, werben lassen. Dasselbe kam zu Anfang des Maimonats auch in Hessen, rückte vor die Stadt Hersfeld und begehrte Quartier... und darauf seinen Weg durch das Stift Fulda nach Schmalkalden nahm. Danach haben sie die Weimarischen Dörfer gleichfalls heimgesucht und der Stadt Erfurt 50.000 Reichstaler abgepresst, ungeachtet selbige zuvor für eine grosse Summa Geldes einen Kaiserliche Salva Guardi (Schutzbrief) erworben hatte. Nachher sich in das Schwarzenburgische Gebiet und allda ihren Sammel- und Musterplatz gehalten. Eine andere Partei ist in der Grafschaft Wertheim eingefallen und der Orten wie auch andere anderswo in Franken Quartier genommen und daselbst ihre Musterplätze angestellt. Ingleichem war Hessen und die Wetterau vom Kaiser für etliche Regimenter als Sammel- und Musterplätze angezeichnet. So wussten also die Kaiserlichen der Evangelischen Länder und Herrschaften heimzusuchen und der Päpstischen so viel wie möglich zu verschonen."

VON FULDA NACH WIEN

Der Fuldaer Chronist Hartung registrierte ab 1624 fast täglich den Durchzug von ligistischen oder kaiserlichen Truppen und Rüstungsgütern. Oft waren die Wagen auch mit Beute beladen, so nach der Erstürmung von Münden und nach der Schlacht bei Lutter. In der Regel mussten Bürger und Bauern durchreisende Militärs nur Kost und Unterkünfte stellen sowie Transportdienste leisten. Während Tillys Mannen sich auf dem „geistlichem" Territorium Fulda zurückhielten, gingen Kaiserliche gelegentlich nach dem üblichen Muster vor. Der Fuldaer Chronist:

„Anno 1627. Wiederum den 19. Mai hat man Wein, Bier und Brot von Fulda zum Herzog von Lüneburg sein Kriegsvolk geschickt. Den 20. Mai sind 200 wohl beladene Wagen aus dem Hessenland, wo sie etliche Städte geplündert, in Fulda mit etliche Reiter und 100 Musketiere angekommen; dann alles auf den Wagen verkauft und auch Pferde verkauft den Bürgern. Und etliche nach dem Frankenland und nach Wien."

Übel gehaust

„Die Bauern im Fuldaer Land und auf dem Vogelsberg haben den 22. 23. und 24. Juli mit ihrem Hausrat, Pferden, Ochsen, Kühen, Schafen und allem in die Stadt Fulda fliehen müssen, von wegen des Obersten Götz sein Kriegsvolk halben, so mit den armen Bauernvolk sehr übel gehaust. Auch ist der Oberst Götz den 26. Juli, mit etlichen Reiter und Fussvolk in die Stadt Fulda gekommen, zum Gültenstern, und hat ihn Ihr F. G. Johann Bernhard Schenck, Abt zu Fulda, in seiner Kutsche lassen ins Schloss zu Gast holen. Und hat der Oberst Götz 400 Reichst. zu Brandschatzung gefordert, und auch bekommen. Es ist sein Regiment in die 3.000 und mehr stark gewesen, haben alle zu Lüder, Bimbach, Salzschlirf, Blankenau und daselbst herum gelegen und übel gehaust, und haben viele gefangen Bauern mitgeführt."

Etliche Eimer Wein

„Den 2. August, kamen etliche Wagen und Karren mit Munition und Rüstungen von Frankfurt am Main in die Stadt Fulda, in der Löbersgassen beherbergt und sind den 3. August durch die Stadt gefahren, dem General Tilly zu. Auch sind den 12. August etliche Pfund Brot, 600 Pfund Fleisch, 600 Maß Bier und etliche Eimer Wein aus der Stadt Fulda dem Volk von Oberst Pappenheim, 4.000 Mann stark, zugeschickt worden."

Und die Pest

„Anno 1627 hat sich um Fulda herum auf den Dörfern die Pest sehr eingelegt, so im Schlitzer Grund, zu Marckbach, Margretenhaun, Steinhaussen und andere Dörfern mehr. Gott wende es ab."

UND IM FERNEN ROTHENBURG

Sebastian Dehner hielt in seinem Tagebuch im noch kriegsfernen Rothenburg ob der Tauber fast täglich Vorfälle fest, die mit dem Krieg zu tun hatten. Einige Beispiele:

„Anno 1626. Den 15. November haben 900 zu Fuss, angeblich Bayrische, Niederstetten mit Feuer angesteckt und in die 70 Dächer hinweggebrannt. Da dann alsbald denselben Abend Post hereingekommen, da hat man bei Nacht die Trommel geschlagen und die Bürger zur Rüstung ermahnt. Donnerstag zur Frühe sind die Bürger auf Stetten zu gezogen. Da ist selbiges Volk gewichen... Anno 1627. Den 8. Januar sind 2 Cornett Reiter gen Wildenthierbach gekommen und ihr Winterlager allda wollen... Haben begehrt, dass man ihnen wöchentlich bis auf den 1. Mai 2.000 Reichstaler und 100 Malter Hafer geben solle, oder sie wollen alles mit Brand anstecken. Die Bauern haben ihnen Brot, Fleisch, Wein, Bier schaffen müssen. Diesem Obristen, der zu Spielbach gelegen, hat man täglich 7 weisse, 12 schwarze Laiblein Brot aus dem Spital, Fleisch und Wein geben müssen und an Geld 500 Reichstaler, von denen die Reiter sich selbst haben verkosten sollen. Aber sie haben wie die andern den Bauern das Ihre abgefressen und genommen. Sind 3 Monate liegen geblieben... In diesem Monat Januar hat die pestilenzische Seuche sehr regiert und bei 60 Menschen daran gestorben. Hat den Herbst vorigen Jahres schon angefangen gehabt... Den 12. Januar sind 22 Stück Geschütz, groß und klein, beim Galgentor hereingekommen, die der General Tilly beim König von Dänemark und Herzog in Braunschweig im Krieg abgenommen, und gen Österreich geschickt. Die Stücke sind auf dem Markt gestanden, welche die Bürger bei der Nacht bewachen müssen, sind von unsern Bauern bis gen Dinkelsbühl geführt worden. In diesen beiden Jahren 1626 und 27 im Frühling und Herbst haben bei den Acker- und Feldleuten Musketiere sein müssen, damit ihnen die Pferde von dem Kriegsvolk nicht genommen würden. Wenn die Reiter haben wollen ansetzen, hat man einen Schuss getan, darauf die andern hin und her im Feld auch geschossen und einander die Losung gegeben, zusammengelaufen, auch aus den Toren ihnen zu Hilfe gekommen. Da hat man sie wieder abgetrieben... 14. April Samstag sind unsere Krämer allhier, als sie von der Frankfurter Messe gekommen, bei Harbach von den Soldaten angegriffen und ihnen an 800 Gulden Wert genommen worden."

BAUERNAUFSTAND IN ÖSTERREICH

Die bayrische Besatzungsmacht trieb in Oberösterreich seit 1620 Steuern ein, weil der Kaiser noch immer bei Maximilian in der Kreide stand. Die Beamten gingen immer brachialer vor, so dass die Bauern 1626 einen Aufstand riskierten. Theatrum:

„Der Aufstand der Bauern in Österreich ob der Ens, welcher überaus gefährlich und schädlich aussah, hat sich zu Ausgang des Monats Mai angesponnen. Im Ober-Ensischen haben sich Bauern etliche Tausend stark sich zusammengerottet und sich etlicher Märkte und Städte bemächtigt."

Das Heer der Bauern behauptete sich gegen die Streitkräfte des bayrischen Statthalters, so dass diese Truppen aus Deutschland anfordern musste. Kaiser Ferdinand schickte den General Pappenheim mit einigen routinierten Regimentern. Theatrum:

„Es sind also im ersten Treffen über 3.000 Bauern auf der Wahlstadt geblieben und die übrigen in die umliegenden Täler, Berge und Wälder zerstreut worden."

Die Verzweiflung der Bauern muss groß gewesen sein. Sie gaben nicht auf.

„Nach diesem Treffen hat der von Pappenheim noch 2 Schlachten mit den Bauern gehalten und darin obsiegt, als eine den 19. November vor Böcklaburg die andere vor Wolfzeck, darinnen der Bauern abermals etliche 1.000 und 2 Generale geblieben, auch unter anderem 7 Stück Geschütz abgenommen worden."

Die „Mitläufer" kamen mit Geldstrafen davon, sie wurden noch gebraucht. Die Anführer dienten wie üblich als Exempel.

„Man hat viele von diesen Bauern, so man für Rädelsführer angegeben, gefangen und zu Linz und anderen Orten mit dem Schwert, Strang und Rad hingerichtet, man hat auch den Städten, so die Bauern eingelassen, ihre Privilegia genommen."

KRANKHEITEN UND KRIEGSELEND

Auszüge aus dem Buch über das Kriegselend von Dr.Lammert.

28.000 hingerafft

„In Württemberg folgten auf Misswachs und Hungersnot, durch die vielen Umzüge kaiserlicher Truppen gefördert, Pest und Seuchen, welche im ganzen Lande bei 28.000 Menschen hinrafften. In der Wetterau brach die Pest, nachdem sie sich kurz vorher schon gezeigt, wieder aus. Hersfeld an der Fulda wurde aufs neue von der Pest heimgesucht; es starben vom Juni bis September 445 Personen."

Wie Mücken

„Der Magistrat von Wimpfen am Neckar hatte schon im Vorjahre wegen der in der Umgegend sich zeigenden Pest verboten, auswärtige Märkte zu besuchen, stellte Wachen aus und dergleichen. Trotzdem wurde die Stadt nach dem kalten Winter von der Seuche heimgesucht. Laut Magistratsbuch fielen die Leute wie Mücken um... Im ganzen Fuldagrunde, wütete neben den Kriegsdrangsalen die Pest. Eisenach verlor 2.500 Einwohner... Die Seuchen griffen, durch die unausgesetzten Einquartierungen und Durchmärsche der Kriegsscharen geweckt und unterstützt, in den Provinzen Sachsen, Brandenburg, Hannover ungehindert um sich. Trotz aller Vorkehrungen stellte sich in Erfurt die Pest in verheerender Weise ein und raffte 3.474 Menschen hin... Die Pest gelangte durch kaiserliche Völker auch nach Halle. Dabei stockte der Handel ganz, Teuerung und Not steigerten sich täglich."

Rohe Soldaten

„Nach einem alten Verzeichnis starben zu Nordhausen in Thüringen vom 1. Januar bis 6. Dezember 3.283 Personen, nämlich 2.504 Einheimische, sohin ungefähr der 3. Teil der damaligen Einwohner und 779 Flüchtlinge. Schwache und ängstliche Personen wurden meistens ein Opfer der Pest, während die rohen Soldaten sich mit wenigen Ausnahmen ohne Gefahr in die Betten legten, aus welchen sie die Pestkranken herausgeworfen hatten... Wallensteins Scharen zogen im August auf der Verfolgung des Grafen Mansfeld von Dahme über Luckau und Sagan nach Schlesien, nach allen Richtungen die Pest und andere Infektionskrankheiten verbreitend. In Sagan erlagen an der durch die Soldateska eingeschleppten Pest täglich 20 - 40 Menschen... In dem nächst der Stadt Tangermünde errichteten Feldlager brach unter der dänischen Besatzung die Ruhr aus, welche sich bis in die Stadt verbreitete und gegen 1.600 Menschen hinraffte... 1627. Nachdem die Pest im letzten Jahre in Niedersachsen grosse Tätigkeit entfaltet hatte, richtete sie nun in Bremen bei grosser Hungersnot eine mörderische Niederlage an ; nach einem Verzeichnisse wurden gegen 10.000 Menschen, Einheimische und Flüchtlinge, ihre Beute. In Flensburg herrschte während der Besetzung durch die Kaiserlichen die Pest neben allgemeinem Elend in hohem Grade."

Erschossen und zermatscht

Über das Sterben in der Stadt Einbeck berichtet Georg Jeremias von Dassel:

„Es sind bis jetzt in Einbeck an der Pest und Hauptkrankheit über die 3.000 Einwohner und Flüchtlinge mit Gesang und Klang begraben worden. Sehr viele, vornehmlich aus dem Bauernvolke, so hereingeflohen, wurden heimlich hinausgebracht und in die Erde gescharrt. Inmassen denn auch noch heutigen Tags fast viele in dieser Stadt hin und wieder auf der Gasse erbärmlich krank liegen und eines Teils jämmerlich sterben. Auf dem Lande und in den Dörfern sind von den Leuten über die Hälfte gestorben, auch erschossen und zermatscht häufig im Gehölz und Feld gefunden worden, halb vom wilden Vieh zerfressen."

DIE OSTSEEPLÄNE HABSBURGS

Mecklenburg geht an Wallenstein

Anfang 1628 wurde deutlich, dass die kaiserlichen Truppen nicht nur Zwecks Vertreibung der Dänen in Mecklenburg eingerückt waren. Theatrum:

„Demnach die beiden Herzöge von Mecklenburg Hans Albrecht und Adolf Friedrich von ihren Gegnern beschuldigt wurden, dass sie den Kaiserlichen Abmahnungs-Schreiben nicht parieren wollten, sondern noch stark auf des Königs in Dänemark Seiten hielten und wo sie nur könnten, dem Kaiserlichen und Ligistischen Volk an ihrem Progress hinderlich wären. Daher hat I.K.Majestät Ursache genommen, sie ihrer Lande zu entsetzen und solche dem Herzog von Friedland auf sein Ansuchen zu übergeben. Also hat I.M. den 19. Januar als er, Herzog von Friedland, bei ihro zu Brandeis Audienz gehabt, ihn zu einem Reichsfürsten erhoben und ihm die Lehen über das Herzogtum Mecklenburg wie auch das Fürstentum Sagan in Schlesien erteilt."

Wallenstein Admiral der Ostsee

Für weitere Unruhe sorgte der Vorschlag, den Kaiser Ferdinand am 23. Februar 1628 den Vertretern der Hansestädte in Lübeck unterbreiten ließ. Theatrum:

„Es wurde hierbei im Namen I.K.M. und des Königs in Hispanien vorgeschlagen, dass allein die sechs Wendischen Städte, welche da sind Lübeck, Hamburg, Rostock, Wismar, Stralsund und Lüneburg von nun an in Spanien handeln möchten.... Der Handel aber sollte in Deutschland allen denen verboten werden so der neuen Admiralität und Gesellschaft, die in Spanien aufgerichtet worden, sich widersetzen würden."

Die Pläne waren bekannt. Wöchentliche Ordinari Zeitung, München:

„Hamburg, den 11. November 1628. Wallensteins Obrist Altringer und andere Offiziere halten in Itzenhoe Kriegsrat. Wollen auf den Frühling 150 Schiffe wider Schweden und Dänemark ins Wasser setzten."

Was die von diesem Vorhaben bedrohten Mächte davon halten mussten, wurde im Theatrum dargelegt:

„Der König in Spanien gedachte, allen Handel auf dem Meer an sich zu ziehen und die Hansestädte... zu seiner Devotion zu bringen. Dadurch sollten seinen Feinden, den Holländern und Seeländern der Handel und Gewinn auf diesem Meer entzogen werden. Es wurde der Herzog von Friedland zum Admiral über die Ostsee verordnet, welcher durch Hilfe der Hansestädte und der Schiffe, die er aus Spanien und Flandern erwartete, den Sund einzunehmen vermeinte."

Die Hansestädte lehnten höflich und mit guten Gründen ab:

„Den Potentaten, so auf dem Meer mächtig sind, und deren Pässe wir gebrauchen müssten, können wir uns nicht widersetzen oder würden selbige zu unseren Feinden machen."
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Die Potentaten, die Könige von Dänemark und Schweden, konnten nicht annehmen, dass Spanien-Habsburg seinen Plan zu den Akten legen würde. Auch nach dem Scheitern der kaiserlichen Armee vor Stralsund sah es nicht danach aus, denn Wallenstein bemächtigte sich nun der Hafenstadt Rostock. Eine Seearmada unter spanischer und kaiserlicher Flagge auf der Ostsee - das schöne Bild ging dem Kaiser in Wien nicht aus dem Kopf. Der Mann hatte Visionen und war hartnäckig.

Die anderen machen sich Sorgen

Die Ostseepläne Ferdinands und die Belehnung Wallensteins mit dem Eigentum der mecklenburgischen Herzöge alarmierten alle, die sich beim allgemeinen Länderschacher Gewinne und Verluste ausrechneten. Befürchten mussten:

Die katholischen Kurfürsten, dass der Kaiser die Reichsverfassung aushöhlen und das Kaisertum erblich machen wollte;

England, Frankreich und Schweden eine Habsburger Supermacht von Spanien bis zur Ostsee;

die protestantischen Reichsfürsten, dass der Kaiser sie alle absetzen würe, einen nach dem anderen;

die Inhaber aller geistlichen Güter, die die Protestanten seit 1552 an sich gebracht hatten, einen Totalverlust.

KONFISKATIONEN

Wie im Königreich Böhmen nach der Schlacht am Weißen Berg schwärmten in den besetzten Gebieten, aber auch in Schwaben und Franken kaiserliche Kommissare aus, um bei „Rebellen" Geld oder Land zu konfiszieren. Der Rechtstitel hieß schlicht: Erstattung der Kriegskosten. Doch auch diesmal sah der Kaiser kein Geld: Die Erträge dienten zum Unterhalt von Wallensteins Armee.

DAS RESTITUTIONSEDIKT - EIN WEITERER KRIEGSGRUND

Am 6. März 1629 lag ein Edikt Kaiser Ferdinands im Druck vor. Es bestimmte die Rückgabe von rund 500 säkularisierten Klöstern und Stiften. Darunter 12 Bistümer und die Erzbistümer Bremen und Magdeburg.

Recht oder Unrecht?

Bis heute sind sich die Gelehrten nicht einig, ob der Kaiser rechtlich zu dieser Maßnahme befugt war. Der Streit ist allerdings insofern müßig, als Ferdinand selbst nicht davon überzeugt war. Die Bestimmungen über die „geistlichen" Güter im Augsburger Religionsfrieden 1555 und im Vorvertrag 1552 waren unscharf formuliert worden. Die rechtliche Bewertung der nach 1552 erfolgten Säkularisierungen war also schwierig. Die protestantischen Aneigner hatten das ausgenutzt und die Grenzen des „Erlaubten" auch überschritten. Die Klagen, die die Geschädigten beim Reichskammergericht einreichten, blieben oft über Jahrzehnte unerledigt liegen. Die Anwälte der Beklagten machten sich mit Geschick die unklare Rechtslage zunutze.

Einfacher mit Gewalt

Als 1627 die ligistischen und kaiserlichen Truppen die „protestantischen" Bistümer im Norden besetzt hatten, konnte ein verkürztes Verfahren ins Auge gefasst werden. Wallenstein schlug vor, der Kaiser solle die eroberten Gebiete nach Kriegsrecht in Besitz nehmen. Dagegen drängten die Stände der katholischen Liga den Kaiser, ein „Urteil" im Sinne einer vollständigen Restitution zu fällen. Sie drohten sogar, ihm den Militärpakt aufzukündigen. Aber der Kaiser und seine Räte zögerten. Die vollständige Restitution barg die Gefahr, das Reich endgültig zu spalten und dem Recht jegliche Verbindlichkeit zu nehmen. Noch im Sommer 1628 verwies der Kaiser die Ligisten erneut auf den Rechtsweg. Die aber ließen nicht locker und strebten nun eine Lösung nach Art des jüngeren Gewohnheitsrechts an: Eroberte Territorien werden unter jene verteilt, die sich im Krieg „verdient" gemacht hatten. Siehe Böhmen und Mecklenburg.

Guter Vater

Da in erster Linie der Kaiser geködert werden musste, machten die Ligisten ihm das folgende Angebot: Seinem minderjährigen Sohn, Erzherzog Leopold Wilhelm, sollten die Stifte Bremen, Minden, Verden, Halberstadt und Magdeburg zuteil werden. Damit hätte das Haus Habsburg Land und Leute in der Größenordnung von Kursachsen hinzugewonnen und sich strategisch mitten im Reich verankert. Wallenstein war gegen eine allgemeine Restitution, aber für eine Ausweitung kaiserlicher Macht. Er empfahl sogleich, nun auch die Städte Bremen und Magdeburg zu erobern.

Neue Begehrlichkeiten

Die Räte des Kaisers sahen die Angelegenheit nun in einem ganz neuen Licht: In den Bistümern waren jede Menge von Pfründen zu vergeben. Einige verlangten nun die Restitution sämtlicher Klöster und Abteien. Um nicht der Habgier geziehen zu werden, sprachen sie von der Notwendigkeit, „Hunderttausende von Seelen zu retten". Auch die Orden, allen voran die Gesellschaft Jesu, empfahlen radikale Maßnahmen, um ihren Anteil am Rückgabegut zu erhöhen. Die Kurfürsten von Mainz und Bayern rieten dagegen von einer Totalrestitution ab: Bezüglich der vor 1552 enteigneten Güter müsse man erst eine formale Klage erheben. Dafür hielt Kurfürst Maximilian einen anderen Zugriff für vertretbar: Klerikale Fahndungstupps sollten in den reichsunmittelbaren Städten „kalvinistische" Umtriebe ausmachen, um sie sodann benachbarten katholischen Fürsten zu unterstellen. Ferdinand winkte ab: Die unvermeidlichen Turbulenzen in den Städten würden deren Finanzkraft schwächen, mithin die Einnahmen des kaiserlichen Fiskus mindern. Nach langem Schachern setzten sich die „Gemäßigten" unter Mitwirkung des päpstlichen Nuntius Caraffa durch: Zunächst nur Restitution der nach 1552 säkularisierten Güter.

Gottesurteil

Am 25. Oktober 1628 lag der Text vor. Ausführlich wurde dargelegt, daß nach 1552 die „Erz- und Bistümer, Prälaturen, Klöster und andere geistlichen Güter, Hospitalien und Stiftungen" unrechtmäßig eingezogen worden seien. Um ganz sicher zu gehen, beriefen sich die Autoren unter Anspielung auf den Sieg der Waffen auf ein allerhöchstes Urteil: Gott habe den Übermut bestraft und der gerechten Sache zum Sieg verholfen.

Kommissare marsch

„Wir sind zur wirklichen Handhabung beides, des Religions- und Profanfriedens, endlich entschlossen, unsere kaiserlichen Kommissare fürderlich ins Reich abzuordnen..."

Um die obengenannten Güter ...

„von den unrechtmäßigen Inhabern abzufordern und mit tauglichen, den Fundationen und Stiftungen gemäß ordentlich berufenen und qualifizierten Personen besetzen zu lassen."

Strafen angedroht

Wer sich „säumig erzeigt", die Güter herauszugeben, muss wegen „notorischen Ungehorsams ohne weiteres Urteil" mit der „wirklichen Exekution" rechnen: „Acht, Oberacht und Verlust aller Privilegien." Auch wer ehemaliges Kirchengut gekauft oder geerbt hatte, musste es wieder herausrücken.

Kriegsverlängerungserklärung

Dass das Restitutionsedikt dem „Profanfrieden" dienen würde, glaubte natürlich niemand. Es war ja geradezu darauf angelegt, die Kriegsbereitschaft der Geschädigten zu fördern, zumindest langfristig. Zunächst brachten diese ihre Kanzleien auf Trab und ließen Proteste, Einlassungen und Gutachten anfertigen. Darin hatten sie Übung. Die Restitutionsakte des kursächsischen Hofes umfasst mehrere Bände.

Bestürzung. Der Chronist in Straßburg:

„Den 23. April 1629, haben die kaiserlichen Commissarii allhier das kaiserliche Edikt wegen Restitution der geistlichen Güter und Abschaffung der Calvinisten öffentlich angeschlagen und einen kurzen Termin zur Durchführung eingeräumt, welches nicht allein allhier, sondern in andern mehr Reichsstädten geschehen und allerorten von evangelischer Seite eine grosse Bestürzung verursacht."

Schrecken. Der Chronist in Rothenburg:

„Den 26. April hat Kais. Maj. ein Mandat anschlagen lassen. Man soll ihm und den Pfaffen die geistlichen Kirchengüter und Klöster einräumen, welches einen Schrecken ins Volk gebracht... Den 18. Dez hat man das Kloster zu Schäftersheim eingenommen, war bischöfliches Volk aus Würzburg."

Der Chronist Heberle erfährt in Ulm:

„Auf dieses ausgeschriebene Mandat des Kaisers sind den Katholischen die Kirchengüter wieder eingeräumt worden, wider den Willen der Evangelischen, welche sich stark dawider gesetzt haben, aber vergeblich. Die Reichsten appellierten deswegen an den Kaiser und an das Reich, alle miteinander bezogen sich dabei auf die Reichssatzungen. Da war es von ihrer Hilfe ganz still... Den 3. September 1630 haben die Pfaffen das württembergische, grosse Kloster Maulbronn eingenommen, darein 24 Flecken gehören. Da haben die Fresser abermals einen guten Kuchen. Den 17. des Oktober sind durch Befehl des Herzogs von Württemberg die Pfaffen wiederum aus dem Kloster und dem Land verjagt worden. Aber es hat nicht lang gewährt, sondern sie haben sich bald wieder eingenistet, und mit Gewalt."

Auch im protestantischen Ausland war die Empörung gros. König Gustav Adolf konnte es Recht sein. Er brauchte für seine Kriegsrüstungen die Zustimmung der Stände.

KRIEG ODER FRIEDEN?

Im Mai 1629 billigte Kaiser Ferdinand einen zwischen König Christian von Dänemark und Wallenstein ausgehandelten Friedensvertrag.

Der Frieden zu Lübeck

Diesmal kamen die wild gewordenen Räte des Kaisers mit ihren Maximalforderungen nicht durch. So geriet der Vertrag zum schieren Gegenstück des Restitutionsedikts. König Christian verzichtete auf seine Ansprüche auf die norddeutschen Bistümer, dafür verblieben ihm die „okkupierten Fürstentümer und Provinzen" in Schleswig und Holstein. Sie sollten „ohne Entgeld restituiert" werden. Wallenstein begründete den Verzicht gegenüber dem Kaiser:

„Wann man ihm unerschwingliche Bedingungen stellt, wird er nicht nur wieder den Krieg aufnehmen, sondern auch die Hilfe Frankreichs, Schwedens, Englands und der Generalstaaten finden, die ihm mit Eifer angetragen wird."

Ferdinand war offenbar so erschrocken, dass sein Siegesrausch der Ernüchterung wich. Am 7. Juni 1629 wurde der Vertrag publiziert.

Friedensfühler

Ob gewollt oder ungewollt ist der Vertrag ein Plädoyer, den ganzen Krieg durch einen „Verzichtsfrieden" zu beenden. Es werden auch Fühler ausgestreckt:

„In diesen Frieden sollen... die Kronen Frankreich, Großbritannien, Schweden und die Staaten der vereinigten Niederlande, da sie allerseits wollen, mit eingezogen und begriffen sein."

Sollten die angesprochenen Mächte den zwischen den Zeilen zu lesenden Friedensabsichten einer vielleicht „gemäßigten" Fraktion trauen? Sollten sie glauben, die Pläne zur Beherrschung der Ostsee seien zu den Akten gelegt worden? Sollten sie gar annehmen, die Habgier der für das Restitutionsedikt Verantwortlichen habe sich plötzlich gelegt? Sie taten es nicht, vor allen nicht die Krone von Schweden. Um die Hände frei zu haben, schloss Gustav Adolf am 25. September 1629 einen sechsjährigen Waffenstillstand mit Polen.

Gustav Adolf kommt

Warum wollte der König gegen den Kaiser in den Krieg ziehen? Gegenüber dem schwedischen Reichstag äußerte er eigennützige Gründe:

„Meine Meinung ist, dass ich für unsere Sicherheit, Ehre und endlichen Frieden nichts dienlicher halte, als einen kühnen Angriff auf den Feind."

Durchaus realpolitisch nimmt auch der Reichstag am 13. November 1629 Stellung:

„Es ist besser, man begegnet dem Kaiser mit einer Armee an seinen eigenen Grenzen und traktiert mit ihm unter dem Helm, als dass man ihn hier in Schweden erwartet...Es gibt keinen besseren Schutz für die Ostsee und folglich keine andere Sicherheit für Schweden als die Offensive."

In seiner Abschiedsrede vor den Ständen gab sich Gustav Adolf dann eher uneigennützig:

„Das größte Ziel für diesen Krieg ist es, unsere unterdrückten Religionsverwandten aus den Klauen des Papstes zu befreien, was uns hoffentlich mit Gottes Gnade gelingen wird."

Dieses von Gustav Adolf selbst entworfene Bild des edlen „Glaubenshelden" hat die protestantische Propaganda dann eifrig ausgemalt. Von protestantischer Seite sieht man bei ihm auch heute noch ideelle Beweggründe. Was immer „Gutes" er aber gewollt haben mochte, faktisch vergrößerte und verlängerte der Kriegseintritt Schwedens das Kriegselend in Deutschland. Am 24. Juni 1630 landete Gustav Adolf mit 15.000 Mann auf der Insel Usedom.

Und Frankreich

Im Umgang mit Frankreich war höchste Vorsicht geboten. Es hatte mit England Frieden geschlossen, die Hugenotten militärisch endgültig ausgeschaltet und somit den Rücken frei. Dennoch tat Kaiser Ferdinand alles, um den politischen Führer Frankreichs, Kardinal Richelieu, in eine Allianz mit den protestantischen Feinden Spanien-Habsburgs zu treiben. Im Erbfolgekrieg um das Herzogtum Mantua mischte der Kaiser gegen den Willen Wallensteins mit eigenen Truppen an der Seite Spaniens mit - und legte sich so mit Frankreich an. Die mit Frankreich verbündeten niederländischen Generalstaaten begannen eine Offensive gegen die spanischen Niederlande - der Kaiser entsandte Truppen, um den Spaniern beizustehen. Und das alles, obwohl infolge eines Erbstreits ein Waffengang mit Frankreich um Lothringen drohte. Richelieu eröffnete die Feindseligkeiten mittels seiner Diplomaten. Gustav Adolf erhielt die Zusage, Frankreich würde einen Feldzug nach Deutschland finanziell unterstützen. Den geistlichen Kurfürsten und Maximilian von Bayern wurde erläutert, welche Vorteile sie bei einer Abwendung von Spanien-Habsburg zu erwarten hätte."

KURFÜRSTENTAG

Am 3. Juli 1630 wurde ein Kurfürstentag in Regensburg eröffnet. Die protestantischen Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen waren nur durch Gesandte vertreten. Das Theatrum spricht von „großen Hoffnungen auf Frieden bei den Leuten." Und was wollten die Politiker?

Debakel programmiert

Kaiser Ferdinand erhoffte sich die Zustimmung für eine militärische Unterstützung Spaniens und zur Wahl seines Sohnes Ferdinand zum römischen König.

Die katholischen Kurfürsten verlangten eine Verkleinerung der kaiserlichen Armee, eine Minderung der allgemeinen Kriegsfolgen und die Entlassung Wallensteins.

Die Gesandten der protestantischen Kurfürsten bestanden auf der Rückname des Restitutionsedikts.

Auch ein Gesandter Richelieus stellte sich ein und stiftete vor allem Verwirrung. Unter anderem bot er Maximilian von Bayern an, Frankreich würde seine Wahl zum Kaiser unterstützen. Bedingung: Ein Bündnis zwischen Bayern und Frankreich. Andererseits verhandelte er mit Ferdinand über einen Frieden in Mantuanischen Krieg, wobei er seine Kompetenzen überschritt.

Und was kam heraus?

Die Franzosen blieben in Oberitalien, in der Frage der Nachfolge des Kaisers kam keine Entscheidung zustande, und die katholischen Kurfürsten stimmten den Kriegsplänen Ferdinands nicht zu. Im Gegenteil: Sie forderten ihn auf, einen friedlichen Ausgleich mit den Generalstaaten, Frankreich und Schweden zu suchen. Die mächtige katholische Liga war also friedenswillig. Die geistlichen Kurfürsten schlugen sogar vor, mit den Protestanten ein gemäßigtes Restitutionsedikt auszuhandeln. Aber der Kaiser wollte nicht. Nach monatelangem Schachern kamen sich die Herren dann entgegen: Verhandlungen ja, aber erst bei der nächsten Tagung. Obwohl täglich neue Nachrichten vom schwedischen Vormarsch eingingen! Schließlich schritt Ferdinand doch zur Tat, aber zu welcher! Er gab dem Drängen der katholischen Fürsten nach und ließ bei Wallenstein in Memmingen nachfragen, ob er mit seiner Entlassung einverstanden wäre. Ansonsten blieb Ferdinand unnachgiebig. Auf mehr als seinen Feldherren wollte der Kaiser nach Art des Hauses nicht verzichten. Auf die Zugewinne durch das Edikt am allerwenigsten.

Kein Friede

Das Theatrum, enttäuscht:

„Die Stände hatten sich vom Kurfürstentag erhofft, den unerträglichen Reichsbeschwerden würde abgeholfen und der lange gewünschte Frieden wieder angerichtet und stabilisiert werden, wiewohl sich hernach das Widerspiel im Werk erwiesen."

Wallenstein geht

Das Theatrum, erstaunt:

„Da hat der Herzog von Friedland (welches von allen gleichsam als ein Wunder gehalten wurde) dem Kaiserlichen Befehl sich alsbald bequemt."

Obwohl die Kurfürsten heftig protestierten, durfte Wallenstein das Herzogtum Mecklenburg behalten.

DER BÖSE WALLENSTEIN

Beim Kurfürstentag taten alle so, als habe allein Wallenstein alles Elend herbeigeführt. Theatrum:

„Die Kurfürsten gaben... zu verstehen, dass an allen solchen trübseligen Zeiten, Schande und Lastern, gräulichen und unerhörten Kriegspressuren, die täglich verliefen, der neue Herzog aus Mecklenburg als General über die Kaiserl. Armee einzig und allein die Ursache wäre, indem man demselben ohne der Stände Bewilligung eine solche Gewalt übertragen, die noch kein einziger vor ihm gehabt hätte. So wäre auch das unsägliche geworbene Kriegsvolk nirgends zu dienlich, als das allgemeine Vaterland zu verderben. Überdies hätte man diejenigen mit Kriegsmacht überzogen, wider welche doch solches niemals dekretiert und beschlossen worden wäre."

Gaben Gottes verachtet

Aus der umfangreichen Beschwerde, die die Gesandten aus Pommern einreichten:

„Die Kosten, die auf die Unterhaltung der Artillerie, auf Proviant und Märsche gewendet worden... erstreckten sich allein in der Fürstlichen Stettinischen Regierung auf 10 Millionen Reichstaler."

Die zur Eintreibung der Kontributionen abgestellten Söldner nannte man Tribulanten.

„Diese Tribulanten schlugen Türen und Fenster aus, und mit großer Verachtung der Gaben Gottes prügelten und verwundeten sie die Leute also, dass dieselben zu Zeiten gar ums Leben kamen, und es wurden dabei allerhand Unehrbarkeiten vorgenommen."

Das Theatrum über weitere Klagen:

„Es hat sich auch neben den Pommerischen Abgesandten Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel über die unerschwinglichen Kontributionen für das Kriegsvolk beschwert... Er habe bisher sieben Millionen erlegen und bezahlen müssen. So klagen die Württembergischen Gesandten, dass sich desselben Herzogs monatliche Kontribution auf die hundertzwanzigtausend Taler beläuft."

Millionen Seelen betrübt

Die Abgesandten des Schwäbischen Kreises erinnerten an ihre bisherigen Beschwerden und fuhren fort:

„Die Kriegsbeschwernisse, Drangsale und Pressuren... haben sich trotzdem täglich bis zur Ankunft des Generals von Friedland in Memmingen gehäuft. Mit beharrlichen, grundverderblichen Einquartierungen, abgeforderten und mehrmals mit Gewalt erpressten unerschwinglichen Geldkontributionen... mit Rauben, Plündern, Sengen, Brennen, Prügeln, Foltern und Ermorden, auch Schänden und Notzwingen und mit andern mehr... Die gemeinen Soldaten, geringen Offiziere, Kommissare und Befehlshaber verfuhren unter Hintansetzung aller Verfassungen und der so teuer erworbenen Deutschen Reichsfreiheit, beinahe nach eines jeden Belieben, Affekt, Laune und Passion. Sie haben dadurch Herrschaften und Untertanen und viele Millionen Seelen höchlich betrübt, an Ehren und Reputation angefochten und verkleinert, an Leib und Leben beängstigt und bedrängt, auch vielerorten um Hab und Gut gebracht, von Haus und Hof verjagt und in das Elend genötigt, und fast allerorten die notwendigen Unterhaltungsmittel gänzlich entzogen."

An 99 Tafeln gespeist

Und der Kurfürstentag hatte so schön angefangen. Theatrum:

„Zum Tag ist Ihre Majestät Kaiser Ferdinand samt der Kaiserin, dem König in Ungarn (sein Sohn Ferdinand), den beiden Prinzessinnen und dem ganzen Hofstaat den 27. Mai von Wien aufgebrochen. Die große Begleitung wurde während der Reise an 99 Tafeln gespeist. Sind den neunten Juni gegen drei Uhr in Regensburg eingezogen, wo die Bürger den ganzen Tag in voller Rüstung gewartet, bis der Einzug zu Ende war."

SORGEN UND FREUDE IN WIEN

Kaiser Ferdinand schrieb an Gustav Adolf, er habe ihm nie etwas angetan und er möge von seinem Vorhaben ablassen. Der König erinnerte in seiner Antwort unter anderem an die Ostseepläne und wies das Ansinnen zurück. Sorgenvoll befahl Ferdinand, die Befestigungen von Wien zu verstärken. Es gab aber auch gute Nachrichten. Theatrum:

„Erzherzog Leopold Wilhelm, Kaiser Ferdinands Sohn, wurde vom Papst zum Erzbischof zu Magdeburg erklärt."

Ein sehr lohnender Kriegsgrund - oder?

Siehe auch
Propagnda der
Kreuzzüge
In Sachen
Kolumbus
Der Fall
Jesus Christus