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Mädchen springen in die Flüsse (um nicht vergewaltigt zu werden) Vincent: Lamentations
Peter Milger Gegen Land und Leute - der 30jährige Krieg

(10) Ein Schotte im Dienst Dänemarks

1627/28 - Kämpfe in Mecklenburg und Holstein - Küstenkrieg - Ostseepläne Habsburgs - Wallenstein vor Stralsund - Schweden greift ein - König Christian gibt auf

Chronist: Robert Monro, Offizier in einem schottischen Regiment. Er fasste 1637 seine Bewegungen auf dem Kriegsschauplatz zusammen.

Den Papst in Rom grüßen

„Der Marsch unseres Regiments dauerte neun Jahre, und führte uns hin und her, im Kreis herum, vor und zurück, auf unsere Feinde zu und von ihm weg, in Freud und Leid. Von der Ostsee zur Weser, von dort nach Ruppin in der Mark, dann nach Wismar an die Ostseeküste zurück, von dort auf dem Seeweg nach Oldenburg in Holstein, und dann per Schiff nach Flensburg und Dänemark. Zwei Jahre lang hatten wir uns zu Land und auf der See bewegt und waren wieder am Ausgangspunkt. Dort wurden wir von S.M. von Dänemark abgedankt, da der König im Mai 1629 mit dem Kaiser Frieden geschlossen hatte. Nun traten wir in den Dienst beim Löwen des Nordens, dem unbesiegbaren König von Schweden. Für ihn ging es nun von Dänemark auf dem Seeweg nach Preußen, dann wieder zur Ostseeküste zurück, und von dort aus zur Donau. Hätte unser Anführer edlen Andenkens länger gelebt, so hätten wir die Alpen überquert und dem Papst in Rom Grüße überbracht. Aber der Verlust des Löwen als Führer bedeutete den Verlust von vielen von uns. Auch für unser altes Regiment, dessen Reste immer noch am Rhein stehen. Mit 20.000 Schotten wie diesen, würde ich gerne dem Juwel Europas dienen, der Tochter unseres Königs, der Königin von Böhmen und ihrer Nachkommenschaft."



SCHÖN IST DAS SOLDATENLEBEN. NOCH.

Anfang 1627 trat Monros Regiment seinen Dienst beim dänischen König an.

„Gleich nach unserer Landung in Glückstadt an der Elbe wurden wir auf Befehl Seiner Majestät des Königs von Dänemark in den fetten und fruchtbaren Landstrichen Holsteins einquartiert. Während dieser Zeit wurden wir entsprechend dem Dienstgrad versorgt, wobei einige Offiziere eine tägliche Geldzulage erhielten, damit sie gute Ordnung hielten. Die Kompanien wurden aufgefüllt, gemustert, eingekleidet, und sie erhielten ihr Handgeld. Wer es damals verschmähte, in den Krieg zu ziehen, den hielt man für dumm."

SCHÖNES HOLSTEIN: VORHER

„Die Fruchtbarkeit ist nicht geringer als sonstwo in Deutschland. Es gab Korn im Überfluss, auch Weizen und Gerste, und die Milch ist nicht schlechter als in Holland. Die Gegend ist auch reich an Süß und Salzwasserfischen. Die Bürger leben wie Adelige, und die Landbewohner wie Gentlemen."

EINIGE MONATE SPÄTER...

Nächste Beobachtung, den Zustand der Gegend betreffend:

„In sechs Monaten wurde das Land ruiniert, nachdem wir zur Weser aufgebrochen waren."

Noch bevor sie dort den ersten Schuss auf Tillys Scharen abgeben konnten, kommt es zu ersten „Feindberührung".

DES SOLDATEN FEIND: DER BAUER

Monro benutzt gelegentlich deutsche Worte, wie er sie gehört hat. So „Boores" für Bauern, „Dorpe" für Dorf.

„Auf diesem Marsch zum Weserstrom blieb Hauptmann Bothwell hinter dem Regiment zurück und wurde von einer Anzahl schurkischer Boores getötet. Sie sind seit jeher die Feinde des Soldaten. Der Tod dieses Cavaliers wurde von allen beklagt, die ihn gekannt hatten, und es gab keine Sühne für seinen Tod. Aber, da die Boores geflohen waren, wurde ihr Dorpe abgebrannt."

„THE DORPE WAS BURNT OFF"

Das Selbstverständliche kommt in Monros Originalton noch besser heraus. Die Militärs unter den Beobachtern des Kriegstheaters haben allesamt die Fähigkeit, schwerwiegende Eingriffe in das Leben von Zivilisten kurz und bündig zu umreißen.

AN DER BOIZENBURGER SCHANZE

Am 10.7.1627 brach das Regiment auf und marschierte über Buxtehude nach Boizenburg, wo es eine Schanze verteidigen sollte.

„Der Feind... rückte mit 10.000 Mann bis auf Kanonenschußweite vor die Schanze und hob Annäherungsgräben aus. Der Feind griff die Schanze von allen Seiten her an. Tapfer und entschlossen wurde er nach langem Kampf von den Wällen zurückgetrieben, wobei er mindestens 500 Mann verlor. Er setzte mit verdoppelten Kräften und noch größerem Ungestüm nach, wurde aber auch beim zweiten Male mit Verlusten zurückgeschlagen. Beim dritten Mal war den tapferen schottischen Verteidigern das Pulver ausgegangen. So warfen sie den Angreifern, die die Wälle heraufstürmten, Sand in die Augen, schlugen sie mit den Kolben ihrer Musketen nieder und brachten mehrere Male deren Sturmreihen völlig durcheinander. Am Ende war der Feind gezwungen, sich zurückzuziehen. Der Feind überrumpelte an einem Übergang flußaufwärts die deutsche Wachmannschaft und kam so über die Elbe."

FINANZIERUNG DER REISE

„Wir setzten unseren Marsch nach Ruppin fort. Dort bekamen wir den Befehl, uns vor der Stadt in Schlachtordnung aufzustellen. Die Absicht war, die Stadt unter Kontribution zu bringen, und wenn sie nicht wollte, sie mit der Einquartierung durch unser Regiment zu schrecken. Als das Ziel erreicht war, wurden wir in Dörfer gelegt, damit wir uns drei Tage ausruhen könnten. Wir sollten nach Schlesien weitermarschieren."

Daraus wurde nichts, wegen der schlechten Nachrichten aus Schlesien. Das Regiment wurde statt dessen von Wismar aus nach Heiligenhafen in Holstein verschifft.

AUFFANGSTELLUNG

„Unsere Armee bestand zu dieser Zeit aus 8.000 Mann zu Fuß und zu Pferd. Nachdem wir sicher in Heiligenhafen gelandet waren, marschierten wir zum Oldenburger Graben. Wir schanzten die ganze Nacht hindurch bis zum Mittag des nächsten Tages, als wir den Feind in voller Schlachtordnung zu Fuß und zu Pferd auf die Stellung zumarschieren sahen. Am nächsten Morgen wurden die Geschütze auf beiden Seiten abgefeuert, und die Reiterei ging aufeinander los, bis unsere weichen mussten. Die Fußtruppen und Reserven griffen auf beiden Seiten ein, das Gefecht wurde hitzig, und wir gerieten in Gefahr, die Stellung zu verlieren."

GEMEINHEIT

„Als die Munition auf beiden Seiten knapp wurde und die Dunkelheit hereinbrach, ebbte der Kampf ab und man schickte uns vom Lager ein Fass Bier. Es sollte schnell geöffnet werden, damit jeder mit seinem Hut oder seinem Helm antreten könnte. Alle lungerten um den Wagen mit dem Fass, als die Kanoniere des Feindes ihnen ein Salut zum Bier schossen. Sie hielten genau auf uns, aber durch Gottes Vorsehung wurde niemand getroffen außer dem Faß, das mit dem Bier in die Luft gejagt wurde."

SCHOTTISCHE UND DEUTSCHE TUGENDEN

„Hugh Murrey erhielt im hitzigsten Gefecht den Befehl, seinen toten Bruder wegzubringen. Da ihm das Pulver ausgegangen war, wollte er vorher die Kapseln am Bandelier seines Bruders leerschießen, um ihn zu rächen. Dabei wurde er selbst ins Auge getroffen, aber so günstig, dass ihm die Kugel einige Tage später aus der Nase fiel. Das klingt zwar unglaublich, ist aber dennoch wahr... Hier habe ich auch gesehen, dass die Deutschen in extremer Gefahr nicht die besten Soldaten sind, wenn ich auch zugebe, dass sie in allen anderen Diensten sehr gehorsam sind. In extremen Situationen schützen sie gewöhnlich Unzufriedenheit vor und schreien nach Geld, wie diesmal auch."

AUCH KAMERADSCHAFT KENNT GRENZEN

So waren für Monro die Deutschen Schuld, dass die Stellung nicht gehalten werden konnte. Von den Kaiserlichen unbehelligt, da hinter ihnen die Dänischen marschierten, erreichten die Schotten zu Fuß Heiligenhafen. Aber sie waren nicht die ersten.

„24.9.1627. Unsere Kameraden, die Reiter, die immer für Konfusion sorgen, waren vor uns da und hatten ohne Befehl Schiffe gezwungen, ihre Pferde an Bord zu nehmen. Sie hielten die ganze Mole mit ihren Pferden besetzt."

Der Kommandeur der Schotten beschloss, die Reihenfolge der Einschiffung zu korrigieren.

„Wir rückten mit unseren Abteilungen auf der Mole vor und räumten sie mit gefällten Spießen von der Reiterei. Das Ertrinken blieb ihnen erspart, weil der Kanal zwischen der Mole und dem Festland sehr seicht war. So rückten wir bis zum Ende der Mole vor, besetzten ein Schiff und ließen es etwas von der Mole ablegen. Dann bemannten wir ein Beiboot und zwangen die anderen Schiffe, den Rest unseres Regiments aufzunehmen. Am Morgen holte ich noch drei Bootsladungen Verwundete und Kranke vom Strand zum Schiff, bis ich von feindlichen Reitern vertrieben wurde. Nachdem ich mit der letzten Ladung angekommen war, folgten wir dem Kurs der anderen Schiffe."

EINE GANZE ARMEE ERGIBT SICH

Monro blickte zurück und konnte es nicht fassen, was sich dort abspielte.

„Hinter uns sahen wir, wie sich die Armee des Feindes in Schlachtordnung aufstellte. Gegenüber stand unsere Armee zu Fuß und zu Pferd. Und dann sah ich, wie 36 Kornetts Reiterei, komplett und ohne auch nur einen Pistolenschuss abgefeuert zu haben, sich als Gefangene der Gnade des Feindes auslieferten. Der größte Teil trat seinen Dienst. Über fünf Regimenter zu Fuß mit 40 Fahnen folgten ihrem Beispiel, ebenfalls ohne einen einzigen Musketenschuss abgefeuert zu haben."

FÜRS VATERLAND

Der Mangel an Vaterlandsliebe nötigt Monro ein Stoßgebet ab.

„Der Herr möge Seine Majestät, seine Kinder und Untertanen vor der Macht ausländischer Feinde bewahren. Ich wünschte, ein großer Teil meiner Landsleute wäre geneigt, die Restitution Ihrer Majestät von Böhmen (Friedrich) und ihrer Kinder so zu unterstützen, wie ich es tue. Der Krieg darf nicht eher zu Ende sein, bis sie wieder ihre Länder zurückhaben, und bis ich das Blut meiner Freunde und mein eigenes gerächt habe, das in diesem Streiten vergossen wurde."

ÜBER DAS PLÜNDERN

Nach der Klarstellung edlerer Beweggründe, wendet er sich den niederen, dafür sehr realen zu:

„Ich konnte beobachten, in welches Missgeschick viele tapfere Offiziere und Soldaten geraten, die sich dem Plündern hingeben. Sie raffen eine kleine Beute zusammen, um sie zu verkaufen, und dabei fallen sie gewöhnlich in die Hand ihrer Feinde. Meine Meinung ist: Wenn man schon Plündern und Beutemachen zu allen Zeiten für Soldaten als entschuldbar hält, so gilt das nur bei Beachtung der Umstände."

VERBRANNTE ERDE

Monro formuliert ein Grundprinzip der herrschenden Kriegskunst:

„Bevor etwas den Feind bereichert, ist es nicht falsch, wenn man es selber nimmt oder mit Feuer und Wasser zerstört, bevor es dem Feind nützt. Allein in dieser Hinsicht erlaube ich das Beutemachen, vorausgesetzt, die Leute werden dadurch nicht gehindert, ihre Pflicht zu erfüllen."

In Dänemark stellte Monro fest, dass das Regiment 400 Männer verloren hatte. Die Soldaten wurden einquartiert und mit Geld versorgt, damit sie nicht plünderten. Ausgeruht, ging es wieder an den Feind.
Unterwegs missbraucht der Soldat Macmeyer eine Bauerntochter, was zu einer Beschwerde der Bauern führt.

„Um dem Recht Genüge zu tun, berief ich einen Kriegsrat aus Offizieren und dem Untersuchungsrichter ein. Nachdem der Fall untersucht worden war, wurde der Soldat aufgrund der königlichen Kriegsartikel zum Tode durch Erschießen verurteilt, damit die anderen durch dieses Exempel abgeschreckt würden, eine ähnlich schlimme Sünde zu begehen."

BLUTBAD IN BREITENBURG

Voller Empörung gibt Monro weiter, was er von Überlebenden erfahren haben will.

„Im befestigten Breitenburg hielten sich neben den Soldaten viele geflohene Männer, Frauen und Kinder auf. Der Feind ging zum Generalangriff über und überwand den Wassergraben. Quartier-Rufe wurden überhört. Nachdem er eingedrungen war, ließ der Feind grausam alle über die Klinge springen, ohne den Rang zu achten, das Alter oder das Geschlecht, so das nur fünf oder sechs davonkamen. Wie ich erfuhr, hatte der Feind 1.000 Mann verloren, was die Grausamkeit vergrößerte. Als sich die erste Wut gelegt hatte, suchten sie die Leiche des Majors, schnitten ihm die Brust auf, nahmen das Herz heraus und stopften es ihm in den Mund. Auch der Priester wurde getötet. Er hatte auf Knien um Gnade gefleht, aber die wurde ihm verweigert."

ECKERNFÖRDE WIRD GESTÜRMT UND GEPLÜNDERT

Der Dänenkönig, zugleich Herzog von Holstein, läßt seine eigene Stadt angreifen.

„Am 11. April 1628 schifften wir uns ein und segelten entlang der Küste von Holstein bis Eckernförde, wo eine 500 Mann starke Garnison der Kaiserlichen lag. Seine Majestät befahl uns, zu landen und die Schanze zu stürmen, während der König an Bord blieb und uns zusah. Wir landeten in aller Eile, 2.000 Mann verschiedener Nationen, Engländer, Schotten, Deutsche und Franzosen. Wer die Vorhut bilden sollte, wurde ausgewürfelt. Da wir Sechsen geworfen hatten, fiel die Ehre mir und meinen Leuten zu. Wir teilten die Munition aus und baten Gott durch unseren Prediger um Erfolg. Da die Schanzen niedrig waren, stürmten wir auf sie zu, ohne einen Schuß abzugeben. Die Verteidiger feuerten drei Musketensalven, und einige von uns bekamen es ab."

GEMETZEL IN DER KIRCHE

„Schließlich räumte der Feind die Schanze und wir konnten in die Stadt eindringen, weil es hier keine Mauern gab. Der Feind zog sich in die Kirche zurück, schloss die Türen und schoss viele von uns nieder. Unsere Soldaten hatten die vom Feind bei Breitenburg verübten Grausamkeiten nicht vergessen und waren entschlossen, ihnen kein Pardon zu geben. Wir stießen mit einer Leiter die Kirchentüre ein und drangen in das Innere vor. Da ich Pulver sah, und eine Explosion drohte, befahl ich, die Kirche zu räumen. Kaum gesagt, ging das Pulver hoch und sprengte den oberen Teil der Kirche in die Luft. Über 100 Mann kamen um, andere trugen Verbrennungen davon, darunter auch ich. Kaum war der Rauch verzogen, da stürmte Hauptmann Chamberlain hinein, fand die Offiziere und gab ihnen als seinen Gefangenen Quartier. Von den 250 Soldaten entkam niemand oder nur wenige."

Die gemeinen Soldaten wurden niedergemetzelt, obwohl natürlich auch sie um Gnade gebeten hatten. Aber sie brachten ja kein Lösegeld ein.

„THE TOWN WAS PLUNDERT"

Laut Monro haben sich die Eckenförder nicht an der Verteidigung der Stadt beteiligt, waren also nicht als „Feinde" zu behandeln. Schutzbefohlene des dänischen Königs waren sie auch. Aber es nutzte ihnen nichts.

„Die Stadt wurde geplündert, und da Majestät befürchtete, feindliche Reiter könnten uns überfallen; erhielten wir den Befehl, uns einzuschiffen."

Der Angriff auf Eckernförde hatte also nicht das strategische Ziel, die Stadt zu besetzten. Geplant war das, was auch ausgeführt wurde.

BEFEHLSNOTSTAND

Nicht das Plündern, sondern das Eindringen in die Kirche meint Monro rechtfertigen zu müssen. Und er erweist sich als ein Pionier des Rechtfertigungswesens.

„Wir hatten den Befehl von unserem Kriegsherrn erhalten, unsere Feinde zu schlagen, sie gefangen zunehmen oder sie zu töten. Weder das eine noch das andere war möglich, ohne in die Kirche einzudringen."

Im Zweifelsfall hilft auch der Hinweis auf die noch größeren Untaten des Feindes weiter.

„Sie hatten in Breitenburg aus dem Hause Gottes eine Tenne für Diebe und Mörder gemacht, wo sie unsere Kameraden getötet und unseren Prediger niedergemacht hatten, der auf seinen Knien vergeblich um Gnade flehte."

KIEL BESCHOSSEN
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„8.4.1628. Der König ließ um 7 Uhr morgens fünf große Schiffe und zwei Galleonen beidrehen. Sie eröffneten das Feuer auf die Stadt, und schossen eine Stunde lang so schnell sie nur laden konnten mit 70 Halb-Kartaunen. Bei jeder Salve wurden die Häuser der Stadt durchlöchert. Viele verloren Arme, Beine oder ihr Leben."

Zu seinen Soldaten war der König auch nicht gütiger.

„Als unsere Kanonen das Feuer einstellten, befahl Seine Majestät, eine Abteilung von 200 Musketieren am Strand abzusetzen. Die Abteilung brach zur Küste auf, zwölf Musketiere in jedem Boot. Der Feind gab zweimal eine Salve von 1.000 Schuss ab, so dass die Hälfte von ihnen getötet wurde. Aber der Leutnant führte den Rest tapfer an Land und nahm den Kampf auf. Es ging eine halbe Stunde heiß her, bis der größte Teil unserer Abteilung tot war. Die restlichen waren verwundet und schwammen in ihren Kleidern zum Schiff zurück. Wir lichteten die Anker... und nahmen Kurs auf die Insel Fehmarn."

Ein weiterer Landungsversuch in Holstein scheiterte ebenfalls kläglich. Monro äußert sich nicht über die Kriegskunst seines Dienstherren, läßt aber durchblicken, dass er sie für mäßig hält. Das Regiment wurde wieder nach Dänemark verlegt, nicht zur Freude aller Dänen.

BAUERN BESIEGT

„Auf dem Marsch durch Seeland wurden Hauptmann Mackenyees Soldaten in einem Dorp einquartiert. Die Boores griffen zu den Waffen, um die Einquartierung zu verhindern. Die Soldaten warteten nicht auf ihre Offiziere, sondern nahmen den Kampf mit den Bauern auf. Mit ersten Salve wurden vier Bauern totgeschossen und einige verwundet wurden. Die übrigen flohen."

BEHERRSCHUNG DER OSTSEE

Der Dänenkönig war zu Lande besiegt, konnte aber entlang der Küste mittels seiner Flotte immer noch zuschlagen. Nun griffen der Kaiser und Wallenstein einen alten Plan der Spanier auf: Die Seeherrschaft über die Ostsee zu erringen. Mecklenburg hatte Wallenstein schon erobert. Was noch fehlte, war ein Flottenstützpunkt

KÄMPFE UM STRALSUND

Ende 1627 drohte der Ostseestadt Stralsund Unbill. Der kaiserliche Feldherr Armin wollte eine Garnison in die Stadt legen, bei freier Kost und Logie, versteht sich. Unter Zwang hatte der Herzog von Pommern die Einquartierungen in seinem Land gebilligt. Der Rat von Stralsund beschloss, die Stadt zu verteidigen und ersuchte Dänemark und Schweden um Beistand. Am 13. Mai standen 1.000 geworbene Söldner und 1.500 Mann Bürgerwehr gegen eine Belagerungsarmee von 8.000 Mann unter Armin. Die Verteidiger hielten den ersten Angriffen stand. Als es eng wurde, liefen dänische Schiffe ein.

MONRO KOMMT

„Am 28. Mai 1628 kamen wir nicht ohne Gefahren zu Wasser und zu Lande in die Stadt Stralsund hinein. Die kaiserliche Armee lag davor und ihre Batterien standen nahe am Wasser. Bei unserer Ankunft, schossen sie unseren Mast ab. Gleich nach der Landung lösten wir unsere ermüdeten Kameraden ab, die am Frankentor Wache hielten."

Monro schildert ausführlich die Mühsal der Wachdienste und beklagt, dass die Stralsunder ihnen keine Quartiere einräumen. Sie seien undankbar und unfreundlich. Nach seinen Beobachtungen hätte Monro ihren Unwillen verstehen müssen.

OHNE KOPF NACH HAUSE

Monro beschreibt die Wirkung der kaiserlichen Batterien:

„Viele, die am Morgen aufstanden gingen am Abend nicht mehr ins Bett, und viele hielten noch ihre Abendmahlzeit und brauchten am Morgen kein Frühstück mehr. Mancher Bürger dieser Stadt, der in seinen Sonntagskleidern ausging, um frische Luft zu schnappen, kam nicht nach Hause, bevor man ihn tot oder lebendig heimtrug, und bei einigen hatten die Kanonen den Kopf vom Körper getrennt."

Eine Bürgerfraktion forderte Verhandlungen zwecks Übergabe der Stadt. Monro ist empört.

„Gemeine Verräter, die aus Eigennutz die Stadt und das gemeine Eigentum an den Feind verkaufen wollten. Einige von ihnen, den Namen eines freien Bürgers nicht wert, wurden zur Zwangsarbeit verurteilt."

WALLENSTEIN IST VERÄRGERT

„Am 26. Juni 1628 kam Wallenstein, Herzog von Friedland und General der kaiserlichen Armee, um die Belagerung der Stadt Stralsund zu besichtigen. Er war verärgert, dass Feldmarschall Arnim noch nicht in die Stadt eingedrungen war. Wallenstein erkannte, dass unsere Stellung schlecht befestigt war und beschloss, hier anzugreifen. Er schwor, er werde die Stadt in drei Nächten einnehmen, selbst wenn sie mit eisernen Ketten zwischen Himmel und Erde hinge. Zwischen 10 und 11 Uhr nachts gaben unsere Wachposten Feuer und riefen uns zu den Waffen. Wir sprangen auf und sahen, wie der Feind in einer Stärke von über 1.000 Mann unter dem Ruf „Sa Sa Sa" heranstürmte. Der Kampf entbrannte an allen Ecken. So ging es etwa eineinhalb Stunden lang heiß her und mehrere von uns wurden getötet, wobei auf einen Toten von uns drei tote Feinde kamen. Unser tapferer Widerstand veranlasste den Feind, weitere 1.000 Mann frischer Truppen nach vorn zu werfen, die noch ungestümer gegen uns anrannten."

Monro nennt auch die Namen vieler Verwundeter und Gefallener, offenbar um sie zu ehren. Er selbst wurde durch einen Streifschuß am Bauch verletzt.

„Ich wurde weggetragen, weil ich durch meine Wunden ziemlich fertig und ganz steif war... Als auch der Major gefallen war, konnte der Feind beim letzten Sturm im Morgengrauen in unsere Befestigungen eindringen. Er wurde unter großen Verlusten mit Säbeln, Spießen, und Musketenkolben zurückgeschlagen und musste sich bei Tagesanbruch zurückzuziehen. Er hatte über 1.000 Mann verloren, wir über 200 Mann, ohne die Verwundeten. Der Graben war bis zum Rand mit den Leichen der Feinde gefüllt."

DER ZWEITE ANGRIFF

„Als es Nacht wurde, drang der Feind mit Ungestüm auf unsere Wachmannschaft ein, die sich zurückziehen musste. Der Feind zerschnitt die Palisaden und begann, unsere Stellung zu unterminieren. Unsere konnten sie durch Gegenstollen daran hindern. So ging es die ganze die Nacht heiß her, unter großen Verlusten. Am Morgen machten unsere Soldaten, bewaffnet mit Brustharnischen, Sturmhauben, Halbspießen, Morgensternen und Schwertern, einen Ausfall, angeführt von entschlossenen Offizieren. Sie stifteten Verwirrung beim Feind und vertrieben ihn aus den Stellungen."

Wallenstein hatte reichlich Truppen, aber wie jeder Feldherr nur wenige Regimenter, die für solche Sturmangriffe mit hoher Todesrate taugten. Und auch deren Gehorsam und Disziplin war nicht grenzenlos. Aber noch größer waren die Sorgen der Bürger: Stralsund drohte mit „stürmender Hand" eingenommen zu werden, mit Gemetzel und totaler Plünderung also. Daher teilte der Rat am 29. Juni Wallenstein mit, er sei zu Verhandlungen bereit. Offenbar ohne die Militärs zu fragen. Nach Monros Bericht, ging die Initiative von Wallenstein aus.

WAFFENSTILLSTAND

„Der Feind schickte einen Trompeter, um zu erfahren, ob über Bedingungen verhandelt werden könnte. Auf der Stelle wurden Bürgen gestellt und ein 14tägiger Waffenstillstand beschlossen und mit der Beratung der Friedensartikel begonnen."

SCHWEDEN LÖST DÄNEMARK AB

„Als ein schottisches Regiment mit Proviant, Geld und Munition eintraf, wurde der Vertrag zurückgewiesen und unwirksam. Zu dieser Zeit wurde auch Sir Alexander Lesly, ein erfahrener und tapferer schottischer Kommandeur, mit schwedischen Truppen geschickt, um die Stadt zu regieren. Seine Majestät von Schweden und die von Dänemark hatten nämlich vereinbart, dass die schwedischen Streitkräfte den Schutz von Stralsund übernehmen sollten. Den Oberbefehl hatte dann Sir Alexander Lesly als Gouverneur Seiner Majestät von Schweden."

AUS DER OSTSEETRAUM

Monro begab sich nach Kopenhagen, um sich operieren zu lassen. Wallenstein verließ nach mehreren vergeblichen, weil ohne besonderen Elan vorgetragenen Angriffen die Stätte seines ersten Misserfolgs. Ein paar hundert kampferprobte Schotten hatten seine Pläne zunichte gemacht. Einige Tage später, am 21. Juli 1628, ließ Armin die letzten Stellungen räumen. Stralsund blieb bis 1814 unter schwedischer Herrschaft.

CHRISTIAN VERLIERT EINE WEITERE ARMEE

Monro erfährt später von seinen Kameraden, wie sie den dänischen König in Wolgast vor der Gefangenschaft bewahrten.

„Der König in Dänemark landete mit Infanterie und Reiterei in Wolgast, um Pommern gegen den Kaiser zu schützen. Der Feind griff Seine Majestät heftig an und hatte 14 Ordonanzstücke aufgefahren. Er feuerte damit auf die Schlachtreihen des Königs, die dem Feind keinen Widerstand leisten konnten. Der König eilte völlig fassungslos nach Wolgast zurück. Er hatte, ohne gekämpft zu haben, den größten Teil seiner Armee verloren."

ER KOMMT ZWAR SELBST KNAPP DAVON

„Als er sah, dass der Feind heftig nachrückte, fürchtete er sehr, gefangen zu werden. Deshalb gab er Hauptmann Mackenyee das Kommando über alle Schotten und andere Truppenteile und befahl, mit dem Feind vor den Toren solange zu scharmützeln, bis sich Seine Majestät zurückgezogen hätte. Dann sollte er sich über die Brücke absetzen und sie in Brand stecken, was der Hauptmann ordnungsgemäß ausführte."

ABER JETZT REICHT ES IHM

„Mit dem König fuhren sie nach Dänemark zurück, wo sie gemustert wurden."

Das heißt, sie wurden ausgezahlt und entlassen. König Christian hatte endgültig genug von diesem Krieg. Die Schotten nicht. Sie unterschrieben beim schwedischen König Gustav Adolf.
Siehe auch
Kreuzzüge und
Propaganda
Mythos
Kolumbus
In Sachen
Jesus Christus