Muss Ostern abgesagt werden? Expertenteam findet keine Beweise für die Auferstehung Jesu
Auferstehung von den Toten
Jesus historisch? Der Reiseplan Jesu laut NT Auferstehung Betrug?
FROHE BOTSCHAFT NICHT IN DEN EVANGELIEN

Warum freuten sich schon die ersten Christen an Ostern? Weil gezeigt wurde, dass die Wiederkehr von den Toten funktioniert. Der Lehre nach klappt es bei Irdischen zwar nicht schon nach drei Tagen, sondern erst am Weltende, und zunächst auch nur, um vor Gericht erscheinen zu können. Nicht ohne Risiko, aber besser als immer nur tot sein. Nun behaupten aber die Autoren der vier Evangelien, Jesus sei aus eigener Kraft auferstanden. Für einen Gottessohn kein Problem, aber der Mensch, wie soll er das anstellen, in all seiner Schwachheit? Genau betracht ist die Perspektive Auferstehung also nur bedingt werbewirksam und die konkurrierende Kulte hatten auf diesem Sektor auch einiges anzubieten. Für Abhilfe sorgten Schriften, die als Paulinische Briefe an frühchristliche Gemeinden in das Neue Testament aufgenommen wurden. Sie nähren die Hoffnung auf Beistand in dieser schweren Stunde. Bei der Beschreibung des Vorgangs ist überwiegend davon die Rede, dass Jesus auferweckt wurde, und zwar von Gott. Im Brief an die Römer 6,4 - 8,11 - 10,9 wird auch gleich klar, warum.

Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben ... er, der Christus von den Toten auferweckt hat, wird auch euren sterblichen Leib lebendig machen ... Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden.

Ähnlich in Briefen an andere Gemeinden. Etwa 1. Brief an die Korinther 6,14: ... er wird durch seine Macht auch euch auferwecken Bei einer Werbung mit dieser zentralen Botschaft konnte der Erfolg nicht ausbleiben. Der Vorgang selbst wird in den Briefen nicht näher beschrieben, das geschieht nur in den Evangelien. Ob er wirklich stattgefunden hat, also historisch ist, ist gelegentlich schon untersucht worden, aber noch nie so gründlich wie jetzt.

WIE GLAUBHAFT SIND DIE ZEUGNISSE?

Ein ökumenischer Freundeskreis kritischer Theologen hat die Evangelien neu gesichtet und bewertet. Ihr Gutachten ist mehr als 800 Seiten lang und für Laien praktisch unlesbar. Daher, und weil sie den Verlust ihrer kirchlichen Arbeitstelle befürchten, haben die Verfasser mich gebeten, eine Zusammenfassung herzustellen. Mit der Lesbarkeit ist es bei dieser Materie so eine Sache, aber kürzer ist das Traktat jetzt immerhin doch. Zwei Probleme stehen im Vordergrund der Recherche: Wie glaubhaft sind die Zeugen der Auferstehung und wo ist der Bezirk, in dem die Seele Jesu drei Tage verweilte und normal Verblichene bis zum Jüngsten Gericht ausharren müssen. Betreffend der Lokalisierung und Beschaffenheit der Zwischenstätte verweigern die Kirchen bis heute konkrete Aussagen. Beide Probleme bestehen seit ca. 2000 Jahren. Genauer, schon die Autoren des Neuen Testaments mussten sich damit herumschlagen. Warum? Sie waren selbst keine Augenzeugen, und vorübergehend tot auch nicht. Sie geben ihre Informanten nicht preis, wir wissen also nicht, woher sie wissen, was sie aufgeschrieben haben. Über die Autoren der Evangelien wissen wir auch nichts.

DAS NEUE TESTAMENT - ABWEICHENDE VERSIONEN - PLAGIATE

Den Ablauf der Handlung gibt der Evangelist Markus (Mk) vor, Matthäus (Mt) und Lukas (Lk) übernehmen seinen Text weitgehend fast wörtlich und fügen eigene Texte hinzu. Johannes (Jh) kommt mit weniger Anleihen aus, er hat die größten literarischen Ambitionen. Da sie ihre Hauptquelle nicht nennen, handelt es sich bei ihren Arbeiten um Plagiate. Markus konnte sich offensichtlich den von Gott Gesandten nicht in vollgekackten Windeln vorstellen: Über die Zeugung Jesu und dessen Geburt lässt er sich einfach nicht aus. Matthäus und Lukas fügen mit Abweichungen die Geistzeugung und die Geburt hinzu, Mathäus zudem die Bergpredigt. Die Berichte über die Grablegung und die Entdeckung des leeren Grabes stimmen da überein, wo die anderen bei Markus abschreiben. Sie fügen aber Details hinzu, und war ebenfalls ohne ihre Quellen preiszugeben.

ÜBEREINSTIMMUNG: JÜNGER FEHLEN BEI DER BEERDIGUNG

Mk15,42-47: Am Freitag, nach der Hinrichtung, als es schon Abend wurde begibt sich gewisser Josef aus Arimathäa zu Pilatus und bittet diesen, den Leichnam Jesu herauszugeben. Der Römer ruft einen Hauptmann, der das Ableben des Gekreuzigten bestätigt. Pilatus stimmt zu. Weiter:

Josef kaufte ein Leichentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.

Diesen Text übernehmen mit kleinen Abweichungen auch die anderen Weiter Markus: Maria aus Magdala aber und Maria, die Mutter des Joses beobachteten, wohin der Leichnam gelegt wurde. In keiner Version kümmern sich die Jünger um die Leiche oder nehmen wenigstens an der Beerdigung Teil. Eine auch nicht sehr schöne Erklärung wäre diese: Laut Markus, Mathäus und Lukas hat Jesus den Jüngern mehrfach erzählt, er werde getötet werden und am dritten Tag wieder auferstehen. Mk8,31 - Mt16,21 - Lk9,22 etc. Wenn er nur ein bis zwei Tage weg ist, so die naheliegende Überlegung, warum groß salben und trauern? Abweichungen gibt es bei der Anzahl und den Namen der Frauen. Bei Johannes kümmern sich zwei Männer um den Leichnam Jesu, dafür sind keine Frauen anwesend. Insgesamt ist die Darstellung der Grablegung aber ohne Glaubensbemühung nachvollziehbar. Die Erzählungen von der Auferstehung sind diesbezüglich anstrengender. Kein Wunder, dass nicht alle mitmachten.

FRÜHE ZWEIFEL AN DER WIEDERBELEBUNG

In seiner Schrift Wahres Wort warf der griechische Philosoph Kelsos um 178 nach Christus den Christen vor, Jesus sei ein Betrüger und die Auferstehung hätten die Anhänger erfunden. Er kennt die Evangelien und fragt die Christen: Wer hat dies gesehen? Und antwortet selbst: Ein halbrasendes Weib , wie ihr sagt ... und vielleicht noch ein anderer von derselben Gaunerbande. Origines, Contra Celsus II,59. Selbst Christusgläubige hielten nichts von der Auferstehung. Der Kirchenhistoriker Hegesippus zählt in KG II,23 Anfang des 2. Jahrhunderts mehrere Sekten auf, die sich in der Gefolgschaft Jesu sahen, aber nicht an die Auferstehung glaubten. Weiter: Einige wurden für den Glauben gewonnen, dass Jesus der Messias sei. Die erwähnten Sekten glaubten aber weder an die Auferstehung, noch an die Vergeltung.

DER SONNTAG - JÜNGER VESCHLAFEN AUCH AUFERSTEHUNG

Über den Tag nach der Hinrichtung, sind sich die Autoren noch einig, da tut sich nichts am Grab, weil am Sabbat niemand was tun darf. Über das, was im Grab geschah, lassen uns die Autoren im Dunklen. Woher sollten sie auch wissen, um wie viel Uhr etwa Jesu wieder zu sich kam. Was er sagte, ob er Hunger hatte, oder Durst? Wie er auf den Stein vor der Höhle reagierte? Das waren ja alles Sachen, die nur Jesus allein wissen konnte und niemand etwas angingen. Nächster Tag, Markus: Am Sonntag (jüdischer Werktag) kommen nur Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome in aller Frühe zum Grab, um den Leichnam zu salben. Also keine Verwandten oder Jünger. Die Frauen sehen zu ihrer Erleichterung, dass der große Stein war schon weggewälzt war. Sie gehen in das Grab und sehen ein männliches Wesen, der Beschreibung nach ein Engel. Der sagt zu den Frauen: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Und weist er sie an, den Jüngern auszurichten, Jesus reise nach Galiläa, wo man sich treffen werde. Dann verließen sie das Grab und flohen ... denn sie fürchteten sich. So endet das Evangelium des Markus. Lukas lässt auftreten: Maria Magdalene, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus und Johanna und Frauen, die bei ihnen waren. Sie treffen nicht einen, sondern gleich zwei Engel an und die sagen: Was sucht ihr die Lebenden unter den Toten. Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden. Die informierten Apostel halten den Bericht der Frauen für Geschwätz. Nur Petrus schaut kurz nach und entfernt sich wieder. Lk24,1-12.

JOHANNES HAT AUFGEPASST

Die Autoren der Evangelien sind sich also einig: Die Jünger sind in Jerusalem, gehen aber nicht zur Beerdigung ihres Anführers. Schlimmer noch. Laut Markus, Mathäus und Lukas wissen die Jünger Jesu; er werde am dritten Tag wieder auferstehen. Trotzdem begeben sich ihre Apostel auch am dritten Tag nicht von sich aus zur Grabstätte. Ein Skandal, den die christliche Lehre nicht thematisiert. Nur der Evangelist Johannes hat etwas gemerkt und einen Ausweg gefunden. Er lässt nur eine Frau auftreten. Seine Maria von Magdala war bei der Beerdigung nicht anwesend, aber sie findet das Grab, und zwar als es noch dunkel war. Trotzdem sieht sie: Der Stein ist weg, Jesus ist weg. Sie ist völlig von der Rolle, weil auch kein Engel da ist, der sie in Bild setzt. Sie informiert Petrus, der mit einem zweiten Jünger herbeieilt und sich wieder mit ihm entfernt. Jetzt erklärt Johannes das Nichterscheinen der Jünger:

... sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Jh20,9.

Sein Jesus hatte den Jüngern tatsächlich nicht mitgeteilt, dass er vorhabe, nach seinem Tode aufzuerstehen. Damit wäre wenigsten das Fernbleibleiben der Jünger am Sonntag erklärt. Um so skandalöser erscheint dann aber ihr Fernbleiben bei der Beerdigung. Aus ihrer Sicht war das die letzte Gelegenheit, von ihrem geliebten Meister Abschied zu nehmen. Gravierender: Wenn Johannes richtig liegt, muss sich die Christenheit mit der Frage abquälen, wieso sich die anderen Evangelisten sich so fundamental irren konnten. Und schlimmer noch: Was haben die Jünger noch aus der Schrift erfahren, und nicht vor Jesus selbst? Etwa dass Petrus - und zwar nur laut Mathäus - der Fels sein solle, auf dem er seine Kirche zu errichten gedenke?

DIALOGE AM GRAB

Zurück zur Version von Johannes. Die beiden Jünger enteilen, Maria bleibt weinend zurück. Jetzt entdeckt sie zwei Engel im Grab. Die aber äußern sich nicht zum Verschwinden der Leiche, sondern fragen die Frau aus. Warum weinest du. Sie antwortet: Man hat mir meinen Herrn weggenommen, ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Die Engel verraten (wissen?) es nicht. Sie wandte sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagt auch nicht, wo Jesus sei, sondern stellt auch eine Frage: Warum weinest du? Maria hält den Mann für den Gärtner und fragt ihn: Wo hast du ihn hingelegt. Nun sagt Jesus: Maria, und offensichtlich so, dass sie ihn an der Stimme erkennt. Sie sagt darauf auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni, das heißt Meister. Jh20,13-16.

TÄTIGER ENGEL

Markus und Lukas und Johannes gehen der Frage nicht nach, wer den Stein vor der Höhle weggewälzt haben könnte. Und zwar mit Bedacht, damit man nicht denkt, Jesus war es selbst und überhaupt nicht richtig tot. Matthäus glaubt das Problem lösen zu können - und zu müssen. Er reagiert damit offensichtlich auf die von Heiden kolportierte Erzählung, Jesus sei nur scheintot gewesen. Laut
Matthäus befürchten die Pharisäer und Hohenpriester eine betrügerische Auferstehung (zwecks Werbung für die Sekte?). Sie veranlassen eine Bewachung des Grabes durch die Römer. Der Evangelist lässt nur zwei Frauen am Grab auftauchen: Maria aus Magdala und die andere Maria kommen, um nach dem Grab zu sehen. Ein Erdbeben tritt ein, die Wächter fallen in Ohmacht,

... denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab ... wälzte den Stein weg und setzte sich darauf ... und sagte zu den Frauen ... ich weiß, ihr sucht Jesus ... er ist nicht hier, denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.

Auf dem Rückweg kommt Jesus den Frauen entgegen und sagt: Fürchtet Euch nicht. Und fordert die Frauen auf, den Brüdern von seiner Reise nach Galiläa zu berichten. Sie eilten voll Freude und Furcht zu den Jüngern. Mt28,1-8

AUSSAGEN BELASTBAR?

Nun wissen wir, wen die Evangelisten am und im leeren Grab auftreten lassen und zum Geschehen befragt werden könnten:


Mk: Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome, ein Engel
Mt: Maria aus Magdala und die andere Maria, mehrere Wächter, ein Engel, Jesus (begegnet den Frauen auf dem Rückweg).
Lk: Maria Magdalene, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus und die übrigen Frauen, ein Jünger, zwei Engel
Jh: Maria aus Magdala,, Petrus und ein Jünger, zwei Engel, Jesus

Juristisch und ermittlungstechnisch gesehen: Augenzeugen für eine Auferstehung waren allenfalls die Engel und Jesus selbst, sie sind aber allesamt befangen und außerdem nicht vorladbar. Und die Menschen? Die Wächter des Matthäus waren Römer und als solche sicher unbefangen. Sofern sie nicht geschlafen haben, könnten sie gesehen haben, wie sich der Stein bewegte. Die Krux ist nur: Laut eben diesem Mathäus liegt der Stein noch vor dem Grab, als die Frauen ankommen, während der Engel noch im Anflug ist. Das wirft folgende Fragen auf:
1.Wartet der Auferstandene im Grab, bis jemand den Stein entfernt?
2.Hat er den Stein selbst weggeräumt und das Grab nach Verlassen wieder geschlossen?
3.Er ist durch den Felsbrocken hindurch entwichen.

Punkt drei können wir streichen. Das ginge, kollisionsfrei, nur mit einem Astralleib, was aber dem kirchlichen Dogma widerspricht, nach dem Jesus mit seinem irdischen Körper auferstanden sei. Befragung der Frauen: Sie könnten
nur bezeugen, dass das Grab leer war. Selbst wenn man ihnen glaubt, sie hätten Visionen gehabt, ist das, was ihnen dabei erzählt wurde, kein Beweis dafür, dass Jesus das Grab lebendig verlassen habe.

WIE STEHT JESUS AUF - WAS HAT ER AN - SCHEINTOT?

Die Berichte lassen sich gewichtet in etwa so auslegen: Am Sonntag Morgen ist Jesus wieder bei sich. Er wickelt sich aus dem Leichentuch - welches die Frauen und Jünger im Grab gesehen haben - entfernt die Salbungsspuren und steht auf. Wie steht er auf? Nackt. Mk15,24: Dann kreuzigten sie ihn. Sie warfen das Los und verteilten seine Kleider unter sich. Die anderen übernehmen den Text. Johannes fügt hinzu: Auch sein Unterhemd. Demnach wäre er den Frauen nackt begegnet, vor Kälte zitternd, weil es an Ostern im hochgelegenen Jerusalem noch ziemlich kalt ist. Was passiert denn in solchen Fällen? Die Frauen halten sich die Hände vor die Augen und schreien, er müsse sich sofort etwas Warmes anziehen und eilen zwecks Besorgung nach Hause. Folgt man aber unseren Autoren, dann gab es bei den Frauen in dieser Hinsicht keinerlei Reaktionen. Die Theologen gehen stillschweigend von der Annahme aus, er habe etwas angehabt, schon der Scham wegen. Das ist natürliche reine Spekulation, aber hier kommt man ohne nicht weiter. Also gut, er hatte etwas an, aber woher hatte er es? Laut NT konnte Jesus zwar Brot und Wein herstellen, von Textilien aber ist keine Rede. Also hat ihm jemand geholfen. Wenn die Frauen es nicht waren, kommt nur Beistand von höherer Seite in Frage, also Engel. Sie reißen den Römerknechten die Kleider vom Leibe, die sie Jesus bei der Kreuzigung geklaut hatten, und legen sie gewaschen und gebügelt neben dem Entseelten ins Grab. Erfreulicher Nebeneffekt: Die heidnischen Kerle verfügten nicht mehr über eine Reliquie, die das Potential für eine gigantische Wertssteigerung in sich barg. Schöne Theorie, aber Geschichtsschreibung sieht anders aus. Bleibt nur eine Möglichkeit, sofern Jesus den Frauen nicht nackt entgegentreten wollte: Der Grableger Josef aus Arimathäa hat vorsorglich ein schickliches Gewandt neben dem Körper deponiert. Aber warum? Weil Jesus ihn vor Verhaftung darum gebeten hat? Dann einen Deal mit den Henkern einging: Ich gebe euch meine Kleider und ihr meldet, ich sei tot, während ich noch lebe und dann kommt jemand und holt mich ab. Diese Spur lässt sich leider nicht weiter verfolgen, weil der einzig überlebende Zeuge sich in Schweigen hüllt.

LEICHE MIT KLEIDERN ENTWENDET? - VERWSCHÖRUNG?

Wie schon erwähnt, kursierten schon früh Erzählungen, es sei Betrug im Spiel gewesen. Matthäus sah sich offensichtlich genötigt, auf den Vorwurf einzugehen. Sein Problem: Er muss ihn zur Sprache und bringen riskiert dabei, schlafende Hunde zu wecken. Er löst es, in dem er ausgerechnet die Hohenpriester und Pharisäer den Plan für eine Verschwörung aufdecken lässt:

Sie ... gingen zu Pilatus und sagten: Herr, es viel uns ein, dass dieser Betrüger als er noch lebte, behauptet hat: Ich werde nach drei Tagen auferstehen. Gib also Befehl, dass das Grab bis zum dritten Tag bewacht wird. Sonst könnten seine Jünger kommen und ihn stehlen und dem Volk sagen: Er ist wieder auferstanden. Und dieser Betrug wäre schlimmer als alles zuvor. Mt27,62-64

Klingt irgendwie einleuchtend. Mathäus hat aber dafür gesorgt, dass seine Leser die angesprochenen Personen für ein verlogenes Pack hält. Sein Jesus beschimpft sie mit den Worten:

Ihr Heuchler ... ihr blinde Narren ... ihr Söhne der Prophetenmörder ... ihr Nattern und Schlangenbrut. Mt13,13

Eine solche Schmähkritik kann nicht der Wahrheitsfindung dienen. In solchen Fällen gilt die Regel: Kehrt man die Aussage um, wird ein Stiefel draus. Hier: die Hohenpriester und Pharisäer sagen die Wahrheit. Dann hätten Jünger die Leiche tatsächlich beiseite geschafft. Folgerichtig müssten die Evangelisten, allesamt um die Glaubhaftmachung der Auferstehung bemüht, jeden dahingehenden Verdacht ausräumen. Das tun sie, in dem sie die Jünger aus dem Geschehen am Grab gänzlich heraushalten. Übrigens das einzige plausible Grund, sie nicht dort erscheinen zu lassen.

WELCHE MOTIVE KÖNNTEN DIE JÜNGER BEWEGT HABEN

Ohne Erzählung von einer Auferstehung hatte die Sekte keine Perspektive, neue Anhänger zu gewinnen und das Spendenaufkommen zu erhöhen. Petrus war darauf aus, der erste Bischof von Rom zu werden. Es stand also viel auf dem Spiel. Angenommen, Jesus hätte ihnen tatsächlich versprochen, das Grab lebend zu verlassen: Konnten sie ihm trauen? Also gehen auf Nummer sicher, folgen heimlich dem Bestatter und wälzen den Stein weg. Kleider haben sie vorsorglich mitgebracht. Fall a.) Jesus war nur scheintot, er zieht sich an, man begibt sich von dannen, Jesus bekommt eine neue Identität und wird irgendwo im Ausland Bischof. Fall b.) Jesus liegt wie tot da, sie warten bis Sonntag in der Frühe, Jesus ist immer noch tot, sie beseitigen die Leiche. Dann erfinden sie die Geschichte mit den Engeln, weil diese im hohen Grade als glaubwürdig gelten, und diese wird schließlich von den Evangelisten kolportiert.

TROST

Die Gutachter betonen, sie wollten niemanden davon abhalten, den Engeln zu trauen und beim Glauben an eine Auferstehung Trost zu finden. Aber auch andere haben ein Recht, geröstet zu werden. Nämlich alle, die das Grauen packt beim Gedanken, sich irgendwann mit Milliarden anderer Auferstandener zwecks Aburteilung in einem Gerichtsaal einfinden müssen. Wohlmöglich nackt, denn wo sollte Gott und alle Heiligen im Himmel auf die schnelle so viele Kleider herkriegen? Da wäre mindestens ein weiterer Schöpfungstag fällig.

Protokoll: Peter Milger
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